{"id":21579,"date":"2024-11-27T10:32:57","date_gmt":"2024-11-27T09:32:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08382-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:32:58","modified_gmt":"2024-11-27T09:32:58","slug":"08382-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08382-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entsalzung und Konservierung umweltgesch\u00e4digter und mikrobiell belasteter sp\u00e4tmittelalterlicher Wandmalereien im Chor der Kirche in Mellenthin auf Usedom (Mecklenburg-Vorpommern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrdung der sp\u00e4tmittelalterliche Gew\u00f6lbemalerei im Chor der Kirche Mellenthin durch gro\u00dffl\u00e4chige Putzabl\u00f6sungen, Gef\u00fcgelockerung im Gew\u00f6lbe, mikrobieller Befall von Putz und Malschicht, latente Salzbelastung sowie durch extreme RaumfeuchteDie im Projektantrag geplante modellhafte Entsalzung \u00fcber die Gew\u00f6lbeoberseite stellte sich im Zuge der Untersuchungen und Restaurierungsma\u00dfnahmen als nicht durchf\u00fchrbar heraus. Eine in den Voruntersuchungen festgestellte hohe Belastung mit leicht l\u00f6slichen Salzen konnte nicht best\u00e4tigt werden. Stattdessen wurde die Vielzahl feinster Pusteln auf der Malereioberfl\u00e4che als kleine Gipspusteln identifiziert. Diese fl\u00e4chige Vergipsung der originalen Oberfl\u00e4chen wurde als ein bereits stagnierter Prozess beurteilt. Hinzu kam die zwischenzeitlich in D\u00e4nemark von Poul Klenz Larsen und Peder B\u00f8llingtoft ge-wonnene Erkenntnis, dass Entsalzungen \u00fcber die Gew\u00f6lbeoberseite nur bei permanenter Wasserzufuhr von der Unterseite gelingen. Damit war die Erprobung dieser Technik an der Mellenthiner Malerei nicht mehr zu verantworten. Ein zus\u00e4tzlicher Feuchteintrag h\u00e4tte die mikrobielle Belastung potenziert sowie die ebenfalls im Zuge der Konservierung festgestellte erhebliche Sch\u00e4digung des Gew\u00f6lbemauerwerks verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Schritte zur Konservierung und Restaurierung der Malerei umfassten u. a. folgende Ma\u00dfnahmen:<br \/>\n&#8211;\tWiederbefestigung des vom Untergrund gel\u00f6sten Putzes durch M\u00f6rtelinjektagen,<br \/>\n&#8211;\tEntfernung von Gips- und Putzkittungen mit mangelhafter Anpassung der Oberfl\u00e4chenstruktur,<br \/>\n&#8211;\tAbnahme von \u00dcbermalungen einer Restaurierung um 1930 sowie von anderen \u00dcbermalungen,<br \/>\n&#8211;\tReinigung der Gew\u00f6lberippen und Konservierung der nur hier vollst\u00e4ndig erhaltenen \u00dcberfassung,<br \/>\n&#8211;\tFestigung der mittelalterlichen Malerei,<br \/>\n&#8211;\tSchlie\u00dfen bzw. Beruhigen von Fehlstellen der mittelalterlichen Malerei durch Retuschen.<br \/>\nDie begleitenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen umfassten u. a.<br \/>\n&#8211;\tKlimamonitoring \u00fcber einen Zeitraum von 13 Monaten,<br \/>\n&#8211;\tmaterialkundliche Untersuchungen zur Feuchte- und Salzbelastung der gesamten Raumschale sowie zum Zustand des Gew\u00f6lbemauerwerks,<br \/>\n&#8211;\tUntersuchungen zur mikrobiellen Belastung der Wandmalerei im Chorgew\u00f6lbe,<br \/>\n&#8211;\terg\u00e4nzende Pigment- und Bindemittelanalysen,<br \/>\n&#8211;\tSondierungen und Arbeitsproben zur Konsolidierung des Gew\u00f6lbes.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ergebnisse:<br \/>\n&#8211;\tBest\u00e4tigung des mikrobiellen Befalls und einer prinzipiell latent vorhandenen Gef\u00e4hrdung der auf Kalk- und wahrscheinlich Kaseinbindungen beruhenden mittelalterlichen Malschicht sowie der aufgebrachten Malschichtfestigungen,<br \/>\n&#8211;\tAls Reaktion auf einen im Winter 2004 \/ 2005 festgestellten Aktivit\u00e4tsanstieg des mikrobiellen Befalls wurden Testfl\u00e4chen zum Einsatz von Hemmstoffen (Bioziden) angelegt, die zuk\u00fcnftig gepr\u00fcft werden,<br \/>\n&#8211;\tFeststellung von Problemen, die unter Einfluss anthropogen verursachter Umweltbelastungen entstanden sind wie z. B. die fl\u00e4chige Vergipsung der Oberfl\u00e4che der Malerei, dramatischer Zerfall des Ziegelgew\u00f6lbes und des Fugenschlusses, beispiellos hoher Feuchte\u00fcberschuss im Raumklima.<br \/>\nVerbleibender Handlungsbedarf \/ Ausblick auf zuk\u00fcnftige Ma\u00dfnahmen:<br \/>\n&#8211;\tWeitere Beobachtung des mikrobiologischen Befalls an der Gew\u00f6lbemalerei, um Ver\u00e4nderungen zu erkennen und eventuelle Sch\u00e4digungen zu bek\u00e4mpfen.<br \/>\n&#8211;\tMa\u00dfnahmen zur Konsolidierung des Gew\u00f6lbemauerwerks wie Schadenskartierung zur fl\u00e4chendeckenden Erfassung von Backsteinsch\u00e4den, Erfassung von Gef\u00fcgesch\u00e4den im Mauerwerk mittels Georadar sowie ein Feuchtemonitoring zur Bestimmung des Sorptionsverhaltens der Steine<br \/>\n.-\tSanierungsma\u00dfnahmen am Gew\u00f6lbemauerwerk wie die Wiederherstellung des Fugenschlusses mittels M\u00f6rtelinjektagen und Beschichtung der Gew\u00f6lbeoberseite mit einem zweilagigem Kalkputz zur Reduzierung des Feuchteeintrages durch die Luft und zur Aufnahme von ausbl\u00fchenden Salzen.<br \/>\n&#8211;\tMa\u00dfnahmen zur Regulierung des Innenraumklimas durch Verringerung des Feuchteeintrages von Au\u00dfen (Montage von Regenrinnen, Fugensanierung der Au\u00dfenw\u00e4nde) sowie Einrichtung einer Entl\u00fcftungsanlage basierend auf dem Schwerkraftprinzip und nat\u00fcrlicher Druckdifferenz mit klima-gesteueten Drosselklappen in Zu- und Abluftkanal und einem begleitendem Klimamonitoring zur Einregelung der Anlage.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Dokumentationstafeln zu den Konservierungs- und Restaurierungsma\u00dfnahmen im Kirchenschiff.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit Hilfe der DBU und anderer F\u00f6rderer konnten die beschriebenen Untersuchungen und Arbeiten zur Konservierung und Restaurierung der sp\u00e4tmittelalterlichen Gew\u00f6lbemalerei in der Kirche Mellenthin durchgef\u00fchrt und die Malerei wieder der Kirchengemeinde und ihren Besuchern zug\u00e4nglich gemacht werden. Auf der Grundlage der dabei gewonnenen Ergebnisse sind weitergehende Ma\u00dfnahmen geplant und n\u00f6tig (wie im Ausblick auf zuk\u00fcnftige Ma\u00dfnahmen beschrieben), um eine dauerhafte Sicherung und Pflege der Gew\u00f6lbemalerei sicherzustellen. Dabei profitieren auch andere Objekte des Kirchenraumes (z. B. Tafelbilder, Steinepitaph, Gest\u00fchl, Orgelempore), die ebenfalls konservatorische und restauratorische Ma\u00dfnahmen erhalten sollen, von den gewonnenen Ergebnissen.<br \/>\nEinige Ma\u00dfnahmen wie das Klimamonitoring und die genaue Bestimmung des mikrobiellen Befalls konnten im Rahmen dieses Projektes nicht abschlie\u00dfend bzw. vollst\u00e4ndig durchgef\u00fchrt werden, so dass aus diesen Gr\u00fcnden eine weiterf\u00fchrende Projektbegleitung notwendig w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Gef\u00e4hrdung der sp\u00e4tmittelalterliche Gew\u00f6lbemalerei im Chor der Kirche Mellenthin durch gro\u00dffl\u00e4chige Putzabl\u00f6sungen, Gef\u00fcgelockerung im Gew\u00f6lbe, mikrobieller Befall von Putz und Malschicht, latente Salzbelastung sowie durch extreme RaumfeuchteDie im Projektantrag geplante modellhafte Entsalzung \u00fcber die Gew\u00f6lbeoberseite stellte sich im Zuge der Untersuchungen und Restaurierungsma\u00dfnahmen als nicht durchf\u00fchrbar heraus. 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