{"id":21995,"date":"2023-07-30T10:32:01","date_gmt":"2023-07-30T08:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18049-01\/"},"modified":"2023-07-30T10:32:04","modified_gmt":"2023-07-30T08:32:04","slug":"18049-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18049-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entwicklung zerst\u00f6rungsfreier Untersuchungsroutinen und verbesserter Konservierungskonzepte f\u00fcr die national bedeutsamen und umweltgesch\u00e4digten Wandmalereien der Renaissancekapelle auf der Burg Grafenstein (Tschechien)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Burg Grabstejn: Gr\u00fcndung im 14.Jhdt., um 1569 Dekoration der gotischen Burgkapelle (Barbarakapelle, 1 Schiff, 4 Joche, Emporen) mit vollfl\u00e4chigen Wand- und Gew\u00f6lbemalereien (Passionsszenen, Aposteldarstellungen, Arabesken usw.); einer der wertvollsten Renaissancer\u00e4ume in B\u00f6hmen. Mehrere vergangene Restaurierungen mit \u00dcbermalungen und filmbildenden, vollfl\u00e4chigen Kunstharz\u00fcberz\u00fcgen gef\u00e4hrden den Bestand. Ziel des Projektes: Entwicklung geeigneter Technologien zur Entfernung von Kunstharz\u00fcberz\u00fcgen auf Wandmalereien und zerst\u00f6rungsfreie Diagnose mittels IR-Reflektografie.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFotografische Bestandsaufnahme: Analog- und Digitalfotografie der gesamten Raumausmalung, CAD-Modell (Programm ARCHI-CAD) und Bildplanerzeugung<br \/>\nRestauratorische Bestandsaufnahme: Bestands- und Schadenskartierung, Untersuchung der \u00dcbermalungen mittels Infrarotreflektografie<br \/>\nObjektuntersuchung: Materialkundliche und feuchtetechnische Bestandserfassung; chemisch-technologische Untersuchung des Putz- und Malereibestandes; bauchemische und feuchtetechnische Untersuchung des Mauerwerks; Messung des Innen-, Au\u00dfen- und Nahfeldklimas<br \/>\nLaboruntersuchung: Pr\u00fcfk\u00f6rperherstellung und -beschichtung f\u00fcr Vorversuche zur Acrylatentfernung; k\u00fcnstliche Alterung Pr\u00fcfk\u00f6rper; Rezepturentwicklung zur Acrylatentfernung an Pr\u00fcfk\u00f6rpern<br \/>\nMusterfl\u00e4chen: Erprobung Rezepturentwicklung Acrylatausd\u00fcnnung, Objektanpassung RezepturTeilkonservierung: Exemplarische Umsetzung Ma\u00dfnahmekonzept<br \/>\nNaturwissenschaftliche Begleituntersuchungen Teilkonservierung: analytische Bewertung der Teilma\u00dfnahmen Acrylatentfernung und Kompressenentsalzung (w-Wert-Messungen, Licht- und Elektronenmikroskopie, Salztiefenprofile uam.)<br \/>\nMa\u00dfnahmedokumentation: Ma\u00dfnahmekartierung und -beschreibung, Konservierungsempfehlungen<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zustand Wandmalerei und Tr\u00e4ger<br \/>\nAusgehend von einer Gesamtmalereifl\u00e4che von 480 m 2 und detaillierter Schadenskartierung ergeben sich folgende Schadbildanteile:<br \/>\nSchadbild\t                                                  Fl\u00e4chenanteil [%]\tFl\u00e4che absolut [m 2]<br \/>\n\u00a7\tKonstruktionsbedingte Risse\t            0,2\t                       1<br \/>\n\u00a7\tPutzrisse\t                                                    0,5\t                       2,5<br \/>\n\u00a7\tAbl\u00f6sung und Hohlraumbildung\t            0,4\t                       2<br \/>\n\u00a7\tFehlstellen bis auf den Tr\u00e4ger\t            2\t                     10<br \/>\n\u00a7\tPutzerg\u00e4nzungen\t                                      1\t                       5<br \/>\n\u00a7\tSalzsch\u00e4den\t                                             1\t                       5<br \/>\n\u00a7\tMechanische Sch\u00e4den\t                         2\t                     10<br \/>\n\u00a7\tFarbver\u00e4nderungen\t                              12\t                     60<br \/>\n\u00a7\t\u00dcbermalung\t                                           42\t                   210<br \/>\n\u00a7\tFixierung (Kunstharz\u00fcberzug)\t        100\t                   480<br \/>\nFl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig wichtigste Sch\u00e4den sind: Farbver\u00e4nderungen durch Pigment- und Bindemittelumwandlun-gen sowie Bleiwei\u00dfverschw\u00e4rzung; gro\u00dffl\u00e4chige \u00dcbermalungen vmtl. ausgef\u00fchrt 1909 ff; vollfl\u00e4chiger Kunstharz\u00fcberzug (Produkt Acrylatdispersion SOKRAT 2802A, Ausf\u00fchrung 1994), starke Sulfatisie-rung. Einzige erdber\u00fchrte Au\u00dfenwand der Kapelle mit Malereien unter hoher Salzbelastung (Sulfate, Nitrate, Chloride in Konzentrationsklasse 4 [Skala 1 bis 5].<br \/>\nAusd\u00fcnnung der Kunstharz\u00fcberz\u00fcge, Entsalzung, Infrarotuntersuchungen<br \/>\nVorversuche: Nach Herstellung geeigneter, Objektzust\u00e4nde nachstellender Pr\u00fcfk\u00f6rper f\u00fcr Laborversuche (kalkm\u00f6rtelbeschichtete Keramikfliesen), deren farbiger Fassung in unterschiedlichen historischen Bindemittelsystemen (Eigelb, Tempera, Hautleim, Kalkmilch, Kalkkasein, emulgiertes Kalkkasein), in wiederum unterschiedlicher Pigmentierung und teilweiser Unterbindung der Pigmente (Simulation \u00b4pudernder\u00b4 Malschichten) wurden die soweit pr\u00e4parierten Pr\u00fcfk\u00f6rper mit unterschiedlichen Festigungsmitteln \u00fcberzogen: Sokrat 2802A, Lakrat 2802A, Primal AC33, Paraloid B72. Damit wurden objektvergleichbare wie auch durch die Verwendung weiterer, nicht Grabstejn spezifischer Kunstharze m\u00f6gliche Vorzust\u00e4nde historischer Malereioberfl\u00e4chen simuliert; Pr\u00fcfk\u00f6rper abschlie\u00dfend k\u00fcnstlich gealtert. In weiteren Labortestreihen Versuche zur Entfernung der Kunstharz\u00fcberz\u00fcge: 1. Ermittlung L\u00f6semittelgemische (Siedegrenzbenzin\/Toloul; Toloul\/Ethanol; Toluol\/Aceton; Aceton\/Ethanol; Siedegrenzbenzin\/ Ethylacetat; Ethanol\/Wasser und Butylacetat) 2. Ermittlung L\u00f6semittelst\u00e4rke (Konzentration) 3. Ermittlung Einwirkdauer und Aufbringungsform. Objektmusterfl\u00e4chen: Acrylatentfernung: Das im Ergebnis der Vorversuche geeignetste L\u00f6semittelgemisch zur Ausd\u00fcnnung des Sokrat\u00fcberzuges wurde an Objektmusterfl\u00e4chen erprobt und abschlie\u00dfend modifiziert: f\u00fcr instabile Malereibereiche zeigte sich eine Mi-schung aus Xylol\/Ethylmethylketon 25\/75 Vol.-% als Favorit, f\u00fcr intensiv sokratgefestigte Bereiche eine Mischung aus Xylol\/ Ethylmethylketon\/ Diacetonalkohol 24\/75\/1 Vol-%, Applikation als niedrigviskoses L\u00f6semittelgel unter Verwendung von Klucel M als gelbildenede Komponente, alternativ Ethylcellulose ET 200. Entsalzung des Malschichttr\u00e4gers: Auf Grund der hohen Salzbelastung der malereitragenden, erdber\u00fchrten Au\u00dfenw\u00e4nde wurden Versuche zur Entsalzung der Mauerwerksoberfl\u00e4chen im Kompres-senverfahren durchgef\u00fchrt. Die erfolgreichen Entsalzungsversuche f\u00fchrten zu einer analytisch nachge-wiesenen Reduzierung des Salzgehaltes um 50%. IR-Untersuchung: Es konnte gezeigt werden, da\u00df die Infrarotreflektographie ein Durchdringen der \u00dcbermalung bzw. teilweise sogar der \u00fcbermalten Originalmalschicht erm\u00f6glichte; in Teilbereichen konnte die Unterzeichnung lokalisiert werden, wie auch die Methode der \u00dcbertragung der Unterzeichnung durch Lochpause ermittelt wurde.<br \/>\nTeilkonservierung: Hinterspritzen der Putzhohlstellen, Entnahme der nachtr\u00e4glichen fl\u00e4chigen Einput-zung, Kittung der Fehlstellen, Niederlegung aufstehender Malschichten, trockene und w\u00e4ssrige Oberfl\u00e4chenreinigung, Abnahme der \u00dcbermalungen via L\u00f6semittelgel, w\u00e4ssrige Nachreinigung, Strichretusche im Fehlstellenbereich und fl\u00e4chige Retusche im rekonstruierten Bereich.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>W. Koch: Die Barbarakapelle der Burg Grabstejn &#8211; Ein Modellprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zur Konservierung wertvoller Renaissancemalereien; Festschrift zum 10j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um des Studienganges Restaurierung der FH Potsdam; in Druck.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Gewinnung neuartiger, durch Untersuchungsumfang sehr differenzierter, modellhaft auch auf andere Wandmalereiobjekte \u00fcbertragbarer Ergebnisse zur Erhaltung kunstharzfehlkonservierter Wandmalereien bei gleichzeitigem Wissenstransfer der Ergebnisse in die tschechische Restaurierungspraxis. Zur weiteren Entwicklung des Untersuchungsverfahrens IR-Reflektografie sind weitere, systematische Laborerprobungen an definiert unterschiedlich beschichteten Pr\u00fcfk\u00f6rpern w\u00fcnschenswert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Burg Grabstejn: Gr\u00fcndung im 14.Jhdt., um 1569 Dekoration der gotischen Burgkapelle (Barbarakapelle, 1 Schiff, 4 Joche, Emporen) mit vollfl\u00e4chigen Wand- und Gew\u00f6lbemalereien (Passionsszenen, Aposteldarstellungen, Arabesken usw.); einer der wertvollsten Renaissancer\u00e4ume in B\u00f6hmen. Mehrere vergangene Restaurierungen mit \u00dcbermalungen und filmbildenden, vollfl\u00e4chigen Kunstharz\u00fcberz\u00fcgen gef\u00e4hrden den Bestand. 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