{"id":20632,"date":"2023-07-13T15:16:28","date_gmt":"2023-07-13T13:16:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/13890-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:16:31","modified_gmt":"2023-07-13T13:16:31","slug":"13890-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/13890-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben zur Konservierung stark salzbelasteter Partien der umweltgesch\u00e4digten mittelalterlichen Stadtmauer in N\u00fcrnberg (Bayern)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass des Vorhabens war die Erhaltung der durch Kriegssch\u00e4den, Verwitterungsvorg\u00e4nge und Umweltbelastungen stark gef\u00e4hrdeten Bausubstanz der mittelalterlichen Wallmauer. Die Quader waren extrem versalzt, durchfeuchtet und stark zur\u00fcckverwittert. Das Absanden und der Materialverlust waren bereichsweise so intensiv, dass die Tragf\u00e4higkeit des Mauerwerks gef\u00e4hrdet war.<br \/>\nDas Ziel war die originale Bausubstanz durch Behandlung mit neuen Konservierungsmethoden in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen zu restaurieren und zu erhalten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZwei Schwerpunkte wurden verfolgt:<br \/>\nErkennen und Beheben der Schadensursachen (Salzreduzierung, Beheben der baulichen M\u00e4ngel, statische Sicherung)<br \/>\nSteinkonservierung (Festigung, zur\u00fcckhaltende und auf das unbedingte, aus statischen Gr\u00fcnden notwendige Ma\u00df beschr\u00e4nkte Rekonstruktionen)<br \/>\nDas Konzept sah nach Reinigung und Krustend\u00fcnnung eine Festigung und Restaurierung auf Kiesels\u00e4ureesterbasis vor. Der Kiesels\u00e4ureester (KSE) wurde elastifiziert und speziell auf die Gesteinsvariet\u00e4ten des N\u00fcrnberger Burgsandsteins abgestimmt. Quader mit bedeutenden bauhistorischen Befunden wurden gesichert und mit besonderer Sorgfalt restauriert. Kleine Erg\u00e4nzungen, wie das Hinterf\u00fcllen und Sichern von Schuppen und Schalen wurden im KSE-Verbundsystem behandelt. Gr\u00f6\u00dfere Erg\u00e4nzungen und Antragungen wurden mit mineralischem Erg\u00e4nzungsm\u00f6rtel ausgef\u00fchrt. F\u00fcr die Neuverfugung kam ein, den Steinkennwerten entsprechender, Kalkhydrat-Trasskalkm\u00f6rtel zu Anwendung.<br \/>\nDurch dieses Verfahren konnte der Einsatz von Neuteilen auf ein Minimum reduziert werden, was spe-ziell f\u00fcr die Region von Bedeutung ist, weil der N\u00fcrnberger Burgsandstein nicht mehr abgebaut wird.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das L\u00f6sungskonzept sah zun\u00e4chst eine Konservierung ohne Salzminderung vor, weil dies zum Antragszeitpunkt noch nicht wirtschaftlich durchf\u00fchrbar erschien. Wegen der hohen hygroskopischen Wirkung der Salze und der damit verbundenen S\u00e4ttigung des Porenraumes der Quader wurden jedoch Methoden zur Salzminderung mit untersucht. Eine Konservierung mit fl\u00fcssigen Tr\u00e4nkungsstoffen ist umso wirksamer, je gr\u00f6\u00dfer der freie Porenraum des Steins ist. Erste Versuche im Labor zeigten gute Ergebnisse (Reduzierung der Gesamtmengen an l\u00f6slichen Salzen auf 30 &#8211; 50 % ihres Ausgangswertes).<br \/>\nDie bei den manuell angebrachten Bemusterungen bew\u00e4hrte Kompressenrezeptur lie\u00df sich vor Ort zun\u00e4chst nicht mittels Putzmaschine applizieren. Neben der Maschineng\u00e4ngigkeit gestaltete sich vor allem die substanzschonende Abnahme als schwierig. Trotz einer Zwischenlage aus reiner Cellulose ab dem 2. Zyklus erwies sich die Abnahme an fragilen Oberfl\u00e4chen als kritisch. Hier bleibt eine intensive Vorsi-cherung unverzichtbar. Ein geringer Substanzverlust an bereits r\u00fcckverwitterten Oberfl\u00e4chen wurde ak-zeptiert. Die vorgeschaltete Salzminderung stellt sich f\u00fcr eine erfolgreiche Konservierung als unverzichtbar heraus.<br \/>\nDie durchgef\u00fchrten oberfl\u00e4chenkonservierenden Ma\u00dfnahmen lassen sich nach Abschluss des zweiten Bearbeitungsabschnittes positiv bewerten.<br \/>\nVereinzelt wurden im ersten Abschnitt erneut Absandungen an bereits konservierten Steinen festgestellt. Die Ursachen wurden mittels Bohrh\u00e4rte und quantitativer Salzanalyse untersucht. W\u00e4hrend sich in den meisten F\u00e4llen die Entfestigung auf die unmittelbare Oberfl\u00e4che beschr\u00e4nkt, zeigen sehr wenige Quader eine Sch\u00e4digung auch in gr\u00f6\u00dferer Tiefe, die sowohl mit schlechter Materialqualit\u00e4t (heller, feink\u00f6rniger Sandstein) als auch mit erh\u00f6hter Salzlast in Zusammenhang steht. Dieser Befund trifft vor allem auf die unteren, stra\u00dfennahen Bereiche zu, die eine starke Belastung durch Tausalze aufwiesen. Die Restmengen k\u00f6nnen nur durch weitere Entsalzungszyklen minimiert werden, zudem wird empfohlen partiell nachzufestigen.<br \/>\nMit dem Modellprojekt sind Methoden und Materialien erprobt, weiterentwickelt und praxisbezogen umgesetzt worden. Vor allem die Rezeptur einer putzmaschineng\u00e4ngigen hochwirksamen Kompresse wird f\u00fcr weitere Objekte Kostenersparnis, eine hohe Effizienz und vor allem die M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Einsatz konservierender Materialien bei stark salzbelasteten Untergr\u00fcnden erbringen. Die H\u00f6heren Kosten der Salzminderung wurden durch Einsparungen bei Neuteilen kompensiert.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>F\u00fcr die Verbreitung der mit diesem Modellprojekt gewonnenen Erkenntnisse, Fertigkeiten und Materialentwicklungen wurden im April 2004 zwei Seminare in Theorie und Praxis f\u00fcr Restaurierungsfirmen, Architekten und Denkmalpfleger durchgef\u00fchrt.<br \/>\nAnhand des Fallbeispiels Maxtormauer wurde ein WTA-Merkblatt Zerst\u00f6rungsfreies Entsalzen von Naturstein und anderen por\u00f6sen Baustoffen mittels Kompressen ver\u00f6ffentlicht (E. Wendler 2003).<br \/>\nDer Bericht wird auf der Internetseite des Hornemann-Instituts (www.hericare.de) und des Fraunhofer Informationszentrums Raum und Bau IRB (www.irbdirekt.de) ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Bearbeitungszeitraum sollte bei gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfnahmen auf zwei Jahre verl\u00e4ngert werden. Da die Kompressenentsalzung mit langen Wartezeiten (3 &#8211; 4 Wochen pro Zyklus) verbunden ist, wurden die eigentlichen Restaurierungsarbeiten weit in den Herbst verschoben. Dies hatte zur Folge, dass frostempfindliche Materialien (z. B. Kalkhydrat bzw. Sumpfkalk) nur noch bedingt eingesetzt werden konnten. Bei starker Durchfeuchtung sollte die Einr\u00fcstung mit Einhausung ein Jahr vor der Festigungsma\u00dfnahme erfolgen.<br \/>\nF\u00fcr die Nachhaltigkeit der Ma\u00dfnahme ist es wichtig, kritische Bereiche fr\u00fchzeitig zu erkennen und im Einzelfall nachzubehandeln. Dies soll mit regelm\u00e4\u00dfiger Wartung erreicht werden.<br \/>\nDa die hohen Materialkosten f\u00fcr Neuteile eingespart wurden, ist die Ma\u00dfnahme nicht nur besonders denkmalgerecht, sondern auch als wirtschaftlich einzustufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass des Vorhabens war die Erhaltung der durch Kriegssch\u00e4den, Verwitterungsvorg\u00e4nge und Umweltbelastungen stark gef\u00e4hrdeten Bausubstanz der mittelalterlichen Wallmauer. Die Quader waren extrem versalzt, durchfeuchtet und stark zur\u00fcckverwittert. Das Absanden und der Materialverlust waren bereichsweise so intensiv, dass die Tragf\u00e4higkeit des Mauerwerks gef\u00e4hrdet war. 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