{"id":21804,"date":"2024-12-01T10:32:35","date_gmt":"2024-12-01T09:32:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17638-01\/"},"modified":"2024-12-01T10:32:35","modified_gmt":"2024-12-01T09:32:35","slug":"17638-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17638-01\/","title":{"rendered":"Demonstrationsbetrieb einer photovoltaisch betriebenen Passagierf\u00e4hre am Bodensee"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Bodensee dient ca. 50.000 Schiffen als Verkehrsraum. Da er gleichzeitig die Funktion eines Trinkwasserspeichers erf\u00fcllen muss, ist die Entwicklung gew\u00e4sserschonender Schiffstechnologien und deren Einsatz von besonderer Bedeutung. Insbesondere in den Sommermonaten werden immer mehr Transportleistungen von der Fahrgastschifffahrt verlangt. Personenfahrgastschiffe mit Solarantrieben stellen eine der wenigen M\u00f6glichkeiten dar, wie mit regenerativen Energien Mobilit\u00e4tsleistungen erbracht werden k\u00f6nnen. Nach ersten positiven Erfahrungen mit kleinen Solarbooten wird ab dem Fr\u00fchsommer 2000 auf dem Untersee eine neue Solarf\u00e4hre als Personen- und Fahrradf\u00e4hre eingesetzt. Ziel der Initiative ist es, eine \u00f6ffentliche, fahrplanm\u00e4\u00dfige Personenf\u00e4hrverbindung mit einem Solarschiff zwischen dem deutschen Ufer der H\u00f6ri-Halbinsel und dem Schweizer Ufer des Untersees aufzubauen. Die Bodensee-Stiftung gew\u00e4hrleistet mit dem Projekt den Demonstrationsbetrieb in enger Zusammenarbeit mit dem Verein Solarf\u00e4hre Untersee und weiteren regionalen Partnern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr das Projekt wurde von der Kopf AG ein Solarschiff gechartert. Das Solarschiff Helio wurde speziell f\u00fcr den Personenf\u00e4hrbetrieb konzipiert und von der KOPF AG gebaut. Um eine maximale Unabh\u00e4ngigkeit des Schiffs zu erreichen, wurden die vorhandenen Dachfl\u00e4chen weitgehend mit Solarmodulen ausgestattet (Leistung 4,2 kWp). Das gew\u00f6lbte Dach stellt eine innovative Herausforderung dar.Das Projekt gliedert sich in folgende Bereiche:<br \/>\n1.\tEinsatz der Solarf\u00e4hre Helio von 20. Mai bis 30. Juni und 11. September bis 1. Oktober 2000 jeweils Montag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag, vom 1. Juli bis 9. September jeweils Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag (in Erg\u00e4nzung zur H\u00f6ri-F\u00e4hre) im F\u00e4hrbetrieb Gaienhofen-Steckborn<br \/>\n2.\tPr\u00e4sentation der Solarf\u00e4hre bei Pressereisen, Fernsehberichten u. \u00e4.<br \/>\n3.\tPr\u00e4sentation der Solarf\u00e4hre als Weltweites Projekt der EXPO 2000 (01.06. bis 31.10.2000)<br \/>\n4.\tEinsatz des Schiffes als Eventschiff f\u00fcr \u00f6ffentliche, touristische und private Anl\u00e4sse.<br \/>\n5.\t\u00d6ffentlichkeitsarbeit<br \/>\n6.\tDokumentation<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Solarf\u00e4hre Helio wurde von Mai bis Anfang Oktober als Personen- und Fahrradf\u00e4hre zwischen Gaienhofen und Steckborn eingesetzt. Ziel des Demonstrationsbetriebs war, die eingesetzten Techniken zu testen, Erfahrungen zur Akzeptanz der Verbindung zu sammeln und das Solarschiff probeweise als schwimmende Bildungsst\u00e4tte einzusetzen.<br \/>\nF\u00fcr die Solarf\u00e4hre Helio wurden erstmals kr\u00fcmmungsf\u00e4hige Kunststoff-Solarmodule eingesetzt. Kurz nach Saisonstart der F\u00e4hre wurden erste Sch\u00e4den am Solardach festgestellt. Die auf dem Schiff erstmals eingesetzten Module wurden nach Saisonende komplett ersetzt. Bei dieser Ma\u00dfnahme wurden weitere Verbesserungen am Schiff eingebaut. (Abdichtung des Dachs, Eingangst\u00fcren, Vollpersenning, Toilette, Scheuerleiste etc.). Neben der Solargeneratoranlage wurden auch Verbesserungen in der Ladeelektronik eingef\u00fchrt.<br \/>\nDie Motorisierung des Schiffs mit 2 Elektromotoren (je max. 12 kW) hat sich im Normalbetrieb bew\u00e4hrt. Bei starken Winden (> 7 Bft) und Wellengang wurde der Betrieb der F\u00e4hre eingestellt. Mit dem Einsatz der Elektromotoren wurde erstmals nachgewiesen, dass eine emissionsfreie Fahrgastschifffahrt auf Bin-nenseen m\u00f6glich ist.<br \/>\nDie Akzeptanz der Solarf\u00e4hren-Verbindung konnte durch das neue Schiff gesteigert werden. So fuhren an den 90 F\u00e4hrtagen im Sommer 2000 insgesamt 5427 Erwachsene, ca. 2500 Kinder (keine exakte Erhebung, da Kinder kostenlos fahren) und 2132 Fahrr\u00e4der (plus ca. 500 Kinderfahrr\u00e4der). Damit nutzten im Vergleich zum Vorjahr \u00fcber doppelt so viele Menschen die Solarf\u00e4hre.<br \/>\nDie Solarf\u00e4hre ist eine der rund 150 Attraktionen, die mit der Bodensee-Erlebniskarte genutzt werden k\u00f6nnen. Dieses Angebot haben 169 Besitzer der Bodensee-Erlebniskarte in Anspruch genommen.<br \/>\nDie Solarf\u00e4hre Helio eignet sich in besonderer Weise als schwimmende Bildungsst\u00e4tte. Sie wurde im Demonstrationsbetrieb mehrfach als Exkursionsschiff eingesetzt (total 230 Teilnehmer). Mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung und der Allianz Umweltstiftung wurden Bildungsprogramme aufgebaut. Innerhalb der Projektlaufzeit fanden 14 weitere Sonderfahrten mit der Solarf\u00e4hre statt. Daneben konnte die Werft KOPF AG ihr Schiff bei einigen Events (Ausfahrt der Bodensee-Wasserversorgung, Brennstoffzellentagung etc.) pr\u00e4sentieren.<br \/>\nDie Solarf\u00e4hre war auch Einsatzfahrzeug f\u00fcr das Handlungsfeld Landwirtschaft im Projekt Zukunftsf\u00e4higer Bodensee. Der Verband der Biobauern der Ostschweiz veranstaltete auf der Solarf\u00e4hre eine kulinarische Rundfahrt. Die Arbeitsgruppe Untersee-Gen\u00fcsse des Vereins Tourismus Untersee f\u00fchrte eine Solarbootsternfahrt auf ein kulinarisches Seeerlebnis mit 7 Gastronomiebetrieben durch. Die Solarf\u00e4hre diente dabei als zentrales Zubringerschiff.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeit wurde \u00fcber das Projekt Solarf\u00e4hre offensiv informiert. Das Medienecho zur Er\u00f6ffnung der Linie war \u00fcberraschend gro\u00df. W\u00e4hrend der Laufzeit des Probebetriebes haben mehrere Fernseh- und H\u00f6rfunksender \u00fcber die F\u00e4hre berichtet.<br \/>\nDas Projekt Zukunftsf\u00e4higer Bodensee der Bodensee-Stiftung wurde mit der Solarf\u00e4hre als Weltweites Projekt der Weltausstellung EXPO 2000 Hannover und im Global House vorgestellt. Aus vielen Regionen Europas, Asiens, Afrikas und aus den USA ist Interesse an der Konzeption der Solarf\u00e4hre gezeigt worden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die fr\u00fcher schon bestehende F\u00e4hrverbindung zwischen Gaienhofen und Steckborn erlebte durch das Projekt Solarf\u00e4hre Untersee eine Renaissance. Aufgrund der sehr guten Resonanz der neuen umweltschonenden F\u00e4hrverbindung wird jetzt eine Solarf\u00e4hren-Verbindung eingerichtet, die langfristig Bestand hat und einen konstanten Platz in der Tourismus-Region Bodensee-Untersee bekommen soll. Das Projekt wirkt \u00fcber den eigentlichen Einsatzbereich hinaus innovationsf\u00f6rdernd und stellt in Europa ein Beispiel f\u00fcr leistungsf\u00e4hige, \u00f6kologisch orientierte Mobilit\u00e4tsentwicklung dar. Die technischen Innovationen, die auf dem Schiff konzentriert zum Einsatz kommen, haben sich nach anf\u00e4nglichen Schwierigkeiten weitgehend bew\u00e4hrt. Einzelne Anpassungen wie beispielsweise die Netzeinspeisung in Liegezeiten werden derzeit gepr\u00fcft.<br \/>\nDurch den Demonstrationsbetrieb ist es gelungen, in der Allianz Umweltstiftung einen weiteren Partner f\u00fcr das Projekt zu gewinnen. Diese und das Wirtschaftsministerium Baden-W\u00fcrttemberg sichern durch ihre Investitionshilfen den dauerhaften Betrieb der Solarf\u00e4hre. Die beteiligten Gemeinden, Initianten und Unternehmen hatten und haben die M\u00f6glichkeit einer Profilierung im Umweltbereich erkannt und genutzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Bodensee dient ca. 50.000 Schiffen als Verkehrsraum. Da er gleichzeitig die Funktion eines Trinkwasserspeichers erf\u00fcllen muss, ist die Entwicklung gew\u00e4sserschonender Schiffstechnologien und deren Einsatz von besonderer Bedeutung. Insbesondere in den Sommermonaten werden immer mehr Transportleistungen von der Fahrgastschifffahrt verlangt. 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