{"id":21641,"date":"2023-07-13T15:12:44","date_gmt":"2023-07-13T13:12:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08499-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:46","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:46","slug":"08499-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08499-01\/","title":{"rendered":"Technikakzeptanz im Niedrigenergiehaus"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die praxisnahen Einfl\u00fcsse wie Anlagenkonzept, Regelungsstrategie, Bedienerschnittstelle, Nutzungsverhalten und Nutzerverhalten auf den Heizenergieverbrauch in Niedrigenergiewohngeb\u00e4uden &#8211; und damit die Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Diskrepanz zwischen berechnetem Bedarf und gemessenem Verbrauch &#8211; soll bei unterschiedlichen L\u00fcftungsstrategien durch Feldmessung an baugleichen Objekten und technisch-sozialwissenschaftliche Bewohnerbefragung quantifiziert werden.<br \/>\nAus den Ergebnissen leiten sich Empfehlungen zur Energieverbrauchsminimierung bei gleichzeitiger Komfortmaximierung ab, die den Zielgruppen Hausbewohner, Handwerker, Architekten, Planer und Hersteller zur Verf\u00fcgung gestellt werden sollen und damit alle am Bau beteiligten Gruppen erreichen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGeeignete Basis f\u00fcr die Feldmessung bietet eine Siedlung in Holzst\u00e4nderbauweise gem\u00e4\u00df Niedrigenergiestandard, wovon in 28 baugleichen Reihenmittelh\u00e4usern detaillierte Messtechnik installiert ist. Die Objekte sind identisch bez\u00fcglich Geb\u00e4udegeometrie, D\u00e4mmung, Orientierung und Standort aber mit unterschiedlicher Heizungs- und L\u00fcftungstechnik von neun verschiedenen Herstellern ausgestattet. Die Messtechnik erfasst neben dem Au\u00dfenklima die leitungsgebundenen Energien, die einzelnen Raumtemperaturen, ausgew\u00e4hlte Mischgas- und Feuchtewerte sowie alle \u00d6ffnungszeiten der Au\u00dfenfenster und -t\u00fcren.<br \/>\nDie Bestandsaufnahme in der Heizperiode 1999\/2000 dient der Erhebung aller energetisch relevanten und objektiv nutzerbedingten Gr\u00f6\u00dfen sowie der psychologischen Daten durch die Bewohnerbefragung.<br \/>\nDurch zusammenf\u00fchrende Auswertung &#8211; erg\u00e4nzt durch Simulationsergebnisse &#8211; l\u00e4sst sich der Zustand des Bestands bewerten. Daraus ergeben sich die Handlungsschritte f\u00fcr die konkrete Systemoptimierung, die sowohl das Nutzer- und Nutzungsverhalten der Bewohner als auch die Anlagentechnik umfasst. Die Heizperiode 2000\/2001 dient der Erfolgskontrolle. Aus der anschlie\u00dfenden Abschlussbewertung und der Schwachstellenanalyse k\u00f6nnen eindeutige Empfehlungen und Handlungsanweisungen ab-geleitet werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mechanische Wohnungsl\u00fcftungsanlagen mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung bieten ein Einsparpotential an Prim\u00e4renergie, das im vorliegenden Feldmessprojekt mit etwa 10 bis 15 kWh\/m\u00b2a beziffert werden kann. Zwingende Voraussetzung, dieses Potential auszusch\u00f6pfen, ist der Verzicht der Bewohner auf das Fensterl\u00fcften w\u00e4hrend der Heizperiode. Das reale L\u00fcftungsverhalten in der Angersiedlung Leipzig zeigt jedoch keineswegs generelle Verzichtbereitschaft. Vielmehr liefern die Messdaten Fenster\u00f6ffnungszeiten von bis zu 24 Stunden pro Tag in der Heizperiode. Dabei folgt das L\u00fcftungsverhalten einer starken Abh\u00e4ngigkeit von der Au\u00dfenlufttemperatur, mit deutlich sichtbaren L\u00fcftungsstrategien, die von der jeweiligen Raumnutzung bestimmt werden: in Schlafzimmern \u00fcberwiegend Nachtl\u00fcftung, in Wohnzimmern dagegen Tagl\u00fcftung. Das Fensterl\u00fcften erfolgt dabei keineswegs gedankenlos oder aus reiner Gewohnheit &#8211; die Bewohner sind sich des Einflusses auf den Energieverbrauch durchaus bewusst &#8211; sondern einerseits aus dem Bed\u00fcrfnis nach frischer Luft, das zeitweise und f\u00fcr manche R\u00e4ume bzw. Raumnutzung nicht durch die mechanische L\u00fcftungstechnik erf\u00fcllt werden kann, andererseits aus dem Bed\u00fcrfnis nach k\u00fchler Schlaftemperatur. Die zentrale Anlagentechnik kann diesem zeitlich und \u00f6rtlich unterschiedlichen Bedarf an Luftmengen und Lufttemperaturen nicht gen\u00fcgen, woraus sich f\u00fcr zuk\u00fcnftige Entwicklungen die Forderung nach bedarfsgerechten technischen L\u00f6sungen ableitet.<br \/>\nDie Befragung bescheinigt insgesamt die Zufriedenheit der Bewohner mit dem Raumklima durch mechanische Bel\u00fcftung. Bei vereinzelt angegebener Unzufriedenheit \u00fcber Raumluftfeuchte oder Geruch konnten keine Zusammenh\u00e4nge zu gemessenen Werten festgestellt werden. Die Bedienbarkeit hat bei einigen Anlagen zu \u00c4rger und Unzufriedenheit gef\u00fchrt, ein Einfluss auf den Energieverbrauch durch resultierende Verhaltensweisen (Fensterl\u00fcften) ist nicht nachweisbar. Eine gro\u00dfe Diskrepanz zeigt sich zwischen \u00fcberwiegend k\u00fchler Wunschtemperatur in den Schlafr\u00e4umen und den dort gemessenen Temperaturen von 20 bis 24 \u00b0C.<br \/>\nDie Hygieneuntersuchungen zeigen einen protektiven Effekt der untersuchten L\u00fcftungsanlagen bez\u00fcg-lich der Belastung der Zuluft durch Bakterien und Pilzsporen (mittlere Reduktionsrate der Anlagen f\u00fcr Bakterien 79 % und f\u00fcr Pilzsporen 72 %). Die signifikant niedrigeren Bakterien- und Pilzsporenkonzentrationen der Zuluft versus Au\u00dfenluft dokumentieren eine positive Wirkung der Anlagen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass keine der L\u00fcftungsanlagen, weder im Sommer noch im Winter, eine Quelle mikrobiologischer Belastungen im Innenraum darstellt (keine negativen Effekte nachweisbar), Umluftsysteme sollten aus mikrobieller Sicht jedoch vermieden werden. W\u00e4hrend der Heizperiode (durchg\u00e4ngiger Betrieb der Wohnungsl\u00fcftungsanlagen) zeigen sich wider Erwarten keine signifikanten Unterschiede der Pilzsporenkonzentration in der Raumluft und im Hausstaub von k\u00fcnstlich und nat\u00fcrlich bel\u00fcfteten Wohnzimmern. Es ist zu vermuten, dass bei Wohnzimmern der Einfluss der Nutzungscharakteristika gegen\u00fcber dem Anlageneinfluss dominiert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zwischenergebnisse wurden vorgestellt auf folgenden Veranstaltungen:<br \/>\n&#8211;\tFelduntersuchungen an Niedrigenergie-Geb\u00e4uden &#8211; Ergebnisse und Auswirkungen. Viertes Fachforum Innovative L\u00fcftungstechnik, OTTI-Kolleg, 06.-07.02.2001 Regensburg.<br \/>\n&#8211;\tProjektvorstellung Energiesysteme im Wohnungsbau. Workshop Wohnungsl\u00fcftung Quo vadis?, 22.02.2001 Universit\u00e4t Kassel<br \/>\n&#8211;\tFelduntersuchungen an Niedrigenergie-Geb\u00e4uden &#8211; Ergebnisse und Auswirkungen. Seminar Bayerische Hausbau, M\u00fcnchen.<br \/>\n&#8211;\tNiedrigenergieh\u00e4user &#8211; Erfahrungen und Ergebnisse aus Feldmessungen. 5. Dingolfinger Baufachtag, L.V.S-Bayern, 09.11.2001 Dingolfing.<br \/>\n&#8211;\tEnergetische Geb\u00e4udeoptimierung &#8211; Helfen l\u00fcftungstechnische Anlagen Energie einzusparen? 41. Technische Tagung, \u00d6sterreichischer Kachelofenverband, 30.01-01.02.2002 A-Wels.<br \/>\nBeitr\u00e4ge f\u00fcr Fachzeitschriften sind in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Den in der Praxis untersuchten Wohnungsl\u00fcftungsanlagen kann eine breite Nutzerakzeptanz bescheinigt werden. Trotz der eingesetzten mechanischen L\u00fcftung wird energetisch kontraproduktiv \u00fcber Fenster gel\u00fcftet, motiviert durch individuelle W\u00fcnsche bez\u00fcglich Raumluftqualit\u00e4t und -temperatur. Zur Umsetzung des energetischen Einsparpotentials, nur m\u00f6glich bei unterbleibendem Fensterl\u00fcften in der Heizperiode, sind daher bedarfsgerechte Techniken (Stichwort Einzelraumregelung) die Herausforderung f\u00fcr zuk\u00fcnftige Entwicklungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die praxisnahen Einfl\u00fcsse wie Anlagenkonzept, Regelungsstrategie, Bedienerschnittstelle, Nutzungsverhalten und Nutzerverhalten auf den Heizenergieverbrauch in Niedrigenergiewohngeb\u00e4uden &#8211; und damit die Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Diskrepanz zwischen berechnetem Bedarf und gemessenem Verbrauch &#8211; soll bei unterschiedlichen L\u00fcftungsstrategien durch Feldmessung an baugleichen Objekten und technisch-sozialwissenschaftliche Bewohnerbefragung quantifiziert werden. Aus den Ergebnissen leiten sich Empfehlungen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[62,47,51,52,53],"class_list":["post-21641","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-hessen","tag-klimaschutz","tag-ressourcenschonung","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"08499\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-08499.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"93.444,73","dbu_projektdatenbank_firma":"Universit\u00e4t KasselFachgebiet Technische Geb\u00e4udeausr\u00fcstung","dbu_projektdatenbank_strasse":"Gottschalkstr. 28","dbu_projektdatenbank_plz_str":"34109","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Kassel","dbu_projektdatenbank_p_von":"1999-12-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2002-03-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 4 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0561\/804-2528","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Hessen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"28","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21641\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34644,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21641\/revisions\/34644"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}