{"id":21540,"date":"2023-07-13T15:12:37","date_gmt":"2023-07-13T13:12:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08293-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:38","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:38","slug":"08293-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08293-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Ressourcenschonender Erhalt eines umweltgesch\u00e4digten wertvollen Fachwerkensembles als Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr j\u00fcdische Geschichte in Halberstadt einschlie\u00dflich Weiterbildungsma\u00dfnahmen (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Fachwerkbau in der Judenstra\u00dfe 26 in Halberstadt ist ein besonders hervorragendes Bau- und Kulturdenkmal. In dem im 17. Jahrhundert errichteten Geb\u00e4ude befindet sich die Gemeindemikwe der fr\u00fcheren j\u00fcdischen Gemeinde aus dem Ende des 19. Jahrhdts. Diese Mikwe, eine Seltenheit in Norddeutsch-land, ist stark in Mitleidenschaft gezogen, jedoch erhaltungsf\u00e4hig. Ziel ist die Erhaltung und Sanierung des vor allem durch Feuchtigkeit schwer gesch\u00e4digten Fachwerkgeb\u00e4udes mit massivem Keller mit handwerklich historischen und modernen Methoden der Holz- und Mauerwerkssanierung einschlie\u00dflich der Gr\u00fcndung in dem ehemaligen \u00dcberschwemmungsgebiet.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Sanierungen m\u00fcssen dem Geb\u00e4ude und der Konstruktion angemessen sein, in dem auch die bauzeitlichen Schichten und ihre handwerklichen zeittypischen Eigenheiten Beachtung finden.<br \/>\nIntensive Voruntersuchungen erfolgen durch Bauforscher und Restauratoren, wie durch die Architekten, um m\u00f6glichst viel Originalsubstanz erhalten zu k\u00f6nnen. Dies bezieht sich auf die Fachwerkkonstruktion, das Dach und die Fenster sowie die schon erw\u00e4hnte Mikwe im Kellergeschoss. Bei den zum Einsatz kommenden Sanierungsmethoden spielen bauphysikalische und klimatische Aspekte in Zusammenhang mit \u00f6kologischen Methoden eine besondere Rolle. Nur so kann ein langfristiger Erhalt des Geb\u00e4udes bei sorgf\u00e4ltiger und regelm\u00e4\u00dfiger Pflege erreicht werden. In der ersten Bauphase erfolgt die Reinigung und Freilegung sowie die Sicherung der konstruktiven Bauteile. In der zweiten Phase kann die Au\u00dfenh\u00fclle aus Fachwerkwand, Dach und Fenster folgen. Der Innenausbau mit dem Schwerpunkt Oberfl\u00e4chensanierung ist f\u00fcr 2001 vorgesehen. Die gesamte Ma\u00dfnahme ist in ein Studienprogramm der TU Braunschweig und des Fachwerkzentrums Quedlinburg einbezogen. Erl\u00e4uterungen auch vor Ort \u00fcber die Vorgehensweise und Informationen \u00fcber beispielhafte Sanierungen, Details und \u00f6kologischen Baustoffe haben bereits stattgefunden. Sie werden mit dem Baufortschritt fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude Judenstra\u00dfe 26 steht unter Denkmalschutz. In einer denkmalpflegerischen Zielsetzung wurden die Erhaltungsma\u00dfnahmen im Grundsatz festgelegt. Grundlage war eine sorgf\u00e4ltige bauhistorische Untersuchung einschlie\u00dflich der Bewertung zeichnerischer und schriftlicher Quellen und der Erstellung restauratorischer Befunde. Die technischen Ma\u00dfnahmen orientierten sich am bauzeitlich handwerklich hergestellten Original und der dabei verwendeten Materialien. Je nach Schadensbild waren individuelle Entscheidungen zu treffen, wobei sowohl der denkmalpflegerischen Sorgfalt wie auch haustechnischen und energetischen Verbesserungen in Bezug auf die neue Nutzung Rechnung getragen wurde. Durchg\u00e4ngige Leitlinie war, so viel wie m\u00f6glich originale Bausubstanz zu erhalten, sowie bei notwendigen Reparaturen und Erg\u00e4nzungen handwerklich traditionelle und \u00f6kologische Verfahren und Materialien zu benutzen.<br \/>\nDie Sanierungen wurden in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden von der \u00f6rtlichen Denkmalpflege sowie vom Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen-Anhalt begleitet. Dar\u00fcber hinaus fanden Begehungen und Beratungen mit j\u00fcdischen Wissenschaftlern und Vertretern der j\u00fcdischen Religionsgemeinschaft zu liturgischen und rituellen Fragen, vor allem im Bereich der wiederherzustellenden Mikwe statt.<br \/>\nTeile der Au\u00dfenw\u00e4nde konnten mit Lehm erg\u00e4nzt und die Oberfl\u00e4chen mit Lehmputz versehen werden. Die extrem starken Sch\u00e4digungen, vor allem auf der r\u00fcckw\u00e4rtigen Hofseite erforderten partiell sowohl die Erneuerung von Teilen der Holzfachwerkwand, wie auch die Ausfachung und die Neuaufbringung der Putze.<br \/>\nS\u00e4mtliche Malerarbeiten an historischen und neu hinzugef\u00fcgten Bauteilen wurden in Abstimmung mit dem Restaurator und der Denkmalpflege ermittelt und angegeben. Auf die Verwendung historischer und umweltvertr\u00e4glicher Farbaufbauten wurde Wert gelegt (Lein\u00f6lbasis u. a.).<br \/>\nDas mit Schutt verf\u00fcllte Tauchbecken in der Mikwe wurde wieder freigelegt, wobei noch eine Reihe originaler Teile des Gew\u00f6lbes gefunden wurden. Auf eine komplette Wiederherstellung der Mikwe einschlie\u00dflich der Gew\u00f6lbe wurde verzichtet. Dagegen bestand \u00dcbereinstimmung, die noch vorhandenen originalen Teile, vor allem die Fliesen auf den Fu\u00dfb\u00f6den, auf den W\u00e4nden und im Tauchbecken, zu erhalten und sie restauratorisch zu s\u00e4ubern bzw. zu verfestigen. Das Tauchbecken ist mit eindringendem Grundwasser kontrolliert gef\u00fcllt.<br \/>\nDie Erhaltungs- und Sanierungsma\u00dfnahmen des Geb\u00e4udes Judenstra\u00dfe 26 stellte ein besonders interessantes und wertvolles Projekt im Rahmen von Fortbildungsma\u00dfnahmen dar.<br \/>\nBeteiligt waren Studenten der Fachbereiche Architektur und Bauingenieurwesen der TU Braunschweig, das Fachwerkzentrum in Quedlinburg und Studenten der Universit\u00e4t Potsdam mit dem Fachgebiet J\u00fcdische Studien.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>In den Bauten der ehemaligen J\u00fcdischen Gemeinde in Halberstadt, zu denen auch das Haus Judenstra-\u00dfe 25\/26 z\u00e4hlt, wird als Internationale Begegnungs-, Lehr- und Forschungsst\u00e4tte sowie als Museum zur deutsch-j\u00fcdischen Geschichte durch die Moses-Mendelssohn-Akademie genutzt. In den Geb\u00e4uden einschlie\u00dflich des Museums mit der Gemeindemikwe werden regelm\u00e4\u00dfige F\u00fchrungen (tgl. au\u00dfer samstags) angeboten. Seit Er\u00f6ffnung am 23.09.01 wurden \u00fcber 10.000 Besucher gez\u00e4hlt. Die \u00fcberregionale und internationale Fachpresse sowie Rundfunk und Fernsehen haben \u00fcber die Einrichtung vielfach berichtet. Eine Publikation, in der auch die bauliche Sanierung dargestellt wird, ist in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt der Moses-Mendelssohn-Akademie in der Judenstra\u00dfe 25\/26 zeigt, dass auch schwergesch\u00e4digte Fachwerkgeb\u00e4ude (Feuchtigkeit, Abnutzung und Grundwasser) mit umweltvertr\u00e4glichen handwerklichen Methoden in vertretbarem Kostenrahmen saniert und erhalten werden k\u00f6nnen. Da ein Geb\u00e4udeteil durch die Akademie neu aufgebaut werden musste, war ein anschaulicher Vergleich und die Bewertung neuer und historischer Bauweisen und Baumethoden gegeben. In beiden F\u00e4llen wurden um-weltrelevante Aspekte beachtet. Da der Betrieb einer Mikwe das fliesende Wasser (hier Grundwasser) voraussetzt, fand die Sanierung des Tauchbeckens, die gefliesten W\u00e4nde und B\u00f6den bei gezielt eindringendem Wasser besondere Beachtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Fachwerkbau in der Judenstra\u00dfe 26 in Halberstadt ist ein besonders hervorragendes Bau- und Kulturdenkmal. In dem im 17. Jahrhundert errichteten Geb\u00e4ude befindet sich die Gemeindemikwe der fr\u00fcheren j\u00fcdischen Gemeinde aus dem Ende des 19. Jahrhdts. Diese Mikwe, eine Seltenheit in Norddeutsch-land, ist stark in Mitleidenschaft gezogen, jedoch erhaltungsf\u00e4hig. 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