{"id":20949,"date":"2023-07-13T15:17:12","date_gmt":"2023-07-13T13:17:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14848-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:17:15","modified_gmt":"2023-07-13T13:17:15","slug":"14848-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14848-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Beseitigung komplexer Korrosionssch\u00e4den am romanischen Wurzel-Jesse-Fenster von St. Patrokli\/Soest (Nordrhein-Westfalen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Wurzel-Jesse-Fenster aus St. Patrokli in Soest wurde um 1160\/66 geschaffen und z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten Glasmalereien Deutschlands. Auf Grund starker Korrosions- und Umweltsch\u00e4den wurden die Scheiben bereits 1974 eingelagert, da nach dem damaligen Stand der Technik eine Bearbeitung nicht geraten schien. Gl\u00fccklicherweise hat die Restaurierungstechnologie seither  erfreuliche Fortschritte gemacht. Au\u00dferdem stehen heute noch hochqualifizierte Diplom-Glasrestauratoren zur Verf\u00fcgung, so dass nun verschiedene neue Technologien nach ausf\u00fchrlichen, objektbezogenen Testreihen z.T. erstmalig zur Anwendung kommen sollen. Im Vordergrund des Projektes (eingebettet in ein differenziertes Restaurierungskonzept) soll die Beseitigung der komplexen Korrosionssch\u00e4den stehen, damit die kostbaren Scheiben wieder in Soest der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNach einer Untersuchungsphase, in der verschiedene neuere Technologien f\u00fcr die Glasmalerei-Restaurierung zu adaptieren und zu testen sind, ist es vorgesehen, die optimierten Methoden bei der Be-arbeitung des Wurzel-Jesse-Fensters aus Soest einzusetzen. Neben verschiedenen bereits bekannten und bew\u00e4hrten Restaurierungstechniken sollen insbesondere folgende neu zu entwickelnden Methoden nach ausf\u00fchrlicher Pr\u00fcfung und Abw\u00e4gung ihrer Vor- und Nachteile zum Einsatz kommen:<br \/>\n1.\tErmittlung eines m\u00f6glichst schonenden Verfahrens zur Abt\u00f6tung von mikrobiologischem Befall, z.B.: Ber\u00fchrungsfreie Aerosol-Bedampfung mit Isopropanol oder Bestrahlung mit hohen Dosen von UV-Licht.<br \/>\n2.\tAnwendung von fl\u00fcchtigen Bindemitteln (Cyclododecan, Trycyclen-Canphen oder Menthol) bei der Abtragung der abget\u00f6teten Pilzmatten und Korrosionskrusten.<br \/>\n3.\tAnwendung von fl\u00fcchtigen Bindemitteln als Abdeckschicht und Korrosionsabdichtung bei der Kantenanbindung von gesprungenen Gl\u00e4sern.Dieses neue Verfahren wurden bislang nur vereinzelt und ohne genauere \u00dcberpr\u00fcfung in der Glasmalerei-Restaurierung eingesetzt. Es steht zu erwarten, dass die Anwendung an den Soester Scheiben auch f\u00fcr zuk\u00fcnftige, komplexe Restaurierungsarbeiten an historischen Glasmalereien von gro\u00dfem Nutzen sein wird.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit Dipl.-Restauratorin Frau G. M\u00f6hrle, im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule K\u00f6ln und den Dipl.-Restauratoren, Frau Els Peumans und Herr J\u00fcrgen Albert der Glasmalerei Dr. H. Oidtmann, Linnich, wurde unter Betreuung von Frau Professor J\u00e4gers (Fachhochschule K\u00f6ln) angefangen mit der Voruntersuchungsarbeiten zur Konservierung und Restaurierung des Wurzel-Jesse-Fenster St. Patrokli aus Soest.<br \/>\nDipl. Restauratorin Frau G. M\u00f6hrle hat die Untersuchungen vorgeschlagen und getestet. Jede Ma\u00dfnahme wurde durch die Restauratoren der Glasmalerei Oidtmann \u00fcberpr\u00fcft und durch eine begleitende Kommission abgestimmt und festgelegt.<br \/>\n1.\tVerfahren zur Abt\u00f6tung von mikrobiologischen Befall:<br \/>\nNach Analyse der unterschiedlichen Bel\u00e4ge wurde festgestellt, dass es sich ausschlie\u00dflich um Verschmutzungspartikel und organisches Material handelte, deswegen sollten Sie von den Glasoberfl\u00e4chen abgenommen werden.<br \/>\nDie Untersuchungen zu Pilzbehandlungen haben gezeigt, dass der Einsatz von einem Aerosol Generator (Ultraschallzerst\u00e4uber AGS 2000 &#8211; mit Hilfe von Ultraschallwellen wird die Ethanoll\u00f6sung in ein sehr feines Aerosol umgewandelt) notwendig ist. Diese Technik stellte nicht nur eine ber\u00fchrungsfreie M\u00f6glichkeit dar, die gef\u00e4hrdeten Malschichten einer Pilzbehandlung zu unterziehen, sondern dass diese Methode auch die schonendste und gleichsam die Effektivste war. Die Abfolge einer Behandlung vor der Reinigung und zwei Ethanolbehandlungen nach der Reinigung im Abstand von 3 &#8211; 7 Ta-gen f\u00fchrte zu einem sehr befriedigendem Erfolg.<br \/>\n2.\tFl\u00fcchtige Bindemittel (Trycyclen-Camphen, Cyclododecan und Menthol)<br \/>\nZur Anwendung von fl\u00fcchtigen Bindemitteln wurden verschiedene Proben ausgef\u00fchrt und bewertet. Diese Bindemittel sind unpolare, organische Verbindungen, cyclische Kohlenwasserstoffe. Sie sind nicht giftig, umweltvertr\u00e4glich und sind bei Raumtemperatur (20\u00b0 &#8211; 25\u00b0C) in Festform. Durch ihren hohen Dampfdruck verdampfen sie r\u00fcckstandsfrei.<br \/>\nF\u00fcr das Wurzel-Jesse-Fenster aus Soest wurde dieses Verfahren, nach den Voruntersuchungen, nicht eingesetzt, da die Problematik mit lockerer Schwarzlotmalerei, Ausd\u00fcnnung der Korrosionskrusten und Festigung der Malerei nicht so dramatisch war, wie vorher gedacht. Diese Ma\u00dfnahmen konnten in der \u00fcblichen Art (mittels eines feinen Pinsels, unter dem Mikroskop und mit viel Geduld) und der jahrelangen Erfahrung der Glas-Restauratoren durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00dcber das Wurzel-Jesse-Fenster (1160-66) aus St. Patrokli in Soest, wurde mit Herrn Dr. Korn (Westf\u00e4lisches Amt f\u00fcr Denkmalpflege) am 29. M\u00e4rz 2000, ein Interview von der Redaktion Mosaik, WDR, auf-genommen.<br \/>\nDas fertig restaurierte Fenster wurde von April 2001 bis Januar 2002 im Glasmalereimuseum Linnich der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert.<br \/>\nAm 22. Mai 2001 wurde ein kleines internationales Colloquium im Glasmalereimuseum Linnich abgehalten, an dem viele Experten aus dem Bereich Konservierung und Restaurierung von historischen Fenstern teilnahmen. Bei dieser Gelegenheit wurde die durchgef\u00fchrten Restaurierungsarbeiten vorgestellt und mit den Fachleuten diskutiert. Dabei konnten einige mittelalterliche Scheiben auch unter dem Mikro-skop genau in Augenschein genommen werden.<br \/>\nDas restaurierte Fenster wurde nach der Ausstellung im Glasmalereimuseum Linnich in eine klimatisierte Vitrine im R\u00fcstkammer-Museum  im Turm der St. Patrokli-Kirche in Soest eingesetzt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Diese Erfahrungen mit den neuen Methoden (d.h. Aerosolgenerator und den fl\u00fcchtigen Bindemitteln) haben nach vielen \u00dcberpr\u00fcfungen gezeigt, dass beide neuen Techniken f\u00fcr die Konservierung und Restaurierung von historischen Bleiverglasungen einen wertvollen Beitrag geliefert haben. Die Aerosol-Bedampfung ist sehr einsetzbar zur Behandlung von Mikroorganismen, wobei das Objekt nicht mechanisch  zerst\u00f6rt wird, bei dem Abtrag von Mikroorganismen. Fl\u00fcchtige Bindemitteln sind ebenfalls einsetzbar, obwohl da eine neuere Zusicht ausge\u00fcbt werden muss, d. h. zur Abdeckung von verschmutzten Glasoberfl\u00e4chen, als Festigung von lockerer Schwarzlotmalerei. Diese fl\u00fcchtigen Bindemittel k\u00f6nnen in der Zukunft f\u00fcr andere Kommissionen zur Restaurierung von Bleiverglasungen angewandt werden. Weitere Informationen \u00fcber dieses Verfahren kann man in der Diplomarbeit von Frau Dipl.-Restauratorin Frau G. M\u00f6hrle nachlesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Wurzel-Jesse-Fenster aus St. Patrokli in Soest wurde um 1160\/66 geschaffen und z\u00e4hlt zu den \u00e4ltesten Glasmalereien Deutschlands. Auf Grund starker Korrosions- und Umweltsch\u00e4den wurden die Scheiben bereits 1974 eingelagert, da nach dem damaligen Stand der Technik eine Bearbeitung nicht geraten schien. 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