{"id":21673,"date":"2026-03-13T10:32:05","date_gmt":"2026-03-13T09:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17299-01\/"},"modified":"2026-03-13T10:32:05","modified_gmt":"2026-03-13T09:32:05","slug":"17299-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17299-01\/","title":{"rendered":"Integriertes Risikomanagement im Umgang mit chemischen Produkten"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Hauptprinzip der EU Chemikalienpolitik, n\u00e4mlich dass die Verantwortung f\u00fcr die Risikokommunikation im Umgang mit Chemikalien einzig und alleine bei Industrie und Handel liegt, kann in den baltischen Staaten &#8211; wie auch im \u00fcbrigen Osteuropa &#8211; nur umgesetzt werden, wenn in der dortigen Industrie ein Umdenken in Richtung selbstverantwortlicher Kommunikation und weg vom alten command and control Verhalten stattfindet &#8211; unterst\u00fctzt von intensiven Schulungen. Und es ist sicherlich ein langan-dauernder Prozess.<br \/>\nIn diesem Sinne war es das Projektziel, verschiedene Handlungsinstrumente f\u00fcr die Betriebe zu entwickeln und deren selbst\u00e4ndige Durchf\u00fchrung gemeinsam zu trainieren, so dass die Zielfirmen am Ende imstande w\u00e4ren, ein so genanntes integriertes Chemikalienmanagement in ihren Betrieben durchzusetzen. Dies w\u00fcrde sie dazu bef\u00e4higen:<br \/>\n\u00b7\tmit EU Richtlinien und Prinzipen zum Chemikalienmanagement im Einklang zu sein,<br \/>\n\u00b7\tdie EU Umwelt- und Arbeitsschutzgesetzgebung umzusetzen,<br \/>\n\u00b7\twettbewerbsf\u00e4hig zu sein.<br \/>\nIm Projektantrag waren als Ziele angegeben:<br \/>\n\u00b7\tmindestens 10 baltische Betriebe mit verantwortungsbewusstem Chemikalienmanagement bekannt zu machen, die Situation diesbez\u00fcglich in den Firmen zu analysieren und die entwickelten Handlungsinstrumente anzulernen;<br \/>\n\u00b7\tdie Ergebnisse sollten an einen erweiterten Kreis von Betrieben weitergegeben werden;<br \/>\n\u00b7\tein praktisches Handbuch zum Umgang mit Chemikalien auf betrieblicher Ebene sollte entwickelt werden sowie<br \/>\n\u00b7\tein Entwurf einer Empfehlung an HELCOM verfasst werden mit dem englischen Titel: Draft recommendation on Integrated Chemicals Risk Management tools for the implementation of HELCOM 19\/5.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZur Verwirklichung des BACCON 2.4 &#8211; Projekts sollen folgende Aktivit\u00e4ten durchgef\u00fchrt werden:<br \/>\n&#8211;\tHerausragende Beispiele f\u00fcr fortschrittliches Umwelt- und Gesundheitsmanagement und f\u00fcr beste Product Stewardship-Praxis wurden ermittelt und dokumentiert. In Workshops und Seminaren wurde dieses weitervermittelt.<br \/>\n&#8211;\tMindestens 10 Unternehmen sollten sich bereit erkl\u00e4ren, ein Zertifikationsverfahren aufzunehmen und die neuen Instrumente in ihre Organisations-Systeme einzuf\u00fchren. Dies beinhaltet die Aufstellung neuer Verfahrensweisen in Informations-, Beteiligungs-, Priorit\u00e4tensetzungs- und Entschei-ungsprozessen, neue Kommunikationsweisen mit der Au\u00dfenwelt sowie die Schulung der Belegschaft.<br \/>\n&#8211;\tDie Handhabung der neuen Instrumente sollte \u00fcber einige Monate hinweg begleitet und ausgewertet werden. Erfolg und Misserfolg wurden dokumentiert.<br \/>\n&#8211;\tDie Organisations-Instrumente sollten &#8211; basierend auf den gewonnenen Erfahrungen &#8211; in einer konzeptionellen Empfehlung zusammengestellt werden. Diese sollte verschiedenen Experten aus In-dustrie und staatlichen Institutionen zur Kommentierung vorgelegt werden.<br \/>\n&#8211;\tDie durchgesehene Empfehlung sollte in Handel und Industrie verbreitet und au\u00dferdem HELCOM zur \u00dcbernahme auf internationaler Ebene vorgeschlagen werden.<br \/>\n&#8211;\tMehrere Workshops f\u00fcr andere Unternehmen sollten organisiert werden, um die Erfahrungen aus den Fallstudien zu verbreiten und um weitere Betriebe zu motivieren.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>&#8211;\tDas letzte Ziel (HELCOM Empfehlung) war dann w\u00e4hrend der Projektdurchf\u00fchrung nicht mehr aktuell, da die entsprechende HELCOM Arbeitsgruppe ihre Arbeit beendet hatte. Daher hat der Projektbeirat beschlossen, diese Aufgabe zu streichen.<br \/>\n&#8211;\tDie anderen Ziele sind erreicht worden &#8211; und weit mehr als eigentlich gedacht:<br \/>\n&#8211;\tAnstelle von 10 Firmen nahmen 12 Firmen als Pilotbetriebe am ganzen Projektprogramm teil. Niemand hat zwischendurch aufgeh\u00f6rt, wie eigentlich erwartet wurde;<br \/>\n&#8211;\tEin weiter Zirkel von Industriebetrieben hat einen &#8211; fast kann man schon sagen &#8211; Fan Club gebildet  und ist zu Seminaren und Trainingskursen gekommen;<br \/>\n&#8211;\tDie baltischen Betriebe sind sehr an weiterer Zusammenarbeit interessiert um ihr Wissen zu vertiefen, es gibt viele neue Betriebe, die gerne an einem Trainingsprogramm basierend auf den Handbuch teilnehmen w\u00fcrden;<br \/>\n&#8211;\tEs wurden insgesamt 20 Veranstaltungen organisiert (gegen\u00fcber 18 im Antrag vorgesehenen);<br \/>\n&#8211;\tDas Handbuch ist ver\u00f6ffentlicht und baut auf den Projekterfahrungen auf;<br \/>\n&#8211;\tCa. 165 Personen wurden auf den Pr\u00e4sentationen mit den Projekterfahrungen vertraut gemacht, 99 Industrievertreter haben an Workshops teilgenommen, viele mehr als einmal; ca. 170 Handb\u00fccher wurden schon auf den Pr\u00e4sentationen verteilt, der Rest wird intensiv in den BEF B\u00fcros nachgefragt.<br \/>\n&#8211;\tDie entwickelten Chemikalienmanagementelemente sind gute Hilfe bei der Umsetzung der allgemeinen EU Chemiepolitik sowie vieler einzelner Anforderungen aus anderen Richtlinien wie L\u00f6semittel, Wasserrahmenrichtlinie, IVU etc.<br \/>\n&#8211;\tEin Fortsetzungsprojekt, genannt BACCON 3, mit dem Ziel, Verwaltung und Industrie mit der neuen EU Chemiepolitik (REACH) vertraut zu machen, ist von verschiedenen Gebern bewilligt worden und hat am 1.8.2003 begonnen;<br \/>\n&#8211;\tEin weiteres Fortsetzungsprojekt in diesem Prozess wurde vom Projektpartner \u00d6kopol bei der DBU beantragt um die Trainingskapazit\u00e4t der baltischen Berater in der EU-REACH-Politik zu entwickeln.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>F\u00fcr das Projekt wurde im Rahmen der entsprechenden Branchenverb\u00e4nde geworben, deren Beteiligung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit leistete einen wichtigen Beitrag bei der Auswahl der Betriebe und der Projektdurchf\u00fchrung.<br \/>\nIm Rahmen des Projektes wurden verschiedene Flugbl\u00e4tter sowie ein umfangreiches Handbuch f\u00fcr Betriebe erstellt und in den Nationalsprachen gedruckt. Dieses Handbuch wurde in gro\u00dfen Veranstaltungen in den drei Umweltministerien der \u00d6ffentlichkeit und Presse pr\u00e4sentiert.<br \/>\nIn Form von Workshops und Seminaren wurde in weiteren Betrieben f\u00fcr Integriertes Risiko-Management von Chemikalien geworben.<br \/>\nDas Projekt selber unterstand einem Vorstand, dem sowohl die Geldgeber als auch die Unwelt- und Gesundheitsbeh\u00f6rden der drei Baltischen Staaten angeh\u00f6ren. Dort wurden Projektergebnisse und Aktivit\u00e4ten halbj\u00e4hrlich pr\u00e4sentiert.<br \/>\nZu Werbezwecken wurde eine Projektbrosch\u00fcre mit Hinweis auf die Aktivit\u00e4ten in den Baltischen Interessengruppen verteilt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Hauptziel des Projektes, n\u00e4mlich die baltischen Betriebe bei der Umsetzung von integrierten Chemikalienmanagementsystemen zu unterst\u00fctzen, ist erreicht &#8211; allerdings nicht wie urspr\u00fcnglich angedacht: Einfach aus dem Grunde, weil die Betriebe in den baltischen Staaten weit hinter den Arbeitsweisen von westlichen Betrieben zur\u00fcck sind &#8211; und die Erfahrung in westlichen Betrieben war die Basis f\u00fcr die gesteckten Projektziele &#8211; es herrscht eben noch sowjetisches Denken. Daher wurde im Projektmana-gement entschieden, Basiskenntnisse intensiv zu vermitteln (z. B. gute Inventarisierungen in den Betrie-ben anzuleiten) und Themen nicht zu weit auszudehnen, sondern sich erst einmal auf die Nutzerfirmen von Chemikalien zu konzentrieren, und nicht auch noch Importeure und Verbraucher anzusprechen.<br \/>\nWichtigste Herausforderungen und Lernerfolge<br \/>\n &#8211;\tDie baltischen Betriebe sind auf dem richtigen Wege zu verantwortungsvollem Chemikalienmanagement, aber es gibt noch viel zu tun und zu verbessern um die EU-Anforderungen zu erf\u00fcllen. Die Firmen haben angemerkt, dass es sehr schwierig ist, die Gesetze ohne fremde Hilfe richtig zu interpretieren und st\u00e4ndig auf dem Laufenden \u00fcber Ver\u00e4nderungen und Neuerungen zu sein. Besonders schwierig scheint es zu sein, einen holistischen Gesamt\u00fcberblick \u00fcber Zusammenh\u00e4nge unter ver-schiedenen Bestimmungen zu erkennen, die Menschen sind eher imstande einzelne Regelwerke zu sehen und kennen als etwa den Zusammenhang zwischen Wasserpolitik, Chemiepolitik und Genehmigungsverfahren. Hier muss weiterhin ein intensiver Dialog zwischen Legislative und Industrie organisiert werden.<br \/>\n&#8211;\tWas in den Betrieben fehlt sind Selbstbewertungsroutinen und eigene Zielsetzungen. Dies scheint f\u00fcr die Betriebe alleine schwierig zu sein und erfordert externe Beratung, um die Bewertungssyste-me zu installieren und im Anfang zu assistieren. &#8211;\tDer Hauptbeweggrund f\u00fcr Ver\u00e4nderung in der baltischen Industrie sind gesetzgeberische Aktivit\u00e4ten, also neue Bestimmungen, EU Richtlinien etc. Nur einige wenige Betriebe sind heute schon auf dem Weg, nachhaltigen Arbeitsschutz und \u00f6kologisch orientierte Firmenpolitik zu betreiben. Dies ist erst einmal als teuer und noch nicht n\u00f6tig angesehen, Hier muss viel Aufkl\u00e4rungsarbeit geleistet wer-den.<br \/>\n&#8211;\tDie meisten industriellen Nutzer von Chemikalien sind sich ihrer Rolle in der Wertsch\u00f6pfungskette noch nicht im Klaren und damit nicht vorbereitet auf die neue EU Chemikalienpolitik mit Namen REACH. Vor allem KMUs und auf dem nationalen Markt operierende Firmen sind noch nicht wirklich auf ihre Informationspflicht vorbereitet.<br \/>\n&#8211;\tAuch wenn die Firmen vielfach betont haben, dass sie unglaublich viel in dem Projekt gelernt haben, bleibt abzuwarten, wie sich die Firmenpolitiken in Zukunft ver\u00e4ndern.<br \/>\n&#8211;\tNeben den anfangs definierten Projektzielen hat das Projekt auch anderweitig zur besseren Qualifikation der Pilotfirmen beigetragen, so zum Beispiel bei deren Schritten in Richtung ISO 14000 Zertifizierungen, die von vielen Betrieben angestrebt wird.<br \/>\n&#8211;\tDie Industrieverb\u00e4nde der Nutzerbranchen wie Textil, Holzverarbeitung oder Metallverarbeitung sind sehr schwach in den baltischen Staaten, die Chemieverb\u00e4nde halbwegs organisiert, allerdings weit entfernt von westlichen Verb\u00e4nden, deren Lobbypolitik und Beraterleistungen f\u00fcr die Betriebe.<br \/>\n&#8211;\tDer Informationsfluss \u00fcber Gefahrenstoffe von Produzenten zu Endnutzern ist nicht intensiv in den baltischen Staaten. Der gr\u00f6\u00dfte Schwachpunkt ist von Importeuren und H\u00e4ndlern zu Nutzerfirmen &#8211; beide Seiten sind sich ihrer Verpflichtung Informationen weiterzugeben bzw. anzufordern nicht wirklich bewusst.<br \/>\n&#8211;\tDas Projektmanagement dieses Projektes mit seinen vielen Partnern war sehr kompliziert und hat einige Kraft gekostet &#8211; allerdings auch viele gro\u00dfartige Erfahrungen gebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Hauptprinzip der EU Chemikalienpolitik, n\u00e4mlich dass die Verantwortung f\u00fcr die Risikokommunikation im Umgang mit Chemikalien einzig und alleine bei Industrie und Handel liegt, kann in den baltischen Staaten &#8211; wie auch im \u00fcbrigen Osteuropa &#8211; nur umgesetzt werden, wenn in der dortigen Industrie ein Umdenken in Richtung selbstverantwortlicher Kommunikation [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[1266,2423,53],"class_list":["post-21673","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-grenzueberschreitend","tag-umweltkommunikation","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"17299\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-17299.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"245.999,90","dbu_projektdatenbank_firma":"\u00d6kopol\nInstitut f\u00fcr \u00d6kologie und Politik GmbH","dbu_projektdatenbank_strasse":"Nernstweg 32 - 34","dbu_projektdatenbank_plz_str":"22765","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Hamburg","dbu_projektdatenbank_p_von":"2001-04-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2003-09-30 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"040\/391002-0","dbu_projektdatenbank_inet":"www.oekopol.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Grenz\u00fcberschreitend","dbu_projektdatenbank_foerderber":"49","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21673\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34676,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21673\/revisions\/34676"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}