{"id":21782,"date":"2023-07-13T15:20:40","date_gmt":"2023-07-13T13:20:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17594-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:40","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:40","slug":"17594-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17594-01\/","title":{"rendered":"Material- und Innenraummessungen am gesunden \u00d6ko-Haus"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Neben der \u00f6kologischen steht die gesunde Bauweise immer mehr im Vordergrund bei der Entwicklung von H\u00e4usern. Der zunehmende Einsatz  von Chemie in Baustoffen und Hauseinrichtungen gef\u00e4hrdet die nachhaltige Entwicklung zum umweltgerechten und gesunden Bauen und Wohnen. Ziel des Projektes ist es deshalb durch Untersuchungen in bereits bestehenden \u00d6ko-H\u00e4usern Gesundheitsrelevante Emissionen heraus zu finden und damit die Voraussetzungen f\u00fcr gleichzeitig umweltgerechtes und gesundes Bauen zu schaffen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm ersten Abschnitt des Projektes werden Emissionsuntersuchungen von mehr als 10 verwendeten Grund- und Ausbaumaterialien, Schl\u00fcsselprodukte aus Decken-, Wand- und Dachkonstruktion, insbesondere D\u00e4mmstoffe, in standardisierten Pr\u00fcfkammern durchgef\u00fchrt. Dabei werden insbesondere folgende gesundheitsrelevante Faktoren in das Pr\u00fcfkonzept einbezogen: Formaldehyd, VOC\/SVOC, Glykolverbindungen, K-Stoffe, Weichmacher, Holzschutzmittelwirkstoffe, MVOC, Radon, Mikroorganismen, Biozide (Screening). Als Quelle f\u00fcr die Auswahl der Pr\u00fcfmaterialien dienen \u00d6ko-H\u00e4user der Fa. Baufritz. Aufgrund der Ergebnisse werden Empfehlungen f\u00fcr geeignete Baumaterialien gegeben.<br \/>\nHierzu parallel und insbesondere im zweiten Abschnitt werden Standard-Innenraumbelastungen (ca. 250 Stoffe) untersucht. Dazu werden aktiv Luftproben von fl\u00fcchtigen organischen Komponenten wie VOC\/SVOC, Glykole, Aldehyde, Ketone, Phthalate entnommen und diese mittels gas- bzw. fl\u00fcssigchromatographischen Verfahren bestimmt. Insbesondere auch mikrobielle, und kontakt-allergene Innenraumbelastungen wie Formaldehyd und Buntmetalle werden in Luft- und Materialproben bestimmt. Dar-\u00fcber hinaus wird die geruchliche Belastung (Olfaktometrie) in den \u00d6ko-H\u00e4usern bewertet.<br \/>\nBis Sommer 2002 werden Kurzzeitmessungen in verschiedenen R\u00e4umen bereits vorhandener \u00d6ko-H\u00e4user durchgef\u00fchrt, die bis Mitte 2003 jeweils nach 6 Wochen, 6 Monaten und 1 Jahr (Langzeitkomponente) wiederholt werden. Die Innenraum-Untersuchungen werden zu verschiedenen Ausbaustufen der \u00d6ko-H\u00e4user durchgef\u00fchrt. Modellhaus 100+5, Erkheim\/ Allg\u00e4u, Kinderschlafzimmer im Obergeschoss; Baufritz Vollwert-Standard-Haus, Beerfelden (Odenwald), in zwei R\u00e4umen: Raum 1 (Erdgeschoss) und Raum 2 (Obergeschoss) jeweils a) im ersten Ausbauzustand (ohne Wand- und Deckenbel\u00e4ge), b) im schl\u00fcsselfertigen Zustand sowie c) ein Jahr nach Fertigstellung (mit Mobiliar) und B\u00fcrogeb\u00e4ude Arche, Erkheim\/Allg\u00e4u, in einem B\u00fcroraum im Obergeschoss, ein Jahr nach Fertigstellung.<br \/>\nParallel dazu wird z. B. der Sanierungserfolg bei Schimmelpilzbefall in \u00d6ko-Holzh\u00e4usern kontrolliert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei den untersuchten Objekten handelt es sich um Baufritz-Vollwert-Fertigh\u00e4user in Holztafelbauweise mit hohem \u00f6kologischen Anspruch. In diesen H\u00e4usern kommen u.a. folgende Materialien in der Grundkonstruktion zum Einsatz: Profilschalung, Gipskartonplatte, XundE-Platte, Dampfbremse (blau), Holz-st\u00e4nderwerk, Holzdeckenbalken (oberfl\u00e4chenbehandelt), Rillpappe diffusionsoffen (gr\u00fcn), Casein getr\u00e4nkte Holzsp\u00e4ne (D\u00e4mmung). Weitere Materialien kommen nach Bedarf bzw. je nach Ausbauwunsch des Kunden zum Einsatz: 18 mm Nut&#038;Feder-Holz, 18 mm Nut&#038;Feder-Holz (wei\u00dfpigmentiert), 50 mm Au\u00dfenbohle, 18 mm 3-Schichtholz, 80 mm leimgebundenes Holz. Die durchgef\u00fchrten Emissionsuntersuchungen dieser Materialien in standardisierten Pr\u00fcfkammern zeigen, dass der oberfl\u00e4chenbehandelte Deckenbalken mit einem TVOC-Wert von \u00fcber 5.000 \u00b5g\/m\u00b3 sowie das wei\u00dfpigmentierte Nut&#038;Feder-Holz (TVOC= 1110\u00b5g\/m\u00b3) hochsignifikante Emissions- und damit Belastungsquellen darstellen. In geringerem Ma\u00dfe trifft das auch auf das Holz aus dem St\u00e4nderwerk (TVOC \u00fcber 680 \u00b5g\/m\u00b3) zu. Wesentliche Emissionen dieser Materialien sind Aldehyde und Ketone, Terpen-Kohlenwasserstoffe sowie bei den oberfl\u00e4chenbehandelten Materialien Glykolverbindungen, hier insbesondere Propylenglklykolmonobutylether aber auch andere VOC, wie z. B. 1-Methyl-2-pyrrolidon.<br \/>\nDie durchgef\u00fchrten Innenraum-Untersuchungen der \u00d6ko-H\u00e4user ergeben nach Fertigstellung mehr oder minder akzeptable Innenraumbelastungen. Wie aus den eigenen Erfahrungen und aus zahlreichen Publikationen hervorgeht, besteht das eigentliche Gesundheitsrisiko f\u00fcr Allergiker in der inhalativen Belastung durch Hausstaubbestandteile (z. B. Hausstaubmilbenexkremente), Tierepithelien und Mikroor-ganismen (z. B. Schimmelpilzsporen)&#8230;<br \/>\nWesentlich im Sinne des Projektzieles sind die gemessenen erh\u00f6hten Innenraum-Konzentrationen an Terpenkohlenwasserstoffen (a-Pinen, b-Pinen, D-3-Caren und Limonen), wenn man die 90-Perzentil-Werte aus dem BGA-Survey zugrunde legt. Die ausgasenden Terpenkohlenwasserstoffe, k\u00f6nnen als Inhaltsstoffe des Holzharzes aus den verwendeten Holzwerkstoffen sowie aus den eingesetzten Nadelh\u00f6lzern der Holzrahmenkonstruktion emittiert werden.Hervorzuheben sind neben der z. T. leicht erh\u00f6hten Konzentrationen an Formaldehyd auch die gefundenen z.T. stark erh\u00f6hten Konzentration an Acetaldehyd (Ethanal) und Aceton sowie der h\u00f6heren Aldehyde wie Valeraldehyd (Pentanal) und Capronaldehyd (Hexanal). Wie bei den Terpenen liegen auch \u00fcber die Wirkungen von h\u00f6heren Aldehyden und Ketonen in dem relativ niedrigen Konzentrationsbereich aus (allergo)-toxischer Sicht wenige Erkenntnisse vor, so dass zum jetzigen Zeitpunkt eine Beurteilung nicht vorgenommen werden kann. Da diese Stoffe, hier vor allem Hexanal, ebenso wie die Terpene, auch in geringen Konzentrationen, sehr geruchsintensiv sind, tragen sie jedoch nicht unerheblich zum olfaktorischen Gesamtbild des Innenraumes bei.<br \/>\nDie ermittelten TVOC-Werte (TVOC = total volatile organic compounds), die als Ma\u00df f\u00fcr die Belastung eines Raumes mit VOC herangezogen werden, liegen bei allen untersuchten R\u00e4umen zwischen 600 und 1850 \u00b5g\/m\u00b2 und sind damit als mit VOC deutlich belastet einzustufen. Dabei werden in den untersuchten R\u00e4umen bis zu 70% der VOC-Gesamtbelastung durch die Stoffgruppen der Aldehyde und Ketone sowie der Terpen-Kohlenwasserstoffe verursacht, welche auch Ausl\u00f6ser f\u00fcr allergische Erkrankungen sein k\u00f6nnen (Kontaktallergene). So enth\u00e4lt insbesondere das Harz von frischen Nadelh\u00f6lzern z. B. gro\u00dfe Mengen Terpen-Kohlenwasserstoffe, wie Pinene, Limonen u. a., welchen z. T. starke sensibilisierende Wirkung zugeschrieben wird und die auch Hauptbestandteil der im \u00f6kologischen Hausbau h\u00e4ufig verwendeten L\u00f6semittel von Naturfarben und Terpentin\u00f6len sind. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen bei der Herstellung von Materialien aus Holz und zellulosischem Material wie Laminat, Fertigparkett oder OSB-Platten produktionsbedingt aus den Restbest\u00e4nden der Harze die sensibilisierenden Stoffe der h\u00f6heren Aldehyde und Ketone entstehen. Eine weitere Quelle f\u00fcr diese z. T. stark geruchsintensiven Stoffe sind Produkte auf Basis von Lein\u00f6l, das beispielsweise als Bindemittel in Naturfarben und zur Herstellung von Linoleum im \u00f6kologischen Hausbau h\u00e4ufig eingesetzt wird. Insbesondere n-Hexanal, welches bei den Pr\u00fcfkammeruntersuchungen im untersuchten Nut &#038; Feder-Holz, im 3-Schichtholz sowie im leimgebunden Holz gefunden wird, stellt hier eine Leitkomponente dar, wenn Geruchsbel\u00e4stigungen mit Aldehyden und Ketonen in Verbindung gebracht werden. Die Gesamtbelastung der untersuchten R\u00e4ume (TVOC) ist in den Ausbauzust\u00e4nden a) und b) insbesondere vor dem Hintergrund des frischen Einbauzustandes der Materialien zu bewerten und sinkt aber deutlich bis ein Jahr nach Fertigstellung (Langzeituntersuchungen). Lediglich die Aldehyde und Ketone sind insbesondere im 100+5-Haus leicht erh\u00f6ht, was zum einen auf die zus\u00e4tzliche M\u00f6blierung mit Holzm\u00f6bel als auch auf die geringf\u00fcgig erh\u00f6hten Temperaturen zum Messzeitpunkt im Juli 2003 zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. Bei der Bewertung der Emissionen sollte daher immer von worst case-Bedingungen ausgegangen werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aufgrund der erhaltenen Ergebnisse der Innenraumluftuntersuchungen sowie der parallel durchgef\u00fchrten Pr\u00fcfkammeruntersuchungen von 13 Materialien der Grundkonstruktion der \u00d6ko-Hauser (Baufritz-Fertigh\u00e4user) kann festgestellt werden, dass vor allem die verwendeten oberfl\u00e4chenbehandelten Holzwerkstoffe sowie die f\u00fcr die Holzrahmenkontruktion verwendeten Nadelh\u00f6lzer zu den Hauptemittenten der gesundheitsrelevanten Innenraumbelastungen z\u00e4hlen und dem Gesunden \u00d6ko-Haus-Konzept im Wege stehen. F\u00fcr die o.g. Materialien sind prinzipiell emissions\u00e4rmere Alternativen auszuw\u00e4hlen oder auf Oberfl\u00e4chenbehandlung zu verzichten bzw. hochwertige Materialien (lange Lagerung) zu verwenden. Zur Reduktion der o.a. Emissionen sind anstatt der verwendeten H\u00f6lzer emissions\u00e4rmere, d. h. weniger harzreiche Holzarten zu einzusetzen. Dar\u00fcber hinaus ist durch die Verwendung und den Einbau eines Wollvlieses (Kairatinfaser), wie dies bei der Sanierung von diversen Schulen und Kinderg\u00e4rten in Nordrhein-Westfalen erfolgreich durchgef\u00fchrt wurde (AG\u00d6F 2001), die Innenraumbelastungen mit Formaldehyd sowie den h\u00f6heren Aldehyden (und Ketonen) zu reduzieren bzw. zu minimieren. Die Langzeituntersuchungen im vom Kooperationspartner Baufritz erstellten Prototypen 100 + 5 zeigen aber, dass trotz Wollvliesausstattung durch die zus\u00e4tzliche M\u00f6blierung die Innenraumbelastungen mit Aldehyden (und Ketonen) nicht abnimmt. Ein weiterer Schritt zur Minimierung von Innenraumbelastungen kann auch die Verwendung von Katalysatoren, wie Triple Fresh der Fa. Zschimmer&#038;Schwarz (Burgst\u00e4dt) sein.<br \/>\nAufgrund der vorliegenden Ergebnisse ergibt sich als zwingende Konsequenz ein weiterf\u00fchrendes Projekt zur Ermittlung der Emissionen aus Holz und Holzwerkstoffen, das in Bezug auf die nachhaltige Verwendung und Behandlung des \u00f6kologischen wertvollen Materials Holz hier zu einer Kl\u00e4rung f\u00fchren muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Neben der \u00f6kologischen steht die gesunde Bauweise immer mehr im Vordergrund bei der Entwicklung von H\u00e4usern. Der zunehmende Einsatz von Chemie in Baustoffen und Hauseinrichtungen gef\u00e4hrdet die nachhaltige Entwicklung zum umweltgerechten und gesunden Bauen und Wohnen. 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