{"id":21823,"date":"2024-11-27T10:36:18","date_gmt":"2024-11-27T09:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17681-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:20","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:20","slug":"17681-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17681-01\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Landnutzung im Wei\u00dfenst\u00e4dter Becken &#8211; Einf\u00fchrung eines integrierten Einzugsgebietsmanagements zum Schutz des Grundwassers und der oberirdischen Gew\u00e4sser"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Projektziel ist die Verringerung der diffusen N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge in die Gew\u00e4sser zur Sicherung der Trink- und Badewasserqualit\u00e4t. Das Wei\u00dfenst\u00e4dter Becken umfasst das Flusseinzugsgebiet der Eger von der Quelle bis Wei\u00dfenstadt und hat eine Gr\u00f6\u00dfe von 32 km\u00b2. Es wird zu 2\/3 forstlich und zu 1\/3 landwirt-schaftlich genutzt. In 190 Teichen werden Karpfen und Forellen gehalten. Im Zuge der Flurbereinigung wurden viele Fl\u00e4chen auf moorigen Standorten umgebrochen und drainiert sowie die Gew\u00e4sserl\u00e4ufe weitgehend begradigt.<br \/>\nWie auch in anderen strukturschwachen Mittelgebirgsregionen stehen im Projektgebiet Nutzungsanspr\u00fcche von Land-, Forst- und Teichwirtschaft den Anforderungen von Trinkwassergewinnung, Naturschutz und Fremdenverkehr auf engstem Raum gegen\u00fcber. Trotz des 1997 fertiggestellten Kl\u00e4ranlagenanschluss aller Ortsteile war der See noch zu Projektbeginn mit einem Gesamt-P-Gehalt \u00fcber 50 \u00b5g\/l als eutroph zu bezeichnen. Dies f\u00fchrte immer wieder zu Algenbl\u00fcten, wodurch die Sichttiefe im See w\u00e4hrend der Badesaison h\u00e4ufig unter 0,5 m abfiel und ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr das Auftreten toxinbildender Cyanobakterien bestand.<br \/>\nAus dem oberhalb des Sees liegenden, 15 km\u00b2 gro\u00dfen Wasserschutzgebiet der HEW HofEnergie+Wasser GmbH werden aus 17 Tiefbrunnen bis 2 Mio m\u00b3 Trinkwasser pro Jahr entnommen. Trotz eines Ackeranteils im Einzugsgebiet von nur 10 % lag der Nitratgehalt im gef\u00f6rderten Rohmischwasser seit 1995 \u00fcber dem EU-Richtwert (25 mg\/l). Die 1996 begonnene Kooperation mit der Landwirtschaft brachte bei Sickerwasserkontrollen zwar Verbesserungen, der erhoffte Effekt im Trinkwasser war aber bis An-fang 2000 ausgeblieben.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZur Kl\u00e4rung der Eintragspfade von Phosphor und Stickstoff in das Grundwasser und den Wei\u00dfenst\u00e4dter See wurde nach Durchf\u00fchrung eines erg\u00e4nzenden Messprogramms eine umfassende Datenauswertung und Beurteilung vorgenommen. Darauf aufbauend wurden vereinfachte Prognosemodelle erprobt und f\u00fcr die Internetnutzung der jeweiligen Zielgruppen in der Sprache PHP4 programmiert. Auf der Basis von PostgreSQL (Datenbank) und MapServer (GIS) wurde eine Anwendung zur einfacheren Verwaltung der relevanten Punkt- und Fl\u00e4chendaten im Einzugsgebiet entwickelt.<br \/>\nDie Entscheidungsfindung und Umsetzung geeigneter Ma\u00dfnahmen erfolgte multilateral und konsensorientiert in thematischen Arbeitsgruppen. Vorschl\u00e4ge zur Fortf\u00fchrung des Kooperationsmodells und des-sen Anwendung in anderen Einzugsgebieten wurden in einer entsprechenden Machbarkeitsstudie dargelegt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Um die Motivation der Beteiligten, die Beratungsakzeptanz und dadurch auch die Effizienz der zur Ver-f\u00fcgung stehenden Mittel zu verbessern, wurden im Rahmen des Projekts die Voraussetzungen f\u00fcr ein integriertes Einzugsgebietsmanagement mit den lokalen Akteuren (bottom up) geschaffen.<br \/>\nDurch das Messprogramm konnte belegt werden, dass die zun\u00e4chst verd\u00e4chtigten Fischteiche und Drainagen kaum zur Phosphorbelastung des Sees beitragen. Auch die Bodenerosion von Ackerfl\u00e4chen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Dagegen wurden vor allem auf wechselfeuchten Standorten unerwartet hohe Phosphoraustr\u00e4ge unter Wald nachgewiesen, die u. a. auf die starke Bodenversauerung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Die H\u00e4lfte der Gesamt-Phosphorfracht im Jahr 2002 gelangte w\u00e4hrend Hochwasserereignissen in den See, da eine \u00dcberschwemmung der Auenbereiche wegen der Eintiefung der begradigten Gew\u00e4sserl\u00e4ufe kaum noch stattfindet.<br \/>\nDiesem Problem wurde kurzfristig durch die im Rahmen der gegebenen Besitzverh\u00e4ltnisse m\u00f6gliche Renaturierung der Seezul\u00e4ufe mit Sedimentfallen entgegengetreten. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bayer. Landesamt f\u00fcr Wasserwirtschaft, dem Bezirksfischereiverband, u. a. im Projekt Biomanipulation konnte zudem eine g\u00fcnstigere Fischartenverteilung und die Ansiedlung von Wasserpflanzen im See erreicht werden. Unverzichtbar ist der weitere Umbau der Fichtenforste in standortgerechte Mischw\u00e4lder seitens der Forstverwaltung und Privatwaldbesitzer, f\u00fcr die das Projekt entscheidenden Ansto\u00df gab.<br \/>\nDie Stickstoffbilanzierung der landwirtschaftlichen Betriebe zeigte, dass trotz der kooperationsbedingten Erfolge der aus Sicht des Grundwasserschutzes tolerierbare N-\u00dcberhang noch h\u00e4ufig \u00fcberschritten wird. Der bisherige Nitratverlauf im Trinkwasser konnte nur nachvollzogen werden, in dem auch fast 50 Jahre nach der Flurbereinigung noch eine erh\u00f6hte Stickstofffreisetzung aus den damals umgebrochenen und drainierten Nutzfl\u00e4chen einkalkuliert wurde. Diese Erkenntnisse f\u00fchrten bei vielen Landwirten zur Bereitschaft, diese Problemfl\u00e4chen zumindest wieder zum mehrj\u00e4hrigen Feldfutterbau zu nutzen.<br \/>\nDurch die pr\u00e4mienunterst\u00fctzte Optimierung der Ackerbewirtschaftung konnte das Erosionsrisiko und die Nitratauswaschung im Projektverlauf weiter verringert werden. Im Herbst 2004 waren \u00fcber 60 % der Ackerfl\u00e4chen begr\u00fcnt, w\u00e4hrend dieser Anteil 1999 bei nur 40 % lag. Der Nitratgehalt im Rohmischwas-ser der HEW HofEnergie+Wasser GmbH verringerte sich inzwischen wieder auf unter 20 mg\/l. Nach Anpassung der Kooperationsvereinbarung mit dem Wasserversorger m\u00fcssen Landwirte keine \u00dcber-schneidungen mit anderen F\u00f6rderprogrammen mehr bef\u00fcrchten.<br \/>\nZur Unterst\u00fctzung der Agrar- und Fischereifachberatung wurden einfache Modelle zur Prognose des Effekts von Nutzungs\u00e4nderungen auf die Gew\u00e4sserg\u00fcte entwickelt. Unter www.wasser-verbindet.de stehen mehrere interaktive Anwendungen f\u00fcr Teichwirte (TeichTest), Landwirte (AckerTest), sowie die Sachbearbeiter der Kommunen, Wasserversorger und Beh\u00f6rden (LandPrognos) zur Verf\u00fcgung. Die GIS-gest\u00fctzte Datenbankapplikation WasserAgent erm\u00f6glicht den Beteiligten nach entsprechender Authorisierung via Internet gezielten Zugriff auf vorhandene Fl\u00e4chendaten und F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten. Alle Werkzeuge k\u00f6nnen ohne weitere Spezialkenntnisse und Lizenzgeb\u00fchren in der Beratung genutzt werden.<br \/>\nBesonderer Wert wurde auf eine zielgruppenspezifische \u00d6ffentlichkeitsarbeit gelegt. Neben diversen Auftritten in den Medien und an Marktst\u00e4nden wurden zahlreiche Aktionen zum Thema f\u00fcr Kinder, Sch\u00fcler und Studenten durchgef\u00fchrt. Mit der Projektzeitung Wasser-verbindet wurden alle Interessierten regelm\u00e4\u00dfig informiert. Ein H\u00f6hepunkt war die zun\u00e4chst umstrittene Abfischung des Wei\u00dfenst\u00e4dter Sees am 18.10.2003, an der \u00fcber 80 unerm\u00fcdliche Helfer beteiligt waren. Etwa 5.000 Besucher informierten sich zum Gew\u00e4sserschutz und lie\u00dfen sich regionale Spezialit\u00e4ten schmecken. Zur Freude der B\u00fcrger und G\u00e4ste wies der See 2004 erstmals wieder deutlich gr\u00f6\u00dfere Sichttiefen w\u00e4hrend der Badesaison auf.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit Wasser-verbindet gelang es, die im Projektgebiet ablaufenden komplexen Prozesse allgemeinverst\u00e4ndlich darzustellen und praktikable Abhilfema\u00dfnahmen zu erarbeiten. Als Beitrag zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie soll das erprobte Instrumentarium nun im n\u00e4chsten Schritt unter diesem Markenzeichen in eine bayerisch-tschechische Kooperation zur Verringerung der in den Eger-Stausee (\u00dadoln\u00ed n\u00e1dr\u009e skaIka) gelangenden N\u00e4hrstofffrachten m\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Projektziel ist die Verringerung der diffusen N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge in die Gew\u00e4sser zur Sicherung der Trink- und Badewasserqualit\u00e4t. Das Wei\u00dfenst\u00e4dter Becken umfasst das Flusseinzugsgebiet der Eger von der Quelle bis Wei\u00dfenstadt und hat eine Gr\u00f6\u00dfe von 32 km\u00b2. Es wird zu 2\/3 forstlich und zu 1\/3 landwirt-schaftlich genutzt. 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