{"id":21563,"date":"2023-07-13T15:12:40","date_gmt":"2023-07-13T13:12:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08361-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:40","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:40","slug":"08361-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08361-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines Vorsorgekonzepts (Parkpflegeprogramm) zur Bewahrung der umwelt- und nutzungsgesch\u00e4digten national wertvollen Parkanlage Kapellenberg in Potsdam (Brandenburg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Kapellenberg in Potsdam ist der Parkteil des international einmaligen Denkmals Russische Kolonie Alexandrowka (Unesco Welterbe). Auf dem Kapellenberg steht die Russisch-orthodoxe Kapelle (Schin-kel) und das k\u00f6nigliche Teehaus Friedrich Wilhelms III. (Blockhausstil). Die Parkanlage wurde von P. J. Lenn\u00e9 1826\/27 angelegt. Am milit\u00e4rischen Sperrgebiet gelegen leidet die Parkanlage heute schwer unter Wildaufwuchs, mangelhafter Bodendeckung sowie Tritt- und Vibrationsbelastung durch Touristen und Verkehr. Das Problem von verwilderten Parkanlagen besteht in der Abw\u00e4gung zwischen der Wiederherstellung nach denkmalpflegerischen Aspekten (R\u00fcckkehr zur urspr\u00fcnglichen Form) und dem Eingriff in die Flora, der schwerwiegende Folgen f\u00fcr den Altbaumbestand, die Devastation der leichten m\u00e4rkischen Sandb\u00f6den und die Fauna nach sich ziehen kann. Andererseits f\u00fchrt der Wildaufwuchs zur Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Bodenbedeckung und zu Stresserscheinungen am Altbestand.<br \/>\nZiel des Projektes ist es, ein modellhaftes, langfristiges Parkpflegeprogramm unter Abw\u00e4gung der denkmalpflegerischen, naturschutzrechtlichen und touristischen Gesichtspunkte zu erstellen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas zu erstellende Vorsorgekonzepts (Parkpflegeprogramm) beinhaltet die Quellenrecherche, die Vermessung und Bestandsaufnahme der Flora, Gel\u00e4ndeprofile und Wege, die Bestandsbewertung mit Erarbeitung von Leitbildern f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Gestaltung und die Erarbeitung einer langfristigen Zeit- und Ma\u00dfnahmekonzeption mit L\u00f6sungen\/Strategien zur Realisierung der einzelnen Ma\u00dfnahmen vor Ort. Entgegen dem Zeitgeist erfordern Sanierungen an Parkanlagen behutsame Ma\u00dfnahmen\/ Substanzeingriffe. Das Vorsorgekonzept beinhaltet auch die Auswertung von Negativerfahrungen mit Sanierungen unter Zeit- und Finanzdruck und eine entsprechende \u00d6ffentlichkeitsarbeit.<br \/>\nDie Erstellung von Leitbildern und Ma\u00dfnahmekonzeption setzt die Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Denkmalpflege- und Naturschutzbeh\u00f6rden und anderen Betroffenen bereits in der Planungsphase voraus. Diese Aufgabe nimmt der einberufene Projektbeirat wahr, dem alle betroffenen \u00c4mter\/Partner angeh\u00f6ren und deren Mitglieder aktiv an der Entscheidungsfindung teilnehmen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der Bereich Gr\u00fcnfl\u00e4chen der Stadtverwaltung Potsdam hatte als Bewilligungsempf\u00e4nger einen mit der Parkgeschichte der Stadt vertrauten Gr\u00fcnfl\u00e4chenplaner gew\u00e4hlt. Gleichzeitig konnte er F\u00f6rdermittel des MSWV erwirken, um erste Wiederherstellungsma\u00dfnahmen zu realisieren.<br \/>\nAusgangspunkt der Planungen waren zwei vorhandene historische Pl\u00e4ne von 1842 und 1846\/50 sowie ein aktuelles Luftbild. Die Voruntersuchungen bezogen sich auf die Digitalisierung der urspr\u00fcnglichen Pl\u00e4ne, die Grundlagenmessungen des Gel\u00e4ndes einschlie\u00dflich der H\u00f6henbestimmung, das Einmessen der Wege und des Baumbestandes, die Aufnahme des Baumbestandes nach Gattung, Art, Vitalit\u00e4t und Wertigkeit, die dendrochronologische Bestimmung des Baumalters an ausgew\u00e4hlten Altb\u00e4umen des Be-standes, den Vergleich der vorhandenen historischen Pl\u00e4ne mit dem aktuellen Bestand, Schlussfolgerungen auf nat\u00fcrliche Abg\u00e4nge von B\u00e4umen und Neuentwicklungen von Baumgruppen, die Pr\u00fcfung der faunistischen Verh\u00e4ltnisse, das Aktenstudium zur Freifl\u00e4chen- und Wegegestaltung, ausgew\u00e4hlte Suchgrabungen zu historischen Wegf\u00fchrungen, Wegbreiten, Wegbel\u00e4gen, die Auswertung historisch und aktuell angewandter Wegbel\u00e4ge, Entw\u00e4sserungsrinnen und -technologien mit Schlussfolgerungen auf geeignete Wegebautechnologien und die Auswahl geeigneter Beleuchtung.<br \/>\nDie vom Planer herausgearbeiteten Qualit\u00e4ten und Defizite der Parkanlage wurden nach Naturhaushalt, Erholungsnutzung, Landschaftsbild, Arten- und Biotopschutz untergliedert. In Verbindung mit der Analyse der historischen Bez\u00fcge und Wertigkeiten bilden diese die Grundlage f\u00fcr die Formulierung des Zielkonzeptes f\u00fcr Pflege- und Wiederherstellungsma\u00dfnahmen an der Parkanlage des Kapellenberges.<br \/>\nAufgabe des Projektbeirates (zusammengesetzt aus 14 Vertretern von \u00c4mtern, Einrichtungen, Vereinen etc.) war es, die Arbeitsschritte und Musterfl\u00e4chen der Planungen kritisch zu begleiten, Konfliktpunkte zu diskutieren und m\u00f6glichst zu einem Konsens zu f\u00fchren. Zahlreiche Vor-Ort-Begehungen erwiesen sich als sehr konstruktiv f\u00fcr die Entscheidungsfindung.<br \/>\nNach ausf\u00fchrlicher Diskussion im Projektbeirat wurde dem Status des Kapellenberges als Gartendenkmal das Schwergewicht einger\u00e4umt, wobei die berechtigten Interessen des Natur- und Artenschutzes bzw. des Naturhaushaltes und der Erholungsvorsorge bzw. Nutzung angemessen zu ber\u00fccksichtigen sind. Die Wiederherstellung der Parkanlage auf der Grundlage der Lenn\u00e9schen Pl\u00e4ne wird daher in langfristigen Teilschritten und einer den vielf\u00e4ltigen Bed\u00fcrfnissen entsprechenden Form erfolgen. Der Kernpunkt des Parkpflegeprogramms ist ein Ma\u00dfnahmekatalog, der detailliert aufschl\u00fcsselt, welche Ma\u00dfnahmen bis zur endg\u00fcltigen Wiederherstellung der Parklandschaft durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Der Katalog umfasst 28 Ma\u00dfnahmen mit Beschreibung, Arbeitsumfang (Fl\u00e4che\/St\u00fcck), Zweck der Ma\u00dfnahme, Einordnung in die Art des Schutzgutes und den Ausf\u00fchrungszeitraum. Die Zeitr\u00e4ume gliedern sich in kurz-, mittel- und langfristige Ma\u00dfnahmen. Insbesondere die Freilegung von Sichtbeziehungen (Rodungen) erfordert ein langfristiges Handeln \u00fcber ca. 10 Jahre und eine Detailplanung dazu. Die Liste der zu rodenden B\u00e4ume umfasst vorrangig Aufwuchsbest\u00e4nde, die \u00fcberrepr\u00e4sentierte Baumarten enthalten und entweder im Bereich zuk\u00fcnftiger Sichten des Gartendenkmals stehen oder erhaltenswerte Altbest\u00e4nde durch Konkurrenzdruck massiv gef\u00e4hrden. Die gesamte Planung ist auf die Herausarbeitung von planm\u00e4\u00dfigen Baumhainen und -gruppen, wie urspr\u00fcnglich vorhanden, gerichtet. Durch gezielte Erhaltung ausgew\u00e4hlter B\u00e4ume aus dem Aufwuchsbestand wird eine nat\u00fcrliche Verj\u00fcngung der Parkanlage erzielt.<br \/>\nEine verantwortliche Pflege eines Gartendenkmals bedarf bez\u00fcglich des Altbaumbestand einen Schutz vor Wildwuchs und zahlreicher tangierender Ma\u00dfnahmen, wie geordnetem Wegebau, Schutz vor unbefugtem Fahrzeugverkehr und Betreten, die Neuanlage von Hecken, Rasenfl\u00e4chen, Rabatten und deren Pflege sowie den Schutz von faunistischen Habitaten (26 weitere, z.T. umfangreiche Ma\u00dfnahmen).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Auf Grund erster sichtbarer Wiederherstellungsma\u00dfnahmen und Artikeln in der Tagespresse nahm die \u00d6ffentlichkeit regen und positiven Anteil am Projekt. Wichtigster fachlicher Multiplikator ist der (ehrenamtliche) Naturschutzbeirat, der die vorgestellten Projektergebnisse positiv bewertete und bef\u00fcrwortete.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Erarbeitung eines Parkpflegeprogramms f\u00fcr eine verwilderte und fehlgenutzte Parkanlage ist mit seinem fach\u00fcbergreifenden Inhalt als innovativer und modellhafter Weg der Planung zu verstehen. Das vorliegende Parkpflegeprogramm tangiert sowohl kunst- und gartenbauhistorische Aspekte als auch floristische und faunistische Bestandsaufnahmen, Vermessungsleistungen, gro\u00dfe Teile der Ausf\u00fchrungsplanung zur Wiederherstellung und Pflege eines Denkmals, Naturschutz- und Biotopaspekte und nicht zuletzt nutzungsbedingte und tourismusrelevante Anspr\u00fcche. Diese Vielzahl von Anforderungen sind im Grunde f\u00fcr ein gesch\u00fctztes Gartendenkmal notwendig, erhalten aber in der Praxis zu wenig Raum. Selbst wenn \u00f6konomische Zw\u00e4nge zu einer sparsamen Planung zwingen, so sollten doch in Zukunft verst\u00e4rkt die Anspr\u00fcche klar umrissen und in einer Zielsetzung formuliert werden, damit eine optimale Planung erfolgen kann, in der Konfliktpunkte bereits vorab zu einer vertretbaren Kompromissl\u00f6sung gef\u00fchrt wurden.<br \/>\nDie Zusammenf\u00fchrung von allen betroffenen \u00c4mtern und Einrichtungen in einem Projektbeirat erwies sich als au\u00dferordentlich konstruktive M\u00f6glichkeit der Konfliktl\u00f6sung, obwohl es harte Konfliktpunkte bei der Wichtung von denkmalpflegerischen Anspr\u00fcchen, Natur- und Artenschutz sowie touristischer Nutzung gab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Kapellenberg in Potsdam ist der Parkteil des international einmaligen Denkmals Russische Kolonie Alexandrowka (Unesco Welterbe). 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