{"id":21014,"date":"2023-07-13T15:17:24","date_gmt":"2023-07-13T13:17:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15399-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:17:26","modified_gmt":"2023-07-13T13:17:26","slug":"15399-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15399-01\/","title":{"rendered":"Beispielhafte Sanierung der umweltbedingten Risse an der Turmanlage des Erfurter Doms einschlie\u00dflich Weiterbildungsma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Dom zu Erfurt als romanische Basilika stammt aus dem 12. Jahrhundert. Bis Mitte des 15. Jhdts. gab es mit dem Hohen Chor eine wesentliche Erweiterung und mit dem Umbau des Lang- und Querhauses eine Ver\u00e4nderung des basilikalen Raumes und die Zusammenfassung aller Raumteile zu einer zentralen Gesamthalle. Gemeinsam mit der Kirche St. Severi und den Kurienh\u00e4usern bildet der Dom St. Marien eine der gro\u00dfartigsten Sch\u00f6pfungen mittelalterlicher Baukunst und bekr\u00f6nt den H\u00fcgel \u00fcber der Stadt Erfurt.<br \/>\nDie Mauerwerksverb\u00e4nde der Turmgruppe und des Chorhalses wiesen erhebliche Rissbildungen auf. Diese Erscheinungen wurden schon Mitte der 1980er Jahre beobachtet und seitdem sind mehrere Untersuchungen und Gutachten unter den Aspekten Ursache, Wirkung und zu ergreifende Ma\u00dfnahmen erstellt worden. Urs\u00e4chlich sind Eingriffe in die urspr\u00fcngliche Bausubstanz (Entfernen der Ostwand, Auf-bau des Mittelturmes, weitere Aufbauten auf den T\u00fcrmen) sowie umweltbedingte Einfl\u00fcsse aus Natur, Br\u00e4nde und Ersch\u00fctterungen zu nennen. Weiterhin haben thermische (Sonneneinstrahlung\/Witterungseinfl\u00fcsse) und dynamische Beanspruchungen durch Glockengel\u00e4ut die Sch\u00e4den vorangetrieben. Daraus resultierend wurden Deformationen in hochbelasteten Bauteilsbereichen mit begleitender Lastumlagerung und unterschiedliche Steifigkeit der einzelnen Konstruktionsteile in j\u00fcngster Zeit festgestellt. Es galt somit, die statisch-konstruktive Sicherung der Turmgruppe des Erfurter Domes zu erreichen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm die Standsicherheit der Turmgruppe wieder herstellen zu k\u00f6nnen, waren seit den 1980er Jahren gr\u00fcndliche Voruntersuchungen und Planungen n\u00f6tig. Diese Planungsphase umfasste im ersten Abschnitt die Sondierung und \u00dcberlegungen f\u00fcr baukonstruktive Ma\u00dfnahmen zur Stabilisierung der Tragkonstruktion des Turmensembles. Der erste Schritt der Sanierung begann im M\u00e4rz 2002 mit der Installation einer Notsicherung im Bereich des Chorhalses. Weitere Gutachten wurden in Auftrag gegeben, die pr\u00e4zisere Aussagen \u00fcber die Einwirkungen der dynamischen Lasten der Glocken und \u00fcber Resonanzen zwischen den Glocken und der Turmgruppe ergeben sollten. Es folgte eine Begutachtung der Glockenst\u00fchle und eine ausf\u00fchrliche Analyse des Mauerwerkes im Bereich Mittel- und S\u00fcdturm. Im September 2002 begann die Mauerwerkssanierung an der Turmgruppe. Die geplante Verankerungstechnologie mittels Edelstahlankern, die leicht vorgespannt und mit einem an der Bauhaus Universit\u00e4t Weimar entwickelten Injektionsschaumm\u00f6rtel verpresst werden sollten und deren parallele Durchf\u00fchrung an den zwei romanischen T\u00fcrmen war bis dato in den jungen Bundesl\u00e4ndern noch nicht so durchgef\u00fchrt worden. Diese Ma\u00dfnahme sollte \u00fcber den Domberg hinaus ein Beispiel f\u00fcr weitere komplexe L\u00f6sungen werden, aber auch f\u00fcr Neuerungen im Detail, wie z. B. die formstabile Montageabst\u00fctzung des \u00f6stlichen Gurtbogens.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die erste Planungsphase Anfang der 1990er Jahre beinhaltete die Grundlagenermittlung in Form von Voruntersuchungen zum Schadensbild und deren Ursache, deren Ergebnisse in Planungsentw\u00fcrfe zur Stabilisierung der Bausubstanz m\u00fcndeten. Diese Vorentwurfsphase wurde mit Projektantrag Az.03214 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gef\u00f6rdert. Mit Projektantrag vom 19.05.1999 auf Unterst\u00fctzung zur Durchf\u00fchrung der Sanierung auf Grundlage der seinerzeit vorliegenden Planung erhielt die DBU die angedachten Sanierungsma\u00dfnahmen und die dazu geh\u00f6rigen Ausf\u00fchrungsunterlagen.<br \/>\nEs folgten weitere Untersuchungen und Messungen als Erg\u00e4nzung zu den bislang Vorhandenen. Die dazu formulierte Aufgabenstellung umfasste eine detailliertere Erfassung der \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcsse auf die Turmgruppe. Denn in den laufenden Planungsdiskussionen kristallisierte sich u. a. die Fragestellung heraus, inwieweit schadhafte (falls vorhanden) \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse in Zukunft minimiert werden k\u00f6nnen: Gibt es Komponenten, die dem sanierten Mauerwerk in Zukunft Schaden zuf\u00fcgen und auf die im Vorfeld eingewirkt werden k\u00f6nnten? Insbesondere wurde dabei das Augenmerk auf die Wirkung des Glockengel\u00e4utes und auf die Einwirkung des Windes gerichtet. Ferner waren Aussagen zum Zustand der Glockenst\u00fchle und deren Auflagerung n\u00f6tig, um gegebenenfalls auch an diesem Bauteil Ma\u00dfnahmen in das Projekt mit einzubeziehen. Und schlie\u00dflich erfolgte eine genaue Zustandsanalyse des Mauerwerks im S\u00fcd- und im Mittelturm. Diese neuen Gutachten wurden in der Planerrunde er\u00f6rtert und weitergehend diskutiert, inwieweit die empfohlenen Ma\u00dfnahmen umgesetzt werden k\u00f6nnen bzw. sollten. Vor allem unter dem Aspekt der denkmalpflegerischen Zielsetzung wurde der geplante Eingriff in die historische Bausubstanz kritisch beurteilt.<br \/>\nSchlie\u00dflich kristallisierten sich f\u00fcr die Sanierungs- und Sicherungsma\u00dfnahmen der konstruktiven Bauteile folgende Ma\u00dfnahmen heraus: Erg\u00e4nzungen von Verankerungen im n\u00f6rdlichen Turm; Mauerwerksanker zur Aufnahme von Schub- und Querzugkr\u00e4ften; lokale Anker im Bereich von Rissbildungen im Mauerwerk des anschlie\u00dfenden Chorhalses; lokaler Mauerwerksaustausch im Lasteintragungsbereich der Gurtb\u00f6gen in das Turmmauerwerk der Seitent\u00fcrme; statische Ert\u00fcchtigung des Mauerwerks mittels Vernadelung und Mauerwerksinjektionen, denkmalgerechte Ausbildung des Chorhalsinnenraumes.<br \/>\nVoraussetzung der geplanten Endverankerung (statische Ert\u00fcchtigung) war zun\u00e4chst die im M\u00e4rz 2002 durchgef\u00fchrte Notsicherung des Mauerwerkes der Turmeckbereiche (chorseitig) mittels Spreizen, Anker und Vergurtung. F\u00fcr die geplante statische Ert\u00fcchtigung des Mauerwerkes im Lasteintragungsbereich der  2 Gurtb\u00f6gen des Mittelturmes in die Seitent\u00fcrme (Austausch, Injektion und Vernadelung) wurde eine Montageabst\u00fctzung des \u00f6stlichen Gurtbogens (Lehrbogenabst\u00fctzung auf Schwerlastst\u00fctzen und Rostbalken auf Pf\u00e4hlen) errichtet.<br \/>\nDie Optimierungen an den Glocken und Glockenst\u00fchlen waren im einzelnen: Entrostung und Neuanstrich des Stahlglockenstuhles im Nordturm; Erh\u00f6hung der Tr\u00e4gerrostwirkung des Stuhles im S\u00fcdturm mittels Verbolzung; Steinerg\u00e4nzungen im Konsolenbereich sowie Risssanierung im Mauerwerk unterhalb des Glockenstuhles im Mittelturm, dort auch \u00dcberarbeitung der verrosteten Maueranker und Ankereisen, Erneuerung der Steuerelektronik der L\u00e4utemaschinen und Reduzierung der L\u00e4utewinkel, neue proportionsgerechte Kl\u00f6ppel f\u00fcr die Glocken Andreas und Christopherus.<br \/>\nEin abschlie\u00dfendes Schwingungsgutachten im April 2004 attestierte den Erfolg der Sanierung, wobei die Eigenfrequenz der T\u00fcrme mit 1,81 MHz gemessen wurde. Das bedeutete eine Erh\u00f6hung um 0,8 MHz und schlussfolgernd eine Verbesserung der Stabilit\u00e4t der Mauerwerkskonstruktion.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Sanierung der Turmgruppe fand in der \u00d6ffentlichkeit und in der Fachwelt gro\u00dfe Resonanz. In mehreren Pressekonferenzen wurden neben der Notsicherungsma\u00dfnahme auch das Gesamtprojekt vorgestellt und erl\u00e4utert. Tagespresse, Rundfunk und Fernsehen berichteten umfangreich und ausf\u00fchrlich. Eine Diplomarbeit an der FH Erfurt, wurde zur statischen Problemlage der Turmrisse erstellt. Die beiden durchgef\u00fchrten Fachkolloquien informierten die lokale Fachwelt \u00fcber den Stand der Bauma\u00dfnahme und \u00fcber die dabei gewonnenen Erkenntnisse in der Denkmalpflege. Der MDR sendete eine Reportage \u00fcber die Sanierungsarbeiten. Eine 3 D Computersimulation, die von der bauausf\u00fchrenden Fachfirma in Auftrag gegeben wurde, veranschaulicht die realisierten Eingriffe bei der Sanierung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Somit kann abschlie\u00dfend eingesch\u00e4tzt werden, dass die durch vielf\u00e4ltige z. T. umweltbedingten Faktoren verursachten Sch\u00e4digungen des Mauerwerkes der Turmgruppe des Erfurter Domes unter Anwendung innovativer Mittel und Methoden, Materialien und Verfahren erfolgreich beseitigt werden konnten. Unter Einbeziehung ans\u00e4ssiger Baufachbetriebe zur Durchf\u00fchrung des Projektes konnte das mittelst\u00e4ndige Handwerk in Th\u00fcringen gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Dom zu Erfurt als romanische Basilika stammt aus dem 12. Jahrhundert. Bis Mitte des 15. 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