{"id":21792,"date":"2025-06-25T10:32:14","date_gmt":"2025-06-25T08:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17619-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:32:16","modified_gmt":"2025-06-25T08:32:16","slug":"17619-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17619-01\/","title":{"rendered":"Evaluierung von Schutzma\u00dfnahmen an umweltgesch\u00e4digten Denkm\u00e4lern aus Naturstein am Beispiel Alte Pinakothek in M\u00fcnchen und Schlo\u00df Schillingsf\u00fcrst in Franken (Bayern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die seit Mitte 1960 mit siliciumorganischen Festigern und Hydrophobierungsmitteln konservierten Denkm\u00e4ler aus Naturstein bed\u00fcrfen in absehbarer Zeit einer erneuten Behandlung, da sich die Wirkung der Schutzstoffe in der Zwischenzeit abgebaut hat. Trotz der verminderten SO2 &#8211; Immissionen beseht nach wie vor eine hohe Umweltbelastung, insbesondere durch NOx-Verbindungen, die einen wirksamen Schutz der Natursteine erforderlich machen. Das Projekt untersucht die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen die Wiederbehandlung mit einem Risiko f\u00fcr die Originalsubstanz verbunden ist. M\u00f6gliche Risiken resultieren aus der Tatsache, dass die in der Vergangenheit im Gestein angereicherten Schadstoffe weiterhin sch\u00e4digend wirken. Dar\u00fcber hinaus besteht die M\u00f6glichkeit, dass entscheidende Materialeigenschaften so nachteilig ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnten, dass mittel- oder langfristig mit Folge-sch\u00e4den gerechnet werden m\u00fcsste.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Alte Pinakothek in M\u00fcnchen und Schloss Schillingsf\u00fcrst in Franken bieten die Voraussetzung, die Risiken einer Wiederbehandlung auch quantitativ zu untersuchen, da die Fassaden beider Objekte in den Jahren 1986 bis 1992 eingehend untersucht und dokumentiert sind.<br \/>\nAusgehend von den im Leitfaden Steinkonservierung aufgestellten Anforderungskriterien soll zun\u00e4chst die Restwirksamkeit von Festigung und Hydrophobierung im Vergleich zu den Vormessungen beurteilt werden. In Screening Tests werden aus handels\u00fcblichen und modifizierten Steinschutzstoffen sogenannte Favoriten ausgew\u00e4hlt, welche an Originalgestein im Labor und nachfolgend an Musterfl\u00e4chen an den Objekten erprobt werden.<br \/>\nF\u00fcr die Eignung eines Konservierungsmittels zur Wiederbehandlung werden insbesondere die \u00c4nderung der Wasserdampfleitf\u00e4higkeit, das Festigkeitsprofil sowie der Verlauf des E-Moduls bewertet. Zus\u00e4tzliche Kriterien werden durch Messung der Ultraschallgeschwindigkeit und der Mikrobohrh\u00e4rte gewonnen. Die Ergebnisse werden gegen Ende des Projekts in einem Seminar den interessierten Denkmalpflegern, Restauratoren und Gutachtern im Bereich Steinkonservierung zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die bisherigen Untersuchungen zur Wasseraufnahmepr\u00fcfung an der Alten Pinakothek ergaben, dass die in den 1980er Jahren aufgebrachte Hydrophobierung gegenw\u00e4rtig noch als zufriedenstellend einzustufen ist. Durch die Wiederbehandlung konnte bei allen Variet\u00e4ten eine Absenkung der Wasseraufnahme bis auf Werte unter 0,1 kg\/m2\u00d6h erreicht werden.<br \/>\nDie Trocknung der Fassade der Alten Pinakothek ist nach einem Regenereignis mit Hinblick auf die Ergebnisse der Wasserdampfleitf\u00e4higkeit nicht gef\u00e4hrdet.<br \/>\nDie Messungen zur Festigkeit des Regensburger Gr\u00fcnsandsteins zeigen, dass die Verwitterung in den vergangenen 12 bis 15 Jahren eine Entfestigung des Materials verursacht hat. Die Festigkeitsprofile aus dem Jahr 2001 weisen auf eine Gef\u00fcgelockerung in den ersten 5 mm ab der Oberfl\u00e4che hin. Im Rahmen der Wiederbehandlung konnte in Abh\u00e4ngigkeit vom Schutzmittel eine Steigerung der Festigkeit erreicht werden, ohne kritische Heterogenit\u00e4ten im Tiefenprofil zu schaffen. Allerdings sind deutliche Unterschiede zwischen Labor- und Objektbehandlung festzustellen, wobei sich die letzteren als weit weniger wirkungsvoll erwiesen.<br \/>\nDie bisherigen Untersuchungen zur Wasseraufnahmepr\u00fcfung an Schloss Schillingsf\u00fcrst ergaben, dass die in den 1970\/80er Jahren eingesetzte Hydrophobierung der Fassade &#8211; insbesondere auf Originalmaterial &#8211; mittlerweile vollkommen unwirksam ist. Zum Teil liegen die Werte der Wasseraufnahme ebenso hoch wie die des unbehandelten Gesteins. Durch die Wiederbehandlung im Labor mit Unil 290, Funcosil SL und Funcosil SNL konnte bei der Schilfsandsteinvariet\u00e4t aus Diebach\/Gailnau eine Absenkung der Wasseraufnahme auf Werte z. T. deutlich unter 0,4 kg\/m2\u00d6h erreicht werden. Das Austauschmaterial erreicht sogar w-Werte von kleiner 0,1 kg\/m2\u00d6h. Die Wiederbehandlung an der Fassade bewirkte bei beiden Variet\u00e4ten nur eine ungen\u00fcgende Minimierung der Wasseraufnahme (im Mittel > 0,5 kg\/m2\u00d6h). Bei den Auswertungen der Festigkeitseigenschaften in Folge der Wiederbehandlungen konnte f\u00fcr das Austauschmaterial aus Schleerith festgestellt werden, dass widererwartend eine Steigerung der Biaxialen Biegezugfestigkeit und des E-Moduls erfolgt war. Das Originalmaterial zeigt keine vergleichbaren Ergebnisse.<br \/>\nDen Ergebnissen d. Wasserdampfleitf\u00e4higkeit als Resultat einer Wiederbehandlung zur Folge, sollten d. Schutzmittel zur Applikation auf Austauschmaterial unbedingt in verd\u00fcnnter Form eingebracht werden.<br \/>\nGenerell kann zusammenfassend festgestellt werden, dass bei einer Wiederbehandlung eine Applikation verd\u00fcnnter Agenzien h\u00f6here Eindringtiefen erreicht und somit harmonischere Profile gesteinphysikalischer Parameter bewirkt. Diese Resultate an den Musterfl\u00e4chen stehen im Gegensatz zu den Laborexperimenten, in deren Verlauf bei den verd\u00fcnnten Produkten der E-Modul unerw\u00fcnscht stark angestiegen ist. Bei der Anwendung auf Originalmaterial an Schloss Schillingsf\u00fcrst konnte jedoch durch diese modifiziert Anwendung keine gen\u00fcgende Minderung der Wasseraufnahme erreicht werden.<br \/>\nDie Ergebnis zeigen eindeutig, dass eine Wiederbehandlung von Natursteinfassaden zu deren Schutz und weiterem Erhalt vertretbar ist. Allerdings sind Laboruntersuchungen im Vorfeld einer jeden Behandlung und eine sehr gewissenhafte Vorgehensweise ein absolutes Muss. Die genetisch bedingten Heterogenit\u00e4ten der unterschiedlichen Natursteine erschweren generell die Vorhersagbarkeit diverser Wechselwirkungen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass eine gealterte Konservierung als Basis f\u00fcr eine erneute Konsolidierung die Schwierigkeiten, deren Erfolg vorherzusagen, deutlich erschwert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projekts wurde der DBU Workshop zum Thema Wiederbehandlung von Natursteinen gemeinsam mit der EUROMARBLE Tagung in M\u00fcnchen veranstaltet. Bei dieser Gelegenheit wurden die erzielten Ergebnisse vorgestellt und mit WissenschaftlerInnen und DenkmalpflegerInnen auf internationalem Podium diskutiert. In Folge dieser Veranstaltung erschien ein umfassender Tagungsband. In einer Denkmalpflege-Info wurde \u00fcber diese Tagung und deren Ergebnisse berichtet. Des weiteren werden die Kernaussagen der Untersuchungen in der Reihe der Arbeitsbl\u00e4tter des BLFD ver\u00f6ffentlicht, wodurch sie eine gro\u00dfe Verbreitung unter Baubeh\u00f6rden und Handwerkern erreichen. Internationale Fachkreise werden durch Beitr\u00e4ge in den Proceedings der Konferenz Stone 2004 in Stockholm informiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der Realisierbarkeit einer erfolgreichen Wiederbehandlung von Natursteinfassaden k\u00f6nnen f\u00fcr die untersuchten Objekte Alte Pinakothek in M\u00fcnchen und Schloss Schillingsf\u00fcrst in Mittelfranken folgende Empfehlungen gegeben werden:<br \/>\nIm Zeitraum von der urspr\u00fcnglichen Behandlung bis 2001 kam es zu einem Nachlassen der Festigkeit des Regensburger Gr\u00fcnsandsteins. Sollte die Entfestigung in der selben Geschwindigkeit voran schreiten wie in den letztem 10 Jahren, so wird eine erneute Behandlung des Sandsteins dringend notwendig sein. Aus diesem Grund wird eine  erneute Nachkontrolle in einem Zeitraum von 5 bis 7 Jahren empfohlen.<br \/>\nMit Hinblick auf das Wasseraufnahmeverhalten des Schilfsandsteins an Schloss Schillingsf\u00fcrst wird unbedingt eine Erneuerung der Hydrophobierung an den exponierten S\u00fcd- und Westfassaden empfohlen, um die Sch\u00e4den an der Fassade nicht weiter zu verst\u00e4rken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die seit Mitte 1960 mit siliciumorganischen Festigern und Hydrophobierungsmitteln konservierten Denkm\u00e4ler aus Naturstein bed\u00fcrfen in absehbarer Zeit einer erneuten Behandlung, da sich die Wirkung der Schutzstoffe in der Zwischenzeit abgebaut hat. 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