{"id":21183,"date":"2026-04-12T10:32:04","date_gmt":"2026-04-12T08:32:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/16260-01\/"},"modified":"2026-04-12T10:32:06","modified_gmt":"2026-04-12T08:32:06","slug":"16260-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/16260-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an dem durch das Havelwasser schwer gesch\u00e4digten Wasserbecken der Font\u00e4nen des Belvederes\/Potsdam (Brandenburg)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam lie\u00df Friedrich Wilhelm IV. als Aussichtsanlage Mitte des 19. Jh. errichten. Im Innenhof befindet sich ein Wasserbecken als Hochbeh\u00e4lter f\u00fcr die Font\u00e4nenanlagen und Bew\u00e4sserung im Neuen Garten, gleichzeitig architektonisches Detail. Das Wasserbecken wird mit Havelwasser gespeist. Die Beckenw\u00e4nde und die Beckensohle bestehen aus Ziegelmauerwerk in Kalk-Zement-M\u00f6rtel und mit Kalk-Zement-Putz. \u00dcber angel\u00f6ste Bereiche Putzbeschichtung im Beckeninneren und \u00fcber die nicht abgedichteten Au\u00dfenseiten der W\u00e4nde konnten erhebliche Mengen schadstoffhaltiger W\u00e4sser (Humins\u00e4uren im Havelwasser, Sulfate und Nitrate im Niederschlagswasser) in das Mauerwerk eindringen und die Ziegelw\u00e4nde durch Salzbildung, Frost-Tau-Wechsel und Durchwurzelung sprengen<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Restaurierung des Wasserbeckens ist an eine Vielzahl von Forderungen gebunden: Substanzerhalt soweit wie m\u00f6glich, geputzte Oberfl\u00e4che ohne Dehnungsfugen, Resistenz gegen Sonneneinstrahlung, Frost, Havelwasser und Durchwurzelung, kein Einsatz von schwerer Technik.<br \/>\nIn Zusammenarbeit mit der Fa. Remmers Bauchemie GmbH wurde eine Beschichtungsvariante geplant, die aus Dichtung, Unterputz und Deckputz bestand. Wegen Rissbildung und Hohllagen wurde in einer zweiten Variante die Putzbeschichtung vom Mauerwerk entkoppelt. Die Beckenkrone (Profilzug als Rolle) wurde in einer zweiten Variante mit Zugm\u00f6rtel ausgef\u00fchrt.<br \/>\nRestaurierungsschritte:<br \/>\n\u00b7\tFreilegung der Au\u00dfenseite des Beckens, Feuchteisolation, Drainmatten gegen Durchwurzelung<br \/>\n\u00b7\tErhaltung und Reparatur der Beckensohle, Einarbeiten einer Trennfolie gegen Bewegungen und Durchfeuchtung, Aufbringen von bewehrtem Feinbeton<br \/>\n\u00b7\tNeuaufmauerungen (2\/3) mit Kanalklinkern und Kalk-Zement-M\u00f6rtel, horizontale Feuchteisolation oben und unten in der Beckenwand<br \/>\n\u00b7\tEgalisierung der inneren Beckenwand, Aufbringen von Dichtungsschl\u00e4mme, Eind\u00fcbeln eines Putztr\u00e4gers, Grundputz und Universalputz (Deckputz) mit orts\u00fcblicher Pigmentierung<br \/>\n\u00b7\tVorformen der Beckenkrone in Ziegel, Aufbringen von Grob- und Feinzugm\u00f6rtel mit Profilierung<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Projekt erwies sich komplizierter als urspr\u00fcnglich angenommen. Der historische Beckenaufbau mit Umfassungsmauerwerk, einer Putzbeschichtung und einer geputzten, zur Rolle profilierten Beckenkrone war denkmalpflegerisch gefordert. Die Auswahl der Materialien (in Beratung mit der Firma Remmers Bauchemie) und der Aufbau der Beschichtung f\u00fchrte in einer ersten Ausf\u00fchrung zu erheblicher Riss- und Hohllagenbildung (Beckeninnenwand und Beckenkrone). Als Ursache wurde eine zu hohe Schwindung und eine zu niedrige Elastizit\u00e4t des Restaurierm\u00f6rtels (Deckputz) festgestellt. Gleichzeitig gab es Zweifel an der Ausf\u00fchrungsqualit\u00e4t.<br \/>\nAls Regressleistung kam es zu einer zweiten Ausf\u00fchrung. In Zusammenarbeit mit der Fa. Remmers Bauchemie GmbH wurde ein tragf\u00e4higes Konzept gefunden, mit dem sowohl die historische Authentizit\u00e4t und \u00c4sthetik gewahrt blieb als auch moderne Dichtungsmaterialien die nachhaltige Funktionalit\u00e4t sichern.<br \/>\nAufbau der Mauerwerksbeschichtung (Beckeninnenwand):<br \/>\na)\tAbstrahlen des Ziegelmauerwerks<br \/>\nb)\tAufspritzen von Aida Kiesol fl\u00fcssig als Grundierung (1 : 1 mit Wasser verd\u00fcnnt)<br \/>\nc)\tAufbringen der Sulfatexschl\u00e4mme dickfl\u00fcssig mit Quast<br \/>\nd)\tAufbringen von Aisit Grundputz mit Gl\u00e4tter zur Egalisierung (frisch in frisch), aufrauhen, Standzeit: 6 bis 7 Tage, dabei ggf. mit Wasser befeuchten, vor Sonne sch\u00fctzen<br \/>\ne)\tAufbringen der Abdichtung aus Aida Kiesol unverd\u00fcnnt und drei Schichten Aida WHG-Schl\u00e4mme, nach der 2. Lage Sulfiton Armierungsvlies einlegen, Standzeit: 2 Tage<br \/>\nf)\tAnbringen eines Vlieses als Trennschicht auf der Dichtung<br \/>\ng)\tGleichzeitig Anbringen eines nichtrostenden Amanet-Putztr\u00e4gers mit D\u00fcbeln in der WHG-Schl\u00e4mme, dabei die D\u00fcbel vor der Verarbeitung in die Schl\u00e4mme tauchen<br \/>\nh)\tAufspritzen des Aisit Spezial-Vorspritzm\u00f6rtels bis ca. 15 mm (Verbrauch 18 kg\/m\u00b2 bei 10 mm Putzdicke), vor Sonne sch\u00fctzen und bei eventueller Hautbildung aufrauen, Standzeit: 7 Tage<br \/>\ni)\tAufbringen von Universalputz, Schwammabrieb, Standzeit: 4 Wochen<br \/>\nAufbau der Beckenkrone:<br \/>\n\u00b7\tAufbau\/Reparatur des Ziegelkerns<br \/>\n\u00b7\tVerputz mit Funcosil Grobzugm\u00f6rtel bis zum ersten (groben) Profilzug<br \/>\n\u00b7\tFeinbearbeitung mit Funcosil Feinzugm\u00f6rtel<br \/>\n\u00b7\tOberfl\u00e4chenbehandlung mit Funcosil Historic Schl\u00e4mmlasur Die Beckenkrone wurde durch eine Dehnungsfuge und eine Horizontalsperre von der Beckenwand getrennt.<br \/>\nDie Abkoppelung des Putzes von der feuchteisolierten Wand entspricht qualitativ den technischen, denkmalpflegerischen und \u00e4sthetischen Vorstellungen voll und ganz. Sie sichert eine langfristige schadensfreie Nutzung unabh\u00e4ngig davon, ob sich noch Haarrisse bilden. An der Beckenkrone bildeten sich erneut quer zur Zugrichtung zahlreiche Haarrisse, allerdings mit geringer Neigung zur Hohllagenbildung. Die Ursachen k\u00f6nnen nicht festgestellt werden. Es wird vermutet, dass die (erforderliche) handwerkliche Bearbeitung zu einer erh\u00f6hten Spannung der Oberfl\u00e4che f\u00fchrt. Zum anderen sind thermische Spannungen durch hohe Sonneneinstrahlung und vermutlich auch Bewegungsspannungen durch den Wasserdruck auf die Beckenw\u00e4nde bisher nicht l\u00f6sbare Probleme einer geputzten Beckenkrone. Die Beckenkrone wird zus\u00e4tzlich mit einer Remmers Funcosil Historic-Schl\u00e4mmlasur vor Witterungseinfl\u00fcssen gesch\u00fctzt. Gleichzeitig wird die automatische Wasserstandsregelung gleichm\u00e4\u00dfiger eingestellt. Die Risse werden kritisch beobachtet und nachgepr\u00fcft.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Dokumentation in der Hericare-Datenbank. Artikel in der Regionalzeitung zur Bewilligungs\u00fcbergabe. St\u00e4ndige Pr\u00e4sentation des Wasserbeckens als Detail des Belvederes in Publikationen, Kulturank\u00fcndigungen, Video-\/Fernsehdokumentation.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt ist mit dem Beschichtungsaufbau der zweiten Restaurierungsphase erfolgreich zum Abschluss gebracht worden. Es wird als Vorbild f\u00fcr weitere Brunnenrestaurierungen vergleichbarer Bauart zur Anwendung empfohlen und angewandt werden. Eine intensive Beratung und Zusammenarbeit mit f\u00fchrenden Marktherstellern und eine im Einzelfall abzuw\u00e4gende Kompromissbereitschaft von Seiten der denkmalpflegerischen und \u00e4sthetischen Anforderungen ist Voraussetzung f\u00fcr eine erfolgreiche Restaurierung. Nach heutigem Erkenntnisstand erf\u00fcllen die angewandten Materialien und Technologien der Fa. Remmers Bauchemie ihre Funktion. Das schlie\u00df nicht aus, dass bei einem Nachnutzungsprojekt erneute und grunds\u00e4tzliche Beratungen zum Stand der Materialentwicklungen stattfinden sollten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam lie\u00df Friedrich Wilhelm IV. als Aussichtsanlage Mitte des 19. Jh. errichten. Im Innenhof befindet sich ein Wasserbecken als Hochbeh\u00e4lter f\u00fcr die Font\u00e4nenanlagen und Bew\u00e4sserung im Neuen Garten, gleichzeitig architektonisches Detail. Das Wasserbecken wird mit Havelwasser gespeist. Die Beckenw\u00e4nde und die Beckensohle bestehen aus [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[59,47,2425,52],"class_list":["post-21183","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-brandenburg","tag-klimaschutz","tag-kulturgueter","tag-umweltforschung"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"16260\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-16260.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"98.168,04","dbu_projektdatenbank_firma":"Stiftung Preu\u00dfische Schl\u00f6sser und G\u00e4rten (SPSG)\nBerlin-Brandenburg","dbu_projektdatenbank_strasse":"Allee nach Sanssouci 5","dbu_projektdatenbank_plz_str":"14471","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Potsdam","dbu_projektdatenbank_p_von":"1999-03-25 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2000-08-01 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr und 4 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0331\/9694-0","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Brandenburg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"61","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21183\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34186,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21183\/revisions\/34186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}