{"id":21911,"date":"2023-07-13T15:20:49","date_gmt":"2023-07-13T13:20:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17898-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:50","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:50","slug":"17898-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17898-01\/","title":{"rendered":"Schlagbezogene Risikoabsch\u00e4tzung zum Pflanzenschutzmitteleintrag in Gew\u00e4sser als Bestandteil des Informationssystems Integrierte Pflanzenproduktion (ISIP)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Kontamination von Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) und ihren Metaboliten kann eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr aquatische \u00d6kosysteme darstellen. Diese Eintr\u00e4ge sind vorrangig landwirtschaftlichen Ursprungs. Ein Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Landwirtschaft ist die sog. Integrierte Pflanzenproduktion. Mit diesem Anbausystem wird versucht, die Beeintr\u00e4chtigung der Umwelt durch Pflanzenschutzma\u00dfnahmen so weit wie m\u00f6glich zu vermindern.<br \/>\nUm die Integrierte Pflanzenproduktion in der Landwirtschaft in Deutschland weiter zu verbreiten, unterst\u00fctzt und f\u00f6rdert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt das Online-Beratungssystem ISIP (Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion). ISIP ist ein web-basiertes Informationssystem (www.isip.de), das es Beratern und Landwirten erm\u00f6glicht, die jeweils optimale Entscheidung \u00fcber Pflanzenschutz- und D\u00fcngungsma\u00dfnahmen im Einzelbetrieb schlag- und applikationsspezifisch zu treffen. ISIP stellt den Nutzern die daf\u00fcr notwendige fachliche Informationsbasis bereit, ohne dass sich die Nutzer um die Beschaffung und Aktualisierung des Fachwissens k\u00fcmmern m\u00fcssen, was in Zukunft mit einem immer gr\u00f6\u00dferen Zeit- und Kostenaufwand verbunden sein wird.<br \/>\nAufgabe des vorliegenden Projekts war die Entwicklung eines schlag- und anwendungsspezifischen Ansatzes zur Risikoabsch\u00e4tzung f\u00fcr Pflanzenschutzmitteleintr\u00e4ge in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser \u00fcber die diffusen Eintragspfade Oberfl\u00e4chenabfluss (Runoff), Erosion und Drainage. Dieser Ansatz zur Risikoabsch\u00e4tzung soll als Werkzeug zur Entscheidungsunterst\u00fctzung f\u00fcr Berater und Landwirte im Hinblick auf die Gew\u00e4sser\u00f6kologie in das ISIP-Beratungsangebot eingebunden werden und dort die Zielkomponente Minimierung der Gew\u00e4ssergef\u00e4hrdung abdecken. Der Ansatz soll den Landwirten und Pflanzenschutzberatern bei der Entscheidung helfen, ob eine bestimmte Anwendung (z. B. Herbstapplikation in Wintergetreide) eines bestimmten Wirkstoffs auf dem Schlag des Landwirts ein inakzeptables Risiko f\u00fcr aquatische Organismen darstellt oder nicht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr die Zielkomponente Minimierung der Gew\u00e4ssergef\u00e4hrdung wurden Modellans\u00e4tze zur schlag- und anwendungsspezifischen Risikoabsch\u00e4tzung entwickelt und im Internet-Portal ISIP implementiert. Das Projekt umfasste zwei Kernaufgaben:<br \/>\n1.\tEntwicklung von Modellans\u00e4tzen zur Absch\u00e4tzung des Risikos von Pflanzenschutzmittel-Eintr\u00e4gen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser (risk assessment).<br \/>\n2.\tEinbindung der anwendungs- und standortspezifischen Risikoabsch\u00e4tzung in ISIP als \u00f6kologische Komponente der Entscheidungsfindung (decision support).<br \/>\nZu diesem Zweck wurden Simulationen f\u00fcr die diffusen Eintragspfade Drainage, Oberfl\u00e4chenabfluss (Runoff) und Erosion durchgef\u00fchrt. [M\u00f6gliche diffuse Eintr\u00e4ge \u00fcber Spraydrift wurden nicht ber\u00fccksichtigt, da davon ausgegangen wird, dass die Landwirte die gesetzlich vorgeschriebenen Abstandsauflagen einhalten.]<br \/>\nDie Drainage-Berechnungen wurden mit dem Preferential-Flow-Modell MACRO 4.3b durchgef\u00fchrt, das auch im europ\u00e4ischen Zulassungsverfahren (FOCUS surface water scenarios; FOCUS, 2001) als Drainagemodell eingesetzt wird. Die Evaluierung des Modells anhand einer Reihe von Datens\u00e4tzen aus europ\u00e4ischen Drainagestudien ergab, dass MACRO 4.3b, unter Benutzung der Pedotransferfunktionen von MACRO_DB2, mit hinreichender Vorhersageg\u00fcte ohne vorhergehende Kalibrierung f\u00fcr die Sch\u00e4tzung von Pflanzenschutzmitteleintr\u00e4gen \u00fcber Drainagen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser eingesetzt werden kann. F\u00fcr die pr\u00e4diktive Modellierung der Drainageeintr\u00e4ge wurde ein szenarienbasierter Ansatz mit 8 drainagerelevanten Bodenklassen, 19 Boden\/Klima-Szenarien und jeweils einem repr\u00e4sentativen Wetterjahr verwendet. F\u00fcr 109 verschiedene Wirkstoffe mit 229 in Deutschland zugelassenen Anwendungen (Anwendung hier = Kombination von Wirkstoff, Kulturpflanze und Applikationssaison) wurden MACRO-Simulationen durchgef\u00fchrt. Das Maximum des t\u00e4glichen Wirkstoffaustrags \u00fcber den Simulationszeitraum, das dazugeh\u00f6rige Datum und der dazugeh\u00f6rige Drainagefluss wurden aus dem MACRO-Output extrahiert, als Grundlage f\u00fcr die sp\u00e4tere Berechnung der Wirkstoffkonzentrationen im Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser.<br \/>\nF\u00fcr die Simulation von Runoff- und Erosionsaustr\u00e4gen wurde das Modell PRZM 3.21b ausgew\u00e4hlt, das auch im europ\u00e4ischen Zulassungsverfahren (FOCUS surface water scenarios) als Runoff- und Erosionsmodell eingesetzt wird. Eine Modellevaluierung anhand einer Reihe von europ\u00e4ischen Datens\u00e4tzen zeigte, dass PRZM 3.21b mit hinreichender Vorhersageg\u00fcte f\u00fcr die Sch\u00e4tzung von Runoffeintr\u00e4gen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser verwendet werden kann. Analog zur Drainage-Modellierung wurde ein Ansatz auf Szenario-Basis f\u00fcr die Runoff-Vorhersagen gew\u00e4hlt, der 5 Bodenklassen mit unterschiedlicher Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Oberfl\u00e4chenabfluss, 8 Klimaszenarien mit unterschiedlicher Starkniederschlagsh\u00e4ufigkeit und 20 verschiedene Wetterjahre pro Klimaszenario umfasste. PRZM-Simulationen wurden f\u00fcr 185 verschiedene Wirkstoffe mit 444 zugelassenen Anwendungen durchgef\u00fchrt. Das Maximum des t\u00e4glichen Runof-faustrags \u00fcber den Simulationszeitraum, das dazugeh\u00f6rige Datum und das dazugeh\u00f6rige Runoffvolumen wurden aus dem PRZM-Output extrahiert; analoges gilt f\u00fcr die Erosionsaustr\u00e4ge.<br \/>\nAufgrund der Anforderungen der web-basierten Anwendung in ISIP m\u00fcssen die Berechnung der Predicted Environmental Concentrations in surface water (PECsw) und die anschlie\u00dfende Risikoabsch\u00e4tzung online und eingabespezifisch im ISIP Risk-Assessment-Modul durchgef\u00fchrt werden. Um die Nutzerakzeptanz des ISIP-Online-Beratungsangebotes nicht durch \u00fcberlange Reaktionszeiten des System zu gef\u00e4hrden, kann eine Berechnung von Langzeit-PECsw aufgrund des relativ hohen Rechenzeitaufwands nicht durchgef\u00fchrt werden. Es erscheint daher vertretbar, ausschlie\u00dflich initiale PECsw f\u00fcr akute Expositi-on zu berechnen. Au\u00dferdem war es aufgrund des erheblichen Rechenaufwandes und des Fehlens regi-onalisierter Daten zu Sedimenteigenschaften von Vorflutern ebenfalls nicht m\u00f6glich, die Pflanzenschutzmitteleintr\u00e4ge \u00fcber Erosion bei der PECsw-Berechnung zu ber\u00fccksichtigen. Es konnte jedoch mit einer konservativen Absch\u00e4tzung gezeigt werden, dass f\u00fcr die initialen PEC im Wasserk\u00f6rper die dadurch verursachte Einbu\u00dfe in der Vorhersageg\u00fcte gering ist, so dass die Berechnung der initialen PECsw nur aus den PSM-Eintr\u00e4gen in der gel\u00f6sten Phase \u00fcber Oberfl\u00e4chenabfluss (Runoff) zu rechtfertigen ist. Die nach diesem Ansatz ermittelten PECsw beziehen sich auf den Auslass eines kleinen Einzugsgebiets mit etwa 10 km2 Fl\u00e4che (Anwendbarkeitsbereich der verwendeten Methode: ca. 1 bis 100 km2 Fl\u00e4che), was ungef\u00e4hr der Fl\u00e4che einer kleineren Gemeinde entspricht. Die h\u00f6here der beiden PECsw (PECsw durch Runoffeintr\u00e4ge und PECsw durch Drainageeintr\u00e4ge) wird mit der akuten aquatischen maximalen tolerablen Konzentration f\u00fcr den entsprechenden Wirkstoff verglichen. Dies ist die h\u00f6chste Konzentrati-on, bei der f\u00fcr alle Test-Taxa der geforderte Sicherheitsfaktor (Toxicity\/Exposure Ratio, TER) von 10 oder 100 eingehalten wird und daher f\u00fcr keine der Test-Spezies ein Risiko erwartet wird.<br \/>\nDie schlag- und anwendungsspezifische Bewertung des Risikos f\u00fcr das aquatische \u00d6kosystem wird in ISIP schlie\u00dflich folgenderma\u00dfen vorgenommen und dem Nutzer pr\u00e4sentiert:<br \/>\n\u00b7\tIst die berechnete PECsw niedriger als die maximale tolerable Konzentration, so kann man erwarten, dass kein signifikantes Risiko f\u00fcr die aquatische Lebensgemeinschaft besteht.<br \/>\n\u00b7\tIst die berechnete PECsw h\u00f6her als die maximale tolerable Konzentration, so kann eine Gef\u00e4hrdung der aquatischen Lebensgemeinschaft nicht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die MACRO-Simulationen ergaben gro\u00dfe Unterschiede der PSM-Drainageaustr\u00e4ge zwischen verschiedenen Wirkstoffen, B\u00f6den und Klimaszenarien. F\u00fcr bestimmte Boden\/Klima-Kombinationen k\u00f6nnen sowohl der Gesamtaustrag als auch der maximale Tagesaustrag nicht unbetr\u00e4chtliche Anteile der Aufwandmenge erreichen. Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Bedeutung von Pflanzenschutzmitteleintr\u00e4gen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser \u00fcber Drainagen im deutschen Zulassungsverfahren, in dem Drainageeintr\u00e4ge immer noch als standardisierte Prozentzahlen der Aufwandmenge berechnet werden, bisher untersch\u00e4tzt worden ist. Eine Unsicherheitsanalyse identifizierte die j\u00e4hrliche Variabilit\u00e4t des Wetters als bedeutendste Unsicherheitsquelle in Bezug auf Drainageaustr\u00e4ge von Pflanzenschutzmitteln. In sp\u00e4teren Untersuchungen sollte diesem Einflussfaktor noch gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit gewidmet werden.<br \/>\nDie PRZM-Simulationen ergaben betr\u00e4chtliche Unterschiede bzgl. der Runoff- und Erosionsaustr\u00e4ge zwischen verschiedenen Anwendungen, B\u00f6den und meteorologischen Inputdaten (Klimaszenarien und Wetterjahre). Auf runoff- und erosionsanf\u00e4lligen B\u00f6den k\u00f6nnen sowohl der Gesamtaustrag als auch der maximale Tagesaustrag signifikante Anteile der applizierten Menge erreichen. Eine Unsicherheitsanalyse ergab, dass auch f\u00fcr die Runoffaustr\u00e4ge die j\u00e4hrliche Variabilit\u00e4t des Wetters die wichtigste Unsicher-heitsquelle ist (analog zu den Dr\u00e4nageaustr\u00e4gen). Durch die probabilistische Komponente (Simulation von 20 Wetterjahren pro Klimaszenario) in der vorhersagenden PRZM-Modellierung kann diese Unsi-cherheit erfasst und die j\u00e4hrliche Variabilit\u00e4t des Wetters in der Expositionsabsch\u00e4tzung ber\u00fccksichtigt werden.<br \/>\nIn den meisten F\u00e4llen waren, f\u00fcr die gleiche Anwendung, die PECsw durch Runoffeintr\u00e4ge h\u00f6her als die PECsw durch Drainageeintr\u00e4ge. Es waren nicht nur zwischen verschiedenen Anwendungen und Eintragspfaden gro\u00dfe Unterschiede bzgl. der PECsw festzustellen, sondern auch zwischen verschiedenen Regionen in Deutschland. Die Notwendigkeit eines regional differenzierten Ansatzes zur Expositions- und Risikoabsch\u00e4tzung wird durch diese Ergebnisse nochmals unterstrichen.<br \/>\nViele Unsicherheitsquellen tragen zur Gesamtunsicherheit in den berechneten PECsw bei. Zumindest die bedeutendsten Unsicherheitsquellen, wie unter anderem die j\u00e4hrliche Variabilit\u00e4t des Wetters, m\u00fcssen im Prozess der Risikoabsch\u00e4tzung ber\u00fccksichtigt werden, um eine verl\u00e4ssliche Grundlage f\u00fcr Entscheidungen zu schaffen. Der Einsatz probabilistischer Methoden in der aquatischen Riskoabsch\u00e4tzung f\u00fcr Pflan-zenschutzmittel wird daher nachdr\u00fccklich empfohlen.<br \/>\nF\u00fcr den im Rahmen dieses Projektes entwickelten und in ISIP implementierten Ansatz zur Absch\u00e4tzung und Bewertung des Risikos der Beeintr\u00e4chtigung aquatischer \u00d6kosysteme durch PSM-Eintr\u00e4ge (infolge der Anwendung auf Landwirtschaftsfl\u00e4chen) sind weitere Verbesserungen vorstellbar. Dies betrifft namentlich die Ber\u00fccksichtigung vonTransportund Abbau der PSM-Wirkstoffe in den Gew\u00e4ssern, sowie von Austauschprozessen mit dem Gew\u00e4ssersediment. Wenn detailliertere regionalisierte Daten \u00fcber Ab-flussverh\u00e4ltnisse und Morphologie der Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser in Deutschland und ihre Sedimenteigenschaften zur Verf\u00fcgung stehen w\u00fcrden, w\u00e4re es m\u00f6glich, die simulierten PSM-Austr\u00e4ge \u00fcber Drainagefluss, Runoff und Erosion als Input f\u00fcr ein aquatisches Pesticide-Fate-Modell (z.B. TOXSWA) zu nutzen, das die Flie\u00dfgeschwindigkeit und Wasser-Sediment-Interaktionen ber\u00fccksichtigt. Damit w\u00e4re es dann auch m\u00f6glich, Langzeit-PEC zu berechnen und chronische Exposition und Effekt im Risikoabsch\u00e4tzungsprozess zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Um die Ergebnisse des Projekts auch auf internationaler Ebene einer breiten Fach\u00f6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen, wurde der Projektbericht in englischer Sprache erstellt; weiterhin erleichtert dies die Auskopplung von Publikationen f\u00fcr einschl\u00e4gige wissenschaftliche Zeitschriften (derzeit geplant sind drei Publikationen in peer-reviewed journals). Au\u00dferdem soll die Dissertation von Stefan Reichenberger, die weitgehend identisch mit dem vorliegenden Projektbericht ist, in 150 Exemplaren gedruckt und auf natio-naler und EU-Ebene unter Beh\u00f6rden, Industrie und wissenschaftlichen Institutionen verbreitet werden. Ferner sind Vortr\u00e4ge und Poster auf Fachtagungen geplant. Schlie\u00dflich ist vorgesehen, auf der ISIP -Homepage eine Dokumentation des Risk-Assessment-Moduls zum Download anzubieten. Das vorliegende Projekt und seine Ergebnisse sind bislang auf folgenden Veranstaltungen vorgestellt worden:<br \/>\n\u00b7\tVorstellung des Konzepts des Risikoabsch\u00e4tzungsansatzes mit dem Vortrag Schlagbezogene Risikoabsch\u00e4tzung zum Pflanzenschutzmitteleintrag in Gew\u00e4sser auf der Veranstaltung ISIP &#8211; Er\u00f6ffnung der interaktiven Online-Beratung f\u00fcr die Pflanzenproduktion am 19.05.2003 bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabr\u00fcck (M. Bach)<br \/>\n\u00b7\tPr\u00e4sentation des Konzepts und ausgew\u00e4hlter Zwischenergebnisse auf dem 3rd European Modelling Workshop in Catania (M. Bach)<br \/>\n\u00b7\tPoster-Pr\u00e4sentation auf dem SETAC Europe 14th Annual Meeting in Prag im April 2004 (S. Reichenberger)<br \/>\n\u00b7\tPr\u00e4sentation des Ansatzes, des Risk-Assessment-Moduls und ausgew\u00e4hlter Ergebnisse am 17.11.2004 bei der BASF AG in Limburgerhof (S. Reichenberger).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In diesem Projekt wurde ein schlag- und anwendungsspezifischer Ansatz zur Risikoabsch\u00e4tzung f\u00fcr Pflanzenschutzmitteleintr\u00e4ge in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser \u00fcber die diffusen Eintragspfade Oberfl\u00e4chenab-fluss (Runoff) und Drainage entwickelt. Der Ansatz wurde in ein Software-Modul umgesetzt, das derzeit in das Online-Informationssystem ISIP (Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion) f\u00fcr Landwirte und Berater integriert wird. Der Nutzen des ISIP Risk-Assessment-Moduls ist in erster Linie darin zu se-hen, dass es den Landwirten die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, das Risiko f\u00fcr die aquatische Umwelt in ihre Entscheidung, welches Pflanzenschutzpr\u00e4parat (bzw. welchen Wirkstoff) sie einsetzen sollen, mit einzubeziehen. Neben diesem Kernziel k\u00f6nnen aus dem Projekt verschiedene weitere Schlussfolgerungen abgeleitet werden:<br \/>\n\u00b7\tDie Evaluierung der verwendeten Drainage- und Runoff-Modelle anhand einer Reihe von Datens\u00e4tzen aus Feldstudien zeigt, dass die Modelle MACRO 4.3b (unter Benutzung der Pedotransferfunktionen von MACRO_DB2) und PRZM 3.21b mit hinreichender Vorhersageg\u00fcte f\u00fcr die Sch\u00e4tzung von PSM-Eintr\u00e4gen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser \u00fcber Drainagen bzw. Oberfl\u00e4chenabfluss benutzt werden k\u00f6nnen.<br \/>\n\u00b7\tDie Simulationen ergaben gro\u00dfe Unterschiede bzgl. der PSM-Konzentrationen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern nicht nur zwischen verschiedenen Anwendungen und Eintragspfaden, sondern auch zwischen verschiedenen Regionen in Deutschland. Die Notwendigkeit einer regional differenzierten Expositions- und Risikoabsch\u00e4tzung ist daher offensichtlich.<br \/>\n\u00b7\tEine gro\u00dfe Anzahl von Unsicherheitsquellen tr\u00e4gt zur Gesamtunsicherheit in den berechneten PSM-Konzentrationen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern bei. Zumindest die wichtigsten Unsicherheitsquellen, z. B. die j\u00e4hrliche Variabilit\u00e4t des Wetters, m\u00fcssen im Prozess der Risikoabsch\u00e4tzung ber\u00fccksichtigt werden, um eine verl\u00e4ssliche Grundlage f\u00fcr Entscheidungen zu schaffen. Der Einsatz probabilistischer Methoden in der aquatischen Risikoabsch\u00e4tzung f\u00fcr Pflanzenschutzmitteleintr\u00e4ge wird daher nachdr\u00fccklich empfohlen.<br \/>\n\u00b7\tDie demonstrierte Notwendigkeit einer regionalen Differenzierung und einer probabilistischen Absch\u00e4tzungen steht im Gegensatz zur gegenw\u00e4rtigen Praxis der Risikoabsch\u00e4tzung im deutschen PSM-Zulassungsverfahren.<br \/>\n\u00b7\tDer in diesem Projekt entwickelte Ansatz zur Risikoabsch\u00e4tzung ber\u00fccksichtigt den Einfluss regionaler Faktoren (Klima, Landnutzung, Praxis des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, fl\u00e4chenspezifischer Abfluss, Anteil drainierten Ackerlands) auf die vorhergesagten Wirkstoffkonzentrationen im Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser. Diese regionale Differenzierung erm\u00f6glicht sowohl die Erstellung von Risikokarten f\u00fcr Deutschland als auch die Durchf\u00fchrung einer deutschlandweiten probabilistischen Risikoabsch\u00e4tzung f\u00fcr eine bestimmte Anwendung. Deshalb kann der Ansatz eine brauchbare Grundlage f\u00fcr die Verbesserung der Zulassungspraxis in Deutschland liefern.<br \/>\nEin weiteres potentielles Anwendungsfeld f\u00fcr den hier entwickelten Ansatz zur Risikoabsch\u00e4tzung ist die Implementierung der Wasserrahmenrichtlinie 2000\/60\/EC (Water Framework Directive, WFD). Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt von den EU-Mitgliedsstaaten, Managementpl\u00e4ne f\u00fcr Einzugsgebiete aufzu-stellen, wof\u00fcr Kenntnisse \u00fcber die Quellen und Mengen von PSM-Eintr\u00e4gen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser essentiell sind. Aufgrund des weitgehenden Fehlens von Monitoring-Daten f\u00fcr Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser und der hohen Kosten, die mit Monitoring-Programmen verbunden sind, wird in den meisten Einzugsgebieten die Absch\u00e4tzung von PSM-Eintr\u00e4gen und Konzentrationen auf der Basis von modellgest\u00fctzten Berech-nungen erfolgen m\u00fcssen. Ein in diesem Zusammenhang zu verwendender Modellierungsansatz sollte Folgendes erm\u00f6glichen:<br \/>\n\u00b7\tIdentifikation von Gebieten mit Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern, f\u00fcr die ein signifikantes Risiko einer PSM-Kontamination aus diffusen Quellen und einer Sch\u00e4digung des aquatischen \u00d6kosystems besteht.<br \/>\n\u00b7\tBerechnung der potentiellen PSM-Exposition f\u00fcr nicht beprobte Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser.<br \/>\n\u00b7\tAbsch\u00e4tzung der potentiellen Effekte von risikomindernden Ma\u00dfnahmen (mitigation measures).<br \/>\nAlle drei Ziele sind mit dem vorgeschlagenen Ansatz (ggf. nach geringf\u00fcgigen Modifikationen) erreichbar. Zielgruppen des in diesem Projekt entwickelten Ansatzes zur Risikoabsch\u00e4tzung sind daher sowohl ISIP-Nutzer, d. h. Landwirte und Pflanzenschutzberater (Risikoabsch\u00e4tzung f\u00fcr Pflanzenschutzma\u00dfnahmen in Bezug auf aquatische \u00d6kosysteme) als auch die Wasserwirtschaft (modellbasierte Sch\u00e4tzung von PSM-Eintr\u00e4gen aus diffusen Quellen in kleine Einzugsgebiete als Teil von Einzugsgebiets-Management-Konzepten). Zusammengefasst ist dieser Risikoabsch\u00e4tzungsansatz geeignet, die Qualit\u00e4t des Oberfl\u00e4chenwassers in Deutschland zu verbessern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Kontamination von Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern mit Pflanzenschutzmitteln (PSM) und ihren Metaboliten kann eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr aquatische \u00d6kosysteme darstellen. Diese Eintr\u00e4ge sind vorrangig landwirtschaftlichen Ursprungs. Ein Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Landwirtschaft ist die sog. Integrierte Pflanzenproduktion. Mit diesem Anbausystem wird versucht, die Beeintr\u00e4chtigung der Umwelt durch Pflanzenschutzma\u00dfnahmen so weit wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[62,2422,50,51,2423,53],"class_list":["post-21911","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-hessen","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-ressourcenschonung","tag-umweltkommunikation","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"17898\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-17898.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"355.209,81","dbu_projektdatenbank_firma":"Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfenInstitut f\u00fcr Landschafts\u00f6kologie undRessourcenmanagementFachbereich 09","dbu_projektdatenbank_strasse":"Heinrich-Buff-Ring 26 - 32","dbu_projektdatenbank_plz_str":"35392","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Gie\u00dfen","dbu_projektdatenbank_p_von":"2001-11-15 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2005-04-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"3 Jahre und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0641\/99-37380","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Hessen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"39","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34914,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21911\/revisions\/34914"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}