{"id":20695,"date":"2024-11-27T10:34:39","date_gmt":"2024-11-27T09:34:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14103-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:42","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:42","slug":"14103-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14103-01\/","title":{"rendered":"Umweltentlastung durch die Entwicklung von Planungshilfen f\u00fcr Sand- und Kiesabbauvorhaben an der Weser und in Schleswig-Holstein"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Auf Grund mangelnder Kenntnisse \u00fcber die Entwicklung von Nassabgrabungsarealen stehen die vom Abbau der oberfl\u00e4chennahen Rohstoffe Kies und Sand betroffenen Regionen, Genehmigungsbeh\u00f6rden und Planungsb\u00fcros vor gro\u00dfen Problemen. Ziel des Projektes war es, Leitlinien, Planungs- und Entscheidungshilfen f\u00fcr die Vorbereitung von Nassabbauvorhaben an der Weser und in Schleswig-Holstein im Hinblick auf eine nachhaltige Erhaltung bzw. Entwicklung von landschaftstypischen Lebensraumqualit\u00e4ten f\u00fcr Pflanzen- und Tierlebensgemeinschaften zu entwickeln und dadurch einen Beitrag zur Umweltentlastung und zur Konfliktminimierung im Spannungsfeld Bodenabbau &#8211; Naturschutz &#8211; Grundwasserschutz zu leisten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem projektbegleitenden Untersuchungsprogramm wurden repr\u00e4sentativ ausgew\u00e4hlte Abbauareale unterschiedlichen Alters an der Ober- und Mittelweser sowie in Schleswig-Holstein gem\u00e4\u00df dem wissenschaftlichen Stand zur landschafts\u00f6kologischen Bestandsaufnahme biologisch, chemisch und hydrologisch untersucht, um repr\u00e4sentative Erkenntnisse zu den realisierbaren Entwicklungsm\u00f6glichkeiten von Abbauarealen im Rahmen einer nachhaltigen Landnutzung und landschaftstypischen Raumentwicklung zu erhalten. Parallel dazu erfolgten die Arbeiten in 3 Projektphasen:<br \/>\nPhase 1: Literaturstudien und Auswertung bisheriger Forschungsergebnisse.<br \/>\nPhase 2: Verifizierung der Erkenntnisse f\u00fcr den Betrachtungsraum und vergleichbare Regionen im norddeutschen Raum; Bestimmung der realisierbaren Lebensraumqualit\u00e4ten; Vergleich mit den Kenntnissen im Bereich nat\u00fcrlicher Flussauen; Effizienzkontrollen durchgef\u00fchrter Renaturierungsvorhaben.<br \/>\nPhase 3: Erarbeitung von Sukzessionsmodellen f\u00fcr die unterschiedlichen Lebensr\u00e4ume in Abbauarealen; Entwicklung von Planungshilfen f\u00fcr die Gestaltung und Nutzung von Abgrabungsarealen auf der Grundlage des nat\u00fcrlichen Besiedlungspotentials und unter Ber\u00fccksichtigung des Grundwasserschutzes.<br \/>\nMit Hilfe eines projektbegleitender Arbeitskreises aus Mitgliedern verschiedener, vom Abbau betroffener Institutionen werden die Ergebnisse sowohl in die Praxis eingef\u00fchrt als auch der Fachwelt und einer interessierten \u00d6ffentlichkeit bekannt gemacht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Themenkomplexes Vegetation zeigen, dass in Nassabbaustandorten oftmals f\u00fcr den Naturhaushalt hochwertige Biotoptypen und im R\u00fcckgang begriffene Pflanzengemeinschaften nachzuweisen sind. Aus den Ergebnissen wurden konkrete Planungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr die Gestaltung von Abbaust\u00e4tten abgeleitet, die zur F\u00f6rderung und Ansiedlung einer naturraumtypischen und standortgerechten Vegetation beitragen.<br \/>\nDie Ergebnisse des Themenkomplexes Fauna dokumentieren M\u00f6glichkeiten und Grenzen einer Besiedlung von Nassabgrabungsarealen der untersuchten Tierartengruppen (V\u00f6gel, Amphibien, Fische und Makrozoobenthos). Die gegenw\u00e4rtigen Lebensraumbedeutungen der Baggerseen f\u00fcr die Avifauna und deren Abh\u00e4ngigkeiten von verschiedenen Biotop-(Strukturen) konnten anhand verschiedener Vogelartengruppen aufgezeigt und Tendenzen beschrieben werden, die das Verhalten sowohl gew\u00e4ssergebundener als auch gew\u00e4sserunabh\u00e4ngiger Arten verdeutlichen. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Erkenntnisse bei zuk\u00fcnftigen Abbauplanungen kann gezielt die Ansiedlung bestimmter Vogelarten gef\u00f6rdert werden. F\u00fcr Amphibien sind neben der Biotopstruktur als grundlegender Parameter die Potentiale des jeweiligen Raumes zu ber\u00fccksichtigen, damit die Gestaltung von Amphibienlebensr\u00e4umen in Abbauarealen zur gew\u00fcnschten Ansiedlung f\u00fchren kann. F\u00fcr die Fischfauna k\u00f6nnen Baggerseen in Flussn\u00e4he zwar nat\u00fcrliche Auengew\u00e4sser nicht ersetzen (vor allem im Hinblick auf das Vegetationsaufkommen), aber sie k\u00f6nnen diese Funktion teilweise \u00fcbernehmen, indem sie als Abwachsst\u00e4tte und Nahrungshabitat der Jungfische in der sommerlichen Hauptwachstumsphase sowie als Laichhabitat vieler eurytoper Fischarten dienen. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen flussangebundenen und nicht angebundenen Baggerseen. Diese werden auch in den Ergebnissen der Planktonuntersuchungen doku-mentiert: Der Einfluss der Fischfauna auf die Planktonbioz\u00f6nose ist in flussangebundenen Baggerseen nicht so stark ausgepr\u00e4gt wie in nicht angebundenen Gew\u00e4ssern. Es wurde dar\u00fcber hinaus festgestellt, dass in den flussangebundenen und in Abbau befindlichen Gew\u00e4ssern das Planktonwachstum nicht von essentiellen Pflanzenn\u00e4hrstoffen limitiert wird, sondern durch die Ressource Licht.<br \/>\nZum Themenkomplex Wasserdynamik ergab das Projekt, dass eine gezielte, planerisch vorbereitete Einbindung k\u00fcnftiger Baggerseen in die \u00f6rtliche Wasserdynamik und die dadurch bedingte Stoffverbreitung durchaus wesentlichen Einfluss auf die Umweltwirkung und die Entwicklung der Lebensraumqualit\u00e4ten in den Baggerseen haben kann. Grundwasser-Neubildungsraten in den Wassereinzugsgebieten der Baggerseen in Verbindung mit den meist trophiebestimmenden Phosphatfrachten des Grundwasserstroms liefern Hinweise darauf, zu welchen Trophiestufen sich die Seen k\u00fcnftig wahrscheinlich entwickeln werden. Die Seebeobachtungen dokumentieren, dass der einsetzende Grundwasserdurchstrom w\u00e4hrend der weiteren Seeentwicklung zumindest in nachweisbarem Umfang dauerhaft erhalten bleibt und somit die Lebensraumqualit\u00e4ten in den Seen stetig mit pr\u00e4gt. In Zusammenhang mit den Grundwasserstr\u00f6men und deren Geschwindigkeiten konnte au\u00dferdem ein planungsrelevanter Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr die Reduktion der beeintr\u00e4chtigenden Wirkungen des Baggerbetriebs auf die Bioz\u00f6nosen-Entwicklung in den Baggerseen im Ansatz erarbeitet werden. Auch die gezielte Ber\u00fccksichtigung der \u00f6rtlich vorhandenen Stoffhaushalte in der morphometrischen Vorbereitung von Abbauvorhaben kann wesentlichen Einfluss auf die k\u00fcnftigen Umweltwirkungen und Lebensraumqualit\u00e4ten in den Seen nehmen. Der zentrale, sich in den Baggerseen einstellende Sauerstoffhaushalt wird sowohl durch die Grundwassereinstr\u00f6me als auch durch gr\u00f6\u00dfere Seetiefen und damit einhergehende Sauerstoffreservoirs aus den Zirkulationsphasen gepr\u00e4gt. Zum Stickstoff-Haushalt konnte best\u00e4tigt werden, dass Baggerseen vielfach zu einem Abbau von Nitrat im Wasserdurchstrom f\u00fchren &#8211; ein Aspekt, der f\u00fcr Trinkwasserqualit\u00e4ten des Grundwassers von Relevanz ist. Besondere Vorsicht ist jedoch bei Nitrateintr\u00e4gen geboten, die \u00fcber Flie\u00dfgew\u00e4sser st\u00e4ndig oder fast j\u00e4hrlich in Baggerseen eingetragen werden &#8211; beispielsweise \u00fcber k\u00fcnstliche Flutungsrinnen zur Hochwasserretention. Sie k\u00f6nnen auf Dauer zu sehr starken Beeintr\u00e4chtigungen der Lebensraumqualit\u00e4ten in den Seen f\u00fchren.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die erarbeiteten Ergebnisse wurden w\u00e4hrend und nach Abschluss des Projektes durch einen projektbegleitenden Arbeitskreis den vom Abbau betroffenen Institutionen, der Fachwelt und der \u00d6ffentlichkeit bekannt gemacht. Dar\u00fcber hinaus wurden mehrere Vortr\u00e4ge auf Fachtagungen gehalten, Teilbereiche der Ergebnisse in Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht sowie eine eigens f\u00fcr das Projekt organisierte Fachtagung mit Exkursionen zu zwei Untersuchungsgebieten durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die in dem Projekt erzielten Ergebnisse zeigen, wie die g\u00e4ngige Planungspraxis von Kies- und Sandabbauarealen unter Ber\u00fccksichtigung der naturr\u00e4umlichen Potentiale deutlich optimiert werden kann, um positive Auswirkungen auf den Naturhaushalt zu f\u00f6rdern und negative Beeintr\u00e4chtigungen zu verringern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Auf Grund mangelnder Kenntnisse \u00fcber die Entwicklung von Nassabgrabungsarealen stehen die vom Abbau der oberfl\u00e4chennahen Rohstoffe Kies und Sand betroffenen Regionen, Genehmigungsbeh\u00f6rden und Planungsb\u00fcros vor gro\u00dfen Problemen. 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