{"id":20979,"date":"2023-07-13T15:17:16","date_gmt":"2023-07-13T13:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14924-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:17:18","modified_gmt":"2023-07-13T13:17:18","slug":"14924-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14924-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Bewahrung umweltgesch\u00e4digter Zierelemente der ehemaligen Ratslaube in Halberstadt (Sachsen-Anhalt)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die einstmals pr\u00e4chtige, einen hohen handwerklichen und bildk\u00fcnstlerischen Wert verk\u00f6rpernde, 1663 den S\u00fcdeingang des historischen Rathauses bildende Ratslaube wurde 1945 mitsamt diesem zerst\u00f6rt. 1950 konnten noch 56 St\u00fcck der bildlich gestalteten Sandsteine, teils besch\u00e4digt oder als Fragmente, geborgen werden. Dieser kunsthistorische Wert soll erhalten und sp\u00e4ter funktional, eingef\u00fcgt in eine wieder aufzubauende Ratslaube, der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert werden. Der umwelt- und ereignisbedingte Schadstoffeintrag f\u00fchrte zu fortschreitender Zerst\u00f6rung der Kunstwerke. Ziel ist es, diesen Vorgang zu stoppen, die Steinoberfl\u00e4che zu neutralisieren und zu konservieren. Gewollter Effekt des Vorhabens ist die hieraus entstehende, wiederverwendbare Technologie f\u00fcr schadstoffbelastete Sandsteine analoger Eigenschaften und H\u00e4rte sowie die Anwendung speziell abgestimmten Steinersatzmaterials.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAbfolge der Bearbeitungsphasen:<br \/>\n&#8211; Wissenschaftliche Untersuchungen zu Eigenschaften, Zustand, Schadstoffbelastung und Wasseraufnahmeverhalten der Sandsteine vor und nach der Behandlung sowie begleitende Beratung w\u00e4hrend  der Sanierung;<br \/>\n&#8211; Ermitteln und Erproben eines geeigneten Festigungs- und Konservierungsmittels im Laborversuch;<br \/>\n&#8211; Festigen und Sichern absandender und schollenf\u00f6rmig gelockerter Bereiche mittels Injektion von M\u00f6rtel auf mineralischer Basis;<br \/>\n&#8211; Entsalzen und Neutralisieren eingetragener Schadstoffe durch Ausschwemmen mittels Kompressenvorn\u00e4ssung und Mikrodampfstrahl;<br \/>\n&#8211; Ausd\u00fcnnen schadstoffhaltiger Krusten mit Mikropartikelstrahl und Skalpell nach Erweichen, ggf. Abd\u00fcnnen und Schlichten durch Schleifen mit Minimotger\u00e4t;<br \/>\n&#8211; Konservieren entsprechend den Untersuchungsergebnissen und Laborbefunden;<br \/>\n&#8211; differenziertes Erg\u00e4nzen von Fehlstellen an bildlichen Darstellungen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die anvisierte Zielstellung, die Steine zu gesunden um sie sp\u00e4ter wieder ihrer urspr\u00fcnglichen Funktion als Teil eines Baukunstwerkes zuzuf\u00fchren, wurde im wesentlichen erreicht. Nicht alle Steine waren f\u00fcr eine Wiederverwendung geeignet. Einige Sch\u00e4den offenbarten sich erst bei der Bearbeitung.<\/p>\n<p>F\u00f6rderlich und kostensparend erwies sich eine einvernehmliche und koordinierende Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen, was jedoch nicht gleichzeitig mit Termintreue zu verbinden war.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Bohrwiderstandsmessungen nach der Konservierung erf\u00fcllten nicht die Erwartungen. Im Bericht verwies das IDK Dresden auf anderweitige Erfahrungen mit Kiesels\u00e4ureester-Produkten, wobei der Festigungseffekt gegen\u00fcber den Herstellerangaben oftmals wesentlich sp\u00e4ter eintrat.<\/p>\n<p>Das vorliegende Ergebnis gen\u00fcgt zwar dem Verwendungszweck, bleibt aber hinter den Laborergebnissen zur\u00fcck. Eine weitere Beprobung, evtl. nach 6 Monaten, k\u00f6nnte hierzu Aufschluss geben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnispr\u00e4sentation beschr\u00e4nkt sich vorerst auf das Zurschaustellen ausgew\u00e4hlter, konservatorisch und restauratorisch bearbeiteter Werkst\u00fccke, kombiniert mit neuen Erg\u00e4nzungsst\u00fccken zu einem Bauteil, aufgebaut in einem zentralen Kaufhauskomplex der Stadt. Sp\u00e4ter findet dieses Bauteil seine Verwendung in dem wiederzuerrichtenden Bauwerk Ratslaube.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zur Behandlung der umweltgesch\u00e4digten sandsteinernen  Kunstfragmente wurde eine systematische, folgerichtige Vorgehensweise festgelegt. Diese basierte auf aktuellem Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen. Hiermit war es m\u00f6glich, die \u00e4u\u00dfere Erscheinung des Steines konser-vatorisch so zu fertigen, dass in absehbarer Zeit keine substanzgef\u00e4hrdenden Einfl\u00fcsse wirksam werden k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus erreichen die statischen Eigenschaften ann\u00e4hrend Originalwerte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die einstmals pr\u00e4chtige, einen hohen handwerklichen und bildk\u00fcnstlerischen Wert verk\u00f6rpernde, 1663 den S\u00fcdeingang des historischen Rathauses bildende Ratslaube wurde 1945 mitsamt diesem zerst\u00f6rt. 1950 konnten noch 56 St\u00fcck der bildlich gestalteten Sandsteine, teils besch\u00e4digt oder als Fragmente, geborgen werden. 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