{"id":21538,"date":"2023-07-13T15:12:37","date_gmt":"2023-07-13T13:12:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08289-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:37","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:37","slug":"08289-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08289-01\/","title":{"rendered":"Modellhafter Einsatz von Lehm zur W\u00e4rmed\u00e4mmung im Fachwerkbau und Optimierung des energetischen Konzepts bezogen auf die Raumnutzung im Alten Rentamt Worbis\/Th\u00fcringen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bestandteilen unserer Kultur. Eine Nutzung bei heute \u00fcblichen Wohnanspr\u00fcchen und unter dem Aspekt des effizienten Heizenergieeinsatzes erfordert individuelle L\u00f6sungen, die gleicherma\u00dfen den Pr\u00e4missen des Klima- und Ressourcenschutzes wie auch der Denkmal- und Landschaftspflege verpflichtet sind.<br \/>\nErfahrungen aus den letzten Jahren haben gezeigt, dass prinzipiell auch in historischen Fachwerkgeb\u00e4uden ehrgeizige Ziele zur Heizenergieeinsparung zu realisieren sind. Die dabei vom Neubau \u00fcbertragenen komplizierten Schichtenaufbauten erfordern jedoch aufwendige Techniken und viel Detailarbeit. Eine Vorfertigung und Elementierung ist nur bedingt m\u00f6glich. Die Vielzahl von Durchdringungen und Anschl\u00fcssen im historischen Fachwerkhaus erschweren die handwerkliche Umsetzung und erh\u00f6hen langfristig die Gefahr von Bausch\u00e4den. In Kenntnis dieser Zusammenh\u00e4nge soll am Beispiel des Rathauses der Stadt Leinefelde-Worbis eine modellhafte Optimierung des energetischen Gesamtkonzeptes demonstriert werden. Dazu war es notwendig, einen Kompromiss aus den Anforderungen der Nutzungsfunktionalit\u00e4t, des sparsamen Energieeinsatzes sowie des Erhalts der Denkmalsubstanz zu finden. Ein Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Entwicklung und Ausf\u00fchrung einer D\u00e4mmschale aus mineralischem Leichtlehm mit integrierter Wandheizung, die auf der Innenseite des Fachwerks liegt. Es soll der Nachweis erbracht wer-den, dass die verf\u00fcgbaren Rohstoffe aus regionalen Quellen auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten f\u00fcr den zeitgem\u00e4\u00dfen Lehmbau anwendbar sind.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden-\tEinsatz von Lehm als bauwerksvertr\u00e4glichen und w\u00e4rmed\u00e4mmenden Baustoff<br \/>\n&#8211;\tEntwicklung, Realisierung und Pr\u00fcfung eines bedarfsangepassten Energiekonzeptes<br \/>\n&#8211;\tIntegration der denkmalpflegerischen Belange in jedem Planungsschritt<br \/>\n&#8211;\tinterdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit von Handwerkern und Fachplanern<br \/>\n&#8211;\tInformations- und Schulungsveranstaltungen zur Qualit\u00e4tssicherung auf der Baustelle<br \/>\n&#8211;\tMesstechnische Pr\u00fcfungen zu Bewertung des Projekterfolges<br \/>\n&#8211;\tErgebnisverbreitung durch Fachseminare und Informationsmedien (z. B. Arbeitsbl\u00e4tter)<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Gebrauchstauglichkeit<br \/>\nEs gelang, den verwaltungstechnischen Anforderungen des Bauherren an das Raumprogramm und den Innenausbau zu entsprechen, bei weitgehender Wahrung der traditionellen Geb\u00e4udekonstruktion. Die fachwerktypische und historisch belegte Raumstruktur des Baudenkmals konnte erhalten werden. Den w\u00e4rmetechnischen Anforderungen einer modernen Nutzung wurde durch einen an die Substanz angepassten, gleichm\u00e4\u00dfigen W\u00e4rmeschutz entsprochen. Die moderate D\u00e4mmst\u00e4rke und der kompakte Schichtenaufbau mindern die Gefahr von W\u00e4rmebr\u00fccken und Ausf\u00fchrungsfehlern. Beeintr\u00e4chtigungen des Feuchteverhaltens der Wand sind, im Gegensatz zu Innend\u00e4mmungen mit Plattenbaustoffen, nicht zu erwarten. Die Konstruktion ist jederzeit zug\u00e4nglich und reparaturf\u00e4hig.<br \/>\nNutzerzufriedenheit<br \/>\nDas Geb\u00e4ude wird von den Nutzern angenommen. W\u00e4hrend einer Befragung von Mitarbeitern der Stadtverwaltung zeigte sich, dass die bautechnischen Modell\u00f6sungen, also die Lehmschale mit der Wandheizung und die raumweise Abluftf\u00fchrung von der Mehrheit deutlich positiv aufgenommen werden. Die Strahlungsw\u00e4rme der Wandheizung wird als angenehm empfunden, die individuell gew\u00fcnschten Raumtemperaturen werden problemlos erreicht.<br \/>\nDauerhaftigkeit<br \/>\nVier Jahre nach Beginn der Bauarbeiten und Einbau der Leichtlehmd\u00e4mmung zeigt das Geb\u00e4ude ein un-problematisches Feuchteverhalten. Die anfangs, aufgrund der Baufeuchte, hohen Holzfeuchtewerte sind durchgehend auf ein Niveau deutlich unter 20 Masseprozent getrocknet. W\u00e4hrend der winterlichen Heiz-periode war keine Auffeuchtung durch Kondensation nachweisbar. Die Wandheizung hat einen positiven Einfluss auf das Feuchteverhalten. Mittlerweile sind die Heizungs- bzw. L\u00fcftungsanlagen auf das Bedienverhalten der Nutzer abgestimmt und einreguliert. Die messtechnischen Untersuchungen best\u00e4tigen insgesamt die Qualit\u00e4t und Stabilit\u00e4t der ausgef\u00fchrten L\u00f6sungen. Der Heizenergiebedarf sollte nach der Sa-nierung weniger als 100 kWh\/(m\u00b2a) betragen. Dieser Zielwert wird in der Heizperiode 2004\/2005 erstmalig erreicht.<br \/>\nPraktikabilit\u00e4t Lehmbau<br \/>\nDas Projekt zeigt, dass zeitgem\u00e4\u00dfe Lehmbautechniken durchaus in konventioneller Weise auszuf\u00fchren sind. Die bei den Handwerkern oft vorherrschende Unsicherheit im Umgang mit dem Baustoff Lehm konnte im Projekt durch konkrete Vorgaben f\u00fcr Konstruktion, Lehmaufbereitung und -verarbeitung von vornherein ausger\u00e4umt werden. Die ausf\u00fchrenden Handwerker &#8211; Maurer und Bauwerker &#8211; wurden am Objekt in zwei bis dreist\u00fcndigen Kurzseminaren zun\u00e4chst mit dem Baustoff Lehm, den Lehmbautechniken und Abschnittsweise mit den Arbeitsschritten vertraut gemacht. Mehr Aufwand war im Vorfeld notwendig, um die mit Planung und Ausschreibung am Projekt Beteiligten von der Machbarkeit des Vorhabens zu \u00fcberzeugen. Die einfache Handhabung des eingesetzten Rohlehms (Ziegellehm), der ohne weitere Vorbereitung und Bearbeitung f\u00fcr die M\u00f6rtelmischungen eingesetzt werden konnte, hat ebenso zum Erfolg beigetragen, wie die unkomplizierte Mischtechnik, mit der alle ausgef\u00fchrten Lehmmischungen (Mineralleichtlehm, Lehmd\u00e4mmputz, Lehmputz) hergestellt werden konnten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zur Weitergabe der Ergebnisse des Projektes sowohl an Fachleute wie auch an interessierte Bauherren wurden verschiedene Seminare vorbereitet und erfolgreich realisiert. Auf Grundlage der Fachberichte sind im Projekt f\u00fcnf jeweils sechsseitige Arbeitsbl\u00e4tter entstanden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Sinne einer schadens- und nutzungstoleranten L\u00f6sung, wie sie f\u00fcr ein \u00f6ffentliches Geb\u00e4ude erforderlich ist, sind sowohl die Einheit von Lehmschale und Wandheizung als auch die kombinierte Fugen-Grundl\u00fcftung mit manueller bzw. mechanischer Bedarfsl\u00fcftung eine angemessene Entscheidung. Eine abschlie\u00dfende Aussage zur Dauerhaftigkeit der gew\u00e4hlten L\u00f6sungen ist erst nach einem Zeitraum von 5 bis 10 Jahren der Bew\u00e4hrung unter Nutzungsbedingungen m\u00f6glich. In einem Gutachten f\u00fcr die \u00d6kologische Bewertung wird konstatiert: \u0085das Vorhaben hat wertvolle Erkenntnisse f\u00fcr die Restaurierung historischer Bausubstanzen unter \u00f6kologischen Aspekten geliefert. Insgesamt war sowohl f\u00fcr den Bauherrn als auch f\u00fcr die Unternehmer der betrachteten Gewerke ein ausk\u00f6mmliches Wirtschaften m\u00f6glich. Da auch die Gebrauchstauglichkeit und die technische Funktionalit\u00e4t insgesamt gegeben sind, kann generell von einer L\u00f6sung mit Modellcharakter gesprochen werden. Eine \u00dcbertragbarkeit der Vorgehensweise setzt voraus, dass in k\u00fcnftigen Bauvorhaben der konzeptionelle Vorlauf und die baubegleitende Beratung deutlich reduziert werden, um ohne anteilige F\u00f6rdergelder wirtschaftlich zu sanieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bestandteilen unserer Kultur. Eine Nutzung bei heute \u00fcblichen Wohnanspr\u00fcchen und unter dem Aspekt des effizienten Heizenergieeinsatzes erfordert individuelle L\u00f6sungen, die gleicherma\u00dfen den Pr\u00e4missen des Klima- und Ressourcenschutzes wie auch der Denkmal- und Landschaftspflege verpflichtet sind. 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