{"id":21693,"date":"2023-07-13T15:20:23","date_gmt":"2023-07-13T13:20:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17349-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:24","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:24","slug":"17349-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17349-01\/","title":{"rendered":"Modelll\u00f6sung f\u00fcr die Vermeidung erh\u00f6hter Werte von Wohnungsradon durch bauliche Energiesparma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Seit 2003 gilt die neue Energieeinsparverordnung (ENEV). In dieser Verordnung sind Maximalwerte f\u00fcr Energieverluste festgelegt, die nur durch erh\u00f6hte W\u00e4rmed\u00e4mmung und weitgehend luftdichte Geb\u00e4ude-h\u00fcllen erreicht werden k\u00f6nnen. Diese baulichen Energiesparma\u00dfnahmen haben die Verringerung der nat\u00fcrlichen Luftwechselzahl zur Folge. Wird keine zus\u00e4tzliche L\u00fcftung, z. B. durch eine integrierte Klimatechnik herbeigef\u00fchrt, f\u00fchrt dies zu einer Erh\u00f6hung von Schadstoffen in der Wohnungsluft.<br \/>\nIonisierende Strahlung durch die Zerfallsprodukte von Radongas ist praktisch in jeder Wohnung in Deutschland vorhanden. Insbesondere in Gebieten mit hohem geogenen Radonpotenzial k\u00f6nnen durch die baulichen Energiesparma\u00dfnahmen erh\u00f6hte Konzentrationen erreicht werden, die f\u00fcr die Induktion von Lungenkrebs ausreichend sind. Zu den am h\u00f6chsten exponierten Gebieten in Deutschland z\u00e4hlen Regionen von Sachsen, Th\u00fcringen, dem Bayerischen Wald und der Oberpfalz. Die Zielsetzung des Projektes bestand darin, den Zusammenhang zwischen Rekonstruktionsma\u00dfnahmen und den beobachteten Ver\u00e4nderungen zu analysieren. In einem weiteren Schritt sollte ein Prognosemodell zur Absch\u00e4tzung der zu erwartenden Ver\u00e4nderungen der Radonkonzentration entwickelt werden. Retrospektive Messmethoden zur Bestimmung der Ausgangswerte von Radon sollten in diesem Zusammenhang auf ihre Eignung gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Untersuchungsgebiet bildet insbesondere der Landkreis Aue-Schwarzenberg im Erzgebirge mit einer erh\u00f6hten mittleren Radonexposition in Innenr\u00e4umen. Arbeitsschritt 1: Aufnahme der vorhandenen Langzeit-Messwerte zur Radonkonzentration in Wohnungen in eine einheitliche Datenbank. Arbeitsschritt 2: Beschreibung und Quantifizierung der Radonexposition nach baulichen Ver\u00e4nderungen zur Energieeinsparung an einer Wohnungsstichprobe. In diesen Arbeitsschritt wird die Methode der retrospektiven Messung der Radonkonzentration cRn  (Pb-210-Methode) einbezogen. Arbeitsschritt 3: Entwicklung eines Prognosemodells zur Beschreibung der zu erwartenden Ver\u00e4nderungen der cRn nach baulichen Ma\u00dfnahmen zur Energieeinsparung nach Geb\u00e4udetyp und baulicher Ma\u00dfnahme. Arbeitsschritt 4: Aufkl\u00e4rung \u00fcber Risiken bei baulichen Ma\u00dfnahmen zur Energieeinsparung im Untersuchungsgebiet durch Information der betroffenen Bev\u00f6lkerung mit dem Ziel der Risikoreduktion. Das weitgehend unbekannte Umweltproblem soll in seinem m\u00f6glichen Ausma\u00df und seiner Wirkung untersucht und Vorschl\u00e4ge zur Vermeidung einer neuen Gesundheitsgef\u00e4hrdung infolge Umweltschutz erarbeitet werden. Mit den Ergebnissen des Projekts wird neues Wissen zum komplexen Problem Umweltschutz geschaffen und zur Reduzierung der Gesundheitsgefahr infolge Wohnungsradon beigetragen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1)\tBasierend auf fr\u00fcheren Erhebungen wurden ausgew\u00e4hlte Wohnungen stichprobenartig untersucht. In diesen Wohnungen wurde die Radonkonzentration mit Radon-Exposimetern (12 Monate) gemessen. Die Bewohner wurden anhand eines standardisierten Fragebogens zu Art und Umfang der baulichen Ver\u00e4nderungen (n = 358) befragt.<br \/>\n2)\tIn 154 F\u00e4llen wurden zus\u00e4tzliche retrospektive Messungen an Glasproben und Raumluft-Fallen (volume-traps) (n = 34) durchgef\u00fchrt.<br \/>\n3)\tF\u00fcr 262 Wohnungen standen Messwerte der Radonkonzentration vor Beginn der umfassenden baulichen Ver\u00e4nderungen zur Erh\u00f6hung der Energieeffizienz zur Verf\u00fcgung.<br \/>\n4)\tIn dieser Gruppe war im Vergleich zum Vormesswert die Radonkonzentration bei ca. 25% der Wohnungen unver\u00e4ndert geblieben. Bei 28% der Wohnungen ist die Radonkonzentration angestiegen, und bei ca. 47% ist die Radonkonzentration im Vergleich zum Vorwert gefallen.<br \/>\n5)\tWerden die Vormesswerte aus 1991 zugrunde gelegt, steigt der Anteil der Wohnungen mit erh\u00f6hter Radonkonzentration in 2002 dagegen auf ca. 40%. In 1991 waren die Geb\u00e4ude noch weitestgehend unver\u00e4ndert.<br \/>\n6)\tDie retrospektiven Bestimmungsmethoden zur Ermittlung der Radonkonzentration liefern im Rahmen der statistischen Schwankungen \u00fcbereinstimmende Ergebnisse im Vergleich zur Methode der Messung mittels Radon-Exposimetern und sind auch untereinander vergleichbar. Weitere Validierungsstudien, speziell diejenige der volume-trap-Methode, werden aber f\u00fcr notwendig erachtet.<br \/>\n7)\tEin Prognosemodell wurde entwickelt, dass die Ver\u00e4nderung der Radonkonzentration in Abh\u00e4ngigkeit von bestimmten Rekonstruktionsmerkmalen gestattet. Mit diesem Modell kann ein hoher Anteil der Variabilit\u00e4t der Radon-Messwerte vor und nach der Sanierung erkl\u00e4rt werden. Dieses Modell bietet weitere Entwicklungsm\u00f6glichkeiten um individuelle Aussagen mit hoher Sicherheit zu erm\u00f6glichen. Bislang wurden aus der Vielzahl der Einflussgr\u00f6\u00dfen zehn wesentliche isoliert. Die weitere Qualifizierung des Prognosemodells im Sinne der Aufgabenstellung wird f\u00fcr dringend erforderlich gehalten.<br \/>\n8)\tIm Ergebnis der Projektentwicklung wurde ein komplexes Daten-Management-System entwickelt (Visual-Cockpit), das explorative und analytische Methoden der Datenauswertung an gro\u00dfen Datenmengen gestattet und u.a. in Form von visuellen Darstellungen verdichtet. In dieses System ist das Prognosemodell eingebettet. Zielgruppe des Expert-Systems sind Beh\u00f6rdenvertreter, Architekten und andere fachlich ausgebildete Dienstleister.<br \/>\n9)\tIm Rahmen des Projektes konnten wichtige Einflussgr\u00f6\u00dfen identifiziert werden, die die Radonkonzentration in den Innenr\u00e4umen nach Sanierungsma\u00dfnahmen beeinflussen. Hierzu z\u00e4hlen das L\u00fcftungsverhalten, bauliche Ver\u00e4nderungen an Fenstern, der Kellerdecke, der Kellert\u00fcr, der Zimmerde-cke sowie Ver\u00e4nderungen am Heizungssystem.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zu Themen, die das F\u00f6rderprojekt betreffen bzw. tangieren, wurden seit Projektbeginn insgesamt 16 Fachvortr\u00e4ge, jeweils vor einem fachkundigem Publikum, gehalten. In 12\/2003 erfolgte im Rahmen eines Kolloquium im BfS die Pr\u00e4sentation und Diskussion der vorl\u00e4ufigen Endergebnisse. Im Rahmen des In-ternationalen Fachkongresses AG\u00d6F in M\u00fcnchen im M\u00e4rz 2004 erfolgte die Pr\u00e4sentation der Endergebnisse des Projektes. Dieser Beitrag wurde auch in den Tagungsband aufgenommen. Ein Flyer zur vor-liegenden Thematik wurde erarbeitet, mit dem BfS und dem SMUL abgestimmt und steht ab Mai einem breiten Publikum zur Verf\u00fcgung. Die Ergebnisse des Projektes, eine Demonstrationsversion des Expertsystems sowie der Flyer werden im Internet unter der Homepage www.saoris.de pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Unter Nutzung aller projektrelevanten Daten wurde ein Prognose-Modell  erstellt (Visual-Cockpit), mit dessen Hilfe m\u00f6gliche Ver\u00e4nderungen der Radonkonzentration nach Energiesparma\u00dfnahmen an Geb\u00e4uden prognostiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Seit 2003 gilt die neue Energieeinsparverordnung (ENEV). In dieser Verordnung sind Maximalwerte f\u00fcr Energieverluste festgelegt, die nur durch erh\u00f6hte W\u00e4rmed\u00e4mmung und weitgehend luftdichte Geb\u00e4ude-h\u00fcllen erreicht werden k\u00f6nnen. Diese baulichen Energiesparma\u00dfnahmen haben die Verringerung der nat\u00fcrlichen Luftwechselzahl zur Folge. Wird keine zus\u00e4tzliche L\u00fcftung, z. 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