{"id":21916,"date":"2023-07-13T15:20:49","date_gmt":"2023-07-13T13:20:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17903-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:50","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:50","slug":"17903-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17903-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte Restaurierung und Dokumentation einer umweltgesch\u00e4digten historischen Spinnerei als national wertvolles technikgeschichtliches Zeugnis des 19. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes war es, Verfahren und Methoden der Restaurierung an technischem Kulturgut aufzuzeigen. Dies geschah modellhaft am Beispiel eines vollst\u00e4ndigen Spinnereibetriebes aus der Mitte des 19. Jahrhunderts geschehen, den das Tuchmacher Museum Bramsche im Herbst 2000 in Sachsen-Anhalt erworben hat. Die Maschinen dieses vollst\u00e4ndig erhaltenen Ensemble stellen eine in der Geschichte der Industrialisierung \u00e4u\u00dferst seltene \u00dcberlieferung dar.<br \/>\nDie Zeugnisse dieser fr\u00fchesten Industrialisierung sind \u00e4u\u00dferst selten, da sich die Unternehmen bei der Anschaffung der jeweils neuesten Produktionsmaschinen in der Regel nicht mit dem Erhalt der alten belasten und technische Museen in der Regel erst ab Beginn des 20. Jahrhunderts gezielt Maschinen aus der Zeit der Industrialisierung sammelten.<br \/>\nDas vom Tuchmacher-Museum Bramsche erworbene Spinnereiensemble umfasst eine vollst\u00e4ndige Einrichtung: Rei\u00df- und Spinnkrempel, Zwirnmaschine, Haspel und Rei\u00dfwolf, vor allem aber eine Crompton-Mule, ein Entwicklungsschritt zwischen der Spinning-Jenny und der vollmechanischen Spinnmaschine. Lediglich vier Spinnmaschinen dieses Typs, die 1776 entwickelt wurden, sind derzeit in Europa bekannt. Diese neue Maschine im Tuchmacher-Museum Bramsche d\u00fcrfte um 1800 in England gebaut und um 1870 gebraucht von einer kleinen Spinnerei in Tangerm\u00fcnde erworben sein. Allem Anschein nach ist die Crompton-Mule die bislang \u00e4lteste Maschine dieses Typs, die in Europa \u00fcberliefert ist.<br \/>\nWesentlicher Bestandteil des Projektes ist es, einen exemplarischen Beitrag zur Entwicklung der Restaurierung als wissenschaftlichem Fachgebiet zu leisten. Technische Dokumentation, historische Dokumentation, Demontage, Restaurierung sowie Wiederaufbau sind die wissenschaftlichen und handwerkli-chen Schritte, die der letztendlich musealen Pr\u00e4sentation vorangehen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer originale Maschinenbestand aus der Zeit 1800 bis 1870  wurde vollst\u00e4ndig \u00fcbernommen. Durch die \u00dcbernahme in das Museum wurde das Spinnereiensemble in Tangerm\u00fcnde zwangsl\u00e4ufig zerst\u00f6rt. Die museale Erhaltung vor Ort war vorab gepr\u00fcft worden und konnte nicht realisiert werden.<br \/>\nAls Ausgleich wurde die Maschinenverteilung in Tangerm\u00fcnde ma\u00dfst\u00e4blich aufgenommen und durch eine filmische und fotografische Dokumentation ausf\u00fchrlich festgehalten.<br \/>\nAm Beispiel der Crompton-Mule, der wertvollsten Maschine aus Tangerm\u00fcnde, soll hier kurz das Restaurierungsziel definiert werden: Der auslaufende Gebrauch wurde als Referenzzeit festgelegt. Der auslaufende Gebrauch ist durch die zunehmend geringer werdende Nutzung im Verlauf der letzten 40 Jahre gekennzeichnet. Als Konsequenz daraus werden lediglich die groben Verschmutzungen der letzten 10 Jahre, der Stillstandszeit, entfernt. Der abnehmende Gebrauch soll u. a. dadurch zum Ausdruck kommen, dass die Entrostung ehemals blanker Stahlteile nicht vorgenommen wird. Eine Funktionsreaktivierung ist nicht vorgesehen, dies verbietet allein schon der hohe Wert der seltenen Maschinen.<br \/>\nAls leitende Fragen in diesem Projekt galten:<br \/>\n1.\tWie kann die Authentizit\u00e4t der \u00dcberlieferung von Objekten gekl\u00e4rt werden?<br \/>\n2.\tWelche Kriterien gibt es zur Bestimmung der Ensemblegrenzen?<br \/>\n3.\tWelche Restaurierungsziele ergeben sich daraus?<br \/>\nAlle drei Fragen waren konstitutiv f\u00fcr das pragmatische Vorgehen bei Demontage, Restaurierung und Pr\u00e4sentation. Die Ergebnisse des Projektes vermitteln eine modellhafte Darstellung dieser Entscheidungsprozesse.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse dieses praktischen und anwendungsorientierten Vorhabens sollen &#8211; in allgemein ver-st\u00e4ndlicher Sprache &#8211; Anwender und Multiplikatoren erreichen:<br \/>\n&#8211;\tAusrichter von Fortbildungsveranstaltungen;<br \/>\n&#8211;\tMuseumsleiter, die h\u00e4ufig aus dem historischen und kunsthistorischen Kontext kommen, aber auch die Restaurierung von technischem Kulturgut zu verantworten haben;<br \/>\n&#8211;\tMuseumstechniker im Sinne einer praktischen Anleitung und<br \/>\n&#8211;\tmittlere und kleinere Museen, die sich weder einen Techniker oder Restaurator noch eine Fremdvergabe an Fachfirmen leisten k\u00f6nnen, aber dennoch in ihren Aufgaben auch der Dokumentation und Bewahrung von technischem Kulturgut verpflichtet sind.Das Projekt umschlie\u00dft damit einerseits einen technik- bzw. kulturgeschichtlichen und andererseits einen umweltorientierten Bereich im Sinne der Umweltbildung und des verantwortungsvollen Erhalts von technischem Kulturgut.<br \/>\nDa es in diesem Bereich letztendlich kein falsch oder richtig gibt, werden in den Ergebnissen unsere Diskussionen transparent gemacht, alternative M\u00f6glichkeiten beschrieben und unsere Entscheidungen am Beispiel unserer Objekte modellhaft vorgestellt (z. B. in der Internetpr\u00e4sentation unter Unser Beispiel).<br \/>\nDie Ergebnisse des Projektes sind eng verzahnt mit dem Bereich<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>und werden deswegen dort vorgestellt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ergebnisse \/ \u00d6ffentlichkeitsarbeit \/ Pr\u00e4sentation:<br \/>\n1.\tAbbau in Tangerm\u00fcnde, Aufbau in Teilen im TMB in der Dauerausstellung, damit<br \/>\n2.\tModellhafte Pr\u00e4sentation eines aufgel\u00f6sten Ensemble<br \/>\n3.\tErstellung von zwei Filmen f\u00fcr den Museumsbesucher:<br \/>\n    1.\tGeschichte der Unternehmerfamilie und des Betriebes: Familienalbum Willf\u00fchr (12 min)<br \/>\n    2.\tAls Blick hinter die Kulissen des Museums und der Restaurierungswerkstatt: Restaurierung einer historischen Spinnerei (12 min)<br \/>\n4.\tErstellung eines dritten Filmes mit ver\u00e4nderter Zielgruppe (s. oben) und vertiefenden Fragen zum selben Komplex: Restaurierung einer historischen Spinnerei  (35 min) ISBN-Nr. 3-929976-67-5<br \/>\n5.\tErstellung einer Internetpr\u00e4sentation www.museum-restaurierung.de mit einer umfangreichen Abhandlung des Restaurierungs- und Dokumentationsprozesses.<br \/>\n6.\tIm Archivbestand des Museums: 10 Filmstunden Dokumentation des gesamten Projektverlaufes<br \/>\n7.\tIm Archivbestand des Museums: Dokumentation der Restaurierung<br \/>\n8.\tVer\u00f6ffentlichung: Meyer, Susanne, G\u00f6tz, Kornelius, Eine Tangerm\u00fcnder Spinnerei dokumentieren, konservieren und reaktivieren, in: Technik und Kultur, Kurseinheit 3, Weiterbildendes Studium Restaurierung, FernUniversit\u00e4t-Gesamthochschule in Hagen, 2002, S. 115-131.<br \/>\n9.\tDarstellung des Projektes im Seminar Denkmalpflege am Lehrstuhl f\u00fcr Denkmalpflege und Entwerfen der TU Dresden, WS 2000\/01<br \/>\n10.\tVortr\u00e4ge auf dem 4. Freiberger Industriearch\u00e4ologischen Kolloquium, 17.-19. Nov. 2000:<br \/>\n    1.\tSusanne Meyer, Bramsche, Kornelius G\u00f6tz, Oettingen: Konservierung statt Erneuerung. Ein Projekt zur modellhaften Restaurierung einer historischen Spinnerei.<br \/>\n    2.\tSusanne Meyer, Restaurierung im Industriemuseum. Projektpr\u00e4sentation im Rahmen der Veranstaltung der Stiftung Niedersachsen Neue Medien im Museum, Hannover, 14.11.2002. Zudem gab es intensive laufende Berichterstattung in der regionalen und \u00fcberregionalen Presse.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Eine der \u00e4ltesten noch funktionsf\u00e4higen Spinnmaschine Europas &#8211; eine Crompton Mule aus dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert &#8211; konnte vor der Zerst\u00f6rung bewahrt werden, in umweltvertr\u00e4glicherweise nachhaltig konserviert und restauriert werden und dauerhaft im Tuchmacher Museum Bramsche der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden. Der Restaurierungsprozess &#8211; vom Abbau bis zur Pr\u00e4sentation &#8211; wurde in Filmen und einer Internetpr\u00e4sentation transparent gemacht.<br \/>\nDas Projekt konnte dank der gro\u00dfz\u00fcgigen F\u00f6rderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und durch die Stiftung Niedersachsen erfolgreich abgeschlossen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes war es, Verfahren und Methoden der Restaurierung an technischem Kulturgut aufzuzeigen. Dies geschah modellhaft am Beispiel eines vollst\u00e4ndigen Spinnereibetriebes aus der Mitte des 19. Jahrhunderts geschehen, den das Tuchmacher Museum Bramsche im Herbst 2000 in Sachsen-Anhalt erworben hat. 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