{"id":21972,"date":"2023-07-13T15:20:53","date_gmt":"2023-07-13T13:20:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/18008-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:54","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:54","slug":"18008-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/18008-01\/","title":{"rendered":"Vorstudie zur Bewertung von Handlungsoptionen f\u00fcr die \u00f6kologische Gestaltung von Seeufern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in der Vergangenheit die Entlastung der Freiwasserk\u00f6rper der Seen von N\u00e4hrstoffen weitgehend gelang, bestehen bei Handlungsoptionen, die der Entwicklung, dem Schutz und einer langfristig wirksamen Renaturierung von Seeufern dienen, noch gro\u00dfe Defizite. Bisherige Ans\u00e4tze betrachten n\u00e4mlich \u00fcberwiegend einzelne Aspekte der Seeufer\u00f6kologie (z.B. Verbauungs- und Nutzungsgrad, Sedimentstabilit\u00e4t, submerse Wasserpflanzen, ausgew\u00e4hlte Ziel-Arten [Rote-Liste-Arten] oder Indikatorarten [Trophie-Indikation]), ohne dass es gelungen w\u00e4re, diese Aspekte in einem einheitlichen Bewertungsschema zusammenzuf\u00fchren. Hier wird ein betr\u00e4chtlicher Mangel sichtbar, der daraus resultiert, dass die \u00d6kologie der Seen einschlie\u00dflich ihrer Uferzone bisher vornehmlich unter den Gesichtspunkten der Seeneutrophierung und ihrer Sekund\u00e4rfolgen betrachtet wurden, w\u00e4hrend strukturelle Beeintr\u00e4chtigungen wenig Aufmerksamkeit fanden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden(1)\tSichtung der einschl\u00e4gigen internationalen Literatur unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Ergebnisse aus L\u00e4ndern der Europ\u00e4ischen Union, insbesondere auch unter der Hinsicht, welche quantitativen Ma\u00dfe Entscheidungen zugrundegelegt werden.<br \/>\n(2)\tSichtung der Datenlage (graue Literatur, beh\u00f6rdliche Akten, Planungsunterlagen, etc.) im Bereich der Modell-Untersuchungsgebiete der geplanten Hauptstudie (M\u00fcggelsee, Bodensee) aus den Sachgebieten Regional- bzw. Entwicklungsplanung, Fl\u00e4chennutzung, Naturschutz, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Schifffahrt und Fischerei.<br \/>\n(3)\tEinbeziehung wichtiger Beh\u00f6rden und Verb\u00e4nde, Vorbesprechungen und Erkundung der jeweiligen Interessen- und Bedarfslage, soweit m\u00f6glich auch Formulierung einvernehmlicher Positionspapiere und Abstimmung der weiteren Vorgehensweise.<br \/>\n(4)\tEinbeziehung weiterer Projektpartner und Formulierung eines Antrags f\u00fcr das Gesamtvorhaben an die DBU.<br \/>\n(5)\tVorstellung und Diskussion des Vorhabens mit Vertretern der o.g. Beh\u00f6rden sowie mit Fachwissenschaftlern anl\u00e4sslich zweier regionaler Workshops in Berlin und Konstanz.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In allen Bundesl\u00e4ndern wird derzeit an der Implementierung und Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie gearbeitet, die eine Kontrolle der Stoffeintr\u00e4ge auf Einzugsgebietsebene verlangt. Die Richtlinie verlangt dar\u00fcber hinaus auch eine Einbeziehung struktureller Beeintr\u00e4chtigungen, ohne konkrete Ma\u00dfnahmen vorzuschreiben und ohne die Seeufer direkt ins Visier zu nehmen. Entsprechend den derzeitigen Schwerpunkten bei den Stoffeintr\u00e4gen in den verschiedenen Bundesl\u00e4ndern ist hier eine deutliche regionale Differenzierung festzustellen. Im Westen, besonders an Brennpunkten des touristischen Interesses wie dem Bodensee, zeigt sich auf diesem Gebiet ein gro\u00dfer Problemdruck und es werden die strukturellen  Defizite vielerorts als Problem erkannt. Tats\u00e4chlich stehen die Beh\u00f6rden vor vielf\u00e4ltigen Entscheidungen, die im Blickfeld divergierender Interessen gef\u00e4llt werden m\u00fcssen. Eine Partizipation der Interessensgruppen muss erfolgen, da die Entscheidungen nicht nur auf naturwissenschaftlicher Ebene getroffen werden k\u00f6nnen, sondern auch gesellschaftliche Belange ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen.<br \/>\nDemgegen\u00fcber steht derzeit in den seenreichen \u00f6stlichen Bundesl\u00e4ndern die L\u00f6sung dieser strukturellen Probleme noch nicht an. Sie werden von den Beh\u00f6rden auch nicht angegangen, bevor nicht die Eutrophierungsprobleme gel\u00f6st sind, zumal die Ausgangslage hier wesentlich positiver ist. Es wird allerdings damit gerechnet, dass in einigen Jahren auch hier \u00e4hnliche Strukturprobleme wie im Westen eintreten, wenn die \u00f6konomische Entwicklung weiter vorangeschritten ist.<br \/>\nDie unterschiedliche regionale Interessens- und Bewusstseinslage kam in der unterschiedlichen Beteiligung der Beh\u00f6rden und Verb\u00e4nde an diesem Vorprojekt zum  Ausdruck. Der Workshop in Konstanz stie\u00df auf eine breite Resonanz, so dass etwa 70 Teilnehmer aus allen relevanten Zielgruppen anwesend waren. Die Diskussionsbeitr\u00e4ge und Parallelgespr\u00e4che mit den Betroffenen zeigten ein hohes Problembewusstsein. In Berlin dagegen wurde zwar die Fragebogenaktion unterst\u00fctzt und in den Parallelgespr\u00e4-chen wurde Unterst\u00fctzung f\u00fcr unser uferbezogenes Projekt zugesichert, f\u00fcr eine Teilnahme am Workshop kam es aber in einigen wichtigen F\u00e4llen (Landesamt f\u00fcr Umweltschutz Brandenburg, SENSUT Berlin) nicht, da aktuell andere Probleme als dringender erachtet wurden.<br \/>\nDie Bewertungskriterien f\u00fcr die Seeufergestaltung, die bisher angewandt wurden, sind allerdings wenig transparent und sachbezogen. Es scheint, dass bisher nur landschafts\u00f6kologische Kriterien und Kriterien aus dem Wasserbau herangezogen wurden, wobei kein einheitliches Konzept sichtbar wird. Derzeit gibt es kaum gew\u00e4sser\u00f6kologischen Kriterien zur Uferstruktur (es gibt nur solche zur Saprobie und zur Trophie). Auch zum Naturschutz gibt es kaum  konzeptionelle Beziehungen. In dem wechselhaften Medium Wasser ist es ziemlich gleichg\u00fcltig, von welchen Arten genau eine Funktion durchgef\u00fchrt wird. Daher haben sich hier kaum Konzepte zum Naturschutz und zur Biodiversit\u00e4t entwickelt (siehe z.B. Moss, 2000). Hier ist noch wissenschaftlicher Forschungsbedarf anzumelden, der den Zusammenhang zwischen Uferstruktur, Besiedlung und der Funktion der Bioz\u00f6nose pr\u00fcft. Der unterschiedlichen Ausgangslage entspricht die Praxis der Naturschutz- und Gew\u00e4sserbeh\u00f6rden, die oft mehr koexistieren als kooperieren, zumal eine so deutliche Linie wie das Seeufer ihren Kompetenzbe-reich trennt. Allerdings haben sich gerade am Bodensee mit der Ausweisung von medien\u00fcberschreiten-den gro\u00dfen Naturschutzgebieten engere Kooperationsfelder zwischen Naturschutz und Gew\u00e4sser\u00f6kolo-gie ergeben, die durchaus Vorbildfunktion haben.<br \/>\nAls Folgerung ergibt sich, dass auf Seiten der Gew\u00e4sser\u00f6kologie praxistaugliche Kriterien zur Bewertung von Strukturen erst zu entwickeln sind. Ans\u00e4tze aus dem Naturschutz lassen sich nicht \u00fcbertragen. Bei der Auswertung der Frageb\u00f6gen und der Gespr\u00e4che stellte sich heraus, dass von vielen Partnern ein EDV-gest\u00fctztes Bewertungsinstrument gew\u00fcnscht wird.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>2 Kolloquien mit Beh\u00f6rdenvertreter (Wasserwirtschaft, Naturschutz, Planung) und Verb\u00e4nden (Umwelt, Naturschutz, Fischerei, Tourismus). Fragebogenaktion und Gespr\u00e4che mit Beh\u00f6rden und Verb\u00e4nden. Eine Publikation ist in Vorbereitung und wird nachgereicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung der unterschiedlichen Ausgangslage in Deutschland wird f\u00fcr das durchzuf\u00fchrende Hauptprojekt empfohlen:<br \/>\n\u00b7\tFokussierung des Hauptprojekts auf den Standort Bodensee, da dort eine breitere Unterst\u00fctzung gegeben ist und die Ergebnisse des Projekts leichter umgesetzt werden k\u00f6nnen. Die Projektleitung wird damit auf PD Dr. Wolfgang Ostendorp \u00fcbergehen.<br \/>\n\u00b7\tErg\u00e4nzung des Projekts durch einen Stipendienantrag zur F\u00f6rderung eines DBU-Stipendiaten am IGB, um in einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit an Brandenburger Gew\u00e4sser die wissenschaftlichen Grundlagen zwischen Uferstruktur und Besiedlung weiter zu kl\u00e4ren.<br \/>\n\u00b7\tKeine formale Verbindung zwischen beiden Projekten, aber eine interne Abstimmung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens W\u00e4hrend in der Vergangenheit die Entlastung der Freiwasserk\u00f6rper der Seen von N\u00e4hrstoffen weitgehend gelang, bestehen bei Handlungsoptionen, die der Entwicklung, dem Schutz und einer langfristig wirksamen Renaturierung von Seeufern dienen, noch gro\u00dfe Defizite. Bisherige Ans\u00e4tze betrachten n\u00e4mlich \u00fcberwiegend einzelne Aspekte der Seeufer\u00f6kologie (z.B. 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