{"id":21737,"date":"2024-11-27T10:36:18","date_gmt":"2024-11-27T09:36:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17462-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:19","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:19","slug":"17462-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17462-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderung der Idee der Lokalen Agenda 21 in zwei Musterregionen Polens"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Diskussion dar\u00fcber, wie Nachhaltige Entwicklung konkret aussieht und was sie bedeutet, welche Entwicklungschancen sie bietet, aber auch, wo Probleme auftreten, findet in Polen noch sehr uneinheitlich statt. Die Regierung in Warschau ist bem\u00fcht, im Rahmen ihrer internationalen Verpflichtungen (z. B. Rio +10) sowie bei den Beitrittsverhandlungen mit der EU entsprechende Nachhaltigkeitsgedanken zu formulieren; mit der Umsetzung tut sie sich sehr schwer. Auf kommunaler Ebene hingegen findet man nur sehr sporadisch entsprechende Initiativen. Dabei sind es gerade die Gebietsk\u00f6rperschaften, die mit ihren politischen Konzepten jetzt die entscheidenden Weichen stellen.<br \/>\nDeshalb sollten in zwei ganz unterschiedlich gepr\u00e4gten Regionen Polens, in denen Euronatur t\u00e4tig ist, lokale Agenda-Prozesse angesto\u00dfen und fachlich begleitet werden. Dabei handelte es sich um eine sehr strukturschwache l\u00e4ndliche Region (Narew-Gebiet) sowie ein Ballungszentrum (Breslau\/ Wroclaw).<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs sollten (1.) Diskussionsprozesse um eine lokale Agenda in den Regionen angesto\u00dfen und (2.) lokale Kr\u00e4fte mit dem Ziel, zuk\u00fcnftig selbst \u00f6kologisch angepasste und wirtschaftlich innovative Regionalentwicklungskonzeptionen entwickeln und umsetzen zu k\u00f6nnen, qualifiziert werden. Es sollten (3.) Konzepti-onen f\u00fcr die Anwendung kosteng\u00fcnstiger und gleichzeitig innovativer Umwelttechnik entwickelt werden. (4.) Modellhafte Projekte der DBU sollten analysiert und hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf polnische Verh\u00e4ltnisse \u00fcberpr\u00fcft werden, um daraus (5.) ggf. Hinweise zu entwickeln, wie die Unterst\u00fctzung innova-tiver Projekte in Polen zuk\u00fcnftig evtl. optimiert werden kann. Die Arbeitsschwerpunkte haben sich an spezifischen Problemen der Projektregionen orientiert. Im Narew-Gebiet ging es prim\u00e4r um Fragen der nachhaltigen Landwirtschaft, Nutzung von Biomasse, Abfallfragen und Abwasserl\u00f6sungen, w\u00e4hrend in Wroclaw Energiefragestellungen sowie Agrarthemen (Stadt\/ Land-Beziehungen) behandelt wurden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>F\u00fcr eine erfolgreiche Projektentwicklung waren verschiedene, aufeinander aufbauende  Schritte notwendig, um im Sinne einer Lokalen Agenda 21 tats\u00e4chlich eine nachhaltige Entwicklung in den Projektgebieten anzusto\u00dfen.<br \/>\nZun\u00e4chst war es erforderlich, \u00fcberhaupt ein Bewusstsein bei Entscheidungstr\u00e4gern und der Bev\u00f6lke-rung daf\u00fcr zu schaffen, was nachhaltige Entwicklung auf der lokalen Ebene bedeutet, welche Chancen sie bietet und wie die lokalen und regionalen Potential erkannt, entwickelt und umgesetzt werden k\u00f6nnen. Kurzum: ein g\u00e4nzlich neues Denken musste etabliert werden, weg vom top-down Ansatz des alten sozialistischen Systems (Befehle von oben) hin zu einem bottom-up Ansatz, selbstst\u00e4ndig vor Ort Dinge zu entwickeln und umzusetzen. Diese Bewusstseinsbildung, die viel Zeit in Anspruch nahm, aber letztlich sehr erfolgreich verlief, schaffte \u00fcberhaupt erst die Grundlage f\u00fcr eine erfolgreiche Entwicklung des Agenda Prozesses. In sofern war die Bewusstseinsbildung im Projektverlauf der entscheidende Weg in eine nachhaltige Zukunft. Dieser Prozess war ein steiniger Weg der kleinen Schritte. Gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen geschehen nicht von heute auf morgen. Die Bewusstseinsentwicklung f\u00fcr Handlungsnotwendigkeiten und -m\u00f6glichkeiten spielte im Projekt eine wichtige, wir meinen sogar die entscheidende Rolle.<br \/>\nOft werden bei Projektabschluss sichtbare, konkrete Einzelergebnisse herangezogen, um zu bewerten, ob das entsprechende Projekt erfolgreich und somit gut war oder nicht. Auch wir k\u00f6nnen auf viele sichtbare Dinge verweisen, die w\u00e4hrend des Projektes realisiert wurden: z. B. die ersten beiden polnischen Hofk\u00e4sereien, die EU Norm entsprechen, oder die mittlerweile rund 150 gebauten, dezentralen Abwasseranlagen. Wir meinen aber, dass der Weg zur Erreichung dieser konkreten Ergebnisse viel wichtiger war als die realisierten Projekte selbst. Es hat sich ein v\u00f6llig neues Denken etabliert, die Menschen haben verstehen gelernt, dass in ihrer Region Potentiale schlummern, die nur sie selbst entwickeln und auch umsetzen k\u00f6nnen. Die letztlich realisierten sichtbaren Projekte waren somit letztlich nur sch\u00f6ner und greifbarer Beweis daf\u00fcr, dass ein entsprechender bottom-up Ansatz tats\u00e4chlich m\u00f6glich ist. Die entscheidenden Ver\u00e4nderungen im Denken &#8211; das sollte man bei der Bewertung des Projektes beachten &#8211; kann man nicht sehen. Wohl kann man sie vor Ort erleben! Und besonders erfreulich: dieses neue Denken strahlt mittlerweile weit \u00fcber die Regionen hinaus. Einige Projekte wurden mittlerweile (z. B. vom polnischen Landwirtschaftsministerium) als Vorbild f\u00fcr Polen charakterisiert. So wurde am 16.05.06 auf einer Konferenz, an der 250 Veterin\u00e4re teilnahmen, die Ergebnisse des Narew-Projektes er\u00f6rtert und als musterg\u00fcltig f\u00fcr die L\u00e4ndliche Entwicklung Polens dargestellt.<br \/>\nUm die Betroffenen immer wieder motivieren und begeistern zu k\u00f6nnen, musste ihnen die M\u00f6glichkeit geboten werden, ihre Ideen und Vorstellungen bei der Zukunftsgestaltung bzw. der nachhaltigen Entwicklung der Region einbringen zu k\u00f6nnen. An dieser Stelle setzte eine weitere Phase im Verlauf des Projek-tes an: die Entwicklung von eigenen Ideen und Strategien zur Realisierung derselben. Die Basis war hier die Einleitung eines breiten Diskussionsprozesses, der stets eine Konsensfindung zwischen den ver-schiedenen Akteuren vor Ort zum Ziel hatte. Damit sollten alle Beteiligten ihre Wichtigkeit und ihre Funktion in der Gemeinschaft erkennen und sich auch mit den Entwicklungen in ihrer Region identifizieren. F\u00fcr den Strategiefindungsprozess war die Darstellung und Besichtigung von Vergleichsprojekten oft sehr hilfreich und unterst\u00fctzte nachtr\u00e4glich die Bewusstseinsbildung. Der Erfahrungsaustausch leistete oft gute Dienste zur Zielformulierung und Entwicklung eines Ger\u00fcstes f\u00fcr Handlungsm\u00f6glichkeiten. Denn wir haben im Verlauf des Projektes die wertvolle Erfahrung gemacht, dass die Projektpartner viele L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten und Anregungen leichter begriffen und dann auch umgesetzt haben, nachdem sie sich anhand der Besichtigung von Vergleichsprojekten (z. B. in Deutschland) von der Umsetzbarkeit \u00fcberzeugen konnten. Die Wichtigkeit dieses Ansatzes wurde von uns bei der Projektbeantragung untersch\u00e4tzt.<br \/>\nDas Ergebnis des gesamten Prozesses war letztlich dann eine systematische Umsetzung in konkrete Handlungsschritte und Projekte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>In beiden Projektgebieten wurden die Entwicklungen innerhalb der einzelnen Projektbereiche durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit (Pressemitteilungen, Beitr\u00e4ge in Zeitschriften, Erstellung von Internetseiten etc. ) sowie Materialien zu Veranstaltungen und Konferenzen begleitet. Das Thema Abwasser in der Narew Region wurde sogar in einer Stellungnahme des Europ\u00e4ischen Wirtschafts- und Sozialausschusses aufgegriffen und die Gemeinde Sokoly als gutes Beispiel f\u00fcr die Nutzung angepasster Technologien angef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Lokale Agenda Projekt hat sich sowohl im Projektgebiet Wroclaw als auch in der Narew-Region er-folgreich entwickelt. Insgesamt wurden viele Initiativen angesto\u00dfen, die sich auch nach Ablauf des Projektes weiterentwickeln werden. Wir haben Menschen zusammengebracht und einen Diskussionsprozess angeregt, der sich in vielen Bereichen in der Umsetzung konkreter Ma\u00dfnahmen und Projekte niedergeschlagen hat.<br \/>\nEs gr\u00fcnden sich Vereine und Verb\u00e4nde, um die Region nachhaltig weiterzuentwickeln. Bestes Beispiel ist die Anstrengung im Narew Gebiet, LEADER Region zu werden. Hier arbeiten viele Menschen aus einer Gegend und aus unterschiedlichen Bev\u00f6lkerungsgruppen Hand in Hand an einem Konzept: die Region wirtschaftlich zu st\u00e4rken. Viele Ergebnisse und Projekterfolge aus dem Lokale Agenda Projekt flie\u00dfen in die Strategie f\u00fcr das LEADER+ Projekt ein und sollen dann durch LEADER weiter ausgebaut und vertieft werden (z. B. Biomassenutzung, Abwasserl\u00f6sungen, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte).<br \/>\nDie Partner vor Ort sind aufgrund der im Agenda Projekt gewonnenen Erfahrungen in der Lage, eigenst\u00e4ndig die begonnenen Projekte weiterzuf\u00fchren. Sie haben gelernt, das Potential ihrer Region zu nutzen. Das Projekt hat aber auch gezeigt, dass im Agenda Prozess oft viele kleine Schritte gegangen werden m\u00fcssen, um zu einem Ergebnis zu kommen. Dazu geh\u00f6rt auch ein langer Atem aller Projektbeteiligten. Nicht zuletzt die Einstimmung auf unterschiedliche Mentalit\u00e4ten und Ansichten gestaltet den Prozess bisweilen langwierig. Doch dieser Lernprozess auf beiden Seiten geh\u00f6rt einfach dazu. Erst dann k\u00f6nnen die Partner erkennen, warum dieser oder jener Schritt gegangen werden musste oder warum vielleicht auch ein R\u00fcckzug eher in Frage kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Diskussion dar\u00fcber, wie Nachhaltige Entwicklung konkret aussieht und was sie bedeutet, welche Entwicklungschancen sie bietet, aber auch, wo Probleme auftreten, findet in Polen noch sehr uneinheitlich statt. Die Regierung in Warschau ist bem\u00fcht, im Rahmen ihrer internationalen Verpflichtungen (z. B. 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