{"id":21045,"date":"2023-07-13T15:19:09","date_gmt":"2023-07-13T13:19:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15547-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:19:09","modified_gmt":"2023-07-13T13:19:09","slug":"15547-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15547-01\/","title":{"rendered":"Modellprojekt: Anwendung und Weiterentwicklung innovativer Verfahren zur Konservierung umwelt- und nutzungsgesch\u00e4digter Putze und Wandmalereien am Beispiel des Salomonsaals im ehemaligen Zisterzienserkloster Aldersbach (Bayern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei der Erhaltung der erheblich gesch\u00e4digten Deckenmalerei im Salomonsaal stellen sich drei Hauptprobleme, die sich im Grundsatz bei fast allen Wandmalereirestaurierungen wiederholen, so dass modellhafte Methoden zur Probleml\u00f6sung erarbeitet werden k\u00f6nnen:<br \/>\nUntersuchung und Vorbereitung von Hohlr\u00e4umen im Bereich von Putzabl\u00f6sungen mit Hilfe der Endoskopietechnik; Entwicklung einer neuen, substanzschonenden Ankertechnik; Qualit\u00e4tskontrolle der Haftfestigkeit von Injektionsm\u00f6rteln mit Hilfe eines neu zu entwickelnden, hochempfindlichen Haftzugmessger\u00e4ts.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas gesamte Projekt ist in vier Phasen unterteilt.<br \/>\nPhase 1 (ca. 8 Monate): Auswahl und Laborerprobung der Systeme (Endoskopietechnik, Verwendung von chirurgischen Feininstrumenten zur Abnahme und Absaugung von losen Schuppen und Schmutz, Kontrolle des Injektionsvorgangs; die Bearbeitung erfolgt \u00fcber einen Bildschirmarbeitsplatz. Entwicklung eines neuartigen Ankers, der von der R\u00fcckseite der abgel\u00f6sten Putzschale eingebracht wird, Bohrungen in der Putzschicht sind damit nicht notwendig. Untersuchung von speziellen Haftvermittlern (Phospho-silane, Aminosilane o. \u00e4.) zur Verbesserung der Verbindung zwischen Calcitoberfl\u00e4che von Putzen bzw. Holzoberfl\u00e4che der Tragkonstruktion einerseits und Kieselgel der Festiger andererseits. Entwicklung und Bau eines hochempfindlichen Haftzugmessger\u00e4ts f\u00fcr Messwerte auch unter 0,01 N\/mm\u00b2).<br \/>\nPhase 2 (ca. 5 Monate): Anpassung der Systeme an die Praxisanforderungen durch Erprobung an kleinen Testfeldern im Salomonsaal.<br \/>\nPhase 3 (ca. 11 Monate): Restaurierung einer Musterachse und deren \u00dcberpr\u00fcfung mit zerst\u00f6rungsar-men und zerst\u00f6rungsfreien Methoden.<br \/>\nPhase 4 (ca. 12 Monate): Eigentliche Restaurierung des Salomonsaals.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des Forschungsprojektes konnten einzelne bereits in der Vergangenheit diskutierte und angewandte Restaurierungsans\u00e4tze systematisch \u00fcberpr\u00fcft und bewertet werden.<br \/>\nDie Schadenserfassung der kompletten Putzdecke auf Basis einer digitalisierten Fotodokumentation erm\u00f6glicht neben der detaillierten Schadens- und Restaurierungsdokumentation eine Hinterlegung des nicht sichtbaren Tragsystems (Konstruktion des Dachtragwerks, Putztr\u00e4ger) und damit ein punktgenaues Arbeiten beim Setzen der Anker und den Hinterf\u00fcllungsarbeiten.<br \/>\nBei der Bewertung der untersuchten Ankersysteme waren insbesondere folgende Randbedingungen zu gew\u00e4hrleisten: dauerhaft zugstabil gegen Zug- und Torsionskr\u00e4fte; alkalistabil; korrosionsstabil; keine Freisetzung f\u00e4rbender Komponenten; gute Anbindung an den Injektionsm\u00f6rtel; gute Einbringbarkeit und Fixierung in unterschiedlichen r\u00e4umlichen Situationen. Daneben sollte das Ankersystem f\u00fcr eine breite Anwendung mit vertretbarem Aufwand zug\u00e4nglich sein. Die Auswertung diverser Versuchsl\u00e4ufe unter Laborbedingungen sowie die Praxisanwendung vor Ort haben ein flexibles textiles System aus einem eigens entwickelten Jute-Polypropylen-Mischgewebe mit deutlichen Vorteilen gegen\u00fcber anderen Materialien ausgewiesen. Diese Anker wurden bei der Restaurierung des Salomonsaals sowohl als lineare Anker im Fugenbereich als auch als Punktanker in Sonderbereichen eingesetzt. Das Einsatzfeld umfasst sowohl die Anbindung bereits vollst\u00e4ndig abgel\u00f6ster als auch die Sicherung noch haftender Teile des Deckenputzes. Die Kombination mit dem hierzu optimierten Injektionsschaumm\u00f6rtel und die Bearbeitung von der R\u00fcckseite des Putztr\u00e4gers gew\u00e4hrleisten damit den Verzicht auf zus\u00e4tzliche Eingriffe in intakte Putz- und Malschichten.<br \/>\nBei den Analysen zur Zusammensetzung des Injektionsschaumm\u00f6rtels konnte bereits auf einzelne Untersuchungen zur\u00fcckgegriffen werden. Zu bewerten waren folgende Anforderungen: gute Flie\u00dff\u00e4higkeit und Injizierbarkeit; geringer Feuchteeintrag durch gutes Wasserr\u00fcckhalteverm\u00f6gen; geringes Eigengewicht; keine Schadstoffe, die das bestehende System belasten; an den Originalputz ann\u00e4hernd angepasste bauphysikalische Kennwerte (Dampfdiffusion, hygrische und thermische Dehnung, E-Modul); indi-viduelle Anpassung der Viskosit\u00e4t an die jeweilige Einbringsituation; gute Benetzungsf\u00e4higkeit auf vor-handenen, ggf. verschmutzten Oberfl\u00e4chen. Der ausgew\u00e4hlte Schaumm\u00f6rtel wird aus einer Wasser-Bindemittel-Suspension  (gute Kennwerte bei Mariensteiner HL 5) und Schaum (Wasser und Protein- oder Tensidschaumbildner) hergestellt. F\u00fcr die allt\u00e4gliche Anwendung im restauratorischen Bereich steht zwischenzeitlich ein geeignetes mobiles Hochleistungs-Schaumger\u00e4t zur Verf\u00fcgung (Aqua-Por KU 2002).<br \/>\nDie Einsatzm\u00f6glichkeiten eines Video-Endoskops bei der restauratorischen Arbeit wurden gepr\u00fcft. Die Technik ist aufgrund geringer Querschnitte, der flexiblen Steuerung und seiner Optik sehr gut geeignet. Das Arbeiten vor Ort, z. B. zur Reinigung oder Entfernung von Putzresten, ist durch die geringen Werkzeuggr\u00f6\u00dfen beschr\u00e4nkt und auf gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen noch nicht anwendbar. Als \u00e4u\u00dferst wertvoll zeigt sich das System f\u00fcr die Beobachtung und Kontrolle der einzelnen Arbeitsschritte (Inspektion Vorzustand, Kontrolle von Reinigung und Verf\u00fcllung der Hohlr\u00e4ume, Sicht\u00fcberpr\u00fcfung der Ankereinbettung). Die digitale Technik ist durch die Trennung von Untersuchungs- und Auswertungsort gerade bei beengten Platzverh\u00e4ltnissen von Vorteil, die Dokumentation und Auswertung auf hohem Qualit\u00e4tsniveau m\u00f6glich.<br \/>\nDas urspr\u00fcnglich auch f\u00fcr den mobilen Einsatz zur \u00dcberpr\u00fcfung des Spannungs-Verformungsverhaltens konsolidierter Bereiche vorgesehene Haftzug-Messger\u00e4t erwies sich nur auf Laborebene als geeignet. Das komplexe Problem der Kraftschl\u00fcssigkeit im Materialverbund h\u00e4tte sich vor Ort nicht l\u00f6sen lassen, zumal in restauratorisch vertretbaren Bereichen keine ausreichende Anzahl pr\u00fcfbarer Fl\u00e4chen vorhanden waren. Im Labor konnten dagegen an Verbundpr\u00fcfk\u00f6rpern nachvollziehbare Versuchsreihen durchgef\u00fchrt werden, an einem Pr\u00fcfstand f\u00fcr dynamische und statische Dauerzugbelastung wurden realit\u00e4tsnahe Belastungen (Winddruck, \u00dcberschallknall, Geb\u00e4udeschwingungen) simuliert.<br \/>\nAlle genannten Einzelkomponenten wurden vergleichenden Labortests unterworfen, an den tats\u00e4chlichen Gegebenheiten nachgestellten Probek\u00f6rpern sowie an Musterfl\u00e4chen am Objekt \u00fcberpr\u00fcft und abschlie\u00dfend an der fl\u00e4chigen Restaurierung der Decke umgesetzt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Arbeiten wurde ein Workshop mit Wissenschaftlern und Restauratoren durchgef\u00fchrt.<br \/>\nDas Projekt wurde vom Bayerischen Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege umfangreich dokumentiert (Denkmalpflege Informationen, Ausgabe A 92, Januar 2005, ISSN 1617-3147: Restaurierung von Wandmalerei &#8211; Innovative Verfahren zur Erhaltung von Deckenmalereien im Salomonsaal von Kloster Aldersbach)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Arbeiten haben neue Erkenntnisse und Best\u00e4tigungen bestehender Erfahrungen gebracht. Durch die wissenschaftliche \u00dcberpr\u00fcfung der Einzelkomponenten und die Praxiserprobung an einem verbreiteten Schadensbild k\u00f6nnen damit fundierte Empfehlungen f\u00fcr Restaurierungsabl\u00e4ufe gegeben werden, die ei-ne deutliche Reduzierung der Eingriffe an den originalen Putz- und Malschichten gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei der Erhaltung der erheblich gesch\u00e4digten Deckenmalerei im Salomonsaal stellen sich drei Hauptprobleme, die sich im Grundsatz bei fast allen Wandmalereirestaurierungen wiederholen, so dass modellhafte Methoden zur Probleml\u00f6sung erarbeitet werden k\u00f6nnen: Untersuchung und Vorbereitung von Hohlr\u00e4umen im Bereich von Putzabl\u00f6sungen mit Hilfe der Endoskopietechnik; Entwicklung einer neuen, substanzschonenden Ankertechnik; Qualit\u00e4tskontrolle [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[57,2425,53],"class_list":["post-21045","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-bayern","tag-kulturgueter","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"15547\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-15547.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"288.879,91","dbu_projektdatenbank_firma":"F\u00f6rderkreis Kloster Aldersbach e. V.Gemeinde Aldersbach","dbu_projektdatenbank_strasse":"Klosterplatz 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"94501","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Aldersbach","dbu_projektdatenbank_p_von":"1999-06-09 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2005-12-31 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"6 Jahre und 7 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"08543\/9604-0","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Bayern","dbu_projektdatenbank_foerderber":"60","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21045","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21045\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34048,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/21045\/revisions\/34048"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}