{"id":21948,"date":"2023-07-13T15:20:49","date_gmt":"2023-07-13T13:20:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17971-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:51","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:51","slug":"17971-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17971-01\/","title":{"rendered":"Symposium: Vom Aktionismus zum Wildtiermanagement"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Den bisherigen Anstrengungen im Bereich des Wildtierschutzes (z.B. Biber, Braunb\u00e4ren, Gro\u00dftrappen) waren meist nur geringe Erfolge beschieden, da die Interessen der einzelnen Gruppen h\u00e4ufig stark divergieren und meist nicht abgeglichen wurden. Die resultierenden Aktionen der einzelnen Gruppen waren h\u00e4ufig unkoordiniert, z.T. einander widersprechend und f\u00fchrten nur zu einem geringen Zielerreichungsgrad. Zu den oft immensen Kosten dieser Aktionen kommen dem Anliegen wenig dienliche Pressemeldungen, die der \u00d6ffentlichkeit aber auch der Politik zum einen ein Bild des Chaos vermitteln und damit potentiell vorhandene Handlungsm\u00f6glichkeiten der Politik einfrieren bzw. zu weiteren \u00fcberwiegend nur publikumswirksamen Aktionen f\u00fchren. Wildtiermanagement bedeutet im Zusammenhang mit diesem Symposion ein zielgerichtetes Vorgehen mit der Integration aller betroffenen Interessengruppen von Beginn an. Ziel dieser Auftaktveranstaltung ist, diesen neuen Weg des Verstehens zu f\u00f6rdern, um einerseits Arten zu sch\u00fctzen, aber andererseits auch die Interessen der in diesem Zusammenhang betroffenen Personen zu ber\u00fccksichtigen. Die zu entwickelnden Ans\u00e4tze sollen Modellcharakter aufweisen und auf andere Themenkomplexe bzw. Regionen \u00fcbertragbar sein.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen des Symposions sollen zun\u00e4chst Erfahrungen zu dieser Thematik aus den unterschiedlichsten Bereichen (Wirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz, Wissenschaft, Psychologie etc.) ausgetauscht und erste Ans\u00e4tze eines koordinierten Vorgehens erarbeitet werden. Die Ergebnisse des Symposions (Referate, Diskussionsbeitr\u00e4ge, Zusammenfassung) werden als Seminarband in der Ver\u00f6ffentlichungsreihe der Umweltbildungsst\u00e4tte HAUS im ver\u00f6ffentlicht. Der Seminarband wird den Teilnehmern sowie den angesprochenen Beh\u00f6rden und Verb\u00e4nden zur Verf\u00fcgung gestellt. Dieses Auftakt-Symposion soll eine Diskussionsplattform schaffen, der dann Wildtiermanagement &#8211; Werkstattgespr\u00e4che am HAUS im MOOS folgen. Dabei werden zun\u00e4chst die regional betroffenen Tierarten bzw. Nutzergruppen, wie z.B. Graug\u00e4nse und Wintergetreide bzw. die jeweils eingeblendeten Nutzungsanspr\u00fcche von Mensch und Gans, oder die Aspekte Wiesenbr\u00fcter &#8211; Beutegreifer &#8211; Nutzungsanspr\u00fcche &#8211; Lebensraumausstattung die Themen sein.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der dauerhafte Schutz von Wildtieren erfordert ein zielorientiertes und strategisches Vorgehen. Die Methode des Wildtiermanagements erf\u00fcllt diese Kriterien in hohem Ma\u00dfe. In diesem Zusammenhang ist eine exakte Definition dieses Begriffes bzw. des Verfahrens erforderlich. Nach Prof. Schr\u00f6der richtet sich Management als T\u00e4tigkeit in erster Linie an Menschen und nur danach mittelbar an Wildtiere und deren Lebensraum. Management ist ein Prozess der Zielfindung und der Steuerung von Menschen auf diese Ziele hin. Damit steht die Kommunikation im Mittelpunkt des Wildtiermanagements. K\u00f6nnen technische, wirtschaftliche oder naturschutzfachliche Pl\u00e4ne zwar m\u00f6gliche L\u00f6sungswege aufzeigen, so f\u00fchrt aber erst die Kommunikation der Beteiligten, einschlie\u00dflich Konfliktregelung und Kompromissfindung zu einer Umsetzung in die Tat. Hauptfaktoren f\u00fcr ein erfolgreiches Wildtiermanagement sind starke Pers\u00f6nlichkeiten\/Organisationen, hohe Prozesskompetenz und ein optimales Zusammenspiel der Akteure.<br \/>\nDiese grunds\u00e4tzlichen Erkenntnisse zu einem erfolgreichen Wildtiermanagement sind in der Theorie relativ klar. Wie die Fachbeitr\u00e4ge der einzelnen Referenten aber zeigten, ist die Umsetzung in der Praxis aber keineswegs schon selbstverst\u00e4ndlich &#8211; ganz abgesehen davon, dass jede Wildtierart ein differenziertes und standort- bzw. regionsbezogenes Vorgehen erfordert. Dass die R\u00fcckkehr der Braunb\u00e4ren in \u00d6sterreich und die Wiedereinb\u00fcrgerung des Bibers in Bayern schlie\u00dflich zu einer Erfolgsgeschichte eines modernen Wildtiermanagements wurden bzw. werden, h\u00e4ngt vor allem mit einer angemessenen Umfeldanalyse im Vorfeld, einer intensiven Kommunikation und den Einbezug der unmittelbar Betroffenen von Beginn an, zusammen. Insbesondere was die Biberproblematik betrifft, gibt es aber auch noch eine Anzahl offener Fragen. Das HAUS im MOOS und der Biberberater Gerhard Schwab sind daher auch in den n\u00e4chsten Jahren noch, im Rahmen eines Modellprojektes zum Bibermanagement in der Region Ingolstadt mit Kelheim, befasst zukunftsweisende Wege f\u00fcr eine dauerhafte Koexistenz von Mensch und Biber in Theorie- und Praxisarbeit zu entwickeln. Wie durch eine differenzierte Betrachtung L\u00f6sungen erarbeitet werden k\u00f6nnen, zeigte der Vortrag zur Entenjagd im Biosph\u00e4renreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Durch die Integration der \u00f6rtlichen J\u00e4ger, mit auf bestimmte Teiche und Jagdzeiten beschr\u00e4nkter Erlaubnis der Entenjagd, konnte eine zunehmende Akzeptanz in der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung und damit ein Beitrag f\u00fcr eine dauerhafte Sicherung des Biosph\u00e4renreservates geleistet werden.<br \/>\nDass eine fehlende bzw. nicht ausreichende Kommunikation zwischen Natursch\u00fctzern und der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung dauerhafte L\u00f6sungen nicht zul\u00e4sst, zeigte der Vortrag von Flurin Filli. Danach wurde eine Erweiterung des Schweizer Nationalparks, der 1914 als erster Nationalpark in Mitteleuropa gegr\u00fcndet worden war, von der Bev\u00f6lkerung der gr\u00f6\u00dften Nationalparkgemeinde im Dezember 2000 abgelehnt.<br \/>\nKai Frobel warnte davor, vereinfachend in einerseits emotional handelnde Natursch\u00fctzer mit aktionistischen Tendenzen und andererseits rational abw\u00e4gende Manager, die allein f\u00fcr dauerhafte L\u00f6sungen stehen, zu unterscheiden, da viele Menschen \u00fcberhaupt erst \u00fcber Emotionen f\u00fcr den Schutz von Natur und Wildtieren zu begeistern sind.<br \/>\nIn der Diskussion war man sich einig, dass Wildtiermanagement ein vorz\u00fcgliches Verfahren ist, dauerhafte L\u00f6sungen im Miteinander von Menschen und Wildtieren zu erreichen. Um das Interesse der Menschen f\u00fcr die Belange der Wildtiere zu wecken muss aber unbedingt auch die emotionale Komponente angesprochen werden, ohne aber in kontraproduktive aktionistische Vorgehensweisen abzugleiten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Fachbeitr\u00e4ge des Symposions werden in einem Tagungsband des HAUS im MOOS (Tagungs- und Seminarbeitr\u00e4ge, 1. Jahrgang, Band 1, 2001) in einer Auflage von 500 Exemplaren den Tagungsteilnehmern, betroffenen Fachstellen, der Fachpresse sowie der interessierten \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung gestellt. Dar\u00fcber hinaus sind u.a. in der Pirsch 10\/2001 (S. 22-23) und in der Regionalpresse Beitr\u00e4ge zum Symposion erschienen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aktionismus bzw. aktionistische Vorgehensweisen, die auch heute noch manchmal von Naturschutzverb\u00e4nden betrieben werden, um die Aufmerksamkeit gro\u00dfer Bev\u00f6lkerungsschichten rasch zu erreichen, verlaufen nach dem ersten Aufruhr oft im Sand, wenn damit keine sachliche und zielorientierte Diskussion eingeleitet wird. Wildtiermanagement ist dagegen eine Methode, die zielgerichtet und \u00fcberlegt langfristige L\u00f6sungen anstrebt, um ein dauerhaftes zuk\u00fcnftiges Miteinander von Menschen und Wildtieren sicher zu stellen. Wildtiermanagement befasst sich dabei in hohem Masse mit dem Kommunikationsprozess, der sich in der Diskussion um bestimmte Wildtierarten entwickelt. Das durchgef\u00fchrte Symposion zeigt, dass es, abgesehen von den Grundzusammenh\u00e4ngen, keine Patentrezepte gibt, sondern problem- bzw. tierarten- und regionsspezifisch L\u00f6sungen mit den Menschen vor Ort erarbeitet werden m\u00fcssen (s.o. Darstellung der Arbeitschritte: zuk\u00fcnftige Werkstattgespr\u00e4che zu verschiedenen Wildtierarten).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Den bisherigen Anstrengungen im Bereich des Wildtierschutzes (z.B. Biber, Braunb\u00e4ren, Gro\u00dftrappen) waren meist nur geringe Erfolge beschieden, da die Interessen der einzelnen Gruppen h\u00e4ufig stark divergieren und meist nicht abgeglichen wurden. Die resultierenden Aktionen der einzelnen Gruppen waren h\u00e4ufig unkoordiniert, z.T. einander widersprechend und f\u00fchrten nur zu einem geringen Zielerreichungsgrad. 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