{"id":21675,"date":"2023-07-13T15:20:23","date_gmt":"2023-07-13T13:20:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17314-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:23","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:23","slug":"17314-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17314-01\/","title":{"rendered":"Detoxifizierung holzschutzmittelbelasteter national wertvoller Kunstobjekte mit Farbfassungen und Oberfl\u00e4chenveredelungsschichten am Beispiel des Epitaphs von D\u00f6ben und des Heiligen Grabes des Stiftes Neuzelle (Sachsen und Brandenburg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Dekontamination von Organochlor-Bioziden (DDT, Lindan, PCP) in ortsver\u00e4nderlichem und fixem Kunst- und Kulturgut aus Holz ohne und mit Farbfassungen sowie Oberfl\u00e4chenveredelungsschichten durch Extraktion mit superkritischem Kohlendioxid bzw. Anwendung von fl\u00fcssigen Entgiftungsmitteln in Kombination mit dem Vakuumwasch-Verfahren. Maximale Abreicherung der Biozide und Verhinderung k\u00fcnftiger Biozidausbl\u00fchungen unter weitgehendem Erhalt der Originalsubstanz. \u00dcbertragung der Tech-nologien<br \/>\nauf die Modellobjekte<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr die Detoxifizierung mit superkritischem Kohlendioxid wurden unbelastete und mit Bioziden belastete Proben mit verschiedenen Farbfassungen und Polituren hinsichtlich einer Ver\u00e4nderung der Oberfl\u00e4chenstruktur, des Farbwertes und des Dekontaminationsgrades untersucht. Ihre Behandlung erfolgte in Laboranlagen unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe. Nach der Optimierung der Versuchsbedingungen fand die Dekontamination der Figuren des Epitaphs von D\u00f6ben (Modellobjekt 1) in einer Technikumsanlage statt.<br \/>\nZur Biozidabreicherung an ortsfesten Holzbauteilen mussten zun\u00e4chst geeignete emulgierbare Entgiftungsmittel gefunden bzw. hergestellt werden. Diese Mittel wurden in Kombination mit dem Vakuumwasch-Verfahren an Biozid belasteten Holzelementen im Laborma\u00dfstab getestet. Die daraus resultierende Entgiftungstechnologie gelangte an ausgew\u00e4hlten Kulissen des Heiligen Grabes aus dem Stift Neuzelle (Modellobjekt 2) und zus\u00e4tzlich im Dachstuhl des Gotischen Hauses im W\u00f6rlitzer Park zum Einsatz.<br \/>\nDer Dekontaminationsgrad wurde mit einem Mikro-R\u00f6ntgenfluoreszenz-Spektrometer auf der Basis der Chlor-Z\u00e4hlrate ermittelt und mit dem gaschromatographisch bestimmten Biozidgehalt korreliert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Labor- und Technikumsversuche mit superkritischem Kohlendioxid haben eine deutliche Abreicherung der Biozide ergeben. Je nach den Versuchsbedingungen, dem Aufbau und Zustand des Holz-tr\u00e4gers und der Fassung werden Dekontaminationsgrade von mehr als 90% bei vorheriger Behandlung mit DDT und Lindan enthaltenden Holzschutzmitteln erreicht. Die einzelnen Fassungen und Polituren reagieren unterschiedlich auf das superkritische Kohlendioxid. \u00d6l\/Harz-gebundene Fassungen werden im Allgemeinen st\u00e4rker beeinflusst als Temperafassungen. Schellack-Oberfl\u00e4chen werden matt und \u00d6l-vergoldungen weisen eine Craquel\u00e9- sowie Blasenbildung auf. Entscheidend f\u00fcr den Erhalt des strukturellen Aufbaus von Holztr\u00e4ger und Fassung ist eine langsame Entspannung des Kohlendioxids auf Normalbedingungen. Je rascher entspannt wird, umso st\u00e4rker ist die Gefahr einer Rissbildung und des Aufbl\u00e4hens von Fassungsschichten. Werden gr\u00f6\u00dfere und stark kontaminierte Objekte entgiftet, muss durch den Separator nachgeschaltete Aktivkohlebeh\u00e4lter sichergestellt werden, dass keine Biozide aus dem Kreislauf in die Umwelt gelangen. Die Figuren des Epitaphs von D\u00f6ben (Modellobjekt 1) wurden ohne wesentliche Ver\u00e4nderung ihrer Originalit\u00e4t mit Abreicherungsraten von max. 93% dekontaminiert und zwei Figuren restauriert.<br \/>\nEine zus\u00e4tzlich in das Arbeitsprogramm aufgenommene Detoxifizierung mit Arsen- und Quecksilberverbindungen belasteter ethnologischer Objekte durch superkritisches Kohlendioxid ergab erste positive Resultate.<br \/>\nF\u00fcr die Oberfl\u00e4chen- und Teildekontamination unbeschichteter, ortsfester und\/oder gro\u00dfformatiger Holzbauteile wurden zwei  fl\u00fcssige Entgiftungsmittel auf der Basis umweltvertr\u00e4glicher Substanzen gepr\u00fcft. Beide Mittel weisen ein ausgezeichnetes L\u00f6severm\u00f6gen f\u00fcr Organochlor-Biozide auf und werden aus dem Holz unter Emulsionsbildung mit Hilfe der Vakuumwasch-Technologie wieder entfernt. Die Abreicherungsrate auf der Holzoberfl\u00e4che liegt im Vergleich zur bisher praktizierten Wasservariante mit et-wa 20 &#8211; 30% bei ca. 80 &#8211; 90%. In den ersten 2 mm unter der Holzoberfl\u00e4che werden bis zu 60% des urspr\u00fcnglich vorhandenen DDT abgereichert. Die noch im Holz enthaltenen Biozidreste lassen sich durch Ausf\u00e4llung der Emulsion unter Verwendung von Holzinhaltsstoffen absperren. Die mit den Entgiftungsmitteln behandelten holzsichtigen Teile des Heiligen Grabes aus dem Stift Neuzelle (Modellobjekt 2) zeigen bisher keine auff\u00e4lligen Ver\u00e4nderungen. Die im Dachstuhl des Gotischen Hauses im W\u00f6rlitzer Park angelegten Probeachsen sollen f\u00fcr Langzeit-Beobachtungen dienen.<br \/>\nAuf der Suche nach weiteren Dekontaminationsverfahren wurde auch die Wirkung von Mikrowellen untersucht. Testversuche ergaben, dass die Biozide durch eine von den Mikrowellen ausgehende Erw\u00e4rmung des Holzes an seine Oberfl\u00e4che transportiert werden, dort ausgasen und abgesaugt werden k\u00f6n-nen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zum Thema der Dekontamination von Kunst- und Kulturgut aus Holz erschienen Ver\u00f6ffentlichungen in den Zeitschriften Restauro, Monumente, Holz-Zentralblatt, Fraunhofer Magazin, Pesticide Outlook und in der Tagespresse. Es wurden drei Patente angemeldet. Die Deutsche Welle sendete einen TV-Beitrag zur Holzschutzmittel-Entgiftung. Das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen f\u00fchrte ein Pressegespr\u00e4ch zum Stand der Detoxifizierung durch. Auf der Denkmal 2002 in Leipzig wurde ein Informationsstand zum Vakuumwasch-Verfahren und zur Bestimmung des Dekontaminationsgrades durch Mikro-R\u00f6ntgenfluoreszenzanalyse eingerichtet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>F\u00fcr transportables Kunst- und Kulturgut aus Vollholz ohne und mit Oberfl\u00e4chenverg\u00fctungsschichten wurden Verfahrensregime zur tiefenwirksamen Detoxifizierung mit superkritischem Kohlendioxid ent-wickelt und im internationalen Ma\u00dfstab erstmals unter Praxisbedingungen an Skulpturen erfolgreich erprobt. Die gro\u00dfe Zahl Biozid belasteter Objekte erfordert in der Perspektive den Aufbau einer zentralen Gro\u00dfanlage zur Hochdruckextraktion mit Kohlendioxid.<br \/>\nZur Oberfl\u00e4chen- und Teildekontamination von ortsfesten Holzkonstruktionen stehen zwei fl\u00fcssige Entgiftungsmittel zur Auswahl, die in Kombination mit dem Vakuumwasch-Automaten unter Anwendung einer einfachen Mehrstufen-Technologie eingesetzt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Entfernung von Bioziden aus Holz und anderen organischen Materialien durch Mikrowellen sollte n\u00e4her untersucht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Dekontamination von Organochlor-Bioziden (DDT, Lindan, PCP) in ortsver\u00e4nderlichem und fixem Kunst- und Kulturgut aus Holz ohne und mit Farbfassungen sowie Oberfl\u00e4chenveredelungsschichten durch Extraktion mit superkritischem Kohlendioxid bzw. 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