{"id":21139,"date":"2023-07-13T15:19:30","date_gmt":"2023-07-13T13:19:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15979-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:19:32","modified_gmt":"2023-07-13T13:19:32","slug":"15979-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15979-01\/","title":{"rendered":"Realisierung einer innovativen umweltfreundlichen Gro\u00dfdachkonstruktion am zentralen Standort Hermessee der EXPO Hannover"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das aus 10 baugleichen Modulen bestehende Dach bietet einen gro\u00dffl\u00e4chigen Witterungsschutz, der f\u00fcr Messeveranstaltungen einerseits und f\u00fcr die bevorstehende Weltausstellung EXPO 2000 andererseits gew\u00fcnscht wird. Unseres Wissens ist eine \u00dcberdachung in der vorgesehenen fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfigen Ausdeh-nung wie auch in der H\u00f6he als Holzkonstruktion bislang nicht realisiert worden. Mit der Holzkonstruktion selbst wird konstruktives Neuland betreten. Speziell die doppelt gekr\u00fcmmten Gitterschalen (vier Schalen je Schirm) als Brettstapelkonstruktionen sind bisher nur in kleinerer Dimension an Prototypen umgesetzt worden. Die Erfassung der Kr\u00e4fte, der Schnittgr\u00f6\u00dfen und der Spannungs- und Verformungszust\u00e4nde ist extrem anspruchsvoll, weil hier auf Erfahrungen aus konventionellen Bauwerken kaum zur\u00fcckgegriffen werden kann. Das EXPO-Dach, bestehend aus 10 eigenst\u00e4ndigen, gro\u00dfformatigen Schirmen, soll als Erkennungszeichen f\u00fcr die Weltausstellung, aber auch als sichtbares Zeichen der heimischen Holzin-dustrie dienen. Es wird auch nach der Weltausstellung noch mindestens 10 Jahre Bestand haben und w\u00e4hrend zahlreicher Messeveranstaltungen ins Rampenlicht der \u00d6ffentlichkeit treten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNachdem die Grundkonzeption der Architekten vorlag, entstand die Formfindung des Tragwerkes als integraler Entwicklungs- und Planungsvorgang im engen Schulterschluss mit dem Tragwerksplaner, ein integrativer Prozess, bei dem Modellbau, Berechnung, Simulation und Designstudien immer wieder durchlaufen werden mussten, um schlie\u00dflich ein optimiertes Ergebnis zu erhalten.<br \/>\nEs kamen Massivholzst\u00e4mme zum Einsatz (Bockkonstruktionen), die aus den st\u00e4rksten in Deutschland verf\u00fcgbaren Wei\u00dftannenst\u00e4mmen gefertigt wurden. Auch bei der Auswahl der St\u00e4mme wurde Neuland betreten, indem durch Ultraschallmessungen R\u00fcckschl\u00fcsse auf die tats\u00e4chlich vorhandene Festigkeit des individuellen Stammes gewonnen wurden.<br \/>\nWegen der enormen Ausma\u00dfe der einzelnen Bauteile mussten Bockkonstruktionen und Gitterschalen vor Ort gefertigt werden. Als Montageplatz f\u00fcr die konstruktiv anspruchsvollen Gitterschalen (Problem: Konditionierung w\u00e4hrend des Verleimungsprozesses) diente eine Messehalle. Zum Abtransport der Gitterschalen musste eine Fassadenseite ge\u00f6ffnet werden.<br \/>\nAuch mit der Endmontage der einzelnen Komponenten wurde Neuland beschritten. Wesentliche Elemente wurden in einer H\u00f6he bis zu 24 m montiert, wobei die Ausrichtung und Justierung der jeweiligen Unterkonstruktion sehr anspruchsvoll waren.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die materielle Realisierung des gro\u00dfen, sowohl technologisch als auch konstruktiv \u00e4u\u00dferst anspruchsvollen Projektes mit Pionier-Charakter verlangte von den beteiligten Planern und Unternehmen ein H\u00f6chstma\u00df an Einsatz und Flexibilit\u00e4t, um den dem Projekt innewohnenden Unw\u00e4gbarkeiten zu begegnen.<br \/>\nIn der Planungsphase stellte sich heraus, dass die im Stadium der Vorbemessung getroffenen Annahmen und Schlussfolgerungen zum gro\u00dfen Teil unzutreffend waren. Die zutreffenden Randbedingungen mussten zum Teil auf iterativem Wege und damit zeitraubend gewonnen werden. So erbrachten z. B. die Windkanalversuche nicht nur gr\u00f6\u00dfere Schnittkr\u00e4fte sondern insbesondere eine Umkehr des Vorzeichens der Kr\u00e4fte. Im Zuge des Durcharbeitens der Tragwerksplanung ergaben sich dann immer weitere Verst\u00e4rkungen und Ert\u00fcchtigungen f\u00fcr die Konstruktion.<br \/>\nDie enormen Schwierigkeiten in der Planungsphase f\u00fchrten dazu, dass der Ausf\u00fchrungsbeginn sich immer weiter hinausz\u00f6gerte. So konnte mit dem Bau der Gitterschalen, der eigentlich im Sommer 1999 vorgesehen war, erst im November begonnen werden. Um die Leimarbeiten an den Gitterschalen \u00fcberhaupt erst zu erm\u00f6glichen, mussten diese Arbeiten in eine warme Messehalle verlagert werden. Um die Fertigstellung des Bauwerks bis zur Weltausstellung im Jahr 2000 realisieren zu k\u00f6nnen, war man gezwungen, den Gleichzeitigkeitsfaktor f\u00fcr den Bau der Komponenten enorm zu erh\u00f6hen. F\u00fcr den Bau der Gitterschalen wurden statt der urspr\u00fcnglich vorgesehenen 2 nun 7 Lehrger\u00fcste gebaut. Auf diesen Lehrger\u00fcsten waren 21 Mannschaften 7 Tage in der Woche in 3 Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Nur so konnte das gesteckte Terminziel erreicht werden, obwohl die Arbeiten wegen der CeBit und der Industriemesse im Fr\u00fchjahr 2000 f\u00fcr 5 Wochen vollst\u00e4ndig eingestellt werden mussten.<br \/>\nSpeziell f\u00fcr den Bau der Gitterschalen war es erforderlich, Fachkr\u00e4fte aus vielen mittelst\u00e4ndischen holzbearbeitenden Betrieben, m\u00f6glichst aus der Umgebung, zusammenzuziehen und so zu steuern, dass der Bau von insgesamt 40 Gitterschalen weitgehend reibungslos ablaufen konnte. Es sei erw\u00e4hnt, dass die einzelnen Arbeitsg\u00e4nge beim Bau der Gitterschalen sehr arbeitsintensiv und damit zeitaufwendig waren. Es mussten bis zu 11 Lagen Brettholz \u00fcbereinander kreuzweise zusammengef\u00fcgt und durch Leimen und Verschrauben miteinander verbunden werden. Obwohl die Form der Gitterschalen durch die Lehren und die Randelemente vorgegeben war, erforderte es gro\u00dfes handwerkliches Geschick, die Brettlagen und die anderen Komponenten in die h\u00f6chst komplizierten geometrischen Formen zu zwingen.<br \/>\nGegen Ende der Bauzeit konnten die letzten Gitterschalen in nur 8 Tagen komplett fertiggestellt werden. Es hat sich gezeigt, dass mittelst\u00e4ndische holzverarbeitende Familienbetriebe durchaus in der Lage sind, auch neuartige, ambitionierte und revolution\u00e4re Gro\u00dfbauten gemeinsam unter Einsatz des letzten Standes der Technik zu realisieren, sofern eine sinnvolle Koordination und Arbeitsteilung vorgenommen wird.<br \/>\nDas EXPO-Dach hat bereits w\u00e4hrend der Weltausstellung EXPO 2000 als Symbol gedient und einen hohen Multiplikationseffekt ausgel\u00f6st. Dieser wird sich f\u00fcr mindestens weitere 10 Jahre w\u00e4hrend zahlreicher Messeveranstaltungen fortsetzen. Das fertige Bauwerk zeigt, dass die zun\u00e4chst untersch\u00e4tzten Schwierigkeiten bei der Realisierung durch erh\u00f6hte Anstrengungen und Flexibilit\u00e4t in der Planung, vor allem aber durch das Beschreiten neuer Wege in der handwerklichen Fertigung gemeistert werden konnten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde in der Planungs- und Bauphase in zwei Pressekonferenzen der \u00d6ffentlichkeit vorgestellt, zun\u00e4chst im Schwarzwald, bezogen auf die Unterkonstruktion, und sp\u00e4ter im Rahmen der LIGNA am 10.05.99 auf dem Gel\u00e4nde der Deutschen Messe AG. K\u00fcrzlich ist unter dem Titel EXPO-Dach Symbolbauwerk zur Weltausstellung Hannover 2000 eine Dokumentation erschienen. Herausgeber: Prof. Thomas Herzog, Prestel-Verlag, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zum Zeitpunkt der Entscheidung f\u00fcr den Bau des EXPO-Daches waren sich die Beteiligten \u00fcber den wahren Schwierigkeitsgrad dieser innovativen Konstruktion nicht im Klaren. Aus heutiger Sicht h\u00e4tte die Entscheidung damals durchaus negativ ausfallen k\u00f6nnen. Dennoch sind sich alle Beteiligten heute darin einig, dass das EXPO-Dach als Holzbauwerk mit Pionier-Charakter einen Symbolwert f\u00fcr die Leistungsf\u00e4higkeit insbesondere der deutschen Holzbau Industrie entwickeln wird.<br \/>\nDas EXPO-Dach besticht vordergr\u00fcndig durch \u00e4sthetische Aspekte. Der Wert des Bauwerks als konstruktiv bahnbrechendes und \u00f6kologisch ausgewogenes Holzbauwerk erschlie\u00dft sich dem fachlich interessierten Betrachter erst beim Vergleich der Dimensionen und Proportionen mit anderen gro\u00dfen Holzbauwerken sowie beim Betrachten von Details. Das EXPO-Dach zeigt die Grenzen dessen an, was heute im konstruktiven Holzbau machbar ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das aus 10 baugleichen Modulen bestehende Dach bietet einen gro\u00dffl\u00e4chigen Witterungsschutz, der f\u00fcr Messeveranstaltungen einerseits und f\u00fcr die bevorstehende Weltausstellung EXPO 2000 andererseits gew\u00fcnscht wird. Unseres Wissens ist eine \u00dcberdachung in der vorgesehenen fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfigen Ausdeh-nung wie auch in der H\u00f6he als Holzkonstruktion bislang nicht realisiert worden. Mit der Holzkonstruktion selbst [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[47,64,51,52,53],"class_list":["post-21139","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-klimaschutz","tag-niedersachsen","tag-ressourcenschonung","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"15979\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"Innovationen f\u00fcr die Umwelt - Das EXPO-Dach","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-15979.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"1.533.875,64","dbu_projektdatenbank_firma":"Deutsche Messe AG","dbu_projektdatenbank_strasse":"Messegel\u00e4nde","dbu_projektdatenbank_plz_str":"30521","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Hannover","dbu_projektdatenbank_p_von":"1999-03-26 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2000-09-26 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr und 6 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0511\/893-2000","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Niedersachsen","dbu_projektdatenbank_foerderber":"33","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21139\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34142,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21139\/revisions\/34142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}