{"id":20822,"date":"2023-07-13T15:16:56","date_gmt":"2023-07-13T13:16:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14443-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:16:57","modified_gmt":"2023-07-13T13:16:57","slug":"14443-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14443-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Beseitigung von Umweltsch\u00e4den am Chor der Moritzkirche\/Halle (Sachsen-Anhalt) unter Einsatz eines im BMBF-Forschungsprogramm entwickelten spezifischen M\u00f6rtels"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Modellcharakter besteht in der Erstanwendung des Fugenstopfm\u00f6rtels in Verbindung mit einer Schaumm\u00f6rtelsuspension unter den Bedingungen einer Ri\u00dfsanierung am Natursteinmauerwerk mit dem Ziel einer sp\u00e4teren Anwendung bei \u00e4hnlichen Schadensbildern an historischer Bausubstanz. Verbunden damit ist die Erstanwendung eines neu entwickelten elektronischen Ri\u00df\u00fcberwachungssystems, netzunabh\u00e4ngig und wartungsfrei, im Zeitraum von 2 Jahren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAm Anfang steht eine kombinierte Feuchte- und Salzuntersuchung. Im Rahmen dieser Arbeit ist die Auswertung vorhandener Bohrungen mit Hilfe der Endoskopie geplant, in deren Ergebnis wichtige Aussagen zum Mauerwerksaufbau erwartet werden.<br \/>\nEs m\u00fcssen L\u00f6sungen erarbeitet werden f\u00fcr das tiefe Schlie\u00dfen von durchgehenden Rissen. Hierbei wird damit dem Verfahren Fugenstopfm\u00f6rtelsuspension begonnen. Die Ri\u00dfsanierung mit herk\u00f6mmlichen Fugen- und Verpressm\u00f6rtel wird zeitlich versetzt begonnen (ca. 1 Woche). Die Deckm\u00f6rtel sind in ihren physikalischen Eigenschaften und Aussehen dem Naturstein anzupassen. Die Salzvertr\u00e4glichkeit ist zu beobachten. Nach Einr\u00fcsten des Deckengew\u00f6lbes sind die Ri\u00dfverl\u00e4ufe dort zu untersuchen und entsprechend dem Sch\u00e4digungsgrad zu dokumentieren.<br \/>\nDie Ri\u00dfsanierungsarbeiten am Deckengew\u00f6lbe sind dann detailliert festzulegen. Die \u00dcbertragung von Schwingungen aus den maschinellen Arbeiten an unteren Mauerwerksrissen auf das Deckengew\u00f6lbe ist zu untersuchen. Notwendige Sicherungsarbeiten an den Rippen sind festzulegen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen der geplanten sach- und fachgerechten Sanierung der Moritzkirche in Halle erhielt die ausf\u00fchrende Firma die M\u00f6glichkeit, ihr technisches Know-How und ihre handwerklichen F\u00e4higkeiten an einer Probefl\u00e4che zu demonstrieren. Mit dem Selbstverst\u00e4ndnis langj\u00e4hriger Erfahrungen in diesem Sanierbereich und der F\u00e4higkeit innovative Verfahren und Materialien exklusiv einsetzen zu k\u00f6nnen, wurden die gestellten Aufgaben zielstrebig angegangen. Im folgenden soll durch Erl\u00e4uterungen die favorisierte Saniervariante n\u00e4hergebracht und nachvollziehbar werden.<\/p>\n<p>Die an der Probefl\u00e4che durchgef\u00fchrte Sanierungskonzeption tr\u00e4gt im wesentlichen zwei Problemstellungen Rechnung, die eines differenzierten L\u00f6sungsansatzes bed\u00fcrfen. Zum einen mu\u00dfte eine Stabilisierung und Verfestigung des Mauerwerkes erreicht werden, welches durch Kl\u00fcfte und Ri\u00dfbildungen geschw\u00e4cht war. Zum anderen stand die Aufgabe, Spalten und Risse zwischen Mauerwerk und Formsteinen (z. B. Fenstergesimse) in sichtbaren Bereichen zu schlie\u00dfen und dauerhaft instandzusetzen.<\/p>\n<p>Entsprechend der oben beschriebenen Problemstellung kamen zwei verschiedene Sanierverfahren zum Einsatz. Die Stabilisierung des Mauerwerkes erfolgte durch die Injektage von Bindemittelsuspension in den Bereichen gest\u00f6rter Texturen. Dabei geschah das Einpressen des Injektagegutes \u00fcber ein Schlauchsystem, das in vorbereitete Fugen mittels M\u00f6rtel fixiert wurde. Besonders im Fugenbereich hat sich diese Variante bew\u00e4hrt, da Spreitzpacker zumeist nicht das ben\u00f6tigte Widerlager in M\u00f6rtel finden. Als Injektagesuspension wurde ein f\u00fcr historisches Mauerwerk entwickelter Schaumm\u00f6rtel verwendet. Die Vorz\u00fcge dieses Systems liegen neben einer guten Sulfatvertr\u00e4glichkeit in seinem sehr geringen Eigengewicht und in einer angepa\u00dften stofflichen Charakteristik. Diese Eigenschaften sichern zum einen eine sehr gute statische Vertr\u00e4glichkeit, da insbesondere in labilen Systemen und bei hohen Bauten ein zus\u00e4tzlicher Lasteintrag vermindert werden kann. Zum anderen werden Sch\u00e4digungen am alten M\u00f6rtel-system und Naturstein durch die entsprechend verminderten E-Moduli und Festigkeiten verhindert. Der nicht zuletzt entscheidende Vorteil besteht jedoch in dem sehr gro\u00dfen Porenraum des Injektagem\u00f6rtels, der es Salzen, die chemisch durch kein M\u00f6rtelsystem beherrschbar sind (z. B. Nitrate), erm\u00f6glicht zerst\u00f6rungsfrei auszubl\u00fchen bis die Ausgangsstoffe aufgebraucht sind oder ein Gleichgewicht in der Mauer ausgebildet wird. <\/p>\n<p>Im zweiten Bereich der Sanierungsma\u00dfnahmen ging es um die Beseitigung der Fugen und Kl\u00fcfte zwischen Mauerwand und Formsteinen, die W\u00e4rme- und vor allem Feuchtebr\u00fccken darstellten. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, wurde auf eine Methode zur\u00fcckgegriffen, die sich in vergleichbaren F\u00e4llen bew\u00e4hren konnte. Die Schwierigkeit bei der hier auftretenden Problematik lag in der Herstellung eines dauerhaft schl\u00fcssigen Verbundes zwischen Sanierm\u00f6rtel, altem M\u00f6rtelsystem, Mauer- und Form-steinen. Dabei k\u00f6nnen einzelne Bauteile (z. B. Fenster) eigene Systeme mit zum Mauerwerk differierenden w\u00e4rmedehnenden Eigenschaften bilden. Demzufolge war an diesen Stellen ein Saniersystem gefordert, welches neben festigkeitsbildenden Eigenschaften ein ausreichendes Ma\u00df an Elastizit\u00e4t mitbringt, um den auftretenden Spannungen gewachsen zu sein. Aus diesem Grund wurde durch die ausf\u00fchrende Firma ein in Eigenentwicklung erstellter und auf diese Eigenschaften abgestimmter Stopfm\u00f6rtel zur An-wendung gebracht. Nach Reinigung des instandzusetzenden Bereiches erfolgte zun\u00e4chst eine h\u00e4ndische Applizierung des knetbaren M\u00f6rtels. In der Folge wurde der Stopfm\u00f6rtel lagenweise mittels Druckluftspatel verdichtet, bis das vorgesehene Einbauniveau erreicht wurde. Dabei pa\u00dft sich die plastische Mas-se ideal den vorgegebenen Formen an. Der Verarbeitungsspielraum lag ca. bei einer Stunde, nach der der Abbindeprozess begann. Dabei h\u00e4rtete der faserverst\u00e4rkte M\u00f6rtel aus, ohne jedoch seine elastischen Eigenschaften vollst\u00e4ndig zu verlieren. Abschlie\u00dfend wurde die so instandgesetzte Fuge mit einem auf den Untergrund abgestimmten Stopfm\u00f6rtel-Deckputz versehen. Die F\u00e4rbung und Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit lie\u00df sich zudem an vorhandene M\u00f6rtelfugen angleichen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Vergleich zur herk\u00f6mmlichen Methode der Ri\u00dfverpressung weist das verwendete Material eine h\u00f6here Salzvertr\u00e4glichkeit und Elastizit\u00e4t aus. Nicht abgeklungene, geringe Ri\u00dfbewegungen k\u00f6nnen \u00fcberdeckt werden<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Modellcharakter besteht in der Erstanwendung des Fugenstopfm\u00f6rtels in Verbindung mit einer Schaumm\u00f6rtelsuspension unter den Bedingungen einer Ri\u00dfsanierung am Natursteinmauerwerk mit dem Ziel einer sp\u00e4teren Anwendung bei \u00e4hnlichen Schadensbildern an historischer Bausubstanz. Verbunden damit ist die Erstanwendung eines neu entwickelten elektronischen Ri\u00df\u00fcberwachungssystems, netzunabh\u00e4ngig und wartungsfrei, im Zeitraum von 2 Jahren. 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