{"id":21418,"date":"2026-03-13T10:32:26","date_gmt":"2026-03-13T09:32:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/33472-01\/"},"modified":"2026-03-13T10:32:28","modified_gmt":"2026-03-13T09:32:28","slug":"33472-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/33472-01\/","title":{"rendered":"Bergheide\u2010\u00d6kosysteme im Rothaargebirge: Optimierung des Managements und von Ma\u00dfnahmen zur Renaturierung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bergheiden und Borstgrasrasen sind nach Anhang I FFH-Richtlinie zu sch\u00fctzende Biotoptypen. Trotz R\u00fcckg\u00e4ngen um ca. 98 % beherbergen die Hochlagen des Rothaargebirges mit aktuell 204 ha Gesamt-fl\u00e4che heute die bedeutendsten Bergheiden-Restbest\u00e4nde aller deutschen Mittelgebirge au\u00dferhalb der Alpen mit hoher Relevanz f\u00fcr Erholungsfunktionen. Gef\u00e4hrdet durch Fl\u00e4chenverlust, r\u00e4umliche Isolation, Pflegedefizite, Nutzungskonflikte und Klimawandel, bleibt trotz erfolgreicher Projekte Handlungsbedarf. Das Projekt sollte das Heidemanagement optimieren und Konflikte l\u00f6sen, ehemaligen Heidestandorte renaturieren, Ma\u00dfnahmen zur Heideverj\u00fcngung und Renaturierung monitoren sowie \u00fcbertragbare Er-gebnisse ableiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<br \/>\n1.\tPflegeoptimierung und L\u00f6sung bestehender Konflikte: Es wurde eine Verbesserung und Erhaltung eines guten Pflegezustands auf Heidefl\u00e4chen eingeleitet und hierzu die Sch\u00e4ferei gef\u00f6rdert. Geh\u00f6lze wurden entnommen sowie eine Heideverj\u00fcngung durch Plaggen und Schoppern erreicht. Triftwege zur Vernetzung von Heidefl\u00e4chen f\u00fcr Wanderschafherden wurden entwickelt.<br \/>\n2.\tRenaturierung ehemaliger Heidestandorte: Durch Waldumwandlung und verschiedene Methoden zur Heideetablierung erfolgte die Renaturierung ehemaliger Heidestandorte. Es wurden Planungen f\u00fcr k\u00fcnftige Renaturierungsfl\u00e4chen entwickelt und abgestimmt und ein Teil umgesetzt. Als langfristige Strategie war wurde Heideentwicklungskonzept erarbeitet und kommuniziert.<br \/>\n3.\tMonitoring: Eine vergleichende Wirkungsanalyse von Ma\u00dfnahmen zur Verj\u00fcngung und Renaturierung von Bergheiden wird das k\u00fcnftige Management und weitere Renaturierungsvorhaben verbessern. Analysiert wurden (a) Auswirkungen der Renaturierung auf Spinnen, Laufk\u00e4fer, Zikaden, Heuschrecken, Gef\u00e4\u00dfpflanzen, Moose und Flechten elf\/zw\u00f6lf Jahre nach Durchf\u00fchrung im Vergleich zu verschiedenen Entwicklungsstadien; (b) Auswirkungen von Plaggen und Schoppern zur Verj\u00fcngung auf die Phytodiversit\u00e4t, (c) F\u00f6rderung der Zielart Arnika durch St\u00f6rung und Ansiedlung; (d) Brutv\u00f6gel der Bergheiden.<br \/>\n4.\tAbleitung und Verbreitung \u00fcbertragbarer Ergebnisse zur Pflege und Renaturierung von Bergheiden: Es wurde ein Handlungsleitfaden entwickelt.<br \/>\n5.\t\u00d6ffentlichkeitsarbeit: Kommunikation mit vielf\u00e4ltigen Akteursgruppen bildete ein wesentliches Instrument s\u00e4mtlicher Arbeitsschritte. Dabei standen Sch\u00e4fereibetriebe, Kommunen und Beh\u00f6rden, Natur- und Landschaftsf\u00fchrer:innen, Erholungssuchende und die breite \u00d6ffentlichkeit im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ziele des Projekts konnten erreicht und in vielen F\u00e4llen \u00fcbertroffen werden. Mit der DBU-F\u00f6rderung, kombiniert mit Kofinanzierungen der Bundesl\u00e4nder Hessen und Nordrhein-Westfalen (Gesamtsumme aller drei F\u00f6rdermittelgeber 790.651 \u20ac), wurden bislang Investitionen in Umsetzungsma\u00dfnahmen von weiteren > 700.000 \u20ac ausgel\u00f6st. Die Zusammenarbeit der Naturschutzpraxis mit der Sch\u00e4ferei und vielen weiteren Akteur:innen einerseits und mit der Begleitforschung andererseits hat sich bew\u00e4hrt:<br \/>\n\uf02d\tEine Optimierung des Bergheide-Managements unter L\u00f6sung bestehender Konflikte in den Bergheiden und mit diesen verzahnten montanen FFH-Lebensraumtypen wurde erzielt: Auf 74,0 % der Gesamtfl\u00e4che der Bergheiden und\/oder Borstgrasrasen wurden Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung des Pflegezustands durchgef\u00fchrt. Allein auf Heidefl\u00e4chen bezogen, wurde der Pflegezustand auf 81,5 % der Fl\u00e4chen verbessert (Borstgrasrasen: 39,0 %).<br \/>\n\uf02d\tDie Pflege der Bergheiden ist untrennbar mit ihrer Bewirtschaftung verkn\u00fcpft. Die wirtschaftliche Situation der beteiligten Weidebetriebe konnte mit Hilfe von begleitendem Management und den Finanzmitteln des Projektes gest\u00e4rkt werden. Neue Z\u00e4une garantieren auf einigen Fl\u00e4chen gute Rahmenbedingungen f\u00fcr die kommenden Jahre, neue Gebrauchsgegenst\u00e4nde stellen eine gute Versorgung der Herden sicher. Das Triftwegesystem der Wandersch\u00e4ferei konnte durch die Einbeziehung kleinerer Heiden und neuer Futterfl\u00e4chen ausgebaut werden. Die regionale Vermarktung der Sch\u00e4ferei-Produkte (Fleisch und Wolle) wurde angesto\u00dfen durch Kooperationen mit der \u00f6rtlichen Gastronomie und der \u00d6komodell-Region Waldeck-Frankenberg. Nutzungskonflikte konnten entsch\u00e4rft werden.<br \/>\n\uf02d\tZur Renaturierung ehemaliger Heidestandorte wurde ein Heideentwicklungs- und Biotopverbundkonzept (inklusive Triebwegen) erarbeitet. 62,94 ha Renaturierungsfl\u00e4chen wurden geplant. Davon sind 14,38 ha umgesetzt bzw. befinden sich derzeit noch in Umsetzung. Erschwerend wirken hier die D\u00fcrre- und nachfolgenden Borkenk\u00e4fer-Schadfl\u00e4chen vorrangig der Fichte, welche die Bereitschaft des Forstes zur Nutzungsumwandlung von Waldfl\u00e4chen in Bergheiden ma\u00dfgeblich reduzierten.<br \/>\n\uf02d\tInsgesamt wurden bis zum Herbst 2021 knapp 60 Ma\u00dfnahmen umgesetzt (auf insgesamt 136 Teilfl\u00e4chen), etwa 30 weitere Ma\u00dfnahmen befinden sich aktuell in einer konkreten Planungsphase und werden in den kommenden Jahren realisiert. Durch diese Ma\u00dfnahmen wurden zehn FFH-Gebiete, 17 Naturschutzgebiete und zwei Naturdenkm\u00e4ler aufgewertet, sowie 12 Heiden und Borstgrasrasen au\u00dferhalb von Schutzgebieten.<br \/>\n\uf02d\tDas Monitoring hat f\u00fcr die Pflege- und Renaturierungspraxis wesentliche Handlungskonsequenzen aufgezeigt. Als besonders wertvoll stellte sich die Vergleichsm\u00f6glichkeit mit bis zu 20 Jahre zur\u00fcckliegenden Ma\u00dfnahmen zur Heideneunanlage heraus. Die Ergebnisse flossen unmittelbar in laufende Ma\u00dfnahmen ein und liefern f\u00fcr die Zukunft vielf\u00e4ltige auch auf andere Gebiete \u00fcbertragbare Handlungsempfehlungen. Bisher wurden drei Paper in international referierten Zeitschriften publiziert.<br \/>\n\uf02d\tEntsprechend konnte das Best Practice zur Pflege und Renaturierung von Bergheiden aus den Erfahrungen der Ma\u00dfnahmenplanung und -umsetzung ebenso wie dem Monitoring abgeleitet werden. Hierzu ist eine weitere (deutschsprachige) Publikation in Vorbereitung. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde durch eine fortlaufende und intensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit begleitet, welche wesent-lich zum Projekterfolg und zur L\u00f6sung von Nutzungskonflikten beigetragen hat. Beispielhaft seien die j\u00e4hrlichen Hochheidetage, die Qualifizierung von Natur- und Landschafts- sowie Geoparkf\u00fchrer:innen, Ver\u00f6ffentlichungen in den Medien sowie die Auszeichnung als UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt genannt. Es erfolgten Fachpublikationen ebenso wie intensive Pressearbeit, es wurden zwei Flyer, zwei Videos und eine 86-seitige Ergebnisbrosch\u00fcre erstellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Projekt konnten neben der erfolgreichen Umsetzung von Pflegeoptimierung, Renaturierung, Monito-ring und \u00d6ffentlichkeitsarbeit die Grundlagen geschaffen werden, um auch langfristig im Heideentwick-lungskonzept geplante Ma\u00dfnahmen zu realisieren: durch Mittel des Vertragsnaturschutzes, mittels Aus-gleichs- und Ersatzma\u00dfnahmen sowie durch die verschiedenen Aktivit\u00e4ten der Kommunikation und der Unterst\u00fctzung der Sch\u00e4fereibetriebe. Die Projektf\u00f6rderung bietet ein gutes Praxisbeispiel, wie die Kom-petenz und die Handlungsfelder von Naturparken ma\u00dfgeblich ausgebaut werden kann. Diese Aufgabe ist vor dem Hintergrund der politischen Zielsetzungen mit einem 30-%-Fl\u00e4chenanteil gut zu managender Schutzgebiete gem\u00e4\u00df EU-Biodiversit\u00e4tsstrategie 2030 und der UN-Biodiversit\u00e4tskonvention sowie der UN-Dekade zur Wiederherstellung von \u00d6kosystemen (2021\u20132030) von Bedeutung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bergheiden und Borstgrasrasen sind nach Anhang I FFH-Richtlinie zu sch\u00fctzende Biotoptypen. Trotz R\u00fcckg\u00e4ngen um ca. 98 % beherbergen die Hochlagen des Rothaargebirges mit aktuell 204 ha Gesamt-fl\u00e4che heute die bedeutendsten Bergheiden-Restbest\u00e4nde aller deutschen Mittelgebirge au\u00dferhalb der Alpen mit hoher Relevanz f\u00fcr Erholungsfunktionen. 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