{"id":20993,"date":"2024-11-27T10:34:51","date_gmt":"2024-11-27T09:34:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/15316-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:54","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:54","slug":"15316-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/15316-01\/","title":{"rendered":"Nachhaltiger Umgang mit B\u00f6den &#8211; Initiative f\u00fcr eine internationale Bodenkonvention (Tagung)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zielsetzung des Projekts war es, das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung der B\u00f6den sowie f\u00fcr die  Probleme der Bodendegradation zu st\u00e4rken und das Instrument einer international verbindlichen Bodenkonvention als Rahmen f\u00fcr die erforderlichen nationalen, regionalen und lokalen Aktivit\u00e4ten zu einem nachhaltigen Umgang mit B\u00f6den in Fachkreisen zu verbreiten. Dar\u00fcber hinaus war es das spezifische Ziel, dazu bei-zutragen, dass die Diskussion \u00fcber die Notwendigkeit und die Ausgestaltung einer international verbindli-chen Bodenkonvention \u00fcber den wissenschaftlichen Bereich hinausgeht und NGOs sowie politische Ent-scheidungstr\u00e4ger dazu gebracht werden, den Vorschlag f\u00fcr eine Bodenkonvention auf die Agenda des beginnenden 21. Jahrhunderts zu setzen (Agenda 21).<br \/>\nDer Hintergrund f\u00fcr diese Zielsetzung war die Forderung verschiedener Institutionen und Fachkreise f\u00fcr  die Erarbeitung einer international verbindlichen Bodenkonvention. Diese soll den Rahmen f\u00fcr die erfor-derlichen Ma\u00dfnahmen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene abgeben (siehe etwa Jahresgutach-ten 1994 zu B\u00f6den des Wiss. Beirats der Bundesregierung Globale Umweltver\u00e4nderungen und Hurni [Hg.]: Precious Earth, Vorbereitungsband f\u00fcr die internationale ISCO-Konferenz, Bonn 1996). In der Tutzinger Zeitakademie Boden-Kultur &#8211; Zeit\u00f6kologische Aspekte eines nachhaltigen Umgangs mit B\u00f6-den (Tutzing 6. Bis 9. April 1997) diskutierten wir \u00fcber diese Vorschl\u00e4ge. Ergebnis der intensiven Dis-kussion war, dass eine internationale Bodenkonvention dringlich ist, da die bestehenden Dokumente (et-wa des Europarats etc.) zwar wichtige Aspekte enthalten, aber nur empfehlenden Charakter haben und deshalb bisher nur vergleichsweise wenig Wirkung entfalten konnten. Angemessen und erforderlich ist vergleichbar etwa zur Klima-Rahmenkonvention das Instrument einer verbindlichen Konvention.<br \/>\nAufgrund dieses Ergebnisses und die inhaltliche Anregungen der Diskussionen der Tagung aufnehmend erarbeiteten wir im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gef\u00f6rderten Projekts \u00d6kolo-gie der Zeit (AZ 08682) mit Unterst\u00fctzung zahlreicher Fachleute den weltweit ersten Vorschlag f\u00fcr eine Bodenkonvention. Dieser Vorschlag orientiert sich in der Struktur und in den Formulierungen an den be-stehen UN-Konventionen, um direkt in die nationale und internationale Debatte um die angemessene In-strumentierung der Bodenpolitik Eingang finden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt bestand aus drei Arbeitsschritten:<br \/>\n(1) eine gro\u00dfe internationale Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing zur Thematik und eine \u00f6f-fentliche Abendveranstaltung des SZ Forums in M\u00fcnchen;<br \/>\n(2) deren anschlie\u00dfende Dokumentation\/Publikation und \u00d6ffentlichkeitsarbeit sowie<br \/>\n(3) Aktivit\u00e4ten zur Vernetzung einer Bodenkonvention durch pers\u00f6nliche Kontakte und Fachgespr\u00e4che und den Aufbau einer Internet-Plattform mit Diskussionsforum.<br \/>\nDie Arbeitsformen waren:<br \/>\n\u00b7 Tagung zur intensiven Debatte des vorliegenden Konventionsvorschlags,<br \/>\n\u00b7 \u00d6ffentlichkeitsarbeit durch Publikation und gezielte Ansprache bzw. Zusammenarbeit mit Medienver-tretern sowie<br \/>\n\u00b7 Netzwerkarbeit zur Bodenkonvention.<\/p>\n<p>Die Tagung wurde gemeinsam von den drei Kooperationspartnern, der Evangelischen Akademie Tutzing, der Schweisfurth Stiftung und dem SZ-Forum, vorbereitet und durchgef\u00fchrt. Die Abendveranstaltung in M\u00fcnchen wurde ebenfalls gemeinsam vorbereitet und als Veranstaltung des SZ-Forums in M\u00fcnchen durchgef\u00fchrt. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurde gemeinsam vorangebracht unter Beachtung der je spezifi-schen Kompetenzen der Kooperationspartner (beispielsweise SZ-Forum als Teil der S\u00fcddeutschen Zei-tung). Die Netzwerkarbeit wurde ebenfalls in Zusammenarbeit der drei Kooperationspartner durchgef\u00fchrt, wobei die Aktivit\u00e4ten f\u00fcr das Internet in der Schweisfurth Stiftung durchgef\u00fchrt wurden, da dort ein ent-sprechender Fachmann t\u00e4tig ist. Durch das Zusammenwirken der spezifischen Kompetenzen, beispiels-weise von Prof. Haber seitens des SZ-Forums, Dr. Manuel Schneider seitens der Schweisfurth Stiftung insbesondere im Bereich Landwirtschaft und B\u00f6den, sowie der Evangelischen Akademie Tutzing im Be-reich der nachhaltigen Entwicklung und spezifisch zahlreicher Kontakte zur Bodenkonvention, konnten gute Synergieeffekte erzielt werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Internationale Tagung Nachhaltiger Umgang mit B\u00f6den &#8211; Initiative f\u00fcr eine internationale Boden-konvention einschlie\u00dflich Abendveranstaltung<\/p>\n<p>Die internationale Tagung, 22. &#8211; 25. November 1998, fand guten Zuspruch und es waren vor allem sehr unterschiedliche disziplin\u00e4re Zug\u00e4nge und unterschiedliche Institutionen und Interessen aus \u00fcber zehn L\u00e4ndern vertreten (siehe Anlagen Programm in Deutsch und in Englisch sowie Teilnahmeliste). Folgende zentrale Punkte lassen sich zusammenfassen: <\/p>\n<p>Die Dringlichkeit einer internationalen Bodenkonvention wurde unterstrichen. Zugleich wurde die Aus-richtung unseres spezifischen Vorschlags bekr\u00e4ftigt, dass von dem bestehenden ersten Schritt einer UN-Konvention zur Bek\u00e4mpfung der W\u00fcstenbildung ausgehend diese in Richtung einer umfassenden Bo-denkonvention weiterzuentwickeln ist.<br \/>\nDas Grundproblem ist, dass die Tragweite der Bodendegradation f\u00fcr das gesamte Leben auf der Erde und insbesondere f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherung einer wachsenden Menschheit bisher noch nicht ange-messen ins \u00f6ffentliche Bewusstsein gedrungen ist, dies insbesondere im Unterschied zur \u00f6ffentlichen Wahrnehmung der Klimathematik.<br \/>\nDer Prozess zur Verabschiedung einer Bodenkonvention sollte deshalb parallel sowohl auf die notwendi-ge internationale Rahmensetzung als auch auf alle anderen Ebenen ausgerichtet sein. Zugleich sollte der Weg hin zu einer Bodenkonvention selbst zur systematischen F\u00f6rderung des erforderlichen Bodenbe-wusstseins genutzt werden.<br \/>\nAls \u00fcbergreifendes Ergebnis zum eigentlichen Konventionstext kann festgehalten werden, dass von ei-nem wichtigen Teil der Akteure die nachhaltige Bodennutzung erg\u00e4nzt wird durch nachhaltiges Landma-nagement (siehe hierzu die Ableitung von Perspektiven und Ergebnissen der Gespr\u00e4che).<br \/>\nKontrovers wurde diskutiert, inwieweit der Vorschlag f\u00fcr eine Bodenkonvention noch weiter zu spezifizie-ren und zu detaillieren ist oder ob nicht der Schwerpunkt in Richtung einer Rahmenkonvention zu legen ist, die ihrerseits durch Protokolle gef\u00fcllt wird, vergleichbar etwa dem Kyoto-Protokoll.<\/p>\n<p>Intensiv wurde \u00fcber die Frage diskutiert, ob nicht spezifische Bewirtschaftungsweisen &#8211; wie etwa der \u00f6kologische Landbau &#8211; ausdr\u00fccklich in einem eigenen Artikel in den Konventionsvorschlag aufgenom-men werden sollten.<\/p>\n<p>Sehr intensiv wurde das Verh\u00e4ltnis zu den bestehenden Konventionen diskutiert. Hierbei pointierte insbe-sondere der Klimaforscher, Professor Gra\u00dfl, dass gerade zur weiteren F\u00f6rderung des Klimaschutzes<br \/>\neine ausdr\u00fcckliche Bodenkonvention erforderlich ist. Vergleichbares gilt f\u00fcr die Biodiversit\u00e4tskonvention. <\/p>\n<p>Bezogen auf die Frage, inwieweit Eigentumsrechte an B\u00f6den nicht f\u00fcr den nachhaltigen Umgang mit B\u00f6-den ein grundlegender Faktor sind und deshalb ausdr\u00fccklich im Text einer Konvention aufgenommen werden sollten, gab es nach intensiver Debatte einen zusammenfassenden Vorschlag: Es sollte ein eige-ner Artikel aufgenommen werden, der jedoch nicht Details ansprechen sollte, da die Bedingungen welt-weit betrachtet sehr unterschiedlich sind. Vielmehr sollten darin allgemeine Kriterien als Eckpunkte f\u00fcr die Ausgestaltung der Eigentums- und Verf\u00fcgungsrechte formuliert werden (beispielsweise kein Recht auf Missbrauch sondern Privateigentum in Fortf\u00fchrung des r\u00f6mischen Patrimoniums).<br \/>\nDer Syndromansatz, der in unserem Vorschlag einen eigenen Artikel umfasst, wurde ebenfalls intensiv diskutiert. Der Vorschlag geht nun dahin, diesen Artikel allgemeiner zu formulieren und dabei die Not-wendigkeit der Aggregation zu unterstreichen. Der Syndromansatz kann dann als einer der interessanten Ans\u00e4tze &#8211; aber nicht als der einzige &#8211; f\u00fcr diese Aufgabe aufgenommen werden.<br \/>\nEbenfalls ausf\u00fchrlich diskutiert wurde, dass bisher der Entwurf f\u00fcr eine Bodenkonvention bez\u00fcglich der Rolle der Geschlechter (gender-Thematik) noch keine Ausf\u00fchrungen enth\u00e4lt. Hier ist im weiteren Fort-gang der Debatte noch eine Erg\u00e4nzung zu erarbeiten.<br \/>\nUnterstrichen wurde in der Debatte, dass alle Bodennutzungsarten gleicherma\u00dfen einzubeziehen sind. Dies betrifft einen f\u00fcr die gesamte Thematik sensiblen Bereich, da bisher auch deshalb nicht ein ange-messenes Bodenbewusstsein existiert, da die unterschiedlichen Bodennutzungsarten sehr stark vonein-ander getrennt sind und sich dies auch in den fachlichen Spezialisierungen widerspiegelt.<br \/>\nPositiv wurde in den Diskussionen der Veranstaltung die gro\u00dfe Bedeutung unterstrichen, die der Stake-holder-Ansatz im Vorschlag f\u00fcr eine Bodenkonvention spielt. Zum Teil wurde sogar gefordert, dies noch st\u00e4rker zu pointieren.<br \/>\nIn diesem Zusammenhang wurde ebenfalls ausdr\u00fccklich unterstrichen, dass die Sichtweise des inte-grierten Ansatzes zum nachhaltigen Umgang mit B\u00f6den im bestehenden Vorschlag zu unterstreichen ist. Zum Teil wurde gefordert, die drei Dimensionen des Nachhaltigkeitskonzepts in der Zielrichtung der Bo-denkonvention noch pr\u00e4gnanter zu formulieren, gegebenenfalls sogar ausdr\u00fccklich in einem eigenen Ar-tikel.<br \/>\nEbenfalls intensiv diskutiert wurde das Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteure, um das Bodenbe-wusstsein zu f\u00f6rdern und damit die Chancen f\u00fcr die Verabschiedung einer umfassenden Bodenkonventi-on zu verbessern. <\/p>\n<p>Zum Abschluss der Tagung wurde in M\u00fcnchen am Mittwochabend, den 25. November 1998, eine \u00f6ffent-liche Abendveranstaltung im Rahmen des SZ-Forums der S\u00fcddeutschen Zeitung durchgef\u00fchrt, an der etwa 250 Personen teilnahmen. In der S\u00fcddeutschen Zeitung wurde dar\u00fcber ausf\u00fchrlich mit einer ganzen Sonderseite informiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zielsetzung des Projekts war es, das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung der B\u00f6den sowie f\u00fcr die Probleme der Bodendegradation zu st\u00e4rken und das Instrument einer international verbindlichen Bodenkonvention als Rahmen f\u00fcr die erforderlichen nationalen, regionalen und lokalen Aktivit\u00e4ten zu einem nachhaltigen Umgang mit B\u00f6den in Fachkreisen zu verbreiten. 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