{"id":21629,"date":"2024-11-27T10:36:10","date_gmt":"2024-11-27T09:36:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17202-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:13","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:13","slug":"17202-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17202-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte Behandlung umweltgesch\u00e4digter extrem eingedunkelter mittelalterlicher Glasmalereibest\u00e4nde anhand der Chorfenster der Marienkirche in Salzwedel (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die farbige Chorverglasung der Marienkirche ist durch die fast vollst\u00e4ndige Verrottung des seit 40 Jahren nicht mehr ber\u00fchrten Halterungssystems der Doppelverglasung mit der drohenden Gefahr eines vollst\u00e4ndigen Zusammenbruchs des eingebauten Bestandes hoch gef\u00e4hrdet. Der schwerwiegendste Scha-den besteht in einer Ablagerung von Korrosionsschichten auf bestimmten Glasarten, die das Erscheinungsbild im Ganzen und die Lesbarkeit der Darstellungen im Einzelnen beeintr\u00e4chtigen, indem Teile der farbigen Scheiben zunehmend lichtundurchl\u00e4ssig, z. T. vollst\u00e4ndig intransparent werden.<br \/>\nDiese und andere durch umweltrelevante Einwirkungen aufgetretenen Sch\u00e4den sollen zuk\u00fcnftig vermieden und mit einer beispielhaften Restauration behoben und dokumentiert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tNaturwissenschaftlich-technische Untersuchungen f\u00fcr die Konservierung der Glasmalereifelder<br \/>\n&#8211;\tBestimmung der chem. Zusammensetzung und morphologischen Beschaffenheit von Gl\u00e4sern und Malschichten an 6-10 Proben aus unterschiedlichen Feldern (Lichtmikroskopie und Elektronenstrahlmikrosonde)<br \/>\n&#8211;\tUntersuchungen des Korrosionsverhalten dieser Gl\u00e4ser an nachgeschmolzenen Modellproben in Klimaschr\u00e4nken<br \/>\n&#8211;\tDurchf\u00fchrung von Korrosionsproduktabnahmen an den Originalproben, 1. mechanisch und 2. mit Ammoniumcarbonat-L\u00f6sung (Kompressen)<br \/>\n&#8211;\tElektronenmikroskopische Kontrolle von Reinigungsma\u00dfnahmen<br \/>\n2.\tKonservatorische und restauratorische Behandlung der Originalgl\u00e4ser<br \/>\n&#8211;\tEntfernung der Korrosionsprodukte durch, 1. Mechanische Abnahme (Skalpell und Airbrasiv-Verfahren mit weichem Granulat als Erprobung) und 2. Behandlung mit optimierten Ammoniumcarbonat-L\u00f6sung.)<br \/>\n3.\tDokumentation und Publikation der Ergebnisse<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei den Arbeiten zum Projekt wurde sowohl das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen-Anhalt als auch der Fachbeirat f\u00fcr das F\u00f6rderprojekt \u0082Marienstern kontinuierlich informiert und fachlich eingebunden.<br \/>\nIm speziellen wurde untersucht, inwiefern das Airbrasivverfahren im Vergleich zur Hydrazinbehandlung die fachgerechte Beseitigung von Korrosionsbel\u00e4gen und die allgemeine Aufhellung bewirkt.<br \/>\nDie Untersuchungen und Anwendungen wurden im engen Kontakt mit Frau M\u00f6hrle und der Glaswerkstatt am K\u00f6lner Dom (Frau M\u00fcller-Weinitschke) durchgef\u00fchrt.<br \/>\nBei der Erprobung zeigte es sich , dass das Airbrasivverfahren mehr differenzierte M\u00f6glichkeiten durch die Variation von einzusetzenden D\u00fcsen und des zu verwendenden Materials bietet, als im allgemeinen &#8211; auch in der Fachwelt &#8211; bisher angenommen wurde.<br \/>\nAllerdings kommt hier noch eine Komponente hinzu, n\u00e4mlich das \u0082Fingerspitzengef\u00fchl des arbeitenden Restaurators, der in der Lage sein muss, das richtige Zusammenspiel von D\u00fcsenst\u00e4rke und des zu verspr\u00fchenden Materials f\u00fcr das jeweilige Objekt zusammenzustellen. In keinem Fall darf durch die Arbeit die Gelschicht des Glases angegriffen werden.<br \/>\nIn dieser Konstellation zeigen die gemachten Versuche bei der Bundesanstalt f\u00fcr Materialforschung und -pr\u00fcfung in Beratung durch Frau M\u00f6hrle als Modell f\u00fcr weitere Beispiele einen Erfolg bei der fachgerechten Beseitigung von Korrosionsbel\u00e4gen und der angestrebten Aufhellung verbr\u00e4unter Gl\u00e4ser.<br \/>\nVoraussetzung f\u00fcr die praktische Anwendung ist jedoch, dass die Verbr\u00e4unungen auf Manganverbindungen beruhen, die sich in der Korrosionsproduktkruste auf der Au\u00dfenseite der Gl\u00e4ser befinden.<br \/>\nDas Airbrasivverfahren bedeutet neben Hydrazinbehandlung eine weitere akzeptable M\u00f6glichkeit, wobei jedoch stets nur eine teilweise Verbesserung der Transparenz zu erzielen ist. Die Verbr\u00e4unung der Gel-schicht bleibt vorhanden. Aus diesem Grund kann das Airbrasivverfahren die Hydrazinbehandlung nicht vollst\u00e4ndig ersetzen.<br \/>\nWeiterhin wurde im Rahmen des Projektes durch Untersuchungen an Modellproben gepr\u00fcft, welches quantitative Risiko mit der Anwendung verbunden ist und ob eventuelle Langzeitsch\u00e4den infolge der Behandlung von Glasmalereien mit Airbrasiv auftreten k\u00f6nnen, ebenso die M\u00f6glichkeit auch biogene Matten abzutragen und die spezielle Anwendung bei Korrosionsans\u00e4tzen auf Metallteilen oder solche auf Bleistegen der Glasmalereifelder.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Eine Dokumentation und Pr\u00e4sentation der Thematik, im speziellen die Beurteilung des angewandten Feinstrahlverfahrens (Airbrasivverfahren) im Vergleich zur Hydrazinbehandlung wird in der Fachzeitschrift \u0082Restauro im Heft 8 \/ 2001 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die dem Projekt zugrunde liegenden und durchgef\u00fchrten naturwissenschaftlich-technischen Untersu-chungen f\u00fcr die Konservierung der Glasmalereifelder sowie die angewandten Methoden zur konservatorischen und restauratorischen Behandlung der Originalgl\u00e4ser erwiesen sich als exemplarische und beispielgebende Vorgehensweise zur Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an extrem eingedunkelten mittelalterlichen Glasmalereibest\u00e4nden.<br \/>\nEs konnte sowohl eine allgemeine Aufhellung des Originalbestandes erzielt werden, als auch die in einigen Bereichen vorhandene vollst\u00e4ndige Intransparenz beseitigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die farbige Chorverglasung der Marienkirche ist durch die fast vollst\u00e4ndige Verrottung des seit 40 Jahren nicht mehr ber\u00fchrten Halterungssystems der Doppelverglasung mit der drohenden Gefahr eines vollst\u00e4ndigen Zusammenbruchs des eingebauten Bestandes hoch gef\u00e4hrdet. 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