{"id":21819,"date":"2023-07-31T10:32:01","date_gmt":"2023-07-31T08:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/33881-01\/"},"modified":"2023-07-31T10:32:05","modified_gmt":"2023-07-31T08:32:05","slug":"33881-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/33881-01\/","title":{"rendered":"Beseitigung und Vermeidung nutzungsbedingter anthropogener Umweltsch\u00e4den am Beispiel der national bedeutenden Schlosskapelle in Celle"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Celler Schlosskapelle ist ein Gesamtkunstwerk von europ\u00e4ischem Rang. Die \u00dcbernutzung durch starken Besucherverkehr f\u00fchrte in den 1960er Jahren und von 1980 bis 1994 zu erheblichen anthropo-genen Sch\u00e4den. Die \u00f6ffentliche Zug\u00e4nglichkeit musste deshalb seit 1995 auf einen verglasten Besucherraum beschr\u00e4nkt werden. Dieses Schutzkonzept wurde in den letzten Jahren jedoch zunehmend hinterfragt und die fr\u00fchere Zug\u00e4nglichkeit gefordert.<br \/>\nMit dem Modellvorhaben sollten daher die M\u00f6glichkeiten und die Grenzen der Nutzung ermittelt werden. Hauptziel war und ist jedoch die Beseitigung und Vermeidung anthropogener Umweltsch\u00e4den infolge von zu h\u00e4ufigen und zu starken Klimaschwankungen. F\u00fcr die besonders gef\u00e4hrdeten Holztafel- und Leinwandgem\u00e4lde galt es, das konservatorische Optimum zu bestimmen, um zu trockene und zu feuchte Raumklimabedingungen ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZu diesem Zweck wurde anhand von bauphysikalischen Voruntersuchungen f\u00fcr die Schlosskapelle eine Anlage entwickelt und realisiert, die zur automatischen Be- und Entl\u00fcftung sowie zur Entfeuchtung dient (Machbarkeitsstudie Klimatechnik). Zur Programmierung und zur Pr\u00fcfung ihrer Wirksamkeit wurden umfangreiche Untersuchungen durchgef\u00fchrt, insbesondere Klimamessungen und Zustandskontrollen ausgew\u00e4hlter Referenzfl\u00e4chen. Au\u00dferdem wurde in einem innovativen Projektansatz ein bauphysikalisches 3D-Rechenmodell der Schlosskapelle erstellt. Dadurch wurden Str\u00f6mungssimulationen wie auch virtuelle Nutzungserprobungen erm\u00f6glicht.<br \/>\nPhase 1: Erstellung eines bauphysikalischen 3D-Rechenmodells (IWB, Universit\u00e4t Stuttgart).<br \/>\nPhase 2: Validierung und Optimierung des Modells. Simulation in station\u00e4rer\/instation\u00e4rer Betrachtung. Mittels CFD-Simulation virtueller Funktionstest der Anlage zur Be-\/Entl\u00fcftung und Entfeuchtung.<br \/>\nPhase 3: Begleitung und Pr\u00fcfung des Testbetriebs der Anlage mittels Str\u00f6mungssimulation.<br \/>\nMakro-\/Mikroklimadatenerfassung in allen Projektphasen sowie restauratorisches und mikrobiologisches Referenzfl\u00e4chenmonitoring.<br \/>\nZu diesem Zweck wurde anhand von bauphysikalischen Voruntersuchungen f\u00fcr die Schlosskapelle eine Anlage entwickelt und realisiert, die zur automatischen Be- und Entl\u00fcftung sowie zur Entfeuchtung dient (Machbarkeitsstudie Klimatechnik). Zur Programmierung und zur Pr\u00fcfung ihrer Wirksamkeit wurden umfangreiche Untersuchungen durchgef\u00fchrt, insbesondere Klimamessungen und Zustandskontrollen ausgew\u00e4hlter Referenzfl\u00e4chen. Au\u00dferdem wurde in einem innovativen Projektansatz ein bauphysikalisches 3D-Rechenmodell der Schlosskapelle erstellt. Dadurch wurden Str\u00f6mungssimulationen wie auch virtuelle Nutzungserprobungen erm\u00f6glicht.<br \/>\nPhase 1: Erstellung eines bauphysikalischen 3D-Rechenmodells (IWB, Universit\u00e4t Stuttgart).<br \/>\nPhase 2: Validierung und Optimierung des Modells. Simulation in station\u00e4rer\/instation\u00e4rer Betrachtung. Mittels CFD-Simulation virtueller Funktionstest der Anlage zur Be-\/Entl\u00fcftung und Entfeuchtung.<br \/>\nPhase 3: Begleitung und Pr\u00fcfung des Testbetriebs der Anlage mittels Str\u00f6mungssimulation.<br \/>\nMakro-\/Mikroklimadatenerfassung in allen Projektphasen sowie restauratorisches und mikrobiologisches Referenzfl\u00e4chenmonitoring.Zu diesem Zweck wurde anhand von bauphysikalischen Voruntersuchungen f\u00fcr die Schlosskapelle eine Anlage entwickelt und realisiert, die zur automatischen Be- und Entl\u00fcftung sowie zur Entfeuchtung dient (Machbarkeitsstudie Klimatechnik). Zur Programmierung und zur Pr\u00fcfung ihrer Wirksamkeit wurden umfangreiche Untersuchungen durchgef\u00fchrt, insbesondere Klimamessungen und Zustandskontrollen ausgew\u00e4hlter Referenzfl\u00e4chen. Au\u00dferdem wurde in einem innovativen Projektansatz ein bauphysikalisches 3D-Rechenmodell der Schlosskapelle erstellt. Dadurch wurden Str\u00f6mungssimulationen wie auch virtuelle Nutzungserprobungen erm\u00f6glicht.<br \/>\nPhase 1: Erstellung eines bauphysikalischen 3D-Rechenmodells (IWB, Universit\u00e4t Stuttgart).<br \/>\nPhase 2: Validierung und Optimierung des Modells. Simulation in station\u00e4rer\/instation\u00e4rer Betrachtung. Mittels CFD-Simulation virtueller Funktionstest der Anlage zur Be-\/Entl\u00fcftung und Entfeuchtung.<br \/>\nPhase 3: Begleitung und Pr\u00fcfung des Testbetriebs der Anlage mittels Str\u00f6mungssimulation.<br \/>\nMakro-\/Mikroklimadatenerfassung in allen Projektphasen sowie restauratorisches und mikrobiologisches Referenzfl\u00e4chenmonitoring.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der aus Mitteln des Landes Niedersachsen finanzierte Einbau der L\u00fcftungs- und Entfeuchtungsanlage erfolgte w\u00e4hrend der Projektlaufzeit im Kontext der pr\u00e4ventiv-konservierenden Bauunterhaltung. Dabei wurde der Luftwechsel durch Fenster- und T\u00fcr\u00f6ffnungen reduziert und der Zugang zum Besucherraum mit einem Windfang ausgestattet. <\/p>\n<p>Die konservatorische Wirksamkeit der Anlage wurde vor ihrem Einbau mittels 3D-Rechenmodell und Str\u00f6mungssimulation virtuell getestet. Nach dem Einbau wurden die berechneten Daten mit den realen Messwerten verglichen. Dadurch konnten die Wirksamkeit und Notwendigkeit der Anlage best\u00e4tigt wer-den sowie auch die Praxistauglichkeit des 3D-Rechenmodells.<\/p>\n<p>Nach dem problemlosen Probebetrieb (von Mai 2019 bis M\u00e4rz 2020) wurde die Anlage in Bezug auf die Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit (r. F.) mit den Sollwerten +5 bis +18\u00b0C und 55 bis 60 % r.F. programmiert: Die Anlage wurde bewusst nicht mit einer apparativen Luftbefeuchtung ausgestattet, um das Risiko von lokalen Feuchtebelastungen im Bereich von W\u00e4rmebr\u00fccken auszuschlie\u00dfen. Im Gegensatz zum oberen Sollwert des Klimakorridors kann der untere 55 % r .F.-Wert deshalb nicht \u0084erzwungen\u0093 werden. Dieser Wert kann von der Anlage nur dann erreicht oder eingehalten werden, wenn die Au\u00dfenluft mindestens 55 % r. F. aufweist.<\/p>\n<p>Die mikrobiologische Untersuchung von insgesamt 19 Referenzfl\u00e4chen ergab den Nachweis von drei Aspergillus und mehreren Penicillium Arten sowie auch von Cladosporien und Bakterien. Mittels Refe-renzfl\u00e4chenmonitoring konnte bisher noch kein nennenswerter R\u00fcckgang des mikrobiellen Befalls fest-gestellt werden. Jedoch ist dies aufgrund des Anlagenbetriebs mit Luftentfeuchtung und -bewegung in Zukunft auch dort zu erwarten, wo bisher problematische Mikroklimata mit erniedrigten Oberfl\u00e4chentemperaturen vorherrschten.<\/p>\n<p>Die denkmalvertr\u00e4gliche Nutzung der Schlosskapelle wurde mit unterschiedlichen Formaten erprobt. Das konservatorisch bevorzugte Format ist die \u0084gef\u00fchrte Gruppe\u0093 mit h\u00f6chstens 12 Personen bei einer Aufenthaltsdauer von 20 Minuten\/Tag. Die bauphysikalisch definierten Grenzwerte (25 Personen und 60 Minuten\/Tag) werden im Sinne der pr\u00e4ventiven Konservierung deutlich unterschritten, um eine erneute anthropogene Substanzgef\u00e4hrdung mit Sicherheit ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektgruppe hat insbesondere im Jahr des Reformationsjubil\u00e4ums 2017 im Rahmen der Ausstel-lung \u0084Zeichen Setzen\u0093 in Celle und mit Presseterminen zum Reformationsgottesdienst am 23.10.2017, die auch zur Information \u00fcber den Ansatz und die Ziele des Modellprojektes dienten.<br \/>\nZwischenergebnisse wurden im Rahmen der Fachtagung \u0084Klimazone Kirche\u0093 im Jahr 2019 pr\u00e4sentiert und publiziert (Stadlbauer et al. 2019. \u0084Das Modellprojekt Celler Schlosskapelle oder: Wieviel Mensch vertr\u00e4gt das Denkmal?\u0093).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit den Ergebnissen des Modellprojektes und der Inbetriebnahme der Anlage zur Raumluftkonditionie-rung wurden wichtige Voraussetzungen geschaffen, das Gesamtkunstwerk Schlosskapelle auf Dauer zu erhalten und denkmalvertr\u00e4glich zu nutzen. Die detaillierte Ausarbeitung von Nutzungs-, Wartungs- und Pflegekonzepten ist Jahr 2021 geplant. <\/p>\n<p>Die folgenden weiteren Arbeitsschritte sind vorgesehen:<br \/>\n&#8211;\tFortsetzung des Monitorings mit Klimamessung (NLD und HAWK),<br \/>\n&#8211;\tGrundreinigung des Innenraums (NLD in Abstimmung mit SBLH),<br \/>\n&#8211;\tRechtliche und baulich-technische Vorbereitung der Kapellennutzung ab 2022,<br \/>\n&#8211;\tBeginn der dokumentierten Nutzungsphase ab 2023,<br \/>\n&#8211;\tRegelm\u00e4\u00dfige Evaluierung der Daten und Erkenntnisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Celler Schlosskapelle ist ein Gesamtkunstwerk von europ\u00e4ischem Rang. Die \u00dcbernutzung durch starken Besucherverkehr f\u00fchrte in den 1960er Jahren und von 1980 bis 1994 zu erheblichen anthropo-genen Sch\u00e4den. Die \u00f6ffentliche Zug\u00e4nglichkeit musste deshalb seit 1995 auf einen verglasten Besucherraum beschr\u00e4nkt werden. 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