{"id":21549,"date":"2023-07-13T15:12:37","date_gmt":"2023-07-13T13:12:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08323-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:38","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:38","slug":"08323-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08323-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entwicklung von Schutzkonzepten zu umweltgesch\u00e4digten wasserglasbehandelten Natursteinoberfl\u00e4chen am Beispiel des Kutschstalles am Neuen Markt sowie der Kolonnaden der Communs im Park Sanssouci \/ Potsdam (Brandenburg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der zwischen 1787 und 1789 in der Potsdamer Innenstadt erbaute Kutschstall wird in der Mitte seiner Schaufassade durch einen sandsteinverkleideten Mittelrisalit betont, der sich durch ein \u00e4u\u00dferst wertvolles bauzeitliches Skulpturenprogramm auszeichnet. Die verschiedenen Sandsteinvariet\u00e4ten zeigten schwere Umwelt- und Substanzsch\u00e4den, die z.T. mit fehlgeschlagenen Altkonservierungen zusammenh\u00e4ngen. Die so entstandenen spezifischen Schadbilder erforderten besondere Technologien der Restaurierung, die nur im Rahmen eines Modellvorhabens entwickelt, erprobt und umgesetzt werden konnten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden-\tRecherche zur Bau- und Reparaturgeschichte, insbesondere Altkonservierungen nach Art und Ort am Bauk\u00f6rper, restauratorische Untersuchungen der Farbfassungsreste, Schadenskartierung mit li-thologischer Kartierung<br \/>\n&#8211;\tPetrografische Untersuchung der Objekt- und Steinbruchmaterialien (Herkunftssteinbr\u00fcche Sachsen-Anhalt)<br \/>\n&#8211;\tCharakterisierung der Material- und Umweltsch\u00e4den nach Exposition, Bauteillage, Sandsteinvariet\u00e4t am Objekt und im Labor (Salzbelastung, D\u00fcnnschliffmikroskopie, REM, Bohrh\u00e4rte, Ultraschall, Georadar zur Schalendetektion, physikalisch-mechanische Materialkennwerte, Organik)<br \/>\n&#8211;\tEntwicklung eines Anforderungsprofils f\u00fcr erforderliche Restaurierungsmaterialien und -technologien (insbesondere Reinigung, Schalenhinterf\u00fcllung, Steinerg\u00e4nzung, Quellminderung)<br \/>\n&#8211;\tLaboruntersuchungen zur Optimierung der chemisch-physikalischen Eigenschaften der Restaurierungsmaterialien (KSE-Modulsystem, Trockenm\u00f6rtel sowie neuartige Stoffentwicklungen der Bindemittelgruppen dispergiertes Wei\u00dfkalkhydrat, hydraulischer Kalk, Mikrozemente, Acrylate ).<br \/>\n&#8211;\tDokumentation und Bewertung umweltbedingter Steinsch\u00e4den Referenzobjekt Gro\u00dfe Kolonnade-\tAnlegen von Objektmusterfl\u00e4chen zur Steinkonservierung, Ma\u00dfnahmeempfehlungen<br \/>\n&#8211;\tQualit\u00e4tssicherung: Durchf\u00fchrung der Gesamtma\u00dfnahme mit restauratorischer Begleitung aus dem Modellprojekt<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Verwitterungszustand der Steinteile:<br \/>\nBauzeitlich und im Zuge sp\u00e4terer Reparaturma\u00dfnahmen wurden insgesamt 5 verschiedene Werksteinvariet\u00e4ten zur Errichtung der Fassadenverblendung und des Skulpturenprogrammes verwendet: Variet\u00e4ten Ummendorfer \/ Magdeburger Sandstein Typ I bis III, Rothenburger Sandstein (Halle \/ Saale) sowie Elbesandstein. Auch \u00fcber z.T. vergleichende Untersuchungen der historischen Werksteinvorkommen, mikro-skopische und elektronenmikroskopische  Untersuchungen, weiterhin Bohrh\u00e4rte-, Ultraschall- und Ra-daruntersuchungen konnten die schadens- und umweltrelevanten Faktoren der Verwitterung der Einzel-variet\u00e4ten beschrieben werden. Ist es beim Ummendorfer Sandstein die relativ geringe, aber oft gleichm\u00e4\u00dfig  \u00fcber den Quader verteilte Kornbindungsfestigkeit in Kombination mit schwach zementierten, li-monitischen und \/ oder kalzitischen Texturbereichen die eine langsame, kontinuierliche R\u00fcckwitterung hervorrufen, so sind es beim Rothenburger Sandstein sprunghafte Eigenschafts\u00e4nderungen und hohe Anteile verwitterungsanf\u00e4lliger, oft parallel eingeregelter Schichtsilikate die markante und lokale Sch\u00e4den bedingen und das Ph\u00e4nomen der Schalenbildung  hervorrufen. \u00dcberlagert werden diese gesteinsimanenten Faktoren durch Fehlkonservierungen, neben Wasserglas gelang hier der analytische Nachweis eines sehr fr\u00fchen Polyvenylacetates der 30-ger Jahre (FT-IR-Spetrometrie, GC-MS mit Pyrolyseeinheit).<br \/>\nKonservierbarkeit der Steinteile:<br \/>\nLaborerprobungen und Objektmusterfl\u00e4chen konzentrierten sich auf Materialien und Technologien zur Schalenhinterf\u00fcllung und Steinerg\u00e4nzung unter Verwendung konfektionierter Trockenm\u00f6rtel sowie verschiedener Standard- und Objektrezepturen des KSE-Modulsystems, dar\u00fcber hinaus kamen bei Injektagema\u00dfnahmen die Bindemittelgruppen Kalk, hydraulischer Kalk und Sonderzemente erfolgreich zum Einsatz; Reinigungsproben (u.a. Laser und Mikrofeinstrahl) sowie quellmindernde Produkte zur Verringerung des extremen hygrischen Quellens von 1000 \u00b5m\/m des Rothenburger Sandsteins wurden bewertet. Die z.T. erheblichen Kennwertunterschiede der Objekt- und Labormuster (physikalisch-mechanische Kennwerte und Eigenschaften) sollten Ansatz zur weiteren Entwicklung entsprechend sensibler Kriterien und Analyseroutinen sein. Die umfassende applikationstechnische und restauratorische Bewertung der Objektmuster bildeten unter Ber\u00fccksichtigung des vorgenannten Umstandes ein wichtiges, erg\u00e4nzendes Entscheidungskriterium hinsichtlich der Auswahl geeigneter Stoffe und Technologien.<br \/>\nImplementierung der Projektergebnisse:<br \/>\nInsbesondere konnte das Vorhaben f\u00fcr folgende im Ablauf  der Gesamtma\u00dfnahme wichtige Schritte der Restaurierung wesentliche Entscheidungshilfen liefern:<br \/>\n&#8211;\tReinigung der Steinoberfl\u00e4chen<br \/>\n&#8211;\tStrukturelle Festigung Sandstein<br \/>\n&#8211;\tEntsalzung<br \/>\n&#8211;\tSchalenhinterf\u00fcllung<br \/>\n&#8211;\tSteinerg\u00e4nzung<br \/>\nAus dem Projekt heraus konnte eine durchg\u00e4ngige, qualit\u00e4tssichernde Begleitung der Gesamtrestaurierung sichergestellt werden, Beitr\u00e4ge zur Kosteneinsparung wurden damit erbracht sowie ein insgesamt hoher restauratorischer, denkmalpflegerischer und technologischer Standard gew\u00e4hrleistet.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Verbunden mit der Um- und Neunutzung des Kutschstalles als Haus der brandenburgisch-preu\u00dfischen Geschichte sowie der Zeitgleichheit der BUGA 2001 Potsdam konnte ein \u00fcberregionaler Bekanntheitsgrad des Vorhabens erreicht werden (Marketing Museumsp\u00e4dagogischer Dienst, Publikumsger\u00fcst Bau-stelle, Lokalpresse, Zeitschriftenartikel in Monumente).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Insbesondere f\u00fcr die regional bedeutsame, SO2-anf\u00e4llige Werksteinvariet\u00e4t Rothenburger Sandstein konnten wesentliche Erfahrungen gesammelt werden, wie aus technologischer Sicht Steinerg\u00e4nzungen, Schalenhinterf\u00fcllungen und quellmindernde Ma\u00dfnahmen anzulegen sind. Erkennbare Defizite liegen, wie auch anderenorts formuliert, in der Korrelation von Labor- und Objektbestimmungen bestimmter Materialeigenschaften, die beim betrachteten Vorhaben durch umfangreiche applikationtechnische in-situ-Versuche kompensiert werden konnten. Entwicklungsschwerpunkte sollten daher ggf. im Rahmen kommender Vorhaben praxistaugliche und zuverl\u00e4ssige in-situ-Diagnoseverfahren sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der zwischen 1787 und 1789 in der Potsdamer Innenstadt erbaute Kutschstall wird in der Mitte seiner Schaufassade durch einen sandsteinverkleideten Mittelrisalit betont, der sich durch ein \u00e4u\u00dferst wertvolles bauzeitliches Skulpturenprogramm auszeichnet. Die verschiedenen Sandsteinvariet\u00e4ten zeigten schwere Umwelt- und Substanzsch\u00e4den, die z.T. mit fehlgeschlagenen Altkonservierungen zusammenh\u00e4ngen. 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