{"id":21451,"date":"2023-07-13T15:20:10","date_gmt":"2023-07-13T13:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/16953-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:20:11","modified_gmt":"2023-07-13T13:20:11","slug":"16953-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/16953-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entwicklung von Schutzkonzepten (einschlie\u00dflich beispielhafter Restaurierung) f\u00fcr umweltgesch\u00e4digte Kulturg\u00fcter aus Granit (Schleswig-Holstein)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Entgegen der Vorstellung, dass geschichtliche Zeitzeugen aus Granit und Gneis unver\u00e4nderlich und best\u00e4ndig sind, zeigt sich immer st\u00e4rker, dass Granit und Gneis keine Materialien f\u00fcr die Ewigkeit sind! Mehr und mehr verk\u00fcrzt sich ihre Lebensdauer durch eine Reihe von Schadensfaktoren. Baumaterialien, Bauzier, Skulpturen und anderes Kulturgut aus Granit und Gneis werden durch Umweltbelastungen stark beeintr\u00e4chtigt. Eine interdisziplin\u00e4re Arbeitsgruppe aus Restauratoren, Naturwissenschaftlern, In-genieuren und Architekten hat Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Erhaltung des achthundert Jahre alten Kulturgutes gesetzt. Erstmalig werden in Schleswig-Holstein f\u00fcr die Erhaltung romanischer Portale und Bildquader aus Granit und Gneis Schadensbilder aufgenommen, Schadenspotenziale erfasst und Konservierungsmethoden erprobt. Eine Datenbank mit Messdaten aus den Messeinrichtungen am Schleswiger Dom und in Munkbrarup ( pH-Wert, Leitf\u00e4higkeit, Sulfat, Nitrat, Chlorid, Natrium, Kalium, Magnesium, Calcium und Ammonium werden in den Niederschlagsproben bestimmt) wird eingerichtet und benutzerfreundlich gestaltet. Die Ergebnisse werden \u00fcber das ZMK in einer Internetpr\u00e4sentation der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Granitbildquader am Schleswiger Dom sind verschmutzt und vergr\u00fcnt. Das S\u00fcderportal der St. Laurentius Kirche in Munkbrarup (Ende 12. Jh.) weist nahezu die gesamte Schadenspalette auf: Schalenbildung, Schuppenbildung, Oberfl\u00e4chenrauhigkeit, R\u00fcckwitterung, L\u00f6sungserscheinungen und aufgelockertes Gef\u00fcge. Hinzu kommen Verschmutzungen und wiederum Sch\u00e4den aus biogenem Bewuchs und durch Salzkontamination. Jeder einzelne dieser Sch\u00e4den wird auf den steinmetzm\u00e4\u00dfig bearbeiteten und skulptierten Granitquadern durch eindringendes Wasser potenziert. Das S\u00fcderportal der St. Marien Kirche in Norderbrarup ist seit den 50 er Jahren durch einen Vorbau \u00fcberdacht und eingehaust. Granitimitationen aus Sandstein und S\u00e4ulennachbauten aus Gips, der Einsatz von Zementsockeln etc. stehen neben den romanischen Originalen, Tympanon und Basen, im Vordergrund. Hier galt es bei der Restaurierung einen Einklang zwischen der Erhaltung von Originalen aus der Romanik und der Entfernung bzw. einem Ersetzen und\/oder Belassen der Umbauten bzw. der Erg\u00e4nzungen aus den 50 er Jahre zu finden. &#8211; M\u00f6rtelentwicklung und -anwendung f\u00fcr Granit und Gneis im Austausch mit zementhaltigen und\/oder Zementm\u00f6rteln; &#8211; Anwendung von Konservierungsmitteln f\u00fcr die Granitfestigung; &#8211; Anwendung von Kon-servierungsmitteln f\u00fcr die Schalenhinterf\u00fcllung; &#8211; Entwicklung und Beurteilung von Reinigungsmethoden zur Entfernung der biogenen Bel\u00e4ge und der Schmutzauflagerungen sowie deren Anwendung; Erprobung von Bioziden und Mikrowachsen als Prophylaxe vor erneuter biogener Besiedlung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen von Fach- und Diplomarbeiten im Institut f\u00fcr Restaurierung der FH Hildesheim\/Holzminden\/ G\u00f6ttingen, der Mitarbeit des ITAP der Universit\u00e4t Oldenburg und durch die Vergabe von Auftragsforschung an freie Labors wurden Reinigungsmethoden, Steinerg\u00e4nzungsstoffe, mineralischgebundene M\u00f6rtel und Biozi-Prophylaxe-Stoffe f\u00fcr den Einsatz in die Praxis entwickelt.<br \/>\nDie romanischen Granitbildquader am Schleswiger Dom wurden gereinigt, die Schalen hinterf\u00fcllt. Erneuer biogener Befall stellte sich nach 4-6 Monaten ein. Zum Schutz hiervor wurden\/werden auf Testfl\u00e4chen am Schleswiger Dom  Biozide und Mikrowachse \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum getestet.<br \/>\nDie romanischen Portale der Kirchen in Munkbrarup und in Norderbrarup wurden gereingt, restauriert und konserviert. Hierf\u00fcr wurden mineralischgebundene Steinerg\u00e4nzungsstoffe entwickelt und getestet. Testfl\u00e4chen und Probek\u00f6rper stehen an der St. Laurentiuskirche in Munkbrarup l\u00e4ngerfristig zur Be- und Auswertung zur Verf\u00fcgung. Zum Vergleich wurde konventioneller Fugenm\u00f6rtel von Baltus Muschelkalk eingesetzt. Schalenhinterf\u00fcllungen, Antragsmassen, Festigungsmittel f\u00fcr schuppige Granitoberfl\u00e4chen wurden an Testk\u00f6rpern erprobt. Zum Einsatz in die Praxis kamen:<br \/>\n\u00b7\tAntragsmassen, die sich bei l\u00e4ngerer Bewitterung am Objekt, trotz positivem Ergebnis (UV-Bestrahlung im Vorversuch) im Labor, entf\u00e4rbten.<br \/>\n\u00b7\tReversible Schalenhinterf\u00fcllungen und Injektionsstoffe.Durch die Zur\u00fcckhaltung des Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege Schleswig-Holstein wurde der Steinfestiger nicht weiter erprobt.<br \/>\nParallel zu den Entwicklungen f\u00fcr die Restaurierung und Konservierung wurden Messreihen zur Chemie des Regens und zur Trockenpartikel-Analyse mit den Messeinrichtungen an den Standorten Schleswi-ger Dom  (Westwand eines Pfeilers an der S\u00fcdseite), Westseite des heutigen GMSH-Geb\u00e4udes und am Westwerk der Laurentiuskirche in Munkbrarup der Universit\u00e4t Hamburg, Institut f\u00fcr Anorganische und Angewandte Chemie, erhoben. Die Auswertung ergab keinen nennenswerten Salzeintrag. Die Messun-gen werden fortgef\u00fchrt. Eine Bewertung der Trockenpartikel-Deposition ist noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>15.03.2001 und 07.03.2002- Gervais, A. und Meyer, K.-D.: Fachvortrag im Institut f\u00fcr Restaurierung der FH Hildesheim\/Holzminden\/ G\u00f6ttingen zum Projektthema, speziell Einf\u00fchrung in die Geschiebekunde Norddeutschlands<br \/>\n14.-19.05.2001, 16.-22.07.2001 und 22.-27.07.2002 Projektwochen Granit in Schleswig-Holstein mit Studierenden des Instituts f\u00fcr Restaurierung der FH Hildesheim\/Holzminden\/ G\u00f6ttingen<br \/>\nPR-Termin am 18. 07.2001 in Munkbrarup: Pressartikel in regionalen Zeitungen und Rundfunkberichte<br \/>\n20.05.2004 und Herbst 2001 &#8211; Gervais, A.: Vortr\u00e4ge vor der Kirchengemeinde St. Laurentius in Munkbrarup<br \/>\nBecker, P. (2004): Schutz und Sanierung von Kulturg\u00fctern aus Granit: Forscher k\u00fcmmern sich um die L\u00f6wen in der Grube; Naturstein: 2: 26-27; 3 Abb.; Ulm.<br \/>\nAbschlussveranstaltung am 29.04.2004 in Schleswig in der Bischofskanzlei<br \/>\nAusstellung und Fachsymposium geplant f\u00fcr Mai 2005<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Projektgruppe stand zahlreichen Fragestellungen erstmalig gegen\u00fcber. Auf einige der Fragen konnten Antworten gefunden werden, andere blieben offen. Im Umgang mit Kulturg\u00fctern aus Granit und Gneis haben die Praktiker Rezepte entwickelt und gepr\u00fcft. Viele Ideen wurden kombiniert und f\u00fchrten zu Rezepturen, die Anwendung fanden. Der Anfang ist gemacht &#8211; die weitere Entwicklung wird Schritt f\u00fcr Schritt zeigen, ob der eingeschlagene Weg zum hoch gesteckten Ziel f\u00fchrt, Kulturg\u00fcter aus Granit und Gneis vor weiteren Verlusten durch die Verwitterungsprozesse zu bewahren bzw. diese zu verlangsa-men. Angesto\u00dfen durch das DBU-F\u00f6rderprojekt hat sich das Interesse bei den Zust\u00e4ndigen entwickelt, l\u00e4ngerfristige L\u00f6sungskonzepte auf der Basis erprobter Rezepturen zu akzeptieren und den zeitintensi-ven Weg hierhin mit zugehen und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Entgegen der Vorstellung, dass geschichtliche Zeitzeugen aus Granit und Gneis unver\u00e4nderlich und best\u00e4ndig sind, zeigt sich immer st\u00e4rker, dass Granit und Gneis keine Materialien f\u00fcr die Ewigkeit sind! Mehr und mehr verk\u00fcrzt sich ihre Lebensdauer durch eine Reihe von Schadensfaktoren. 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