{"id":20902,"date":"2023-07-13T15:17:04","date_gmt":"2023-07-13T13:17:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14691-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:17:07","modified_gmt":"2023-07-13T13:17:07","slug":"14691-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14691-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Sanierung der durch Umwelteinfl\u00fcsse gesch\u00e4digten Wendeltreppe in Sandstein-Skelettbauweise von Schlo\u00df Hartenfels mit hohem technischen und konservatorischen Schwierigkeitsgrad (Sachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Sanierung des Treppenlaufes des Gro\u00dfen Wendelsteins unter Ma\u00dfgabe, dass m\u00f6glichst viele Originalsubstanz erhalten bleiben kann. Die Treppe war bereits jahrelang durch die Bauaufsicht gesperrt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie einzelnen Stufen des Treppenlaufes waren zum gro\u00dfen Teil gebrochen, an der Unterseite stark verwittert und an der Oberseite stark ausgetreten und mit einer Stahlbetonschicht \u00fcberdeckt.Die Voruntersuchungen ergaben, dass ein Teil der Stufen komplett erhalten werden konnte, von anderen Stufen wurden einzelne Teile wiederverwendet und die restlichen Stufen mussten als neue Stufen ausgebildet werden.<br \/>\nAlte und neue Stufenteile wurden mit Bewehrungseisen verbunden und mit Steinersatzm\u00f6rtel aufmodelliert. Alle Stufen erhielten danach eine Acrylharzvolltr\u00e4nkung. Im Anschluss erfolgte der Wiederaufbau des Treppenlaufes vom Gro\u00dfen Wendelstein. Die Methode der Acrylharzvolltr\u00e4nkung wurde erstmals zur statischen Konsuldierung an Sandsteinelementen angewandt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>\u00b7\tZusammenfassung der Ergebnisse der Festigkeitsuntersuchungen an Probek\u00f6rpern und der Probebelastungen einzelner restaurierter Stufensteine:<br \/>\nDie an den Probek\u00f6rpern gewonnenen Versuchsergebnisse sind<br \/>\n&#8211;\tVerh\u00e4ltnis der Druckfestigkeiten und Biegezugsfestigkeiten von getr\u00e4nktem zu ungetr\u00e4nktem Cottaer Sandstein im Mittel 5,3 zu 1,0<br \/>\n&#8211;\tDie Durchtr\u00e4nkung sowohl des Sandsteines als auch der Antrags- und Injektionsmassen wird erreicht.<br \/>\n&#8211;\tDer Haftverbund Stahl-Injektionsm\u00f6rtel und Injektionsm\u00f6rtel-Sandstein erreicht durch die Acrylharzvolltr\u00e4nkung Festigkeitswerte, die in ausreichenden Gr\u00f6\u00dfenordnungen und h\u00f6her sind als ohne Tr\u00e4nkung.<br \/>\n&#8211;\tDie Antragsmasse erh\u00e4lt durch die Acrylharzvolltr\u00e4nkung ebenfalls die volle Druckfestigkeit des getr\u00e4nkten Sandsteines. Ihr Verbund zum Sandstein ist ohne Mangel. Sandstein und Antragsmasse verhalten sich bei Belastung wie ein homogener Querschnitt.<br \/>\nDie restaurierten Stufen verhielten sich in der Probebelastung unterschiedlich:<br \/>\n&#8211;\tDie Probelast erzeugte Spannungen im Stufenquerschnitt (N\u00e4he Stufenhals) in dreifacher H\u00f6he gegen\u00fcber der Gebrauchslast.<br \/>\n&#8211;\tAlle vier Probestufen zeigten durchg\u00e4ngig lineares Verhalten. Es sind demnach keine Versagenserscheinungen aufgetreten.<br \/>\n&#8211;\tBereits gerissene Stufen (sanierter Riss durch Schwinden wieder ge\u00f6ffnet) besa\u00dfen \u00fcber dem sanierten Riss ca. die doppelte Dehnung.<br \/>\n&#8211;\tDie nachtr\u00e4gliche Behandlung solcher ge\u00f6ffneter Risse mit Acrylat wirkt sich sehr positiv aus.<br \/>\nSchlussfolgerungen:<br \/>\n&#8211;\tDie geforderten Festigkeiten werden mit der praktizierten Sanierungsl\u00f6sung erreicht.<br \/>\n&#8211;\tEin Problem stellt das Garantieren eines rissfreien Zustandes des Mehrkomponentensystems bis zur Volltr\u00e4nkung dar. Sollten sich die versorgten Risse durch Schwinden und Bewegen der Stufenteile wieder \u00f6ffnen, kann eine nachtr\u00e4gliche Behandlung durch Acrylat zu wirksamen Verbesserungen f\u00fchren.<br \/>\n\u00b7\tModifikation der Oberfl\u00e4chenbehandlung bei der Acrylharzvolltr\u00e4nkung:Damit kurz nach der Volltr\u00e4nkung kein Methylmetacrylat aus gr\u00f6\u00dferen Poren\u00f6ffnungen und Rissen austreten kann, wurden die Oberfl\u00e4chen bisher generell mit aufgesch\u00e4umten Hasenhautleim beschichtet. Bei der Tr\u00e4nkung von Neuteilen entsteht dadurch jedoch eine \u00e4sthetisch unbefriedigende fleckige Oberfl\u00e4che. In solchen F\u00e4llen werden wesentlich bessere Resultate erzielt bei folgender Vorgehensweise:<br \/>\n&#8211;\tkeine Beschichtung mit Hasenhautleim-\tAbdampfungsrate ca. 1 mm<br \/>\nVerwitterte Originaloberfl\u00e4chen und versorgte Rissbereiche werden mit Hasenhautleim beschichtet.<br \/>\n\u00b7\tBegehung der montierten WendeltreppeBei der anschlie\u00dfenden Begehung der montierten Wendeltreppe wurde der Restaurierungserfolg augenscheinlich. Es wurden auch Probleme, die sich in unmittelbarem Zusammenhang mit der Acrylharzvolltr\u00e4nkung ergaben, erl\u00e4utert:<br \/>\n&#8211;\tEine steinmetzm\u00e4\u00dfige Nacharbeitung der getr\u00e4nkten Stufen ist nur in engen Grenzen m\u00f6glich. Nachbesserungen k\u00f6nnen nur mit schleifenden Diamantwerkzeugen vorgenommen werden.<br \/>\n&#8211;\tFest mit der Umfassungskonstruktion verbundene Teile konnten nicht ausgebaut und getr\u00e4nkt werden. Soweit sie Teile der Trittfl\u00e4chen der Treppe bilden, mussten sie abgearbeitet und mit einer getr\u00e4nkten Platte versehen werden.<br \/>\n&#8211;\tdurch die Volltr\u00e4nkung nehmen die Stufensteine bei Bewitterung kein Niederschlagswasser mehr auf. Ggf. bedeutet dies eine erh\u00f6hte Feuchtebelastung f\u00fcr die Umfassungskonstruktion im Bereich des \u00e4u\u00dferen Auflagers und der Fugen zwischen den Stufensteinen.<br \/>\nJedoch gilt die Restaurierung des Gro\u00dfen Wendelsteins mit Hilfe der Acrylharzvolltr\u00e4nkung in der praktizierten Weise die anerkennende Zustimmung des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eingesetzten Projektbeirates f\u00fcr die vorbildlich geleistete Arbeit aller am Projekt Beteiligter.Durch das Landratsamt Torgau-Oschatz wurden getr\u00e4nkte Sandsteinplatten an einer vielbegangenen Stelle der Schlossanlage eingebaut (Schwelle Eingang Fl\u00fcgel C, unter Gro\u00dfer Wendelstein). Dadurch lassen sich rechtzeitig Hinweise darauf gewinnen, wie sich die Treppenstufen sp\u00e4ter verhalten bzw. abnutzen werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Voruntersuchungen und Ausf\u00fchrungsarbeiten wurden durch einen berufenen Beirat begleitet und in einem abschlie\u00dfenden Kolloquium am 26.02.2003 Fachexperten aus ganz Deutschland vorgestellt. Publikation erfolgte in der \u00f6rtlichen Presse. Des Weiteren erfolgt eine Publikation durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Rahmen der 2. S\u00e4chsischen Landesausstellung 2004 in Form eines Architektenf\u00fchrers Torgau. Darin wird ein Sonderbericht durch das Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Sachsen \u00fcber die Rekonstruktion des Gro\u00dfen Wendelsteins erscheinen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Nach Einbau der Wendeltreppe des Gro\u00dfen Wendelsteins und Sanierung der Gew\u00f6lbe einschlie\u00dflich der Br\u00fcstungen ist der Gro\u00dfe Wendelstein gesichert und kann wieder durch die \u00d6ffentlichkeit genutzt und bewundert werden. Die \u00e4u\u00dfere Instandsetzung der Fassaden des Gro\u00dfen Wendelsteins zwischen Altanplattform und Gesims unter der Spiegelstube steht noch aus, war aber im Rahmen der Sanierungs-arbeiten in Vorbereitung zur 2. S\u00e4chsischen Landesausstellung 2004 nicht vorgesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Sanierung des Treppenlaufes des Gro\u00dfen Wendelsteins unter Ma\u00dfgabe, dass m\u00f6glichst viele Originalsubstanz erhalten bleiben kann. Die Treppe war bereits jahrelang durch die Bauaufsicht gesperrt. 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