{"id":21510,"date":"2024-11-27T10:36:10","date_gmt":"2024-11-27T09:36:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17105-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:13","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:13","slug":"17105-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17105-01\/","title":{"rendered":"Wirkungsanalyse und Beseitigung komplexer Umweltsch\u00e4den unter besonderer Ber\u00fccksichtigung holzkonservierender Ma\u00dfnahmen an der Loreto-Wallfahrtskirche in Rumburk  (Tschechien)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projekt verfolgte das Ziel, an dem im 18. Jahrhundert errichteten, bedeutenden Loreto-Wallfahrtskomplex, vorhandene Umweltsch\u00e4den zu beseitigen und Vorsorgema\u00dfnahmen zu treffen. Diese Ma\u00dfnahmen sollten m\u00f6glichst gering in die Substanz eingreifen, aber gleichzeitig der weiteren Ausbreitung von Schadensherden entgegenwirken. Im Vorfeld des praktischen Umsetzungsteils wurden Feststellungen getroffen, die die standortbezogene Umweltsituation und die vorhandenen Wechselwirkungen zu den denkmalspezifischen Eigenschaften beschreiben.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenWirkungsanalyse standortspezifischer Umweltsch\u00e4den: Erarbeitung eines interdisziplin\u00e4ren Untersuchungsberichtes zur Charakterisierung von Umweltsch\u00e4den des Loretoareals. Neben der Erschlie\u00dfung und Auswertung relevanter Situations- und Umweltschadensberichte wurden am Objekt technisch-analytische Untersuchungen und Messungen durchgef\u00fchrt. Durch die Untersuchung von Materialproben wurden m\u00f6gliche Wechselwirkungen zwischen den standorttypischen Umweltfaktoren und dem Bau-denkmal nachgewiesen. Entwicklung von Ma\u00dfnahmekonzepten zur Instandsetzung, Restaurierung und Vorsorge: Entsprechend den \u00e4u\u00dferst komplexen Umweltsch\u00e4den wurden Konzepte insbesondere f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zum Holzschutz unter Einbeziehung baulich-konstruktiver L\u00f6sungen entwickelt. Im Vorfeld dieser Konzeptentwicklung wurden in Zusammenarbeit mit tschechischen Restauratoren und Architekten Aufma\u00dfe und Bestandsdokumentationen angefertigt. Diese bildeten die Grundlage des Instandsetzungs- und Restaurierungsprojektes, indem die auszuf\u00fchrenden Eingriffe nach Verfahren, Methoden und zu verwendenden Materialien und Produkten beschrieben wurden. Durchf\u00fchrung von Instandsetzung- und Restaurierungsma\u00dfnahmen: Aus bautechnischer Sicht erfolgten die Sicherung gef\u00e4hrdeter Mauerwerksbereiche, Instandsetzungsma\u00dfnahmen an der Dachkonstruktion und -eindeckung und eine abschlie\u00dfende Holzschutzbehandlung. Die Sch\u00e4den am Dachstuhl und die Verluste an den Gew\u00f6lbema-lereien wurden im Zusammenhang betrachtet, ihre gezielte Untersuchung und Dokumentation sowie ihre modellhafte Bek\u00e4mpfung wurden im Rahmen des Projektes durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Stadt Rumburk liegt im Kreis Decin in unmittelbarer Grenzn\u00e4he zur BRD und nicht weit von der polnischen Grenze entfernt. Diese Region wird auf Grund ihrer Braunkohlevorkommen und der durch ihre jahrzehntelange Nutzung verursachten Sch\u00e4digungen der \u00d6kosysteme auch das Schwarze Dreieck genannt. Hier sind die chemische Industrie und die Kraftwerke als die gr\u00f6\u00dften Verschmutzungsquellen zu nennen, aber auch Hausbrand und Stra\u00dfenverkehr machen einen betr\u00e4chtlichen Anteil aus. Die Erschlie\u00dfung umweltrelevanter Daten erfolgte u.a. auf Grundlage der meteorologischen Daten (insbesondere der Luftschadstoffe Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxide (Nox)) \u00fcber einen Zeitraum von 10 Jahren. F\u00fcr den chemischen Holzabbau besonders relevant ist dabei das SO2. Die Holzbauteile an der Loretokapelle sind im wesentlichen in den Dachtragwerken zu finden. Die Sch\u00e4digungen durch chemische Korrosion an den Holzbauteilen waren dabei im wesentlichen auf die Dachlatten und die Sparrenoberseiten beschr\u00e4nkt. Als urs\u00e4chlich verantwortlich f\u00fcr diese Form des Holzabbaus kann hier nach Auswertung der technisch-analytischen Untersuchungen die Kombination aus verwendeten Materialien (dolomitischer Kalk im Verstrichm\u00f6rtel mit Magnesiumanteil), wechselhaften Feuchteverh\u00e4ltnissen (auch durch undichte Dacheindeckung) sowie durch die Belastung mit Schwefeldioxid aus der Luft, angesehen werden. Weiterhin wurden an den Holzbauteilen in gro\u00dfem Umfang Sch\u00e4den und Zerst\u00f6rungen durch holzzerst\u00f6rende Pilze und Insekten vorgefunden. Als Ursachen f\u00fcr diese Sch\u00e4digungen waren die teilweise undichte Dacheindeckung und die Feuchtigkeit speichernden Schuttmengen anzusehen.<br \/>\nAuf Grund der vorgefundenen Sch\u00e4digungen waren umfangreiche Eingriffe erforderlich: 1. Schuttber\u00e4u-mung der Gew\u00f6lbezwickel und des Bereiches um die Balkenk\u00f6pfe 2. Zimmermannsm\u00e4\u00dfige, handwerkliche Reparatur der gesch\u00e4digten Bereiche. Neu eingebaute H\u00f6lzer waren trocken (Holzfeuchte < 20%), kerngetrennt (Vermeidung von Rissbildungen) und wurden an den Anschlussbereichen zu den verbleibenden H\u00f6lzern mit einem chemisch vorbeugenden Holzschutzmittel gegen holzzerst\u00f6rende Pilze gesch\u00fctzt. (Streichverfahren an den Schnittstellen sowie Tiefenschutz an den Hirnholzfl\u00e4chen durch Druckinjektion). 3. Die durch chemische Korrosion gesch\u00e4digten Dachlatten wurden ausgebaut, geordnet entsorgt und durch neue Latten ersetzt. Die geringen Sch\u00e4digungen durch chemische Korrosion an der Oberseite der Sparren konnten verbleiben, bzw. wurden im Zuge der Zimmererarbeiten teilersetzt. Der Einsatz von chemischen Produkten (in Deutschland ist ein Produkt auf dem Markt) zur Holzsanierung von mazeriertem Holz konnte somit entfallen. 4. Vorbeugender baulicher Holzschutz: Ziel der baulichen Ma\u00dfnahmen war es, einer Holzbefeuchtung vorzubeugen und f\u00fcr rasche Austrocknungsm\u00f6glichkeiten der H\u00f6lzer zu sorgen. Als Schutz vor eindringender Feuchte von oben dient die instandgesetzte Dachhaut, unterhalb der H\u00f6lzer wurden Sperren angebracht, eine Befeuchtung der Hirnholzfl\u00e4chen der Balkenk\u00f6pfe wird durch das Gesims verhindert. Durch eine offene, luftumsp\u00fclte Anordnung der H\u00f6lzer sollten Austrocknungsm\u00f6glichkeiten erreicht werden, um die Holzfeuchteerh\u00f6hung \u00fcber 20% \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum zu vermeiden und einen Wiederbefall durch holzzerst\u00f6rende Pilze zu minimieren.\n\n\n\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation\n\nDie ersten Arbeitsergebnisse wurden im Rahmen eines 5-t\u00e4gigen Fachkolloquiums vom 21. bis zum 26.03.2000 im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal vorgestellt. Dieses Fachkolloquium war als Informationsplattform f\u00fcr deutsche und tschechische Restauratoren, Denkmalpfleger, Fachwissenschaftler und Objektzust\u00e4ndige angelegt und diente damit der Vermittlung neuester Projektergebnisse der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Die Fachreferate wurden gleichzeitig in einem Tagungsband abgedruckt. Weitere Pr\u00e4sentationen der Projektergebnisse sind geplant (z.B. Symposium f\u00fcr Denkmalpfleger im September 2002 in Rumburk).\n\n\nFazit\n\nDie SO2-Emissionen im Schwarzen Dreieck sind in den letzten 10 Jahren stark r\u00fcckl\u00e4ufig und ca. um den Faktor 10 gesenkt worden. Der Grund ist im Zusammenbruch von Gro\u00dfbetrieben, die ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Aussto\u00df von SO2 verantwortlich waren und den technischen Verbesserungen in den vorhandenen Betrieben (z.B. Filteranlagen) zu sehen. Daher kann mit einer langfristigen Stabilit\u00e4t dieser niedrigen SO2-Werte gerechnet werden. Auch der Faktor Hausbrand wird durch Modernisierung langfristig am SO2-Aussto\u00df einen immer geringer werdenden Anteil haben. Wenn dar\u00fcber hinaus durch regelm\u00e4\u00dfige Wartung und Inspektion der Dachkonstruktion eine st\u00e4rkere Feuchtebelastung der H\u00f6lzer vermieden wird, sind zwei wesentliche Voraussetzungen f\u00fcr das Eintreten der chemischen Korrosion an diesem Objekt stark minimiert. Langfristig ist daher nicht mehr mit dem Auftreten dieses Schadensbildes zu rechnen. Im Verh\u00e4ltnis zur chemischen Korrosion waren die Sch\u00e4digungen durch holzzerst\u00f6rende Pilze und Insekten gravierender zu bewerten und haben zu weitergehenden Eingriffen in die Konstruktion gef\u00fchrt, als dies infolge der chemischen Korrosion notwendig gewesen w\u00e4re.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projekt verfolgte das Ziel, an dem im 18. Jahrhundert errichteten, bedeutenden Loreto-Wallfahrtskomplex, vorhandene Umweltsch\u00e4den zu beseitigen und Vorsorgema\u00dfnahmen zu treffen. Diese Ma\u00dfnahmen sollten m\u00f6glichst gering in die Substanz eingreifen, aber gleichzeitig der weiteren Ausbreitung von Schadensherden entgegenwirken. 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