{"id":21114,"date":"2025-04-10T10:32:13","date_gmt":"2025-04-10T08:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15851-01\/"},"modified":"2025-04-10T10:32:13","modified_gmt":"2025-04-10T08:32:13","slug":"15851-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15851-01\/","title":{"rendered":"Erarbeitung von modellhaften Aufbewahrungsbedingungen und Restaurierungsmethoden f\u00fcr stark umweltgef\u00e4hrdete arch\u00e4ologische Gl\u00e4ser national bedeutender Sammlungen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel dieses Vorhabens war die Erarbeitung von modellhaften Aufbewahrungsbedingungen und Restaurierungsmethoden f\u00fcr stark umweltgef\u00e4hrdete arch\u00e4ologische Gl\u00e4ser. Die praxisrelevanten Fragen wurden von Restauratoren des R\u00f6misch-Germanischen Museums in K\u00f6ln und des Landesdenkmalamtes in Stuttgart formuliert. Die naturwissenschaftlichen Untersuchungen wurden am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Silicatforschung ISC durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Arbeitsprogramm gliederte sich in vier wichtige Teilschritte:<br \/>\n1.\tAnalyse von Originalgl\u00e4sern verschiedener Perioden (chemische Zusammensetzung, Schadensbilder)<br \/>\n2.\tHerstellung von Modellproben (Herstellung vorgesch\u00e4digter Gl\u00e4ser)<br \/>\n3.\tOptimierung von Aufbewahrungsbedingungen (Bewertung der Umweltbedingungen in Depotr\u00e4umen und Vitrinen und deren Auswirkung auf vorgesch\u00e4digte Gl\u00e4ser)<br \/>\n4.\tBewertung von Reinigungsmethoden und Konservierungsmaterialien (Klebstoffe, Festigungsmittel, Erg\u00e4nzungsmaterialien).<br \/>\nAu\u00dferdem enthielt das Arbeitsprogramm: Organisation eines Kolloquiums, einer \u00f6ffentlichen Abschlussveranstaltung sowie die Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Durch die Zeit, die antike Gl\u00e4ser im Boden verbracht haben, wurden sie zwar vor der vollst\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung bewahrt, aber dennoch sind die Fundst\u00fccke durch die Einfl\u00fcsse der Bodenlagerung auf verschiedene Arten gesch\u00e4digt und teilweise stark korrodiert.<br \/>\nArch\u00e4ologische Glasfunde zeigen komplexe, andersgeartete und zum Teil weitreichendere Sch\u00e4digungen als beispielsweise mittelalterliches Fensterglas (Kirchenfenster). So k\u00f6nnen lamellenartige Korrosionsph\u00e4nomene auftreten oder die Glassubstanz bis zum Kern durchkorrodiert sein. An den ausgew\u00e4hlten Originalproben konnten neue Einblicke in die Struktur der Oberfl\u00e4che und in die Morphologie von Verwitterungsschichten gewonnen werden.<br \/>\nSchadensbilder arch\u00e4ologischer Gl\u00e4ser sind so vielf\u00e4ltig, dass sie keinen systematischen Ansatz zulassen, der aufzeigen k\u00f6nnte, welche Bodenbedingungen oder welche Glasparameter zu bestimmten Sch\u00e4den f\u00fchren. Im Labor k\u00f6nnen komplexe Vorg\u00e4nge hingegen vereinfacht werden. F\u00fcr das Versuchsprogramm wurden verschiedene Modellgl\u00e4ser, Bodentypen und Additive ausgew\u00e4hlt. Trotz der zahlreichen Versuche kann dies nur als ein Ausschnitt der Realbindungen betrachtet werden.<br \/>\nGeringe Unterschiede im pH-Wert des Bodens k\u00f6nnen zu einer \u00c4nderung des Verwitterungsmechanismus f\u00fchren und damit v\u00f6llig ver\u00e4nderte Schadensbilder erzeugen. Au\u00dferdem f\u00fchren kleine \u00c4nderungen in der Zusammensetzung der Gl\u00e4ser wiederum zu anderen Schadensbildern. Dies erkl\u00e4rt, dass bei Grabungen selbst im gleichen Fundkomplex Gl\u00e4ser mit sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand aufgefunden werden. Dies erkl\u00e4rt auch, dass manchmal sogar auf dem gleichen Fragment kaum bewitterte Teile bzw. stark verwitterte Stellen nebeneinander dokumentiert werden.<br \/>\nEin weiterer interessanter Aspekt, den man nur im Laborversuch verfolgen kann, ist die Entwicklung der Schadensbilder mit der Zeit. Es gibt Gl\u00e4ser, die sich innerhalb weniger Monate im Boden stabilisieren, indem sie eine ausgelaugte Verwitterungsschicht mit Kruste aufbauen. F\u00fcr andere Modellgl\u00e4ser wurde gezeigt, dass sie sich kontinuierlich absch\u00e4len und immer d\u00fcnner werden.<br \/>\nInsbesondere der Zeitraum direkt nach der Bergung ist kritisch f\u00fcr das Glas. Durch die \u00c4nderung des umgebenden Milieus kann sich innerhalb von Stunden das Schadensbild durch die St\u00f6rung des Feuchtehaushalts drastisch verschlechtern. Weitere Ver\u00e4nderungen sind auch bei der Aufbewahrung der Objekte in den Ausstellungsr\u00e4umen von Museen oder in Magazinen m\u00f6glich.<br \/>\nAn Frischfunden konnten gezeigt werden, dass Abplatzungen innerhalb weniger Wochen auftreten, vor allem wenn die relative Feuchte unter 50 % sinkt. Zu feuchte Bedingungen (\u00fcber 70 %) f\u00fchren allerdings zu einem Korrosionsfortschritt an empfindlichen Gl\u00e4sern.<br \/>\nAuch wenn die untersuchten Frischfunde keinen repr\u00e4sentativen Querschnitt bieten, so soll doch erw\u00e4hnt werden, dass nur 2 von 10 Proben empfindlich reagierten. Gl\u00e4ser ohne oder mit d\u00fcnner Verwitterungsschicht sind relativ stabil und unkritisch bei der Erstbehandlung.<br \/>\nAuch bei der Reinigung und Konservierung muss zwischen wenig \/ kaum gesch\u00e4digten und stark gesch\u00e4digten Gl\u00e4sern unterschieden werden.Versuche an Modellgl\u00e4sern haben gezeigt, dass eine Behandlung mit S\u00e4uren zwar zu einer Aufhellung von Gl\u00e4sern, aber auch zu gravierenden Sch\u00e4den f\u00fchrt. Ein drastischer Abtrag der Oberfl\u00e4che ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr empfindliche Gl\u00e4ser, auch bei Anwendung mechanischer Methoden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Aus diesem Projekt sind bisher 12 Ver\u00f6ffentlichungen und 17 Tagungsbeitr\u00e4ge hervorgegangen. Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Kolloquiums vom 24. &#8211; 25.07.2003 in K\u00f6ln einer breiten \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt Arch\u00e4ologisches Glas widmete sich 3 Jahre lang der Bewertung von Reinigungsmethoden, von Konservierungsmaterialien und von Aufbewahrungsbedingungen f\u00fcr Glasobjekte. Zum ersten Mal wurden in Deutschland in interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern, Arch\u00e4ologen und Restauratoren die einzelnen Schritte von der Ausgrabung bis hin zur Ausstellung von Gl\u00e4sern untersucht. Neue L\u00f6sungswege im Umgang mit diesen empfindlichen Objekten k\u00f6nnen jetzt aufgezeigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel dieses Vorhabens war die Erarbeitung von modellhaften Aufbewahrungsbedingungen und Restaurierungsmethoden f\u00fcr stark umweltgef\u00e4hrdete arch\u00e4ologische Gl\u00e4ser. Die praxisrelevanten Fragen wurden von Restauratoren des R\u00f6misch-Germanischen Museums in K\u00f6ln und des Landesdenkmalamtes in Stuttgart formuliert. Die naturwissenschaftlichen Untersuchungen wurden am Fraunhofer-Institut f\u00fcr Silicatforschung ISC durchgef\u00fchrt. 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