{"id":21680,"date":"2024-11-27T10:36:13","date_gmt":"2024-11-27T09:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17325-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:16","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:16","slug":"17325-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17325-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an der Au\u00dfenfassade der Petrikirche zu W\u00f6rlitz unter praktischer Erprobung neu entwickelter Kalk-Zement-Putze (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das DBU-Projekt war Teil der gesamten Au\u00dfensanierung der Petri-Kirche. Denkmalzielstellung f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen an der Kirche war die Restaurierung oder Rekonstruktion des Hauptumbauzustandes von 1809.<br \/>\nDie 1201 geweihte romanische Kirche wurde 1805-09.<br \/>\nvollst\u00e4ndig neu \u00fcberformt im Neogotischen Stil, Reste alter Bruchsteinmauern am Turm und Schiff bis in ca. 5 m H\u00f6he dabei einbezogen und verputzt mit eingeritztem Ziegelfugennetz, das Rotbraun gestrichen wurde Ziegelritzung, um diese Fl\u00e4chen der Backsteinsichtigkeit neuer Bauteile anzugleichen. Alle Architekturgliederungen aus Putz und Stein in gotisierenden Formen wurden hell abgesetzt.<br \/>\nZur Rekonstruktion von Au\u00dfenputzfl\u00e4chen an der Kirche sollte ein von der DBU gef\u00f6rderter, neu entwickelter Putzbaukasten hier erstmals in der Praxis eingesetzt werden an einer ausgew\u00e4hlten Musterfl\u00e4che am Turm. F\u00fcr die Hauptputzfl\u00e4chen war ein nachgestellter konfektionierter oder Baustellenm\u00f6rtel geplant. Aufgrund vorhandener Baufeuchte sollte die Haltbarkeit von Putzen in Verbindung mit einer Mauerinjektage langfristig gepr\u00fcft werden. Auch die Instandsetzung des Au\u00dfenmauerwerkes mit teilweisem Ziegelaustausch und der kompletten Erneuerung des Ziegelfugenbildes waren Bestandteil des Projektes.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGrundlage aller Sanierungsentscheidungen war eine Schadensanalyse des Bauwerks, die Baugeschichte, Putzanalysen, restauratorische Untersuchungen, chemische Farbanalysen, Feuchtemessungen des Mauerwerks und die Untersuchung auf Mehrschaligkeit beauftragt.<br \/>\nHieraus wurde eine Denkmalzielstellung entwickelt, die Originalfassung von 1809 weitgehend wiederherzustellen, den Wandputz entsprechend der M\u00f6rtelanalyse in den Hauptfl\u00e4chen als Baustellenmischung zu erneuern. Die Pilot-Putzprobefl\u00e4che besteht aus drei Teilbereichen, einem mit Kalk-Zement-Putz des Putzbaukastens, eine als Baustellenmischung aus Kalk und Altputzfl\u00e4chen. F\u00fcr die Nachmischungen wurden \u00f6rtliche gelbe Sande verwendet. Die Putzfl\u00e4chen wurden mit einer mineralischen Purkristallatfarbe gestrichen.<br \/>\nBeide Feuchtemessungen zeigten deutlich h\u00f6here Feuchtewerte am Mauerwerk der Nordsakristei und am vorgelagerten West- und S\u00fcdportal. Entgegen der urspr\u00fcnglichen Planung wurde anstelle der Injektage eine indirekte Trockenlegung festgelegt, ein Dachentw\u00e4sserungssystem mit Sickersch\u00e4chten angelegt. Das angewachsene Erdreich abgetragen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Vor allem die bisherigen Reparaturdaten der Arbeiten an der Petrikirche haben gezeigt, dass die auf uns \u00fcberkommenen Schadensph\u00e4nomene nicht neu sind. Aufgrund des zeitweise hohen Grundwasserspiegels bis ca. 1m unter UK Fundamente, der bis zur jetzigen Sanierung fehlenden Dachentw\u00e4sserung, des angewachsenen Gel\u00e4ndes und einer fehlenden Feuchtigkeitssperre wurden vor Beginn unserer Arbeiten zwei Mal komplette Putzerneuerungen vorgenommen. Die Ursachen der Feuchte wurden durch o.g. Ma\u00dfnahmen gemildert. Eine geplante direkte Feuchtesperre als Injektage wurde nicht in der Diskussion belassen. Eine umfassende Entsalzung konnte aus zeitlichen und finanziellen Gr\u00fcnden nicht vorgenommen werden. Diese w\u00e4re auch  nur sinnvoll, wenn die Feuchtezufuhr vor allem aus dem Boden unterbrochen w\u00fcrde. Das ist nicht der Fall.<br \/>\nDie Reduzierung der Feuchte durch die genannten Ma\u00dfnahmen wird sich im Lauf der Zeit nach weiteren Messungen zeigen.<br \/>\nEin konfektionierter Putz kam an den gro\u00dfen Wandfl\u00e4chen nicht zum Einsatz, da die vorgegebenen Korngr\u00f6\u00dfen und die anteiligen \u00dcberkorngr\u00f6\u00dfen im industriellen Betrieb nicht vorgemischt werden konnten, nur \u00e4hnliche Putze mit Sanden einer anderen Region, z.B. grau, je nach Herstellerort, und nicht die in unserer Region \u00fcblichen gelben Sande. Aber die Forderung von Denkmalamt und Bauleitung war, den vorgefundenen M\u00f6rtel weitm\u00f6glichst nachzustellen, das ist mit der Baustellenmischung und in der Pilotfl\u00e4che, auch mit dem Einsatz von \u00f6rtlichen Sanden gelungen.<br \/>\nF\u00fcr die Unterst\u00fctzung dieses Projektes herzlichen Dank an die Bundesstiftung Umwelt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>An der ausgew\u00e4hlten Putzmusterfl\u00e4che der Kirche wurde ein Hinweisschild auf dieses DBU-Projekt angebracht, mit einer Darstellung der beprobten Fl\u00e4chen.<br \/>\nFlyer zu diesem Projekt wurden entwickelt. In der Kirche werden Ausstellungstafeln aufgestellt mit Hinweisen  auf alle F\u00f6rderer.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>An den Putzhauptfl\u00e4chen konnte keine konfektionierte M\u00f6rtelmischung eingesetzt werden, nur eine Baustellenkalkmischung nach Gutachten, ohne Zemente und Zusatzmittel  mit Kornbeimischungen und \u00f6rtlichen Sanden. \u00dcberg\u00e4nge zu erhaltenen Altputzfl\u00e4chen sind nicht sichtbar. Auch der M\u00f6rtel des Putzbaukastens wurde mit \u00f6rtlichen Sanden modifiziert. Eine gute Anpassung an das Original ist bei beiden Baustellenmischungen erreicht worden. F\u00fcr die Ziegelverfugung und den Putz der Architekturelemente wurden konfektionierte M\u00f6rtel nach Putzgutachten ausgew\u00e4hlt und eingesetzt.<br \/>\nZur Erprobung des Putzbaukastens wird hier das Fazit aus dem Bericht von Prof. Dr. Bou\u00e8 \u00fcbernommen:<br \/>\nHinsichtlich der Handhabung des Putzbaukastens haben sich deutliche Schw\u00e4chen offenbart:<br \/>\n1.\tDer einlagige Auftrag der Kalk-Zement-Putze ist nicht m\u00f6glich. Auf eine deckende Oberschicht und das Ausreiben von Haarrissen kann nicht verzichtet werden. Dies entspricht auch der an der Musterfl\u00e4che in Weimar gefundenen Rissneigung.<br \/>\n2.\tDie metrische Anpassung der Putzfarbe mittels farbiger Feinsande ergibt eine gute Gesamtanpassung an die Farbigkeit des Originals, die Zusammensetzung entspricht aber nicht dem Original.<br \/>\n3.\tMit der Verwendung von farbigen Sanden und einem dunklen Kalkbindemittel k\u00f6nnen Farbigkeit und Struktur des Originals angen\u00e4hert werden. Diese Anpassung ist aber mit den Grundrezepturen der th\u00fcringischen Putze als Werktrockenm\u00f6rtel nicht m\u00f6glich. Daher wurde die W\u00f6rlitzer Mischung aus Werktrockenm\u00f6rtel-Komponenten und Bausand auf der Baustelle zusammengemischt.<br \/>\nAus diesem und anderen Beispielen dieses Jahres gewonnenen Erfahrungen f\u00fchren zu einer grunds\u00e4tzlichen \u00c4nderung des Baukasten-Konzeptes. Es muss die M\u00f6glichkeit gefunden werden, \u00f6rtliche Sande zu verwenden, getrocknet und mit einer Anpassung an die Sieblinie des Befundes.<br \/>\nWeiterhin m\u00fcssen verschieden gebrannte Kalke eingesetzt werden, mit unterschiedlichen hydraulischen Verunreinigungen und Zementbeimischungen und Zusatzmittel.<br \/>\nDiese \u00c4nderungen f\u00fchren zum Baukasten II. Kernst\u00fcck ist der Einsatz einer Kleinmischanlage, in der individuell zusammengestellte Komponenten zum Werktrockenm\u00f6rtel in kleinen Chargen verarbeitet werden k\u00f6nnen. Durch die genannten Ab\u00e4nderungen des Putzbaukastenm\u00f6rtels konnte eine befriedigende Anpassung an den Originalm\u00f6rtel erreicht werden. Auch mit der Baustellenmischung nach Putzgutachten f\u00fcr die gro\u00dfen Putzwandfl\u00e4chen wurde eine gute M\u00f6rtelnachmischung, gut verarbeitbar, erreicht.<br \/>\nF\u00fcr die Unterst\u00fctzung dieses Projektes herzlichen Dank an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das DBU-Projekt war Teil der gesamten Au\u00dfensanierung der Petri-Kirche. Denkmalzielstellung f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen an der Kirche war die Restaurierung oder Rekonstruktion des Hauptumbauzustandes von 1809. 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