{"id":22072,"date":"2023-07-13T15:21:00","date_gmt":"2023-07-13T13:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18189-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:21:02","modified_gmt":"2023-07-13T13:21:02","slug":"18189-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18189-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an der sp\u00e4tmittelalterlichen Kalvarienberg-Gruppe St. Georg aus Bronze und Eisen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die rund 500 Jahre ununterbrochene freir\u00e4umliche Aufstellung der sp\u00e4tmittelalterlichen Kalvarienberg-Gruppe aus dem Hamburger Stadtteil St. Georg ist von herausragender Bedeutung. Ein freistehendes Skulpturen-Kunstwerk aus Bronze, Eisen und Naturstein, das ins 15.Jahrhundert gestellt wird, soll erhalten und der \u00d6ffentlichkeit in seinem Gesamtzusammenhang pr\u00e4sentiert werden. Das vorgeschlagene Restaurierungskonzept wurde durch grundlegenden naturwissenschaftlichen und gusstechnischen Un-tersuchungen der Originalmaterialien \u00fcberpr\u00fcft. Die Untersuchungsergebnisse stellten die Basis f\u00fcr ein ge\u00e4ndertes Konservierungskonzept dar, das in eine ganzheitliche Restaurierung modellhaften Charakters umgesetzt wurde.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie g\u00e4ngigen Untersuchungsmethoden von historisch wertvollen Bronze-Skulpturen beziehen die Analyse des Originalmaterials, der Krusten und der Patina ein (Mach, 1999 und Riederer, 1993). Die naturwissenschaftlichen Analysen der Originalmaterialien konnten in Kooperation mit den Partnern aus dem Umfeld des ZMK erfolgen: Die R\u00f6ntgenaufnahmen aller Figuren und die CT-Aufnahme des Christus-Corpus wurde von der Bundesanstalt f\u00fcr Materialforschung und -pr\u00fcfung (BAM) Berlin durchgef\u00fchrt. Das Doerner-Institut, M\u00fcnchen, analysierte die \u00dcberz\u00fcge. Die Analysen der Originalbronzen erfolgte durch das Rathgen-Forschungslabor, Berlin, mit dem AAS  und mittels R\u00f6ntgendiffraktometrie durch die Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, die die Bestimmung der Spurenelemente im Originalmaterial  mit ICP analysierte. Der Analyse eines Gu\u00dfkerns sowie der  Krusten und Patina und die Kl\u00e4rung der Frage, ob einige oder alle Skulpturen einfach oder mehrfach gefasst waren, wurde durch das Institut f\u00fcr Bauphysik und Bauchemie (IBB), Hamburg, mit dem Einsatz von  EDX und REM nachgegangen. F\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Reinigung wurden von der freien Restauratorin Frau Fendel, Gehrden bei Hannover,Testfl\u00e4chen am Original und auf Probematerialien angelegt. Verschiedene Reinigungsmethoden kamen zum Einsatz. Bewertungsgrundlagen waren die Putzeigenschaften, der pH-Wert und oberfl\u00e4chliche Fettablagerungen. Nach Inaugenscheinnahme legten  Beirat und die Mitglieder der Projektgruppe das Reinigungsverfahren fest.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass zur Herstellung der Skulpturen eine Legierung verwendet wurde, die im Mittelalter in Deutschland zum Guss von Skulpturen und Ger\u00e4ten nicht \u00fcblich war, da es sich um eine reine, zinkfreie Zinn &#8211; Bleibronze handelt, w\u00e4hrend im Mittelalter Messinge wesentlich h\u00e4ufiger Verwendung fanden. Die zum Guss der Kalvarienberg-Figuren verwendete Legierung ist sehr homogen, mit Ausnahme der Probe vom rechten Arm der Marien-Figur, die besonders zinn- und bleireich ist. Deutlich l\u00e4sst sich erkennen, dass zum Guss der einzelnen Teile getrennt erschmolzene Bronzen verwendet wurden.<br \/>\nDie Konzentration der Spurenelemente zeichnet einen sehr einheitlichen Materialtyp aus, der durch besonders hohe Gehalte an Nickel, Silber, Antimon und Arsen charakterisiert ist. Kupferlegierungen mit \u00e4hnlich hohen Spurenelemetkonzentrationen waren im Mittelalter weit verbreitet. Es handelt sich nach RIEDERER, 1999 um ein Material der relativ objektreichen Gruppe IV F. In dieser Gruppe finden sich zahlreiche Messingger\u00e4te, die bisher in relativ gro\u00dfer Anzahl untersucht wurden (RIEDERER, 2000 und WERNER, 1977), aber nur wenig Bronzen, etwa Grapen und M\u00f6rser, bei denen dieser Metalltyp weit verbreitet ist (RIEDERER, 1988 und 1993), der sich aber ebenfalls bei Taufbecken, Glocken und Bronzeepithaphien findet.<br \/>\nAlle Patina-Typen passen zu den vorliegenden Legierungen. Es gibt keine abnormen oder auff\u00e4lligen Besonderheiten.Eine Bleiwei\u00dfpigmentierung, die als ehemalige Farbfassung diskutiert wurde, wurde nicht nachgewiesen.Testreinigung: Die Reinigungsversuche mit dem dampfregulierten Mikrostrahlverfahren wurden als unbefriedigend bewertet.<br \/>\nAbfolge der angewandten Reinigungsmethoden und Reparaturen bei den Bronzen:<br \/>\n&#8211;\tReinigung mit Druckluft; Behandlung mit S + S Neutralseife (8%-ige Konzentration mit aqua dest.) unter Einsatz weicher B\u00fcrsten und Zusatz von organischen Komplexbildnern (1% Zitratzusatz) bei einem kontrollierten pH-Wert von 6 und 15 Minuten Einwirkzeit;<br \/>\n&#8211;\tAbnahme der gel\u00f6sten Verschmutzungen mit Hilfe eine Baumwolltuches; je nach Verschmutzungsgrad wurde dieser Vorgang mehrfach wiederholt; mechanische Entfernung von Ru\u00df- und Sinterkrusten mit Elfenbeinst\u00e4bchen, Stachelschweinborsten und Retouchierb\u00fcrsten; teilweise wurden Korrosionsprodukte mit Dreikantschabern und Zirkularb\u00fcrsten ausged\u00fcnnt;<br \/>\n&#8211;\tSalzentfernung mit aqua dest.;<br \/>\n&#8211;\tNiederlegung der Reparaturbleche im Bereich des Schl\u00fcsselbeines des Guten Sch\u00e4chers mit Flach- und Kettenzangen. Die Zangenbacken wurden hierzu mit Lederstreifen belegt;<br \/>\nAbfolge der angewandten Methoden bei den Eisenoberfl\u00e4chen:<br \/>\nEine gesonderte Reinigung erforderten die gr\u00fcn gefassten schmiedeeisernen Aufst\u00e4nderungen, die als Kreuzstamm bei beiden Figuren, der des Guten und der des B\u00f6sen Sch\u00e4chers, dienen sowie die beiden geschmiedeten Verlaschungen an der Vorder- und R\u00fcckseite des Christus-Kreuzes:<br \/>\n&#8211;\tTeilweise Entfernung der gleichm\u00e4\u00dfigen Eisenoxidauflagerungen mittels rotierender Zirkularb\u00fcrsten;<br \/>\n&#8211;\tungleichm\u00e4\u00dfige Fl\u00e4chekorrosion wurde mit Diamant- und korundgebundenen Schleifk\u00f6rpern behandelt;<br \/>\n&#8211;\tReinigung mit Druckluft; Entfettung mit Aceton; Ausgleich der optischen Unterschiede auf Grund korrodierter Eisenoberfl\u00e4chen mit Tannin;<br \/>\nDie Konservierung der Kalvarienberg-Figuren erfolgte mit mikrokristallinem Wachs (Cosmoloid H 80). Das Produkt stammt aus der dem technischen Korrosionsschutz. In hochreiner Form erf\u00fcllt es die Anspr\u00fcche zur Konservierung der Bronzeoberfl\u00e4chen. Es ist ein farbloses, s\u00e4urefreies Wachs, das nicht mit Kupfer reagiert und reversibel ist. Es wurde auf die angew\u00e4rmten Bronzefl\u00e4chen aufgetragen und mit Hilfe eines Hei\u00dfluftf\u00f6ns bei Temperaturen zwischen 70 bis 90 \u00ba C eingeschmolzen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Eine Ausstellung, die den kunsthistorischen Kontext, die Ergebnisse des DBU-F\u00f6rderprojektes und die Vorbereitung sowie die Durchf\u00fchrung des Nachgusses f\u00fcr eine breites Publikum verst\u00e4ndlich aufbereitet, ist vom 09.04.2004 bis Juni 2004 in der Dreieinigkeitskirche im Stadtteil St. Georg in Hamburg f\u00fcr alle Interessierten zu sehen.<br \/>\nAn der FH-Potsdam, Studiengang Restaurierung wird durch das ZMK im Rahmen einer Vortragsreihe am 11.05.2004,  Beginn 18.00 h das Projekt den Studierenden und den Lehrenden vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Dem vor der Antragstellung erdachten Restaurierungs- und Konservierungskonzept wurde durch die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Untersuchungen zur Materialkunde widersprochen.<br \/>\nZur Ausf\u00fchrung kam die mit dem Projektbeirat und der Projektgruppe entwickelte Restaurierungs- und Konservierungsma\u00dfnahme, die eine schonende, weniger modellhaft als gebr\u00e4uchliche Restaurierungsmethodik darstellt. Die Entscheidung f\u00fcr diese Art der Vorgehensweise liegt in den Untersuchungsergebnissen begr\u00fcndet und in der Achtung vor dem Objekt, dessen 500 Jahre alten originalen Oberfl\u00e4chen so erhalten werden konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die rund 500 Jahre ununterbrochene freir\u00e4umliche Aufstellung der sp\u00e4tmittelalterlichen Kalvarienberg-Gruppe aus dem Hamburger Stadtteil St. Georg ist von herausragender Bedeutung. Ein freistehendes Skulpturen-Kunstwerk aus Bronze, Eisen und Naturstein, das ins 15.Jahrhundert gestellt wird, soll erhalten und der \u00d6ffentlichkeit in seinem Gesamtzusammenhang pr\u00e4sentiert werden. Das vorgeschlagene Restaurierungskonzept wurde durch grundlegenden naturwissenschaftlichen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[61,2425,53],"class_list":["post-22072","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-hamburg","tag-kulturgueter","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"18189\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-18189.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"71.222,96","dbu_projektdatenbank_firma":"Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Georg","dbu_projektdatenbank_strasse":"St. Georgs Kirchhof 19","dbu_projektdatenbank_plz_str":"20099","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Hamburg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2001-02-22 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2004-05-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre und 3 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"040\/243284","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Hamburg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"60","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22072\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35075,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/22072\/revisions\/35075"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}