{"id":21494,"date":"2024-11-27T10:36:10","date_gmt":"2024-11-27T09:36:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/17046-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:12","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:12","slug":"17046-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/17046-01\/","title":{"rendered":"Umweltgerechte Spargelproduktion"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Anbau von Spargel erfolgt vornehmlich auf sorptionsschwachen Sandb\u00f6den, deren Humusbedarf durch hohe Gaben organischer D\u00fcnger gedeckt wird, mit denen erhebliche N\u00e4hrstoffmengen auf die Fl\u00e4chen gelangen. Aufgrund der schwer zu kalkulierenden Mineralisation und der Auswaschungsgefahr f\u00fcr l\u00f6slichen Nitratstickstoff ist die Stickstofffracht hierbei besonders kritisch zu bewerten. Die praxis\u00fcbliche \u00dcberkopfberegnung hat bei Spargel unter ung\u00fcnstigen Bedingungen die ungenutzte Versickerung gro\u00dfer Wassermengen und die damit verbundene Nitratauswaschung zur Folge. Dar\u00fcber hinaus f\u00f6rdert die \u00dcberkopfberegnung pilzliche Erkrankungen und Unkrautdruck.<br \/>\nZiel des Projektes ist die Entwicklung eines integrierten Konzeptes zur umweltgerechten Spargelproduktion im Hinblick auf einen umweltgerechten Einsatz von organischen D\u00fcngern und die gezieltere Anwendung der Bew\u00e4sserung unter norddeutschen Klimabedingungen. Dadurch soll neben dem effizienteren Einsatz nat\u00fcrlicher Ressourcen eine Verringerung der Belastung des Grundwassers mit Nitrat erreicht werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Bestimmung von Mineralisationspotenzial und -verlauf praxisrelevanter organischer D\u00fcnger (Pferdemist, Frisch- und Fertigkompost, Champignonsubstrat) in \u00fcblichen Aufwandmengen erfolgte in Brutversuchen. Bebr\u00fctet wurde unter kontrollierten Bedingungen in Klimakammern mit einer Variation der Temperatur \u00fcber einen Zeitraum von 203 Tagen, in unbepflanzten Gef\u00e4\u00dfen in einer \u00fcberdachten Vegetationshalle mit variierenden Wassergehaltsstufen sowie unter Praxisbedingungen im Feld. Anhand dieser Daten werden Anwendungsempfehlungen f\u00fcr organische D\u00fcnger im Spargelanbau erarbeitet.<br \/>\nIn zwei Gef\u00e4\u00dfversuchen mit einj\u00e4hrigen Spargeljungpflanzen in einer \u00fcberdachten Vegetationshalle wurden die Auswirkungen verschiedener organischer D\u00fcnger auf den Wasserhaushalt der Spargelkultur \u00fcberpr\u00fcft. Die Wassergehaltsstufen (50, 70, 85 % der Gef\u00e4\u00dfkapazit\u00e4t) wurden \u00fcber den gesamten Versuchszeitraum durch W\u00e4gung und Aufgie\u00dfen auf das Sollgewicht bzw. \u00fcber TDR-Steuerung konstant gehalten. Wasserverbrauch und volumetrische Bodenwassergehalte (TDR-Messung) wurden erfasst. Die Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum (Messung von Triebanzahl, -l\u00e4nge und -dicke, Spross- und Wurzelgewicht) sowie auf den Befall mit Blattkrankheiten wurden ermittelt. In einem Feldversuch wurde der Einfluss einer wassersparenden Bew\u00e4sserungstechnik (Unterflur-Tropfbew\u00e4sserung) auf die Mineralisation verschiedener organischer D\u00fcnger, Wasserverbrauch, Stickstoffhaushalt, Pflanzenwachstum und -gesundheit untersucht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Brutversuche<br \/>\nIn den Klimakammern betrug die Netto-Mineralisation innerhalb von 203 Tagen Inkubation bei 10 \u00b0C 37?60 kg N\/ha und bei 20 \u00b0C 53?101 kg N\/ha. Die Bebr\u00fctungstemperatur hatte einen deutlichen Einfluss auf die Netto-Mineralisation. Die h\u00f6chste Netto-Mineralisation wurde jeweils in den Champost-Varianten gefolgt von den Fertigkompost-Varianten erreicht. Die Netto-Mineralisation der Pferdemist-Substrate verlief bei beiden Temperaturstufen unterhalb derjenigen des unged\u00fcngten Kontroll-Substrates. In den unbepflanzten Gef\u00e4\u00dfen in der Vegetationshalle wies die Netto-Mineralisation \u00fcberwiegend einen stagnierenden Verlauf auf, was einen Hinweis auf Denitrifikationsverluste insbesondere in der hohen Wasserstufe (85 % nFK) darstellt. Unterschiede zwischen den organischen D\u00fcngern konnten in dem Gef\u00e4\u00dfversuch nicht festgestellt werden.<br \/>\nGef\u00e4\u00dfversuche<br \/>\nDer Wasserverbrauch in den bepflanzten Gef\u00e4\u00dfen wurde von Mitte Mai bis Ende September gemessen. Die ober- und unterirdische Trockenmasseproduktion war im Gef\u00e4\u00dfversuch 2002 in den unged\u00fcngten Kontroll- und Fertigkompost-Varianten am gr\u00f6\u00dften. Die Champost-Varianten wiesen die geringste Trockenmasseproduktion auf. Die mittlere Wasserstufe (70 % nFK) produzierte signifikant h\u00f6here Pflan-zenmassen als die anderen Wasserstufen. Im Gef\u00e4\u00dfversuch 2003 konnten die h\u00f6chsten ober- und unterirdischen Pflanzenmassen in den Fertigkompost-Varianten erzielt werden. Die Wasserstufen zeigten keinen Einfluss auf die Trockenmasseproduktion. Ein Einfluss der organischen D\u00fcnger auf die Pflanzengesundheit konnte nicht festgestellt werden. Die Wassernutzungseffizienz (WUE) konnte in beiden Versuchen durch den Einsatz von Fertigkompost gegen\u00fcber Pferdemist und Champost (GV 02) bzw. gegen\u00fcber Pferdemist und der Kontrolle ohne organische D\u00fcngung (GV 03) gesteigert werden.<br \/>\nFeldversuche<br \/>\nDer Bedarf an Zusatzbew\u00e4sserung war im Versuchsjahr 2002 sehr gering, so dass lediglich die Luxus- Variante (85 % nFK) eine Bew\u00e4sserung in H\u00f6he von 37 mm erhielt, w\u00e4hrend die Suboptimal-Variante (50 % nFK) unbew\u00e4ssert blieb. Im Verlauf der Netto-Mineralisation, ermittelt mit Inkubationsversuchen im Feld, konnten in den Versuchsjahren 2002 und 2003 keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden.<br \/>\nIm Versuchsjahr 2003 bekam die Luxus-Variante mit 208 mm Zusatz-Bew\u00e4sserung rund 160 mm mehr als die Suboptimal-Variante. Die Bew\u00e4sserungsstufen wurden teilweise an Wachstumsdepressionen der Suboptimal-Variante relativ zur Luxus-Variante am oberirdischen Aufwuchs sichtbar, die Unterschiede konnten aber nicht statistisch abgesichert werden. Auff\u00e4llig, jedoch statistisch nicht signifikant, war ein unterschiedliches Spross-Kronen-Verh\u00e4ltnis der Bew\u00e4sserungsstufen: Die Luxus-Variante wies bei ei-nem Spross-Kronen-Verh\u00e4ltnis von 1:0.9 eine schlechtere Speicherwurzelentwicklung als die Suboptimal-Variante mit einem Spross-Kronen-Verh\u00e4ltnis von 1:1.5 auf. Die Pferdemist-Varianten zeigten tendenziell die beste Trockenmasseproduktion. Die WUE lag in der niedrigen Wasserstufe (50 % nFK) mit 2.9 g TM\/l signifikant h\u00f6her als in der hohen Wasserstufe mit 1.8 g TM\/l. Ebenso war auch die WUE be-zogen auf den Ertrag 2004 bei niedriger Wasserstufe mit 3.1 g FM\/l h\u00f6her als bei hoher Wasserstufe mit 2.1 g FM\/l. Die Rohertr\u00e4ge lagen 2004 bei 10022 kg\/ha in der Luxus- und 9295 kg\/ha in der Suboptimal-Variante. Die mittleren Stangengewichte waren in der Luxus-Variante signifikant h\u00f6her als in der Subop-timal-Variante.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ehler, I. &#038; St\u00fctzel, H. (2002). Wassernutzung in einer Spargeljunganlage (Poster). 45. Jahrestagung der Gesellschaft f\u00fcr Pflanzenbauwissenschaften e.V., Berlin 26.-28.09.2002 Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Pflanzenbauwissenschaften, Wissenschaftlicher Fachverlag, Giessen, 14, S. 281.<br \/>\nEhler, I. &#038; St\u00fctzel, H. (2003): Einfluss der organischen D\u00fcngung auf Wasserhaushalt und N-Mineralisation bei einj\u00e4hrigen Spargeljungpflanzen (Poster). 40. Gartenbauwissenschaftliche Tagung, Freising-Weihenstephan, 26.02. &#8211; 01.03.2003 BDGL-Schriftenreihe 21, S. 52.<br \/>\nEhler, I. &#038; St\u00fctzel, H. (2003): Einfluss von unterfluriger Tropfbew\u00e4sserung und organischer D\u00fcngung auf den Ertrag von Spargel (Poster). 46. Jahrestagung der Gesellschaft f\u00fcr Pflanzenbauwissenschaften e.V., Giessen 24.09. &#8211; 26.09.2003 Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Pflanzenbauwissenschaften, Wissenschaftlicher Fachverlag, Giessen, 15, S. 268-269.<br \/>\nEhler, I &#038; St\u00fctzel, H. (2004): Wassernutzungseffizienz von Spargel (Vortrag): 41. Gartenbauwissenschaftliche Tagung, Wien 25.-28.02.2004 BDGL-Schriftenreihe 22, S. 89.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Ziel, die WUE von Spargel durch den Einsatz von Kompost zu steigern, konnte nur unter kontrollierten Bedingungen und auch dort nur mit Einschr\u00e4nkung erreicht werden. Aufgrund der N-Bilanz, die sich bei Kompostanwendung unter Praxisbedingungen nicht von den anderen organischen D\u00fcngern unter-scheidet, ist Kompost aus \u00f6kologischer Sicht mit anderen organischen D\u00fcngern vergleichbar. Da durch den Einsatz von Kompost insgesamt zwar nicht mit gesicherten Wachstumssteigerungen zu rechnen ist, aber auch keine Wachstumsdepressionen im Vergleich zu anderen organischen D\u00fcngern zu erwarten sind, steht der Verwendung von Kompost im Spargelanbau auch aus pflanzenbaulicher Sicht nichts entgegen.<br \/>\nEntgegen anderer Untersuchungsergebnisse erwies sich Spargel in diesen Feld- und Gef\u00e4\u00dfversuchen insgesamt als relativ trockentolerant, da kaum Bew\u00e4sserungseffekte auftraten. Die Aufrechterhaltung eines hohen Bodenwasserpotenzials nahe der Feldkapazit\u00e4t scheint daher aus \u00f6kologischer und \u00f6konomischer Sicht fragw\u00fcrdig. Eine m\u00e4\u00dfige Bew\u00e4sserung bei 70 % nFK in Kombination mit einer guten N-Versorgung kann als ertragswirksames und ressourcenschonendes Produktionsverfahren eingesetzt werden. Bez\u00fcglich der Erh\u00f6hung des Ertragspotenzials bei Unterflur-Tropfbew\u00e4sserung unter norddeut-schen Klimabedingungen durch die Sicherstellung der N\u00e4hrstoffversorgung \u00fcber Fertigation besteht weiterer Forschungsbedarf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Anbau von Spargel erfolgt vornehmlich auf sorptionsschwachen Sandb\u00f6den, deren Humusbedarf durch hohe Gaben organischer D\u00fcnger gedeckt wird, mit denen erhebliche N\u00e4hrstoffmengen auf die Fl\u00e4chen gelangen. Aufgrund der schwer zu kalkulierenden Mineralisation und der Auswaschungsgefahr f\u00fcr l\u00f6slichen Nitratstickstoff ist die Stickstofffracht hierbei besonders kritisch zu bewerten. 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