{"id":21116,"date":"2023-07-13T15:19:26","date_gmt":"2023-07-13T13:19:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15864-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:19:26","modified_gmt":"2023-07-13T13:19:26","slug":"15864-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15864-01\/","title":{"rendered":"Untersuchung der M\u00f6glichkeiten der Anwendung und Effektivit\u00e4t verschiedener akustischer Scheucheinrichtungen zum Schutz der Fischfauna vor Turbinensch\u00e4den"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Forschungen und realisierte Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Durchg\u00e4ngigkeit von Flie\u00dfgew\u00e4ssern befassten sich bisher fast ausschlie\u00dflich mit der stromaufw\u00e4rts gerichteten Wanderung im Flie\u00dfgew\u00e4sser. Dagegen sind effektive Anlagen f\u00fcr einen sicheren Fischabstieg bislang nicht in Anwendung. Mechanische und elektrische Scheuchanlagen erwiesen sich als nicht wirksam. Ziel des Projektes ist die Untersuchung von Anwendungsm\u00f6glichkeiten und Effektivit\u00e4tskriterien akustischer Fischscheuchanlagen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf Grund der unterschiedlichen L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr die Scheuchung von Fischen durch akustische Reize werden drei Projektteile gebildet:<br \/>\nTeil 1 &#8211; Hochfrequenztechnik,<br \/>\nTeil 2 &#8211; Niederfrequenztechnik,<br \/>\nTeil 3 &#8211; Kombination von Druck- und Schallwellen (Knallgas- Scheuchanlage).<br \/>\nIm Teilprojekt 1 werden f\u00fcr die in Deutschland vorkommenden zwei Fischarten der Gattung Alosa ausgehend von der historischen und der zu erwartenden Artenverbreitung die in den betreffenden Gew\u00e4sserabschnitten vorkommenden Querbauwerke ermittelt. In der Auswertung bez\u00fcglich vorhandener Wasserkraftnutzung kann das Anwendungspotential der Hochfrequenztechnik aufgezeigt werden.<br \/>\nDas Teilprojekt 2 beginnt mit Voruntersuchungen zum Verhalten verschiedener Fischarten bei Einwirkung niederfrequenter T\u00f6ne. Ziel dieser Voruntersuchungen unter Laborbedingungen ist die Analyse des Frequenzbereichs, der Impulsdauer und der Impulsabst\u00e4nde f\u00fcr einen bestm\u00f6glichen Scheucheffekt. Die Untersuchungen werden an einem Praxisbeispiel (Wasserkraftanlage J\u00e4gersdorf\/Saale) fortgesetzt und die Effektivit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcft. Die Erfassung der Scheuchwirkung soll durch Reusenf\u00e4nge erfolgen. Korrelationen zum Abwanderungsverhalten der Fische sollen mit der Messung von abiotischen Parametern (Wassertemperatur, pH- Wert, Leitf\u00e4higkeit, Sauerstoffgehalt) gest\u00fctzt werden.<br \/>\nTeilprojekt 3 beinhaltet zun\u00e4chst die \u00dcberpr\u00fcfung der Wirkungsweise einer in Baden-W\u00fcrttemberg installierten Knallgas-Scheuchanlage. In Abh\u00e4ngigkeit von der dann gepr\u00fcften Effizienz solcher Anlagen kann eine eigenst\u00e4ndige Untersuchung an der Wasserkraftanlage J\u00e4gersdorf\/Saale folgen. Die Effektivit\u00e4t von Niederfrequenztechnik (Teilprojekt 2) und Knallgas-Scheuchanlage wird somit direkt vergleichbar.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In der Studie des Teilprojektes 1 wurde das historische Verbreitungsgebiet der beiden Heringsfischarten Maifisch und Finte in Deutschland erfasst. Die wichtigsten Laichgebiete befanden sich in den Schifffahrtsstra\u00dfen, wo derzeit 135 Querbauwerke mit 109 Wasserkraftanlagen existieren. Die in den USA patentierte Hochfrequenztechnik FishStartle\u00ae k\u00f6nnte an diesen Standorten eingesetzt werden, um diese Fischarten beim Abstieg von den Turbineneinlaufbereichen fernzuhalten. Zuvor muss die Wirksamkeit dieser Technik an den beiden einheimischen Arten untersucht werden.<br \/>\nEigene Untersuchungen erfolgten im Teilprojekt 2 zur Erforschung der Effizienz niederfrequenter Scheuchreize an 7 repr\u00e4sentativen einheimischen Fischarten aus 5 Familien unter Laborbedingungen. Der Frequenzbereich zwischen 100 und 600 Hz bei maximal m\u00f6glichem Schalldruckpegel von 160 dB war am wirksamsten, wobei die Arten unterschiedlich stark reagierten. Die geringsten Verhaltens\u00e4nderungen zeigten die Karpfenfische (Cypriniden). Die Aale zeigten ein temperaturabh\u00e4ngiges Verhalten. Bei niedrigen Temperaturen war das Reaktionsverm\u00f6gen herabgesetzt. Bei der Bachforelle zeigten vorwiegend die kleinen Individuen deutliche Schreckreaktionen. Nach den Laboruntersuchungen kam die niederfrequente elektroakustische Scheuchanlage (NES) an der Wasserkraftanlage J\u00e4gersdorf an der Saale zum Einsatz. Nur an drei der 19 gefangenen Fischarten wurde tendenziell eine Wirksamkeit der NES festgestellt. Diese konnte an den betroffenen Arten Bachforelle, \u00c4sche und Schleie nicht statistisch abgesichert werden, da der gesamte Fischabstieg im Verlauf der Untersuchungen stark zur\u00fcckging. Wichtige Abh\u00e4ngigkeiten der Fischabwanderung von abiotischen Faktoren wurden aufgezeigt. Der Fischabstieg erfolgte vorwiegend nachts, verst\u00e4rkt in dunklen Phasen der N\u00e4chte (ohne Mondschein, bzw. bei starker Bew\u00f6lkung). Auch geringe Sichttiefen beg\u00fcnstigten die Abwanderung. Vorwiegend die kleinen Tiere unter 10 cm Gesamtl\u00e4nge zogen flussabw\u00e4rts. Diese werden durch die in Th\u00fcringen vor Turbinen vorgeschriebenen Rechen mit 20 mm Stababstand nicht gesch\u00fctzt. Gr\u00fcndlinge und Bachforellen fanden im Vergleich zu den anderen Arten \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig die Fischwanderhilfe f\u00fcr den Abstieg. Ausschlie\u00dflich gro\u00dfe Forellen \u00fcber 15 cm wurden in der entsprechenden Reuse gefangen. Es konnte nicht gekl\u00e4rt werden, ob daf\u00fcr eine spezielle Orientierungsleistung erbracht wurde.<br \/>\nDie im Teilprojekt 3 vorgesehenen vergleichenden Untersuchungen mit einer Knallgasscheuchanlage konnten nicht durchgef\u00fchrt werden, da diese Technik entgegen entsprechender Vereinbarungen mit dem Anlagenentwickler und -betreiber aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht zur Verf\u00fcgung gestellt werden konnte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00b7\tProjektpr\u00e4sentation auf der Hannover-Messe &#8211; Industrie 2001 vom 23.04.-28.04.2001 am Gemeinschaftsstand Forschungsland Th\u00fcringen.<br \/>\n\u00b7\tBeitrag zur internationalen Tagung Bioacoustics of Fishes: Sensory, Biology, Behavior, and Practical Applications; Chicago, IL &#8211; May 30-June 2, 2001 und anschlie\u00dfende Ver\u00f6ffentlichung im Journal BI-OACOUSTICS: SCHMALZ, W.; SIEGESMUND, M.; TH\u00dcRMER, K.; KRANAWETTREISER, J.; HACK, H.-P. (in press): A new method to investigate the downstream migration of fishes within a power plant area in a Middle European river &#8211; a possibility to evaluate the effectiveness of behaviour barriers.<br \/>\n\u00b7\tZeitungsartikel in der regionalen Presse. Der erste Artikel erschien am 30. Juni 2001 zu Beginn der Freilandarbeit und der zweite zum Ende des Projektes am 02.04.2002 in der Ostth\u00fcringer Zeitung (OTZ).<br \/>\n\u00b7\tVortrag \u00fcber Ergebnisse der Laborversuche zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Limnologie (DGL) 2001 (17.-21. September 2001). Eine Ver\u00f6ffentlichung des Vortragsinhaltes erfolgt im Tagungsband: SCHMALZ, W.; SIEGESMUND, M.; HACK H.-P. (2002): Untersuchungen der Wirksamkeit akustischer Signale an ausgew\u00e4hlten Fischarten zum Schutz der Fischfauna vor Turbinensch\u00e4den. &#8211; Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Limnologie (DGL). &#8211; Tagungsbericht 2001 (Kiel), Tutzing 2002.<br \/>\n\u00b7\tArtikel im Winterbogen 2002, dem Journal der Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar: Zum Schutz der Fischfauna vor turbinenbedingten Sch\u00e4den. &#8211; Forschungsprojekt steht kurz vor dem Abschluss<br \/>\n\u00b7\tWeitere Ver\u00f6ffentlichungen sind unter anderem bez\u00fcglich des Abwanderungsverhaltens der Fische in Vorbereitung (z. B. Wasser und Abfall).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die niederfrequente Scheuchanlage zeigte keine ausreichende Wirkung, so dass weiterhin an keinem Wasserkraftanlagenstandort in Deutschland voll funktionsf\u00e4hige Fischscheuchanlagen existieren. Es ist weiterer Forschungsbedarf gegeben, um die NES zu verbessern, die Fischsch\u00e4den an Kleinwasserkraftanlagen zu untersuchen und weitere Daten zur Biologie und den Mechanismen des Fischabstiegs zu erfassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Forschungen und realisierte Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Durchg\u00e4ngigkeit von Flie\u00dfgew\u00e4ssern befassten sich bisher fast ausschlie\u00dflich mit der stromaufw\u00e4rts gerichteten Wanderung im Flie\u00dfgew\u00e4sser. Dagegen sind effektive Anlagen f\u00fcr einen sicheren Fischabstieg bislang nicht in Anwendung. Mechanische und elektrische Scheuchanlagen erwiesen sich als nicht wirksam. 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