{"id":21100,"date":"2024-11-27T10:34:57","date_gmt":"2024-11-27T09:34:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15813-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:35:00","modified_gmt":"2024-11-27T09:35:00","slug":"15813-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15813-01\/","title":{"rendered":"Eingriffsregelung und Landwirtschaft &#8211; Weiterentwicklung des naturschutzrechtlichen Planungsinstruments durch flexible Modelle zur Honorierung kompensationswirksamer Naturschutzleistungen durch die Landwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass des Projektes sind Fl\u00e4chennutzungskonflikte mit landwirtschaftlichen Betrieben, die durch die heutige Praxis der Eingriffsregelung hervorgerufenen werden. Ziel ist es von einer Konkurrenzsituation um Fl\u00e4chen zu kooperativen L\u00f6sungsans\u00e4tzen im Sinne der Eingriffsregelung zu kommen. Im Zentrum der Untersuchung stehen folgende Fragen: inwieweit k\u00f6nnen landwirtschaftliche Betriebe \u00f6kologische Aufwertungen durchf\u00fchren, die als Kompensationsleistungen anrechenbar sind, welche Ma\u00dfnahmen sind daf\u00fcr geeignet und wie lassen sich diese in die Produktion integrieren. Bislang fehlen operationale Instrumente und konkrete Handlungsanleitungen f\u00fcr die praktische Umsetzung von Kompensations-ma\u00dfnahmen in landwirtschaftlichen Betrieben.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs werden zun\u00e4chst organisatorische, agrarpolitische und rechtliche Aspekte betrachtet, die eine Teilnahme von Landwirten an Kompensationsma\u00dfnahmen beeinflussen. Um die konkreten Umsetzungsm\u00f6glichkeiten vor Ort auszuloten, werden in zwei Beispielregionen kompensationswillige landwirtschaftliche Betriebe n\u00e4her untersucht. Es werden schwerpunktm\u00e4\u00dfig in die landwirtschaftliche Produktion integrierte Ma\u00dfnahmen betrachtet. Entsprechend der Entwicklungsziele konzentrieren sich die Kompensa-tionsma\u00dfnahmen vor allem auf die Umwandlung von Acker in Gr\u00fcnland und die Gr\u00fcnlandextensivierung. Zur Bestimmung der \u00f6kologischen Aufwertung von Agrarfl\u00e4chen bei einer Anpassung der Produktion wurde im Rahmen dieses Vorhabens das \u00f6kologische Bewertungsmodell \u00d6Q-LAB entwickelt, das die landwirtschaftlichen Produktionsverfahren bewertet. Mit Hilfe ausgew\u00e4hlter Indikatoren werden den Schutzg\u00fctern Boden, Grundwasser, Flora und Fauna \u00f6kologische Wertpunkte zugewiesen. Der kom-pensatorische Wertgewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen dem vorgefundenen Ist-Zustand und dem \u00f6kologischen Zustand bei Durchf\u00fchrung produktionsintegrierter Kompensationsma\u00dfnahmen. \u00dcber die \u00f6kologischen Wertpunkte ist eine unmittelbare Verkopplung mit dem \u00f6konomisch-\u00f6kologischen Betriebsmodell MODAM m\u00f6glich. Dieses problemangepasste rechnergest\u00fctzte Modell erlaubt die Integration von Kompensationserfordernissen in die \u00f6konomische Entscheidung der Betriebe sowie die Quantifizierung der finanziellen Folgen (Deckungsbeitragsverluste) bei ge\u00e4nderter Landnutzung. F\u00fcr die Beispielbetriebe erfolgt die exemplarische Anwendung der entwickelten Methodik.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Vorteile einer produktionsintegrierten Kompensation sind zum einen die dauerhafte Sicherung von Fl\u00e4chen des Naturschutzes innerhalb der landwirtschaftlichen Produktion, zum anderen die ausschlie\u00dfliche Verwendung von Mitteln der Eingriffsregelung zur Naturaufwertung, sofern die Fl\u00e4chen im Besitz der Landwirtschaft verbleiben. Die M\u00f6glichkeiten der Integration von Kompensationsma\u00dfnahmen sind zum einen abh\u00e4ngig von der Betriebsstruktur zum anderen spielen die pers\u00f6nliche Motivation des Betriebsleiters, die regionalen und agrarpolitischen Rahmenbedingungen und die angestrebten Ziele des Naturschutzes eine wichtige Rolle. Des Weiteren sind rechtliche Unterschiede zwischen der naturschutzfachlichen Eingriffsregelung nach BNatSchG und der st\u00e4dtebaulichen Eingriffsregelung nach BauGB, z. B. bez\u00fcglich der Kostentragungspflicht und der Sicherungsm\u00f6glichkeiten, sowie die Eigentumssituation zu ber\u00fccksichtigten.<br \/>\nDie gew\u00e4hlte Methodik erlaubt es sowohl bei der \u00f6kologischen Bewertung als auch im Betriebsmodell regionale und betriebsspezifische Besonderheiten zu ber\u00fccksichtigen. Das \u00f6kologische Bewertungsver-fahren \u00d6Q-LAB erm\u00f6glicht die Bewertung produktionsintegrierter Ma\u00dfnahmen auf Gr\u00fcnland und Ackerland, die mit den herk\u00f6mmlichen Verfahren schwer fass- und messbar sind. Mit Hilfe des \u00f6kologisch-\u00f6konomischen Betriebsmodells MODAM wurde eine Grundlage geschaffen, um die gesamtbetriebliche \u00f6kologische Aufwertung, daf\u00fcr notwendige betriebliche Anpassungen und die finanziellen Folgen zu ermitteln. Mit MODAM k\u00f6nnen zum einen im Sinne des funktionalen Ausgleichs die notwendigen Aufwertungserfordernisse bei den einzelnen Umweltmedien vorgegeben werden und zum anderen k\u00f6nnen bestimmte Produktionsumstellungen (z. B. Gr\u00fcnlandextensivierungen) vorgenommen werden. Das Modell ermittelt dann in einem konsistenten Rahmen die kostenminimalste Anpassung der gesamten Betriebsorganisation, (z. B. Anpassung der Tierhaltung) den gesamten \u00f6kologischen Aufwertungseffekt (Wertpunkte) sowie die finanziellen Konsequenzen f\u00fcr den Betriebserfolg (Mindestausgleichsbetrag). Auf diese Weise ist es m\u00f6glich f\u00fcr aus Eingriffen abgeleitete notwendige Aufwertungen, die kosteng\u00fcnstigste Alternative sowohl im Vergleich mehrerer Betriebe als auch f\u00fcr unterschiedliche Fl\u00e4chen zu bestimmen. Die in diesem Vorhaben getesteten Modellans\u00e4tze stellen lediglich eine Entscheidungshilfe dar und k\u00f6n-nen Gespr\u00e4che und Verhandlungen mit Landwirten unterst\u00fctzen und begleiten, nicht jedoch ersetzen. Da es sich bei der vorliegenden Modellversion um einen Prototypen handelt, der f\u00fcr die Zwecke dieses Vorhabens entwickelt wurde, ist eine weitergehende EDV technische Aufbereitung und Operationalisierung f\u00fcr die Zug\u00e4nglichkeit einer breiteren Anwenderschaft erforderlich.<br \/>\nAnhand der beiden Beispielregionen konnte gezeigt werden, dass aufgrund der deutlichen Unterschiede bei den \u00f6kologischen und agrarstrukturellen Verh\u00e4ltnissen die Kosten f\u00fcr produktionsintegrierte Ma\u00dfnahmen stark differieren. Entsprechend f\u00fchren gleiche \u00f6kologische Anforderungen an die landwirtschaft-liche Produktion zu unterschiedlichen finanziellen Einbu\u00dfen bei den Betrieben und somit zu Ausgleichszahlungen in unterschiedlicher H\u00f6he. Generell konnte gezeigt werden, das mit steigendem Umfang f\u00fcr Kompensationsma\u00dfnahmen auf vorgegebenen Fl\u00e4chen, die Kosten infolge immer st\u00e4rkerer Betriebsumstellungen \u00fcberproportional ansteigen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit umfasst sowohl die Darstellung der laufenden Arbeiten im Projektablauf als auch verschiedene erg\u00e4nzende Aktivit\u00e4ten. So haben drei Expertengespr\u00e4che (am 06.12.2000 in Potsdam, am 04.10.2001 in Hannover und die Abschlussveranstaltung am 29.04.03 in Osnabr\u00fcck) stattge-funden. Erg\u00e4nzend wurden im September 2000 anl\u00e4sslich eines Seminars des BfN in Leipzig, erste Er-fahrungen aus dem Projekt referiert. In einem Kurzvortrag im Rahmen der Statuskonferenz Fl\u00e4chen- und Ma\u00dfnahmenpools am 16.09.2002 in Berlin fanden bis dahin vorliegende Projektergebnisse Ber\u00fcck-sichtigung. Mit Unterst\u00fctzung der Edmund-Rehwinkel-Stiftung der landwirtschaftlichen Rentenbank wurden die Thematik Kompensation mit der Landwirtschaft auf Bundesl\u00e4nderebene untersucht, eine Ex-pertentagung zu organisatorischen, rechtlichen und \u00f6konomischen M\u00f6glichkeiten und Problemen durch-gef\u00fchrt und ein schriftlicher Beitrag verfasst. Die Ergebnisse wurden bei einem abschlie\u00dfenden Sympo-sium in Frankfurt a. M. einer landwirtschaftlich orientierten \u00d6ffentlichkeit vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Neben den klassischen Kompensationsma\u00dfnahmen, meist verkn\u00fcpft mit Fl\u00e4chenkauf, bieten sich produktionsintegrierte Kompensationsma\u00dfnahmen mit der Landwirtschaft als Alternative an. Dabei gilt es jedoch gewisse Mindestanforderungen zu beachten, so die Wahrung des funktionalen Bezugs zum Eingriff, die Gew\u00e4hrleistung einer langfristigen Sicherung und eine im Gel\u00e4nde erkennbare Aufwertung. Der Einsatz des \u00f6konomisch-\u00f6kologischen Betriebsmodells bietet sich insbesondere bei geplanten umfangreichen Kompensationsma\u00dfnahmen unter Beteiligung der Landwirtschaft als Beratungsinstrument an, da m\u00f6gliche Alternativen untersucht werden und die Modellergebnisse zur Objektivierung der Diskussion zwischen Landwirtschaft, Vorhabenstr\u00e4ger und Naturschutz beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass des Projektes sind Fl\u00e4chennutzungskonflikte mit landwirtschaftlichen Betrieben, die durch die heutige Praxis der Eingriffsregelung hervorgerufenen werden. Ziel ist es von einer Konkurrenzsituation um Fl\u00e4chen zu kooperativen L\u00f6sungsans\u00e4tzen im Sinne der Eingriffsregelung zu kommen. 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