{"id":20715,"date":"2023-07-13T15:16:39","date_gmt":"2023-07-13T13:16:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14131-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:16:41","modified_gmt":"2023-07-13T13:16:41","slug":"14131-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14131-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Anwendung eines d\u00fcnnschichtigen schadstoffresistenten Putzes zum Schutz der barocken Kirchenmauern der Parochialkirche\/Berlin vor Umweltsch\u00e4den (gef\u00e4hrdete Teilfl\u00e4chen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Grundlage f\u00fcr das Projekt ist das Ergebnis eines Vorprojektes aus den Jahren 1996\/1997, bei dem ein Putzm\u00f6rtel f\u00fcr hochbelastetes weiches Ziegelmauerwerk entwickelt wurde. An den Fassaden der Parochialkirche wurden drei verschiedene, von der Universit\u00e4t Siegen entwickelte M\u00f6rtel im Vergleich mit einem handels\u00fcblichen Sanierputz erprobt. Die Anforderungen an den M\u00f6rtel waren: gute Resistenz gegen Schadstoffe aus der Luft bzw. aus dem Untergrund, hohe Haftzugfestigkeit trotz des denkmalpflegerisch gew\u00fcnschten d\u00fcnnschichtigen Auftrags und unterschiedlicher Ziegeluntergr\u00fcnde, hohes Wasserr\u00fcckhalteverm\u00f6gen, um ein zu schnelles Austrocknen auf den stark saugenden Ziegeln zu vermeiden, geringes Schwundverhalten und gute wasserabweisende Qualit\u00e4ten. Der ausgew\u00e4hlte M\u00f6rtel auf der Basis von hydraulischem Kalk enth\u00e4lt verschiedene Zus\u00e4tze (Kunststoffdispersion, Hydrophobierer, Methylzellulose, Pangel), um diese Eigenschaften zu erreichen. Anlass des vorliegenden Projektes ist die Erprobung des entwickelten M\u00f6rtels auf einer gro\u00dfen, verschiedenen Bedingungen ausgesetzten Fassadenfl\u00e4che, d. h. projektgem\u00e4\u00df auf 11 Achsen des Kirchenschiffes der Parochialkirche. Ziel ist es, nach einer Testphase von drei Jahren den M\u00f6rtel zur Anwendungsreife zu bringen, um eine denkmalpflegerisch sinnvolle Alternative zu herk\u00f6mmlichen Sanierputzen zu bieten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie zu bearbeitende Fassadenfl\u00e4che besteht aus verschiedenen Untergr\u00fcnden (Fl\u00e4chen mit Altputz, Fl\u00e4chen, die seit 50 Jahren ohne Putz und Fl\u00e4chen, die erst seit wenigen Jahren ohne Putz sind). Diese verschiedenen Fl\u00e4chen werden an ausgew\u00e4hlten Achsen kartiert und auf ihre Eigenschaften bez\u00fcglich Festigkeit, Wasseraufnahmeverm\u00f6gen, Salzbelastung etc. untersucht. Anschlie\u00dfend werden alle alten Putzfl\u00e4chen entfernt, und die Fugen ausgekratzt. Vor dem Neuputz werden die Fugen mit dem entwickelten Putzm\u00f6rtel verfugt und anschlie\u00dfend die Fl\u00e4chen einlagig geputzt. Alle Bauteile des Kirchenschiffes werden dahingehend saniert, dass eine sichere Wasserableitung gew\u00e4hrleistet und eine weitere Gef\u00e4hrdung der Putzfl\u00e4chen hier\u00fcber ausgeschlossen ist (Abw\u00e4sserungen auf allen Vorspr\u00fcngen, Sanierung des Sandsteinsockels). Im Verlauf der n\u00e4chsten drei Jahre werden die geputzten Fl\u00e4chen im Jahresturnus auf ihre Eigenschaften bez\u00fcglich der Haltbarkeit und Schadstoffresistenz untersucht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Applikation des M\u00f6rtels bezog sich auf ein Bindemittelgemisch von hydraulischem Kalk, sulfatbest\u00e4ndigem Hochofenzement (im Verh\u00e4ltnis 80:20), Hydrophobierer (0,08 M%), Kunststoffdispersion (0,15 M%), Methylzellulose (0,1 M%) und Pangel (0,2 M%) und gewaschenem Grubensand 0 -1 mm als Zuschlagstoff. Das empfohlene B-Z-Verh\u00e4ltnis lag bei 1:5.<br \/>\nDas Projekt zur gro\u00dffl\u00e4chigen Applikation des im Labor und an Testfl\u00e4chen von 0,5 bis 1 m\u00b2 Gr\u00f6\u00dfe erprobten Putzm\u00f6rtels brachte eine Vielzahl von handwerklichen Aufgaben und zu l\u00f6senden Problemen mit sich:<br \/>\n1.\tDas im Labor entwickelte Rezeptur des Bindemittels mit allen Zus\u00e4tzen musste als Sonderanfertigung professionell von einem Bindemittelhersteller gemischt werden.<br \/>\n2.\tDie Masseangaben zu Anmachen des Bindemittels mit Zuschlagstoff und Wasser waren \u00fcber die zu pr\u00fcfende Sch\u00fcttdichte in baustellentaugliche Volumenanteile umzurechnen.<br \/>\n3.\tDas Mauerwerk musste f\u00fcr das Verputzen vorbereitet werden:<br \/>\n4.\tAustausch stark gesch\u00e4digter Ziegel<br \/>\n5.\tR\u00e4umen der Fugen bis mindestens 2 cm Tiefe bzw. soweit lose<br \/>\n6.\tNassreinigung des Mauerwerks von allen losen Teilen<br \/>\n7.\tKorrosionsschutz von Einbauteilen<br \/>\n8.\tintensives Vorn\u00e4ssen von Mauerwerk und Fugen unmittelbar vor dem Verfugen<br \/>\n9.\tDie Verfugung musste wegen der inhomogenen Mauerwerksoberfl\u00e4che als oberfl\u00e4chenb\u00fcndiger Fugenputz ausgef\u00fchrt werden, das hei\u00dft, es wurden mit dem Fugenm\u00f6rtel auch Unebenheiten\/Kantenabbr\u00fcche u.\u00e4. an den Ziegeln mit verfugt, um die Oberfl\u00e4che wenigstens ann\u00e4hernd zu egalisieren. Standzeit 1 bis 7 Tage, dabei war der Fugenputz feucht zu halten.<br \/>\n10.\tDer M\u00f6rtel musste mit einem R\u00fchrwerk nach einer vorgeschriebenen R\u00fchrtechnologie mit Standzeiten 5 Minuten angemacht werden.<br \/>\n11.\tAuftrag des Putzes erfolgte auf dem angefeuchteten bzw. vorgeschl\u00e4mmten Fugenputz mit der Klettscheibe in einer Schichtdicke von 0,8 bis 10 mm. Nach einer Antrocknungszeit von ca. 2 Stunden je nach Witterung und Exposition wurde der Putz ausschlie\u00dflich mit dem Reibebrett abgerieben und 7 Tage feucht gehalten.<br \/>\n12.\tDas Putzen an gro\u00dfen Fl\u00e4chen in der Praxis erforderte eine Modifikation des Bindemittel-Zuschlagstoff-Verh\u00e4ltnisses in 1:6,4, nach Volumenteilen: 1 Raumteil Bindemittel, 2,5 Raumteile Zuschlagstoff, 0,4 &#8211; 0,5 Raumteile Wasser<br \/>\n13.\tAn den bereits im Vorprojekt ausgew\u00e4hlten Achsen wurden Untersuchungen der Feuchte- und Salzbelastung vor und nach dem Verputzen durchgef\u00fchrt.<br \/>\n14.\tDer Verputz erfolgte in zwei Etappen von Fr\u00fchjahr bis Herbst 2000 und Fr\u00fchjahr bis Sommer 2001.<br \/>\n15.\tAls Anstrichsystem wurde Keim-Granital ausgew\u00e4hlt.<br \/>\nDas durchgef\u00fchrte Projekt zur modellhaften Anwendung eines d\u00fcnnschichtigen schadstoffresistenten Putzes zum Schutz von schadstoffbelastetem Ziegelmauerwerk ist am Beispiel der Parochialkirche Berlin sehr erfolgreich verlaufen. Der spezielle Putz an 11 Achsen des Kirchenschiffes erf\u00fcllt die Forderungen aller Beteiligten, wie nat\u00fcrliches Aussehen, d\u00fcnnschichtiger Auftrag mit Erkennbarkeit der barocken Strukturen, g\u00fcnstige Porenverteilung zur schadensfreien Aufnahme von Salzbelastung. In seiner bisheri-gen Standzeit (22 bzw. 10 Monate) blieb der Putz schadensfrei und sieht sehr \u00e4sthetisch aus. Nachweislich diffundieren die im Ziegelmauerwerk angereicherten Salze in den Putz, ohne das Hohllagen, Fleckenbildung, Salzausbl\u00fchungen, Absandungen oder Risse festgestellt wurden.<br \/>\nF\u00fcr die Sanierung denkmalgesch\u00fctzter Geb\u00e4ude, deren Mauerwerk nach Sanierungsstau einer langen Periode starken Umweltbelastungen ausgesetzt war, ist die M\u00f6rtelentwicklung und erfolgreiche Anwendung von gro\u00dfer Bedeutung. Der applizierte M\u00f6rtel stellt eine echte Alternative zur Anwendung von Sa-nierputzsystemen dar.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Pr\u00e4sentation als Poster auf der Tagung zum DBU-Modellprojekt des BLAD: Erforschung und Erhaltung historischer Putze und M\u00f6rtel im Hinblick auf Umweltsch\u00e4den<br \/>\nStudienobjekt zur Exkursion von Maurermeistern innerhalb ihrer Ausbildung zum Restaurator im Handwerk des Dt. Zentrums f\u00fcr Handwerk und Denkmalpflege Fulda<br \/>\n\u00d6ffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit der zuk\u00fcnftigen Markteinf\u00fchrung<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>F\u00fcr die Sanierung denkmalgesch\u00fctzter Geb\u00e4ude, deren Mauerwerk nach Sanierungsstau einer langen Periode starken Umweltbelastungen ausgesetzt war, ist die M\u00f6rtelentwicklung und erfolgreiche Anwendung von gro\u00dfer Bedeutung. Unter der Voraussetzung, dass ein Hersteller gefunden wird, der das Bindemittel konfektioniert als Sackware anbietet, stellt der applizierte M\u00f6rtel eine echte Alternative zur Anwendung von Sanierputzsystemen dar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Grundlage f\u00fcr das Projekt ist das Ergebnis eines Vorprojektes aus den Jahren 1996\/1997, bei dem ein Putzm\u00f6rtel f\u00fcr hochbelastetes weiches Ziegelmauerwerk entwickelt wurde. An den Fassaden der Parochialkirche wurden drei verschiedene, von der Universit\u00e4t Siegen entwickelte M\u00f6rtel im Vergleich mit einem handels\u00fcblichen Sanierputz erprobt. 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