{"id":20687,"date":"2023-07-13T15:16:35","date_gmt":"2023-07-13T13:16:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/14061-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:16:38","modified_gmt":"2023-07-13T13:16:38","slug":"14061-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/14061-01\/","title":{"rendered":"Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an verputztem Mischmauerwerk erzgebirgischer Kirchen am Beispiel der St. Nicolaikirche in Gr\u00fcnhain (Sachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In einer modellhaften Fallstudie zur Instandsetzung erzgebirgstypischer umweltbelasteter Geb\u00e4ude sollen Alternativvarianten diskutiert werden, so dass ein Katalog von \u0082Standardvarianten zur Verf\u00fcgung steht. Beispielhaft werden an der St. Nicolaikirche Gr\u00fcnhain Untersuchungen zur Salzbelastung und zur Feuchtigkeit im Putz- und Mauerbereich durch die TU Bergakademie Freiberg durchgef\u00fchrt. In Zusammenarbeit mit dem Institut f\u00fcr Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e. V. und dem Landesamt f\u00fcr Denkmalspflege Sachsen werden danach Testfl\u00e4chen im Innen- und Au\u00dfenbereich der Kirche angebracht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem ersten Arbeitsschritt werden Bohrungen an besonders festgelegten Stellen des Mauerwerkes und die Entnahme von Putz durch die TU Bergakademie Freiberg durchgef\u00fchrt, um zu entsprechenden Profilen der Salzbelastung und der Feuchtigkeit im Mauerwerk zu gelangen. Dazu sind auch Tiefenbohrungen erforderlich, um den Grundwasserpegel zu ermitteln. Die ermittelten Werte werden in einem weiteren Schritt mit dem o. g. Institut f\u00fcr Diagnosik&#8230; beurteilt und M\u00f6glichkeiten zur Sanierung der Kirche diskutiert. Dabei sollen die gedanklichen Ans\u00e4tze nicht von vornherein nur auf Sanierputz reduziert werden, sondern auch andere Ma\u00dfnahmen (z. B. Isolierungen im Vertikal- oder Horizontalbereich, Entw\u00e4sserungen, Entsalzungen, Opferputze usw.) diskutiert und in einem Standardkatalog zur Verf\u00fcgung gestellt werden. In einem dritten Schritt werden gro\u00dffl\u00e4chige Testbeispiele im Au\u00dfen- und Innenbereich der Kirche angebracht, die l\u00e4ngerfristig durch die TU Bergakademie Freiberg und das Institut f\u00fcr Diagnostik&#8230; begleitet werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Durch die TU Bergakademie Freiberg wurden chemische und mineralogische Untersuchungen am Mauerwerk durchgef\u00fchrt und die Gr\u00fcndungssituation erkundet. Mit 5 Bohrungen wurde in Abh\u00e4ngigkeit von der  Mauerh\u00f6he des Kirchenschiffes der Maueraufbau ermittelt. Anhand des Bohrgutes ergab sich, dass der untere Teil der Wand (bis ca. 3 m H\u00f6he) eine zweischalige Konstruktion aufweist. Der Raum zwischen den beiden Schalen des Mauerwerks ist mit Lehm und Mauerwerksbruchst\u00fccken ausgef\u00fcllt. Durch die Untersuchung der Bohrkerne war eine Kartierung der Feuchteverteilung im Wandquerschnitt m\u00f6glich. Die h\u00f6chste Feuchtekonzentration ergab sich  an der Innenseite bis etwa zu einer H\u00f6he von 1 m mit 14,00-16,00 Masse-%,  die zum ausgef\u00fcllten Zwischenraum zwischen den beiden Mauerwerksschalen abnahm. In Richtung der Mauerwerksh\u00f6he verringerte sich die Feuchtekonzentration ab ca. 4,2 m auf 2 Masse-%. Die Ursache f\u00fcr das aufsteigende Wasser ist Schichtenwasser, welches in Bodenschichten des Baugrundes flie\u00dft. Durch einen Schurf an der Grundmauer der Kirche und durch Bohrungen im Kirchenraum konnte der Wassereintrag in das Mauerwerk der Fundamente nachgewiesen werden. Regelm\u00e4\u00dfige Messungen, des im Jahresverlauf sich \u00e4ndernden Grundwasserpegels, belegten dies ebenfalls. Auf der Grundlage der aussagef\u00e4higen Voruntersuchungen (Gutachterliche Stellungnahme der TU Bergakademie Freiberg zur hydrologischen Situation und Gr\u00fcndung der Kirche) war es erforderlich, dass  der Feuchtenachschub aus dem Baugrund reduziert werden musste. Dies erfolgte durch die  Installation einer Drainage  am Fu\u00df der Grundmauer und durch die Vertikalabdichtung des Fundamentes.<br \/>\nDurch die Untersuchung der schon erw\u00e4hnten Bohrkerne konnte aber auch der Schadstoffeintrag, der zu teilweiser hoher Salzbelastung des Mauerwerks f\u00fchrte, nachgewiesen und analysiert werden. Die Untersuchungen zeigten, dass die Isotopenzusammensetzung der Schwefelverbindungen im Bauwerk und die Sulfationen im Grundwasser beweisen, dass im Erzgebirge noch eine lange Zeit mit einem erh\u00f6hten Schadstoffpotential, von aus dem Baugrund aufsteigender Feuchtigkeit, gerechnet werden muss. Obwohl mit der politischen Wende auch eine \u00f6kologische Wende im Erzgebirge einherging, ist dieser festgestellte Sachverhalt f\u00fcr die Sanierungen auch weiterhin unbedingt zu beachten.<br \/>\nDer erh\u00f6ht mit Salzen belastete Putz der Fassade und im Innenbereich wurde gro\u00dffl\u00e4chig abgeschlagen, die Fugen ausger\u00e4umt und ein Spezialputz aufgetragen, der ein ausreichendes Widerstandsverm\u00f6gen gegen\u00fcber eventuell weiteren Salzaktivit\u00e4ten besitzt. Nach ausreichender Erh\u00e4rtung des Putzes erfolgte ein hydrophob eingestellter silikatischer Farbanstrich. Der Putz- und Anstrichaufbau wurde im Zusammenwirken mit dem Institut f\u00fcr Diagnostik&#8230;.. erarbeitet.<br \/>\nDie im Innern der Kirche angelegten Fl\u00e4chen mit Probeputz wurden belassen und in die Restaurierung mit einbezogen. Damit besteht weiterhin die M\u00f6glichkeit von Kontrollbohrungen zur Einsch\u00e4tzung der Wirksamkeit der durchgef\u00fchrten Sanierungsma\u00dfnahme, ohne die neuen Putzfl\u00e4chen zu besch\u00e4digen. Ebenso wurden  die Bohrungen, die zur Entnahme der Bohrkerne dienten, nach innen so verschlossen, dass erforderliche Kontrollmessungen ebenfalls m\u00f6glich sind. Zur Kontrolle des Grundwasserpegels werden monatlich Messungen vorgenommen,  die besonders bei extremen Witterungsbedingungen die Aussagen \u00fcber das Schichtenwasser erh\u00e4rten. Nur durch l\u00e4ngerfristige Beobachtungen lassen sich Aussagen gewinnen, die eine Bewertung der eingeleiteten Ma\u00dfnahmen erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>TU Bergakademie Freiberg:<br \/>\n&#8211; Bericht: Gutachterliche Stellungnahme zu Gr\u00fcndungssituation sowie bauwerksdiagnostische Untersuchungen am Mauerwerk der Nicolaikirche in Gr\u00fcnhain<br \/>\n&#8211; Stellungnahme: Gutachterliche Stellungnahme zur hydrologischen Situation und Gr\u00fcndung der St. Nicolai Kirche in Gr\u00fcnhain<br \/>\nInstitut f\u00fcr Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V.<br \/>\n&#8211; Beseitigung von Feuchte- und Salzsch\u00e4den an verputztem Mischmauerwerk erzgebirgischer Kirchen, Ma\u00dfnahmekatalog<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die in der Vergangenheit vorhandenen hohen Schadstoffbelastungen aus der Industrie (auch grenz\u00fcberschreitend ) und durch Heizungsanlagen hat zu gro\u00dfen Sch\u00e4den am Bruchsteinmauerwerk gef\u00fchrt. Obwohl die Luftverschmutzung im Erzgebirge  seit 1990 durch verschiedene Ma\u00dfnahmen wesentlich reduziert worden ist, muss noch lange Zeit mit einem erh\u00f6hten Schadenspotential gerechnet werden. Durch kontaminiertes Wasser gelangten Schadstoffe in den Boden, die \u00fcber Jahrzehnte hinweg dort deponiert wurden. Da die Prozesse der Sanierung von Sch\u00e4den durch Salze und aufsteigender Feuchtigkeit sehr langsam verlaufen, ist eine l\u00e4ngerfristige Beobachtung unbedingt erforderlich. Nur dadurch lassen sich die eingeleiteten Ma\u00dfnahmen  sachgerecht beurteilen und bewerten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In einer modellhaften Fallstudie zur Instandsetzung erzgebirgstypischer umweltbelasteter Geb\u00e4ude sollen Alternativvarianten diskutiert werden, so dass ein Katalog von \u0082Standardvarianten zur Verf\u00fcgung steht. 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