{"id":21075,"date":"2024-11-27T10:34:57","date_gmt":"2024-11-27T09:34:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15693-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:59","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:59","slug":"15693-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15693-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Entwicklung von modellhaften Restaurierungsmethoden f\u00fcr umweltgesch\u00e4digte glasierte Ziegel und Terrakotten an national bedeutenden Kulturdenkm\u00e4lern Norddeutschlands"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Glasierte grobkeramische Erzeugnisse wie glasierte Ziegelsteine oder glasierte Terrakotten wurden in Norddeutschland h\u00e4ufig verwendet. Die St\u00e4dte wollten mit den aufwendig hergestellten glasierten Ziegeln ihre Bauwerke schm\u00fccken und ihren Reichtum demonstrieren. Ein Gro\u00dfteil dieser Glasuren ist von Verwitterung betroffen und zeigt heute gravierende Sch\u00e4den. Aufgrund dieser massiven Sch\u00e4den, die wiederum Zerst\u00f6rungen am Ziegel selbst nach sich ziehen, mussten bereits zahlreiche alte glasierte Ziegel gegen neue ausgetauscht werden. F\u00fcr die Zukunft ist weiter ein stetiger Verlust an glasierter Oberfl\u00e4che mit der Folge der Zerst\u00f6rung auch des keramischen Tr\u00e4gers zu bef\u00fcrchten.<br \/>\nDurch das Projekt sollten:<br \/>\n\u00a7\tSchadensfortschritte deutlich verlangsamt bzw. verhindert werden<br \/>\n\u00a7\tm\u00f6gliche Sch\u00e4den im Entstehen erkannt und deren Ausbildung verhindert werden<br \/>\n\u00a7\tErsatzmaterialien gefunden werden, die weitgehend an das Original angepasst und stabil gegen \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse sind.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Projektarbeiten gliedern sich in folgende Schwerpunkte:<br \/>\n1.\tBestands- und Zustandsanalyse an den Modellobjekten<br \/>\n2.\tEntwicklung und Erprobung von Konsolidierungsmaterialien von Ersatzmaterialien f\u00fcr Glasuren<br \/>\n3.\tModellhafte Erhaltungsma\u00dfnahmen an ausgew\u00e4hlten Denkmalobjekten<br \/>\n4.\tDokumentation der Ergebnisse und Durchf\u00fchrung einer Abschlussveranstaltung<br \/>\nEs wurden alle restauratorische Methoden zur Bestand- und Zustandserfassung eingesetzt. Die experimentellen Projektarbeiten wurden zun\u00e4chst an Modellpr\u00e4paraten f\u00fcr den keramischen Grundk\u00f6rper und die Glasuren durchgef\u00fchrt. Vor der praktischen Umsetzung von Erhaltungsma\u00dfnahmen wurden diese an Musterfl\u00e4chen am Original erprobt. Alle erforderlichen naturwissenschaftlichen Methoden zur Charakterisierung und Bewertung der keramischen Materialien wurden eingesetzt. Neue Methoden f\u00fcr zerst\u00f6rungsfreie Untersuchungen wurden erprobt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die vier Portale der St. Jakobi Kirche in Perleberg wurden als Modellobjekt f\u00fcr die glasierte Baukeramik, das B\u00fcrgerhaus in der L\u00fcner Str. 3 in L\u00fcneburg als Modellobjekt f\u00fcr polychromglasierte Terrakotten ausgew\u00e4hlt. Als Vergleichsobjekt wurde die Stiftskirche in B\u00fctzow mit seinem umlaufenden Fries aus glasierter Baukeramik, und das B\u00fcrgerhaus Am Sande 1 in L\u00fcneburg mit seinen \u00fcber 30 Terrakotta- Medaillons untersucht. Als Grundlage zur Planung und Bewertung der notwendigen Erhaltungsma\u00dfnahmen wurde eine integrale Objekterfassung durchgef\u00fchrt.<br \/>\nF\u00fcr das Geb\u00e4ude in der L\u00fcner Str. 3 wurde auf der Grundlage dieser Untersuchungen sowohl f\u00fcr die Terrakotten &#8211; Medaillons als auch f\u00fcr das Geb\u00e4ude das notwendige Ausma\u00df der Erhaltungsma\u00dfnahmen erkannt und formuliert. Neben den Terrakotten zeigt auch die Geb\u00e4udesubstanz gravierende Sch\u00e4den. Erhaltungsma\u00dfnahmen sind dringend erforderlich. Wie aufgrund des Gipsm\u00f6rtels als Mauerm\u00f6rtel und Setzm\u00f6rtel vermutet, spielt Gips als Schadensfaktor eine besondere Rolle. Mit der Methode der  R\u00f6ntgendurchstrahlung wurde erfolgreich erprobt, die Bereiche mit originalen Bleiglasuren zu erfassen. Die M\u00f6glichkeiten der Konservierung und Restaurierung der Terrakotten wurden, basierend auf den Erkenntnissen der umfangreichen Projektarbeiten, anhand der Musterrestaurierung einer Terrakotta umgesetzt.<br \/>\nDie Schadensanalyse der vier Portale der St. Jakobi Kirche in Perleberg zeigt eine starke Vergipsung der gesch\u00e4digten Ziegel. Die digitale Nahbereichsfotographie als Vor Ort-Methode zur Zustandsbeschreibung kam hier zum Einsatz. Da diese tiefgreifende Gipsbelastung nicht ohne gr\u00f6\u00dferen Schaden f\u00fcr die Originalsubstanz entfernt werde kann, wurden L\u00f6sungen gesucht und gefunden, um mit derartig gesch\u00e4digtem Material umzugehen. Hier wurde eine angepasste Schl\u00e4mme eingesetzt, die die bisherige Originalsubstanz erh\u00e4lt, jedoch dann anstelle dieser verwittern wird. Durch geeignete Pflege- und Wartungsma\u00dfnahmen, wird es m\u00f6glich sein, die Originalsubstanz m\u00f6glichst lange zu erhalten.<br \/>\nNach umfangreichen Versuchen wurde an den Portalen zum ersten Mal OROMOCER\u00ae G zur Sicherung loser Glasurbereiche und als Glasurersatzmaterial eingesetzt. Eine Langzeitbeobachtung ausgew\u00e4hlter Musterstellen wird erfolgen. Alle Portale wurden im Projektverlauf im Sinne des denkmalpflegerischen Konzeptes, d. h. mit minimalen Eingriffen eine maximale Substanzerhaltung der glasierten und unglasierten Backsteine zu erreichen, saniert.  An der Stiftskirche in B\u00fctzow, an der die Sanierung des umlaufenden Frieses zeitgleich mit den Projektarbeiten stattfand, lag der Schwerpunkt der Untersuchungen in einer Analyse der Schadensfaktoren im Sockelbereich der Kirche und in der \u00dcberpr\u00fcfung der Eignung der eingesetzten glasierten Ersatzziegel im Vergleich zum Sockelmauerwerk. Die Untersuchungen zeigten, dass bei der vorhandenen Feuchte- und Salzbelastung die Ersatzziegel nicht zu einer st\u00e4rkeren Belastung des Umfeldes f\u00fchren, sondern dass eher umgekehrt die Sanierziegel auf Grund ihrer nur m\u00e4\u00dfigen Eignung st\u00e4rker Feuchte und Salz aufnehmen werden. Sie zeigten dar\u00fcber hinaus bereits beim Einbau eine starke Craquel\u00e9-Bildung, so dass keine lange schadensfreie Standzeit prognostiziert werden kann.<br \/>\nDie Fassade und die Terrakotten des B\u00fcrgerhauses  Am Sande 1 in L\u00fcneburg wurden untersucht. Die Ergebnisse flossen in die Sanierung der Fassade mit ein, die in den Jahren 2003 und 2004 stattfand. F\u00fcr das Jahr 2005 sind restauratorische Ma\u00dfnahmen an den Terrakotten in Planung.<br \/>\nDie umfangreichen Arbeiten der Projektpartner finden sich in 7 Diplom- und 15 Facharbeiten sowie zahlreichen Projektberichten wieder.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zum Abschluss des Gesamtprojektes wurde am 8. M\u00e4rz 2005 im Museum f\u00fcr das F\u00fcrstentum L\u00fcneburg in L\u00fcneburg eine Abschlussveranstaltung durchgef\u00fchrt. Um die Ergebnisse des Projektes einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich zu machen, wurde eine Ausstellung zusammengestellt. Auf 15 Postern werden die Projektergebnisse und die Restaurierungsarbeiten an den Objekten vorgestellt. Schauobjekte in vier Vitrinen dienen der weiteren Veranschaulichung. Sieben Publikationen zum Projekt sind ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die gute Zusammenarbeit aller Projektpartner konnten deutliche Fortschritte insbesondere bez\u00fcglich von Konsolidierungs- und Ersatzmaterialien f\u00fcr Glasuren erzielt werden.<br \/>\nDie Ergebnisse der Projektarbeiten wurden insbesondere bei der Restaurierung der Portale in Perleberg und der Musterrestaurierung einer Terrakotta umgesetzt. Weitere Restaurierungsarbeiten, basierend auf den Ergebnissen des Projektes sind in Planung, so dass die \u00dcbertragung der Projektergebnisse in die Praxis bereits stattgefunden hat und weiter stattfindet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Glasierte grobkeramische Erzeugnisse wie glasierte Ziegelsteine oder glasierte Terrakotten wurden in Norddeutschland h\u00e4ufig verwendet. 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