{"id":21614,"date":"2023-07-13T15:12:44","date_gmt":"2023-07-13T13:12:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08487-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:45","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:45","slug":"08487-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08487-01\/","title":{"rendered":"Hygrothermische Beurteilung der Einsatzm\u00f6glichkeiten und -voraussetzungen f\u00fcr D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Laut Beschluss der Bundesregierung sollen bis zum Jahr 2005 die CO2-Emissionen im vereinigten Deutschland gegen\u00fcber dem Stand von 1987 um 25 bis 30% gesenkt werden. Das gr\u00f6\u00dfte Einzelpotential mit rund 35 Mio. t\/a stellen dabei W\u00e4rmed\u00e4mm-Ma\u00dfnahmen, vor allem im Altbaubestand, dar. Damit w\u00e4re eine deutliche Aufweitung des Marktes f\u00fcr D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (DNR) zu erwarten. W\u00e4hrend zur Herstellung von konventionellen D\u00e4mmstoffen (Mineralfaser, Polystyrol, Polyurethan) ein Prim\u00e4renergieaufwand von 250 bis 1.600 kWh\/m3 ben\u00f6tigt wird, liegt dieser bei den meisten D\u00e4mmstoffen aus nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen unter 100 kWh\/m3. Um nun auch aus hygrothermischer Sicht deren Vorteile gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen D\u00e4mmstoffen, aber auch m\u00f6gliche Einsatzgrenzen zur Vermeidung von Bausch\u00e4den aufzuzeigen, ist es dringend erforderlich, D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen w\u00e4rme- und feuchtetechnisch detailliert zu untersuchen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm den bisherigen Stand der am Markt verf\u00fcgbaren D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen in Erfahrung zu bringen, wurde zu Beginn des Projektes (Juni 2000) eine Literaturrecherche durchgef\u00fchrt. Hierbei werden neben den Herstellern von DNR auch die bisher bekannten hygrothermischen Materialkenndaten der D\u00e4mmstoffe weitgehend zusammengetragen. Um weitere fachliche Informationen zu erhalten, dient der Kontakt mit dem ADNR (Industrieverband von Herstellern, die D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen anbieten). In Zusammenarbeit mit dem ADNR wurden Dach- und Wandkonstruktionen festgelegt, die beispielhaft f\u00fcr D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen Verwendung finden. Weiterhin wird gepr\u00fcft, f\u00fcr welche D\u00e4mmstoffe eine Bestimmung der wichtigsten hygrothermischen Materialkenndaten in den institutseigenen, akkreditierten Labors sinnvoll ist. Damit werden hygrothermische Berechnungen in Abh\u00e4ngigkeit von Material- Konstruktions- und Klimabedingungen durchgef\u00fchrt und eine Aussage \u00fcber die Gebrauchstauglichkeit von D\u00e4mmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen D\u00e4mmstoffen erzielen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Literaturrecherche ergibt, dass sich derzeit ca. 80 Anbieter von D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen am deutschen Markt befinden. Folgende Rohstoffe werden haupts\u00e4chlich f\u00fcr diese D\u00e4mmstoffe verwendet:<br \/>\nSchafwolle, Baumwolle, Flachs, Hanf, Kork, Zellulose, Holz (Sp\u00e4ne und Faser).<br \/>\nDie g\u00e4ngigen bauphysikalischen Materialkenndaten wie z. B. Rohdichte, W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit, \u00b5-Wert und wurden f\u00fcr die meisten Materialien in Erfahrung gebracht. Weiterf\u00fchrende Angaben wie z. B. Sorptionsisotherme, freie Wassers\u00e4ttigung etc., wie sie f\u00fcr eine hygrothermische Beurteilung n\u00f6tig sind, fehlten aber meist. An D\u00e4mmungen aus Zelluloseflocken, Holzsp\u00e4ne, Flachs und Holzfaserd\u00e4mmplatten werden die hygrothermischen Kennwerte, die f\u00fcr hygrothermische Berechnungen notwendig sind, in den eigenen akkreditierten Labors bestimmt. Dabei wird dargestellt, dass der normativ festgelegte Zuschlag f\u00fcr die W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit aus hygrothermischer Sicht neu \u00fcberdacht werden muss.<br \/>\nAls repr\u00e4sentative Dach- und Wandkonstruktionen f\u00fcr hygrothermische Berechnungen werden festgelegt:<br \/>\nZwischensparrend\u00e4mmung (Dach)<br \/>\nAufsparrend\u00e4mmung (Dach)<br \/>\nKernd\u00e4mmung im Holzst\u00e4nderleichtbau (Wand)<br \/>\nInnend\u00e4mmung im Massivbau (Wand)<br \/>\nAu\u00dfend\u00e4mmung im Massivbau (Wand).<br \/>\nHygrothermische Berechnungen an diesen Konstruktionen zeigen, dass D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen bei fachgerechtem Gebrauch im wesentlichen keine anderen Eigenschaften als herk\u00f6mmliche diffusionsoffene D\u00e4mmstoffe aufweisen. Ihre Sorptionsf\u00e4higkeit wirkt sich praktisch nur gering aus und dient einer leichten Pufferung der Luftfeuchte im D\u00e4mmstoff. Dies wirkt sich geringf\u00fcgig positiv auf die Beurteilung des Befalls durch Schimmelpilz aus. Je nach Einstufung der DNR in Substratgruppe I oder Substratgruppe II ergeben sich etwas schlechtere oder etwas bessere Voraussetzungen hinsichtlich Schimmelpilzbefall. Probleme aus hygrothermischer Sicht treten i.a. nur bei Konstruktionen auf, die auch mit herk\u00f6mmlichen diffusionsoffenen D\u00e4mmstoffen problematisch sind. Als Nachteil bei einigen der un-tersuchten DNR ist ihr Setzungsverhalten bei Kontakt mit Wasser zu nennen. Diese D\u00e4mmstoffe sind daher sorgf\u00e4ltig vor gr\u00f6\u00dferen Wassereinbr\u00fcchen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Veranstaltung eines bauphysikalischen Kolloquiums am 3.\/4. Dezember 2001 mit dem Titel Bauprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen<br \/>\nVer\u00f6ffentlichung einer IBP-Mitteilung D\u00e4mmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen &#8211; Ist der Feuchtezuschlag f\u00fcr die W\u00e4rmeleitf\u00e4higkeit gerechtfertigt?<br \/>\nVer\u00f6ffentlichung der Messergebnisse in den USA.<br \/>\nEine Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse in einer Fachzeitschrift steht noch bevor.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Vergleich zwischen den jeweiligen Konstruktionen mit DNR bzw. herk\u00f6mmlichen D\u00e4mmstoffen zeigt, dass in allen Aufbauten \u00e4hnliche hygrothermische Zust\u00e4nde hinsichtlich Temperatur und rel. Luftfeuchte herrschen. Bei sachgem\u00e4\u00dfem Einbau sind demnach keine Probleme zu erwarten. Hinsichtlich Schimmelpilzbildung ergeben sich geringe Differenzen, wobei je nach Einstufung der DNR in die Substratgruppe I bzw. II gegebenenfalls unterschiedliche Ergebnisse zu erwarten sind.<br \/>\nDie Berechnungen haben dar\u00fcber hinaus gezeigt, dass sich DNR durchaus auch f\u00fcr neuartige Einsatzbereiche wie z.B. WDVS, f\u00fcr die die meisten Stoffe derzeit keine amtliche bauaufsichtliche Zulassung haben, eignen k\u00f6nnten. Jedoch sind die Auswirkungen von baupraktischen Besonderheiten, wie z.B. Risse im Au\u00dfenputz und damit verbundene lokale Feuchteerh\u00f6hung, auf DNR noch nicht hinreichend bekannt. In [10] wurde gezeigt, dass einige DNR bei Kontakt mit gr\u00f6\u00dferen Mengen fl\u00fcssigem Wasser keine Formstabilit\u00e4t mehr aufweisen, wodurch ihre D\u00e4mmwirkung nicht mehr gew\u00e4hrleistet ist. Freilanduntersuchungen in [11] zeigen, dass dieser Effekt f\u00fcr herk\u00f6mmliche D\u00e4mmstoffe kein Problem darstellt. Die bisher nur rechnerisch ermittelten Ergebnisse f\u00fcr DNR m\u00fcssten im Sinne einer baldigen Zulassung weiteren ex-perimentellen Tests beispielweise hinsichtlich der Gebrauchstauglichkeit zugef\u00fchrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Laut Beschluss der Bundesregierung sollen bis zum Jahr 2005 die CO2-Emissionen im vereinigten Deutschland gegen\u00fcber dem Stand von 1987 um 25 bis 30% gesenkt werden. Das gr\u00f6\u00dfte Einzelpotential mit rund 35 Mio. t\/a stellen dabei W\u00e4rmed\u00e4mm-Ma\u00dfnahmen, vor allem im Altbaubestand, dar. 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