{"id":21529,"date":"2023-07-13T15:20:16","date_gmt":"2023-07-13T13:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17159-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:17","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:17","slug":"17159-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17159-01\/","title":{"rendered":"Entfernung von Pestizidr\u00fcckst\u00e4nden aus Textilien mit besonderer Ber\u00fccksichtigung ausgew\u00e4hlter Beispiele aus dem wertvollen Bestand des Germanischen Nationalmuseums\/N\u00fcrnberg durch \u00fcberkritisches CO2"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>\u00dcberkritisches CO2 sollte analog der Dekontamination pestizidverseuchter H\u00f6lzer auch f\u00fcr derart belastete Textilien angewendet werden. Eine experimentelle Dekontamination in verfl\u00fcssigtem C02 hat einen Erfolg sehr wahrscheinlich gemacht. Bisher ungekl\u00e4rt war der Einfluss verfl\u00fcssigten Kohlendioxids auf Textilien und F\u00e4rbemittel.<br \/>\nLaut einer Umfrage gibt es in deutschen Museen ca. 282.000 verseuchte Textilien. Eine mechanische Reinigung bedeutet eine unzumutbare konservatorische Belastung und scheidet auch wegen unkontrollierbarer Ergebnisse und des nicht kalkulierbaren Arbeitsaufwandes aus.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr die vergleichenden Untersuchungen zum Verhalten der Stoffe mussten Pr\u00fcflinge in zwei Gruppen zur Verf\u00fcgung stehen. Die Pr\u00fcflinge werden zerschnitten und stellen somit Forschungsverlust dar. Zur realit\u00e4tsnahen Untersuchung gealterter Stoffe dienten 100 Jahre alte Stoffe, die einem Zusammenhang nicht mehr zugeordnet werden konnten. Von der Untersuchung ausgeschlossen blieb der Einfluss der Pestizide auf Gewebeeigenschaften. Die Abreicherungsrate wurde an neuen k\u00fcnstlich kontaminierten (Hylotox) Pr\u00fcflingen festgestellt. Die Pestizidfracht der kontaminierten historischen Gewebe wurde mit gaschromatische Verfahren, Spektroskopie (analytische FT-IR-Spektroskopie, Raman-Spektroskopie) und R\u00f6ntgendiffraktometrie ermittelt. Die faserphysikalischen Eigenschaften wurden nach Normen der Textilindustrie erfasst. Haptische Pr\u00fcfungen von Stoffen dienen der Qualit\u00e4tsbeurteilung, wie sie bei herk\u00f6mmlichen Reinigungsmethoden \u00fcblich sind. Den Naturwissenschaften verborgene Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen hier erf\u00fchlt werden.<br \/>\nDie Parameter der Dekontamination waren: 250 bar und 40\u00b0C bei einer Dauer von 30 und 60 Minuten. Farbver\u00e4nderungen sind mit Reflektometer und Spektralphotometer gemessen worden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei einer Abreicherungsrate von 90% &#8211; 95% ist eine nahezu vollst\u00e4ndige Trennung der Giftstoffe von denTextilien erreicht. Dabei haben sich weder die Physik noch das haptische Verhalten der Fasern signifikant ver\u00e4ndert. Diese Feststellung wird grunds\u00e4tzlich nicht durch unsichere Aussagen ver\u00e4ndert, die sich bei alten Geweben ergeben haben. Die unsicheren Aussagen werden auf individuelle Alterungen oder Sch\u00e4digung durch langeinwirkende Pestizide zur\u00fcckgef\u00fchrt. Die haptische Pr\u00fcfung stuft Ver\u00e4nderungen nicht schwerwiegender ein als solche, die auch durch konventionelle w\u00e4ssrige Reinigungen verursacht werden k\u00f6nnen. Damit kann unter gewissen Voraussetzungen eine wirtschaftliche, umweltfreundliche und arbeitshygienische L\u00f6sung im Bereich der Textilkonservierung angeboten werden. F\u00fcr die breite Anwendung einer Dekontamination mit CO2 stehen zur Zeit noch keine geeigneten Anlagen zur Verf\u00fcgung. Die in der Reinigungsindustrie gebr\u00e4uchlichen Trommelmaschinen, die die Textilien schleudern, sind f\u00fcr historische Textilien ungeeignet. Mit einer mobilen Anlage w\u00e4ren Transportrisiken ausgeschaltet. Gleichzeitig ergibt sich auch eine Geldersparnis. Die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage ergibt sich aus der ungeheueren Menge pestizidverseuchter historischer Stoffe.<br \/>\nEine sichere Aussage zur Dekontamination kann f\u00fcr reine Gewebe aus Baumwolle, Leinen und Seide gemacht werden. Bei Wolle besteht wegen der unsicheren Werte bei der Durchschnittspolymerisation noch Kl\u00e4rungsbedarf. Applikationsmaterialien wie Glas, Metall, Leder, Federn etc. wurden mit unterschiedlichen Ergebnissen getestet. Einige Werkstoffe haben sich irreversibel ver\u00e4ndert. Vor allem bei Bekleidung gibt es nahezu immer Applikationen, es sei nur auf die festliche l\u00e4ndliche Kleidung verwiesen. F\u00fcr diese Gattung ist eine Fortsetzung der Versuche mit unterschiedlichen Reinigungsparametern dringend geboten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Homepage des Germanischen Nationalmuseums (www.gnm.de) berichtet seit Projektbeginn unter Hinweis auf die Unterst\u00fctzung durch die DBU in einer Kurzinformation. Diese Information wird durch ein Download erweitert, in dem das Projektkennblatt heruntergeladen werden kann.<br \/>\nDie Zeitschrift Restauro publizierte in der Ausgabe 7\/2000 unter der Rubrik: Restauro aktuell mit dem Titel: Pestizide in Textilien eine kurze Reportage.<br \/>\nAuf den Fachtagen zu Konservierung und Restaurierung der Erfurter Messe Rescon, 29.11. &#8211; 01.12.01, deren Schwerpunkt die Textilrestaurierung war, konnte das Projektergebnis detailliert vorgestellt werden. Ein zweiter Vortrag war den Ergebnissen einer Umfrage gewidmet, die im Rahmen des Projektes an deutsche Museen versendet, Auskunft \u00fcber Pestizidbehandlungen geben sollte.<br \/>\nAm 05.12.01 trafen sich im Germanischen Nationalmuseum die Bayerischen Textilrestauratoren, die als Fachgruppe im Verband der Restauratoren zusammengeschlossen sind. In einem Referat wurde hier ebenfalls \u00fcber das Projekt mit den Umfrageergebnissen berichtet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Dekontamination von Geweben mit \u00fcberkritischen CO2 hat sich als ein \u00e4u\u00dferst wirkungsvolles und rationelles Verfahren erwiesen. Zur Zeit kann dieses Verfahren wegen fehlender Anlagen nur in Einzelf\u00e4l-len angewendet werden. Zudem besteht weiterhin Forschungsbedarf zur Behandlung von Applikationen, die mit Textilien fest verbunden sind und sich entsprechend durchgef\u00fchrter Tests in einem CO2 &#8211; Bad irreversibel ver\u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens \u00dcberkritisches CO2 sollte analog der Dekontamination pestizidverseuchter H\u00f6lzer auch f\u00fcr derart belastete Textilien angewendet werden. Eine experimentelle Dekontamination in verfl\u00fcssigtem C02 hat einen Erfolg sehr wahrscheinlich gemacht. Bisher ungekl\u00e4rt war der Einfluss verfl\u00fcssigten Kohlendioxids auf Textilien und F\u00e4rbemittel. Laut einer Umfrage gibt es in deutschen Museen ca. 282.000 verseuchte Textilien. 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