{"id":21695,"date":"2024-11-27T10:34:51","date_gmt":"2024-11-27T09:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15061-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:53","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:53","slug":"15061-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15061-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Bioabfallverwertung: Analyse umweltwirtschaftlicher Konsequenzen der Gr\u00fcngutverwertung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Forschungsschwerpunkt bezieht sich auf die Entwicklung und Einf\u00fchrung alternativer Entsorgungswege von Gr\u00fcngut (GG) im Sinne der Prinzipien einer nachhaltig zukunftsf\u00e4higen Entwicklung und Anforderungen der Kreislaufwirtschaft. Das Ziel der wirtschaftswissenschaftlichen Analyse ist die Bewertung \u00f6konomischer und umweltbezogener Konsequenzen der Direktverwertung von Gr\u00fcngut auf landwirtschaftlich genutzten Fl\u00e4chen auch im Vergleich zu ausgew\u00e4hlten alternativen Entsorgungsmethoden. Ein weiterer Forschungsaspekt betraf die Identifikation der betriebs-, regional- und umweltwirtschaftlichen Auswirkungen der Gr\u00fcngutverwertung in Bezug auf Umwandlungs- und Kooperationsprozesse zwischen den beteiligten Akteuren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm die verschiedenen Gr\u00fcngutverwertungskonzepte bewerten zu k\u00f6nnen, waren sie zun\u00e4chst hinsichtlich ihres Systemaufbaus und -ablaufs sowie der Verhaltensmuster der daran beteiligten Akteure eingehend zu analysieren. Methodisch erfolgte dies anhand einer systemtechnisch orientierten Beschreibung und Abbildung der Systemelemente, -relationen und -grenzen. Die dazu ben\u00f6tigten Informationen wurden v. a. im Rahmen von Experteninterviews mit den jeweiligen Kooperationspartnern aus der Landwirtschaft &#8211; vertreten insb. Durch die Maschinenringe -, der Abfallwirtschaft sowie den die Vergleichsprojekte begleitenden Forschungsinstituten und Universit\u00e4ten eingeholt. In Anlehnung an bereits entwickelte Methodiken zur Durchf\u00fchrung nachhaltigkeitsorientierter Evaluationen wurde unter Ber\u00fccksichtigung des rechtlichen Rahmens ein individuelles multikriterielles Bewertungskonzept entwickelt. Der Anspruch einer nachhaltigkeitsorientierten Bewertung implizierte einen gleichberechtigten Einbezug sowohl \u00f6konomischer (z. B. Entsorgungskosten), \u00f6kologischer (z. B. Fl\u00e4chenverbrauch) und auch sozialer (z. B. Ar-beitsbedingungen) Bewertungskriterien. Es wurde eine qualitative (verbal-argumentative) Bewertung zun\u00e4chst der verschiedenen GG-Direktverwertungskonzepte durchgef\u00fchrt, woran sich eine vergleichende Charakterisierung ausgew\u00e4hlter herk\u00f6mmlicher Entsorgungsmethoden anschloss. Auf Basis der Bewertungsergebnisse wurde dann eine St\u00e4rken-Schw\u00e4chenanalyse durchgef\u00fchrt, um darauf aufbauend die \u00dcbertragbarkeit des entsorgungslogistischen Konzepts \u0082Direktverwertung von GG sowohl auf andere Regionen als auch auf andere Wirtschaftsbereiche zu pr\u00fcfen. Da der Schwerpunkt des Forschungsvorhabens auf dem Projekt im ehemaligen Landkreis Hannover lag, und sich dort eine Analyse und Bewertung der Gr\u00fcngutverwertung bisher auf die Bodeneigenschaften (wie z. B. die Auswirkungen der Gr\u00fcngutapplikation auf die Humusdynamik oder die N\u00e4hrstoffversorgung) konzentrierte, andererseits auch noch keine empirisch gesicherten Erkenntnisse bzgl. der Akzeptanz der Direktverwertung durch die Landwirte im Allgemeinen sowie deren Wertsch\u00e4tzung des \u0082Produktes Gr\u00fcngut im Speziellen vorlagen, wurde als \u00fcbergeordnetes Arbeitspaket eine empirische Erhebung (schriftliche Befragung) bei den an der Gr\u00fcngut-verwertung partizipierenden Landwirte als zentrale Akteursgruppe durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ergebnisse der Erfassung der Aufbau- und Ablaufstrukturen (eingeschlossen der Akteurs- und Beziehungsstrukturen) aller Verwertungssysteme war eine ann\u00e4hern vergleichbare Darstellung und Gegen\u00fcberstellung der differierenden entsorgungslogistischen Gesamtkonzepte. Dadurch wurde eine Betrachtung zwischen Stoffstrom-, Informationsstrom- und Finanzstromebene einerseits und der Bewertungsebene andererseits m\u00f6glich. Unterschiede der Verwertungssysteme konnten systematisch identifiziert und Bewertungskriterien abgeleitet werden. Die vergleichende Analyse der verschiedenen Gr\u00fcngutprojekte zeigte beispielsweise, dass sich solche Unterschiede insbesondere auf eine differierende Komplexit\u00e4t der Systemstrukturen z. B. bzgl. Der informationswirtschaftlichen Beziehungsstrukturen, unterschiedliche regionale Abfallgeb\u00fchrensysteme, einen divergierenden Grad der Arbeitsteilung im Rahmen des Verwertungsprozesses oder auch unterschiedliche zugelassene Rohstoffmaterialen etc. beziehen. Die identifizierten Unterschiede fu\u00dfen z. T. wiederum auf abweichenden historisch gewachsenen regionalen Strukturen, wie beispielsweise eine differierende Organisation der regionalen Abfallentsorgung (z. B. Hol- vs. Bringsysteme).<br \/>\nAuf dieser Basis wurde sodann die vergleichende nachhaltigkeitsorientierte Bewertung anhand des definierten Kriterienkataloges durchgef\u00fchrt. Als eine zentrale Erkenntnis der vergleichenden Bewertung soll an dieser Stelle festgehalten werden, dass das Konzept der Direktverwertung von GG eine unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sinnvolle abfallwirtschaftliche Erg\u00e4nzungsma\u00dfnahme darstellt, die zur Gew\u00e4hrleistung und St\u00e4rkung einer umweltvertr\u00e4glichen wie kosteneffizienten kommunalen Abfallwirtschaft beitr\u00e4gt. Wenn auch Unterschiede zwischen de betrachteten GG-Systemen herausgearbeitet wurden, ergaben sich in Bezug auf die Gesamtbewertung gerade auch im Hinblick auf den Vergleich mit den alternativen Kompostierungsmethoden eher graduelle Unterschiede. Die \u00f6kologische Vorteilhaftigkeit wird beispielsweise in allen Systemen neben geringen Fl\u00e4chenverbrauchen und Energiebedarfen zur Realisierung des Stoffstroms auch durch geringe wahrgenommene Emissionen (insb. Geruchsemissionen) dokumentiert. Unter \u00f6konomischen Gesichtspunkten qualifiziert sich die Direktverwertung insb. Aufgrund der realisierten finanziellen Entlastungen der kommunalen Abfallentsorgung aber auch des sicher erwirtschafteten Zusatzeinkommens f\u00fcr die verwertenden Landwirte. Die konstatierte Sozialvertr\u00e4glichkeit der Konzepte dr\u00fcckt sich wiederum z. B. in der Kundenfreundlichkeit aufgrund der geschaffenen b\u00fcrgernahen Konzeption oder die im Vergleich zu \u0082klassischen Kompostierungsverfahren v. a. unter dem Hygieneaspekt angenehmeren Arbeitsbedingungen aufgrund der Trockenheit des Materials aus. Besonders positiv ist in diesem Zusammenhang noch hervorzuheben, dass sich die in allen drei betrachteten Regionen etablierten GG-Direktverwertungskonzepte einer sehr hohen Akzeptanz bei allen zentralen Akteursgruppen, also sowohl bei den \u00f6ffentlichen Entsorgern und den Haushalten als insb. Auch bei den die Verwertung durchf\u00fchrenden Mitgliedslandwirten der Maschinenringe, erfreut. Sie kann nicht zuletzt mitverantwortlich gemacht werden f\u00fcr die hohe festgestellte Kooperationseffizienz.<br \/>\nTrotz dieser grunds\u00e4tzlich positiven Gesamtbewertung der Konzepte wurden auch Schwachstellen offenkundig: weitgehend ungekl\u00e4rt sind bisher die Regelungen bei \u00f6kologischen St\u00f6rfallen &#8211; so hat der verwertende Landwirt die Risiken von Sch\u00e4digungen seiner Produktionsgrundlage \u0082Boden infolge der GG-Ausbringung heute selber zu tragen. Dar\u00fcber hinaus lassen nicht alle Anbauarten eine GG-Ausbringung zu und auch eine mengenm\u00e4\u00dfig unbegrenzte GG-Ausbringung wird nicht empfohlen.<br \/>\nAls Beispiele f\u00fcr zentrale Erfolgsfaktoren der GG-Direktverwertungskonzepte im Allgemeinen und des Systems Hannover im Speziellen k\u00f6nnen hier neben der bereits erw\u00e4hnten hohen Akzeptanz bei allen zentralen Akteursgruppen f\u00fcr diese Verwertungsform auch die Existenz eines l\u00e4ndlichen Sozialgef\u00fcges oder die G\u00fcte der Kooperation zwischen den Akteuren angef\u00fchrt werden.<br \/>\nDie f\u00fcr den Berichtszeitraum veranschlagten Forschungsziele wurden weitgehend erreicht. Leider konnten die zentralen Akteure bestimmte Informationen, wie z. B. die detaillierten Kosten- und Erl\u00f6sstrukturen nicht preisgeben, so dass auf eine Quantifizierung bestimmter Bewertungskriterien verzichtete werden musste. Dennoch reichte der Konkretisierungsgrad, um zentrale nachhaltigkeitshemmende und -f\u00f6rdernde Faktoren identifizieren und eine St\u00e4rken-Schw\u00e4chen-Analyse durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Auch konnten dann im Rahmen der Diskussion der \u00dcbertragungsw\u00fcrdigkeitf\u00e4higkeit der Systeme auf andere Wirtschaftsregionen und\/oder auf andere Wirtschaftsbereiche allgemeine Erfolgsfaktoren der GG-Direktverwertung i. S. von GG-Direktverwertungsanforderungen und Bedingungsvoraussetzungen f\u00fcr die Zukunft abgeleitet werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die laufenden Forschungsergebnisse wurden bisher insbesondere bei den Kooperationspartnern vorgestellt und diskutiert. Da sich der Kooperationsverbund aus Akteuren verschiedenster Bereiche, sowohl aus der Forschung, der Landwirtschaft und auch der Abfallwirtschaft zusammensetzt, ist gew\u00e4hrleistet, dass sowohl die Theorie, als auch die Praxis am Projektfortschritt partizipiert. Im Dezember 2002 wurden beispielsweise auf der von der Marius Maschinenring Umweltservice GmbH einberufenen Vollversammlung der GG-verwertenden Landwirte des Verwertungssystems Hannover die zentralen Ergebnisse der schriftlichen Befragung den Mitgliedern des Verwertungssystems pr\u00e4sentiert. Auch im Rahmen von Forschungskolloquien und Fachvortr\u00e4gen der Universit\u00e4t Bremen wurden die Teilergebnisse kontinuierlich vorgestellt. Dar\u00fcber hinaus ist durch Einbringen einer Expression of Interest zum 6. EU-Rahmenprogramm durch den Forschungsverbund TRAUM (Transdisziplin\u00e4re Analyse und Management von Umweltsystemen unter Ber\u00fccksichtigung sozio\u00f6konomischer Aspekte &#8211; Universit\u00e4t Bremen) beabsichtigt, die Thematik zu intensivieren. Im Rahmen dieses Forschungsverbundes TRAUM der Universit\u00e4t Bremen wurde erst im Juni 2003 ein interdisziplin\u00e4rer Workshop speziell zum Thema Direktverwertung von GG durchgef\u00fchrt, in dessen Rahmen eine Pr\u00e4sentation vorl\u00e4ufiger Projektergebnisse und deren intensiver Diskussion erfolgte.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus sind neben einem zusammen mit dem Kooperationspartner UFT &#8211; Universit\u00e4t Bremen konzipierten Projektposter (als Beispiel f\u00fcr ein transdisziplin\u00e4res Forschungsprojekt), derzeit auch zwei Publikationen in Planung, eine f\u00fcr die Zeitschrift \u0082Umweltwirtschaftsforum sowie f\u00fcr die Lehrstuhlreihe\u0082 Produktion und Umwelt in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die f\u00fcr das Forschungsvorhaben Analyse umweltwirtschaftlicher Konsequenzen der Direktverwertung von Gr\u00fcngut gesetzten Projektziele weitgehend erreicht wurden. Die verschiedenen betrachteten entsorgungslogistischen GG-Konzepte konnten auf Basis einer systemtechnischen Beschreibung und Abbildung analysiert und mit Hilfe des entwickelten projekt-individuellen Bewertungskonzepts einer qualitativen nachhaltigkeitsorientierten Bewertung unterzogen werden. Gem\u00e4\u00df den Ergebnissen des Bewertungsverfahrens kann die GG-Direktverwertung als um-weltvertr\u00e4gliche und effiziente Verwertungsalternative f\u00fcr diese Abfallart gew\u00fcrdigt werden, die den Anforderungen einer Kreislaufwirtschaft gen\u00fcgt. Wenn sie auch die herk\u00f6mmlichen Entsorgungsmethoden nicht substituieren kann, ist sie dennoch gerade unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten als sinnvolle abfallwirtschaftliche Erg\u00e4nzungsma\u00dfnahme zu w\u00fcrdigen, die unter spezifischen Rahmenbedingungen und Strukturvoraussetzungen dennoch einen wertvollen Beitrag zu einer integrierten, nachhaltigen Abfallwirt-schaft in l\u00e4ndlichen Regionen leisten kann, indem sie eine umweltvertr\u00e4gliche, f\u00fcr die B\u00fcrger bezahlbare kommunale Abfallentsorgung f\u00f6rdert und st\u00e4rkt.<br \/>\nPositiv ist die Unterst\u00fctzung durch die Kooperationspartner w\u00e4hrend des gesamten Projektzeitraums hervorzuheben, die sich aus allen Akteursgruppen und Bereichen, wie der Landwirtschaft, der Abfallwirtschaft oder der Forschung rekrutierten, was nicht zuletzt auch die gegebene theoretische wie praktische Relevanz des Untersuchungsgegenstandes zu unterstreichen scheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Forschungsschwerpunkt bezieht sich auf die Entwicklung und Einf\u00fchrung alternativer Entsorgungswege von Gr\u00fcngut (GG) im Sinne der Prinzipien einer nachhaltig zukunftsf\u00e4higen Entwicklung und Anforderungen der Kreislaufwirtschaft. 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