{"id":21091,"date":"2024-11-27T10:34:57","date_gmt":"2024-11-27T09:34:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15725-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:59","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:59","slug":"15725-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15725-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Konservierung und Applikation von innovativen Konservierungsmitteln an den umweltgesch\u00e4digten Grabsteinen des Friedhofes Dresden-Loschwitz (Sachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Ziel ist es, die Einheit von Kirche und Kirchhof wieder erlebbar zu machen und dabei den Bestand zu sichern. Das dahinter stehende wissenschaftliche Konzept verfolgt einerseits den modellhaften Einsatz im Umgang mit neu entwickelten Konservierungsmitteln am Cottaer Sandstein und andererseits ein geschlossenes Konzept bei dem alle Mitwirkenden zu einer grundlegenden L\u00f6sung der Instandsetzung eines Kirchhofes beitragen. In konservatorischer Hinsicht ist der Cottaer Sandstein \u00e4u\u00dferst problematisch, da es wegen der in die quarzitische Substanz eingelagerter Tonminerale bei Durchfeuchtung zu starken Quellprozessen kommt. Diese hygrischen Dehnungen beschleunigen einerseits die Verwitterungsprozesse und erschweren andererseits restauratorische Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZur Verbesserung der genannten Probleme liegen erste Ergebnisse zu neuen Produkten vor, die auch f\u00fcr den Cottaer Sandstein vielversprechend zu sein scheinen.<br \/>\nZum einen handelt es sich um ein sogenanntes Antihygro-Produkt, das nach Tr\u00e4nkung die Quellf\u00e4hig-keit eingelagerter Tonminerale erheblich reduziert. Dadurch k\u00f6nnen vermutlich bessere Eindringtiefen bei der Tr\u00e4nkung erreicht werden und nach der Festigung werden insgesamt deutlich geringere Dehnungen des Steins bei Durchfeuchtung auftreten, so dass eine bessere Haltbarkeit der gefestigten Substanz gegeben ist.<br \/>\nAndererseits werden elastifizierte Kiesels\u00e4ureethylester zur Konservierung angeboten, die einen geringeren E-Modul aufweisen und dadurch dehnf\u00e4higer sind, ohne dass die Kornanbindung sofort wieder aufbricht. Die genannten Produkte k\u00f6nnten an den Grabmalen des Loschwitzer Kirchhofes beispielhaft f\u00fcr den Cottaer Sandstein in der praktischen Anwendung durch einen Restaurator getestet und durch gezielte wissenschaftliche Untersuchungen bez\u00fcglich ihres Effektes beurteilt werden. Durch die Herstellerfirma wurde ebenfalls eine fachliche Unterst\u00fctzung zugesichert.<br \/>\nIn einer ersten Phase werden die Epitaphe getrocknet und entsalzt, daraufhin kommen die oben erw\u00e4hnten Mittel zum Einsatz. In der zweiten Phase werden die Epitaphe wieder am urspr\u00fcnglichen Standort aufgestellt und in Zeitabschnitten werden Untersuchungen zu Quellverhalten und anderen Ver\u00e4nderungen am Sandstein durchgef\u00fchrt. In der dritten Phase werden diese Messergebnisse wohlm\u00f6glich dazu f\u00fchren, dass die verwendeten Produkte noch einmal in ihrer Zusammensetzung ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Auf Grund der erw\u00e4hnten, starken hygrischen Beanspruchung des Gesteinstyps Cottaer wurde versucht, das Quellverhalten der tonigen Bereiche durch Behandlung mit dem Quellminderer Funcosil Antihygro herabzusetzen. Hierzu wurden Scheiben der tonigen Variet\u00e4t, deren Quellma\u00df im unbehandelten Zustand ermittelt worden war, anschlie\u00dfend durch Volltr\u00e4nkung mit dem Quellminderer behandelt. Nach 4-w\u00f6chiger Auslagerung wurde das Quellma\u00df der behandelten Scheiben ermittelt. Entgegen den Erwartungen (bei anderen quellf\u00e4higen Sandsteinen wurden praktisch durchweg positive Resultate erzielt) zeigt sich hieraus ein tendenzieller, jedoch kein eindeutiger Trend zur Abnahme der hygrischen L\u00e4ngendehnung.<br \/>\nDie Resultate bei der Untersuchung zur Steinfestigung zeigen, das f\u00fcr die erfolgreiche Festigung Produkte mit Gelabscheideraten um 10 % v\u00f6llig ausreichend sind. Der Einsatz konzentrierterer Produkte sind wegen Gefahr der \u00dcberfestigung nicht sinnvoll.<br \/>\nDie vielf\u00e4ltige und bereichsweise stark wechselnde Struktur verwitterter Gesteinsoberfl\u00e4chen erforderte neben der strukturellen Festigung absandender Partien eine Reihe von Schritten zur Stabilisierung schuppiger Oberfl\u00e4chenzust\u00e4nde, zur Anb\u00f6schung von Kanten sowie zur Hinterf\u00fcllung von Hohlr\u00e4umen hinter Schalen. Um unn\u00f6tige Wartezeiten zwischen den oft ineinandergreifenden Ma\u00dfnahmeschritten zu vermeiden, erfolgte die Anwendung von oberfl\u00e4chenstabilisierenden Schl\u00e4mmen sowie von Hinterf\u00fcll- und Anb\u00f6schm\u00f6rteln zweckm\u00e4\u00dfigerweise im gleichen Bindemittelsystem. Im Zusammenhang mit den Ma\u00dfnahmen zur strukturellen Festigung war es daher ratsam, f\u00fcr alle Ma\u00dfnahmeschritte kiesels\u00e4ureestergebundene Rezepturen zu verwenden.<br \/>\nModifizierungsparameter f\u00fcr das Bindemittel Kiesels\u00e4ureester, welches als solches nur zur strukturellen Festigung eingesetzt wird, sind Molek\u00fclgr\u00f6\u00dfe, Katalysatorgehalt, Einbau von Weichsegmenten zu Elastifizierung sowie die Ausr\u00fcstung mit mineralspezifischen Haftvermittlern. Im zur Anwendung gekommenen KSE-Modulsystem wird bevorzugt ein elastifizierter, bereits vorkondensierter Kiesels\u00e4ureester mit Poly\u00e4therweichsegmenten eingesetzt. Der Vorteil liegt in einer qualitativ meist besseren Einbindung morbider Gef\u00fcgebestandteile in das Gelnetzwerk. Zudem lassen sich mit dem elastifizierten Gel h\u00f6here Rissweiten \u00fcberbr\u00fccken als mit herk\u00f6mmlichen Kiesels\u00e4ureester.<br \/>\nDie f\u00fcr die Grabmale rezeptierten Erg\u00e4nzungs- und Anb\u00f6schm\u00f6rtel entsprechen in ihren mechanischen und hygrischen Eigenschaften denjenigen des Gesteins. Die farbliche Feinabstimmung der Antragstoffe wurde durch gezielte Pigmentbeigaben vom ausf\u00fchrenden Restaurator vorgenommen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Ergebnis aller durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen kann festgestellt werden, das eine effektive Sicherung des Bestandes aller behandelten Grabsteine erzielt wurde. Die Feinabstimmung beim Einsatz des KSE-Modulsystems f\u00fchrte neben allen konservatorischen Gesichtspunkten zu einem \u00e4sthetisch au\u00dferordent-lich befriedigendem Ergebnis.<br \/>\nDie in Zeitabschnitten nachfolgenden Untersuchungen werden Aufschluss \u00fcber Wirksamkeit aller Ma\u00dfnahmen geben und wohlm\u00f6glich dazu f\u00fchren, die verwendeten Produkte zu verbessern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Ziel ist es, die Einheit von Kirche und Kirchhof wieder erlebbar zu machen und dabei den Bestand zu sichern. 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