{"id":21224,"date":"2024-11-27T10:36:06","date_gmt":"2024-11-27T09:36:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/16393-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:36:08","modified_gmt":"2024-11-27T09:36:08","slug":"16393-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/16393-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Anwendung und Weiterentwicklung von Schutz\u00fcberz\u00fcgen und Korrosionsinhibitoren zur Konservierung des umweltgesch\u00e4digten barocken Chorgitters im Osnabr\u00fccker Dom"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Dom St. Petrus zu Osnabr\u00fcck beherbergt ein wertvolles Kleinod barocker Schmiedekunst, das perspektivisch gestaltete Chorgitter von 1664. Die barocke Farbfassung ist jedoch an vielen Stellen durch Korrosionsprodukte vom Untergrund abgetrennt und geht schollenartig verloren. Die Konservierungsma\u00dfnahme wirft besonders bei der Behandlung der Korrosionsph\u00e4nomene eine Reihe nicht gekl\u00e4rter Fragen auf, f\u00fcr die in Laborpr\u00fcfungen L\u00f6sungsans\u00e4tze gefunden werden sollen. Dazu geh\u00f6rt vor allem eine starke Verminderung des Korrosionsfortschrittes bei gleichzeitigem Erhalt der z. T. unterrosteten Originalfassung. Die Umsetzung in der eigentlichen Ma\u00dfnahme soll dann die M\u00f6glichkeiten der vielversprechenden Produkte und Techniken bei der Erhaltung des gefassten Objektes aufzeigen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Entwicklungsaspekte des Vorhabens lassen sich in drei gro\u00dfe Bereiche unterteilen:<br \/>\na) Schutz\u00fcberzug f\u00fcr Gitterbereiche ohne Fassungsreste (besonders Gitterr\u00fcckseite):<br \/>\nBei Korrosionsfl\u00e4chen ohne Fassung soll ein bestehendes Konzept, zweischichtiger Acrylataufbau und Wachsabschluss, mit Lacksystemen aus einem weiteren DBU-Vorhaben (Az. 06834) in Laborbelastungstests verglichen werden (incl. Zink und Glasflakes als m\u00f6gliche Pigmentierung). Als Pr\u00fcfverfahren sind Kondenswasser-Konstantklimatest und moderater Temperaturwechsel-Test mit Betauung vorgesehen.<br \/>\nb) Einsatz von korrosionsinhibierenden Substanzen:<br \/>\nF\u00fcr die Erhaltung der unterrosteten Originalfarbschichten auf der Gittervorderseite sollen Beschichtungsstoffe getestet werden, die die Malschichten hinterwandern k\u00f6nnen. Neben anderen penetrierf\u00e4higen Substanzen mit passivierender Wirkung soll Tannin auf seine Wirksamkeit hin untersucht werden.<br \/>\nc) Schutz\u00fcberzug der vorhandenen originalen Farbschichten:<br \/>\nIm Anschluss an eine Behandlung mit einem Inhibitor ist die Beschichtung der Originalfassung mit einem transparenten Decksystem notwendig. Diese Deckschicht muss dabei die M\u00f6glichkeit anschlie\u00dfender Retuschen erlauben, selbstverst\u00e4ndlich mit der originalen \u00d6lfarbe vertr\u00e4glich und reversibel sein.<br \/>\nBei der Umsetzung in die eigentliche Ma\u00dfnahme soll neben den reinen Korrosionsschutzaspekten auch die optische Beeinflussung durch die Beschichtungsmaterialien ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Arbeiten (Planung und Ausf\u00fchrung) am Chorgitter fanden in enger Abstimmung von Eigent\u00fcmer, Denkmalpflege, Restaurierungswerkstatt und materialkundlicher\/naturwissenschaftlicher Begleitung statt. Alle Arbeitsschritte wurden in dieser Projektgruppe vorbesprochen, in ihrer Ausf\u00fchrung begleitet und danach begutachtet. Eine in die Zukunft gerichtete Begutachtung der Wirksamkeit der Ma\u00dfnahmen ist angedacht.<br \/>\nDie Chorgitter wurden nach einer partiellen Festigung loser Farbschollen mittels Cyclododecan in Osnabr\u00fcck demontiert und in die Werkstatt der Fa. Haber &#038; Brandner gebracht. Dort wurde die verbesserte Zug\u00e4nglichkeit im ersten Schritt f\u00fcr eine Detailaufnahme des Erhaltungszustandes und einer daraus abgeleiteten Ma\u00dfnahmenentwicklung genutzt. Erfasst wurden: herstellungstechnische Merkmale, Aufbau der originalen Farbfassung, Altreparaturen sowohl im Hinblick auf materialtechnische Erg\u00e4nzungen wie auch die Erneuerung der Farbfassung und eine \u00dcberpr\u00fcfung des Schadensbefundes.<br \/>\nEntgegen der urspr\u00fcnglichen Meinung konnten auf der Gitterr\u00fcckseite unter dem monochromen, grauen Deckauftrag noch Reste der barocken Fassung festgestellt werden. Auf Grund des schlechten Erhaltungszustandes wurde allerdings beschlossen, hier auf eine Freilegung zu verzichten und so keine weiteren Verluste (durch eine schwierige Abnahme der \u00dcbermalung) zu verursachen. Als Konsequenz wurde daher festgelegt, die Vorderseite mit der sichtbaren, in gro\u00dfen Teilen erhaltenen barocken Fassung vorsichtig zu erg\u00e4nzen und mit einem neuen transparenten Schutz\u00fcberzug zu versehen, die R\u00fcckseite in ihrer monochromen Fassung beizubehalten und ganzfl\u00e4chig zu \u00fcberfassen. Um den st\u00f6renden, verbr\u00e4unten Firnis auf beiden Seiten zu entfernen, wurde ein kombiniertes mechanisch\/chemisches Freilegungsverfahren entwickelt. Der bestehende Firnis wurde mit Edelstahl-Zirkularb\u00fcrsten ausged\u00fcnnt und\/oder durch Feinstrahlen mit Kunststoffgranulat aufgeraut. Auf der Vorderseite konnte die restliche, d\u00fcnne Firnisschicht danach vorsichtig mit Ethanol (bewirkte Aufquellen) unter Verwendung von Wattest\u00e4bchen gereinigt werden. Auf der R\u00fcckseite wurde der Firnis nur ausged\u00fcnnt und aufgeraut, um einen tragf\u00e4higen Untergrund f\u00fcr eine pigmentierte, neue Fassung zu liefern. Partien mit lose aufliegenden Korrosions-schichten wurden ebenfalls mechanisch (B\u00fcrsten, Glasfaserradierer, Skalpell, Feinstrahlger\u00e4t) gereinigt. Starke Korrosionsherde wurden so weit als m\u00f6glich ausger\u00e4umt, Restrost wurde belassen. Notwendige Erg\u00e4nzungen und mechanische Stabilisierung wurden fachgerecht ausgef\u00fchrt.<br \/>\nDie naturwissenschaftlichen Untersuchungen konzentrierten sich parallel darauf, geeignete Substanzen f\u00fcr die verschiedenen Bearbeitungsbereiche zu finden. Verschiedenste Substanzen wurden auf Testble-chen in einem beschleunigten Pr\u00fcfverfahren (Kondenswasser-Konstantklima (DIN 50017)) auf ihre Dauerhaftigkeit untersucht sowie ihre Vertr\u00e4glichkeit untereinander und mit der bestehenden Fassung getestet. F\u00fcr die Behandlung der offenen Korrosionsstellen vor allem in schwer zug\u00e4nglichen \u00dcberlappungszonen wurden gut penetrierende Substanzen gesucht. Als bestgeeignete Substanz erwies sich ein durch Feuchte ausreagierendes, sehr d\u00fcnnfl\u00fcssiges Einkomponenten-Polyurethan-System. Auf Grund der unerw\u00fcnschten Farbreaktion wurde hier auf Tannin als Inhibitor verzichtet. Um die offenliegende barocke Fassung auf der Gittervorderseite zu erhalten wurde als transparente Schutzschicht letztlich ein Acrylat (Paraloid B72) gew\u00e4hlt. Durch dieses reversibel zu entfernende Material bleibt die M\u00f6glichkeit zur sp\u00e4teren, erneuten Freilegung der originalen Fassung erhalten. Da auf der R\u00fcckseite keine Freilegung erfolgte, wurde auf die verbliebene, ausged\u00fcnnte Firnisschicht eine reversible Trennschicht (Acrylat) und darauf ein grauer Standard-Grundprimer (Alkydharz\/PVC) aufgebracht. Auf beiden Gitterseiten wurde eine Retusche (Acrylatsystemen) zur Farbanpassung vorgenommen. Auf der Gittervorderseite erfolgte diese sehr sparsam, nur um Fehlstellen, die optisch st\u00f6rend wirkten, auszugleichen (Lascaux Transparentlack 575). Auf der R\u00fcckseite wurde ein optisch ansprechender Grauton durch Polymer Varnish w\/UVLS-Satin (leicht pigmentiert mit Trockenpigmenten) erreicht. Als verschlei\u00dfende Deckschicht mit der zus\u00e4tzlichen Aufgabe einer Oberfl\u00e4chenmattierung wurde ein mikrokristallines Wachs (Cosmoloid H 80) aufgebracht.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Arbeiten wurden zusammenfassend in den Zeitschriften RESTAURO (1\/2000, S. 7) und das M\u00fcnster (2\/2000, S. 179-180) pr\u00e4sentiert. Eine umfangreiche Ergebnispublikation unter Einbeziehung weiterer Fachartikel ist unter dem Titel Konservierung von gefasstem Eisen durch das NLD f\u00fcr 2001 geplant. Die Ergebnisse sollen auch auf der Dombaumeister-Tagung 2003 in Osnabr\u00fcck vorgestellt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit im vorliegenden Vorhaben hat die Chancen einer interdisziplin\u00e4r agierenden Restaurierungsgruppe auch f\u00fcr die Aspekte der Metallrestaurierung deutlich aufgezeigt. Die gezielte und durch begleitende Versuche abgesicherte Auswahl von Restaurierungs- bzw. Konservierungsstoffen unter Ber\u00fccksichtigung von Materialzustand und zu erwartende Umwelteinfl\u00fcsse verspricht sowohl einen hohen Schutz des Objektes wie auch eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Erhaltung der originalen Substanz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Dom St. Petrus zu Osnabr\u00fcck beherbergt ein wertvolles Kleinod barocker Schmiedekunst, das perspektivisch gestaltete Chorgitter von 1664. Die barocke Farbfassung ist jedoch an vielen Stellen durch Korrosionsprodukte vom Untergrund abgetrennt und geht schollenartig verloren. Die Konservierungsma\u00dfnahme wirft besonders bei der Behandlung der Korrosionsph\u00e4nomene eine Reihe nicht gekl\u00e4rter Fragen auf, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[64,53],"class_list":["post-21224","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-niedersachsen","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"16393\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-16393.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"43.509,92","dbu_projektdatenbank_firma":"Deutsches Bergbau-MuseumForschungsbereich Denkmalschutz\/Materialkunde","dbu_projektdatenbank_strasse":"Herner Str. 45","dbu_projektdatenbank_plz_str":"44787","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Bochum","dbu_projektdatenbank_p_von":"1999-04-19 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2001-12-03 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"2 Jahre und 7 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0234\/968-4032","dbu_projektdatenbank_inet":"www.bergbaumuseum.de","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Niedersachsen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"60","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21224","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21224\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34227,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21224\/revisions\/34227"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}