{"id":20972,"date":"2023-07-13T15:17:16","date_gmt":"2023-07-13T13:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14931-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:17:18","modified_gmt":"2023-07-13T13:17:18","slug":"14931-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14931-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Bioabfallverwertung: Verwertung von verpackten Altkosmetika und K\u00f6rperpflegemitteln"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Vorhabens war die Erarbeitung von allgemeing\u00fcltigen Pr\u00fcfkriterien zur Beurteilung der anaeroben Verwertbarkeit von Abf\u00e4llen in abfallwirtschaftlichen Verg\u00e4rungsanlagen am Beispiel von verpackten Altkosmetika und K\u00f6rperpflegemitteln. Mit Hilfe der Untersuchungen wurden Grundlagen f\u00fcr die Beurteilung der stofflichen Verwertbarkeit von komplexen Mischabf\u00e4llen geschaffen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Vorhaben gliederte sich in folgende Teilschritte:<br \/>\n\u00b7\tPr\u00fcfung, ob Altkosmetika und K\u00f6rperpflegemittel nassmechanisch mittels Abfallpulper in eine Kosmetikapulpe und in Verpackungsfraktionen aufgetrennt werden k\u00f6nnen: 3 Versuche inklusive der E-stellung von Stoffstrombilanzen.<br \/>\n\u00b7\tAufbereitung der Verpackungsfraktionen in der Technikumanlage der BIfA GmbH.<br \/>\n\u00b7\tChemische Charakterisierung der Kosmetikapulpe: 2 Chargen wurden auf den Gehalt an wertgebenden und wertmindernden Inhaltsstoffen untersucht.<br \/>\n\u00b7\tPr\u00fcfung der Bioabbaubarkeit typischer kosmetischer Stoffe  unter anaeroben Bedingungen: Faulversuche mit Stoffbilanzen (TOC und TIC im Medium, Biogasproduktion).<br \/>\n\u00b7\tPr\u00fcfung der Bioabbaubarkeit von typischen kosmetischen Stoffen unter aeroben Bedingungen (Simulation der Abwasserreinigung): Respirometerversuche mit Bilanzierung des Abbaus (TOC und TIC im Medium, Gasums\u00e4tze an O2 und CO2).<br \/>\n\u00b7\tPr\u00fcfung der Bioabbaubarkeit von typischen kosmetischen Stoffen unter Kompostierungsbedingungen (Simulation der Nachrotte des G\u00e4rr\u00fcckstandes): Respirometerversuche mit Bilanzierung des Abbaus (Gasums\u00e4tze an O2 und CO2).<br \/>\n\u00b7\tG\u00e4rversuche mit Kosmetikapulpe im Laborma\u00dfstab: Belastungstests mit unterschiedlichen Mengen an Kosmetikapulpe.<br \/>\n\u00b7\tG\u00e4rversuche im Chemostaten (Simulation des Faulprozesses): Biogasproduktion und oTS-Abbau.<br \/>\n\u00b7\tPr\u00fcfung der Verwertbarkeit der Altkosmetika-Verpackungen: Technische Machbarkeit, wirtschaftliche Zumutbarkeit, Umweltvertr\u00e4glichkeit.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>F\u00fcr die Separation der Verpackungsmaterialien und der kosmetischen Mittel wurde eine nassmechanische Aufbereitung der Altkosmetika in dem Abfallpulper einer Bioabfallverg\u00e4rungsanlage erprobt. Die Mehrzahl der Verpackungsmaterialien konnte von den kosmetischen Mitteln problemlos abgetrennt werden; lediglich die Papier- und Pappeanteile der Verpackungen wurden zerfasert und in die erzeugte Kosmetikapulpe eingetragen. Auf diese Weise wurden die Cellulosefasern der verschmutzten Papiere ei-ner biologischen Verwertung zug\u00e4nglich gemacht.<br \/>\nF\u00fcr die separierten Verpackungsmischfraktionen wurden mit Hilfe einer multifunktionalen Technikumanlage weitere Trennschritte entwickelt und erprobt, die eine Separierung der vermischten Verpackungsmaterialien in sortenarme Verpackungsmaterialfraktionen erm\u00f6glichten. Die gewonnenen sortenarmen Verpackungsmaterialfraktionen wurden nachfolgend auf ihre Verwertbarkeit \u00fcberpr\u00fcft und der Gesamtprozess wurde bewertet (Stoff- und Energiebilanz).<br \/>\nNeben den Verpackungsabf\u00e4llen wurde bei der nassmechanischen Aufbereitung eine Kosmetikapulpe gewonnen. F\u00fcr die Beurteilung der anaeroben Bioabbaubarkeit und Verg\u00e4rbarkeit der Kosmetikapulpe und vergleichbarer Abf\u00e4lle wurde ein Pr\u00fcfschema konzipiert und umfassend erprobt.<br \/>\nKosmetische Mittel sind komplexe Mischungen einer Vielzahl einzelner kosmetischer Stoffe. Die Pr\u00fcfungen zum Umweltverhalten wurden deshalb zun\u00e4chst exemplarisch an 10 relevanten kosmetischen Stoffen erprobt. Dabei zeigte sich, dass von 10 gepr\u00fcften kosmetischen Stoffen 5 leicht (ready biodegradable) und 8 grunds\u00e4tzlich anaerob bioabbaubar (inherent biodegradable) waren. Au\u00dferdem wurden Pr\u00fcfungen zur aeroben Bioabbaurkeit durchgef\u00fchrt. Von 10 gepr\u00fcften kosmetischen Stoffen waren in w\u00e4ss-rigen Testmedien 7 leicht (ready biodegradable) und 10 grunds\u00e4tzlich (inherent biodegradable) aerob bioabbaubar; im Kompostmilieu waren 8 leicht (ready biodegradable) und 10 grunds\u00e4tzlich (inherent bio-degradable) aerob bioabbaubar.<br \/>\nZus\u00e4tzlich wurden Pr\u00fcfungen zur Verg\u00e4rbarkeit von realen Kosmetikapulpen durchgef\u00fchrt. Bis zum maximal gepr\u00fcften Anteil am G\u00e4rsubstrat von 20 Massen-% bewirkten Kosmetikapulpen keine Hemmung der Biogasbildung in statischen Faulversuchen. Auch bei einer Coverg\u00e4rung von Bioabfallpulpe und Kosmetikapulpe im Mischungsverh\u00e4ltnis 10:1 zeigten sich keine nachteiligen Einfl\u00fcsse der in der Kosmetikapulpe enthaltenen kosmetischen Stoffe auf die Stabilit\u00e4t der Faulung bei einer HRT von 20 d und ei-ner Raumbelastung von 2,2 g OS\/(LRV \u00b4 d). Eine Monoverg\u00e4rung von Kosmetikapulpe war bei vergleichbarer Raumbelastung nicht stabil durchf\u00fchrbar. F\u00fcr die Praxis w\u00e4re daher eine Coverg\u00e4rung anzuraten. Orientierend durchgef\u00fchrte Biotests zeigten vereinzelt auff\u00e4llige Befunde bei vergorenen G\u00e4rsubstraten, die mit kosmetischen Stoffen versetzt worden waren. Diese Befunde bed\u00fcrfen einer weitergehenden Abkl\u00e4rung.<br \/>\nAls Ergebnis der biologischen Verwertungspr\u00fcfungen mu\u00df eine Mitverg\u00e4rung von Kosmetikapulpen in Bioabfallverg\u00e4rungsanlagen oder landwirtschaftlichen Verg\u00e4rungsanlagen zun\u00e4chst abgelehnt werden. Dieser Befund ist durch zu hohe Schadstoffbelastungen und erhebliche Kenntnisdefizite zum Umweltverhalten von kosmetischen Stoffen &#8211; wie anderen chemischen Stoffen auch &#8211; begr\u00fcndet. Dazu sollten je-doch noch weitere Untersuchungen durchgef\u00fchrt werden. Realisierbar ist die Mitverwertung von Kosmetikapulpen in Fault\u00fcrmen von Kl\u00e4ranlagen, wobei die ausgefaulten Kl\u00e4rschl\u00e4mme &#8211; wie in bayerischen Gro\u00dfst\u00e4dten \u00fcblich &#8211; anschlie\u00dfend vorsorglich thermisch verwertet werden sollten.<br \/>\nEine vergleichende Absch\u00e4tzung verschiedener Entsorgungsvarianten zeigte, dass die weitgehende Aufbereitung mit anschlie\u00dfender stofflicher Verwertung der Aufbereitungsprodukte unter \u00f6kologischen Gesichtspunkten vorteilhaft w\u00e4re. Die \u00f6konomische Sinnhaftigkeit einzelner Entsorgungsvarianten h\u00e4ngt stark vom Abfallaufkommen sowie den abfallwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab, die derzeit die energetische Verwertung oder Beseitigung favorisieren. Der Rat von Sachverst\u00e4ndigen f\u00fcr Umweltfragen empfiehlt jedoch, bei der Auswahl der Entsorgungsvarianten zuk\u00fcnftig der umweltvertr\u00e4glichsten Variante das Primat einzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Posterpr\u00e4sentationen bei der DR. Grandel GmbH und der BIfA GmbH; Projektpr\u00e4sentation beim VDI-Workshop Verg\u00e4rung organischer Stoffe, 18\/19.4.2002 in D\u00fcsseldorf; Ver\u00f6ffentlichung in Fachzeit-schriften (in Vorbereitung)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Vorhaben wurde ein Pr\u00fcfschema zur Beurteilung der biologischen Verwertbarkeit organischer Rest-stoffe erarbeitet und am Beispiel von kosmetischen Stoffen erfolgreich erprobt. Das Pr\u00fcfschema bietet erstmals die M\u00f6glichkeit, die biologische Verwertbarkeit von Abf\u00e4llen unter standardisierten Bedingungen zu pr\u00fcfen. Au\u00dferdem wurde aufgezeigt, dass auch f\u00fcr nicht restentleerte Verpackungsmaterialien eine stoffliche Verwertung technisch machbar und \u00f6kologisch vorteilhaft sein kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Vorhabens war die Erarbeitung von allgemeing\u00fcltigen Pr\u00fcfkriterien zur Beurteilung der anaeroben Verwertbarkeit von Abf\u00e4llen in abfallwirtschaftlichen Verg\u00e4rungsanlagen am Beispiel von verpackten Altkosmetika und K\u00f6rperpflegemitteln. Mit Hilfe der Untersuchungen wurden Grundlagen f\u00fcr die Beurteilung der stofflichen Verwertbarkeit von komplexen Mischabf\u00e4llen geschaffen. 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